Urlaub in der Pandemie: Was Reisende 2021 beachten sollten Matthias Bungeroth Gütersloh/Löhne (nw). Vorfreude ist die schönste Freude. Dies gilt insbesondere für die Planung des Urlaubs. Doch in diesen Tagen, da überall in erster Linie von Inzidenzen und Impfkampagnen die Rede ist, verursacht der Gedanke an einen Urlaub im Jahr 2021 nicht selten Kopfschmerzen. Dabei ist eines zweifellos da: die Reiselust. „Die Leute wollen unbedingt reisen", sagt Jörg Ernstmeier, Inhaber des gleichnamigen Reisebüros in Löhne. Doch eines fehlt bei vielen Reisewilligen, wie Ernstmeier sagt: „die Planungssicherheit". Doch Ostern rückt näher, und so steht der Urlaub 2021 oben auf der Tagesordnung. Julian Lambracht, Experte bei der Verbraucherberatungsstelle in Gütersloh, gibt im Gespräch mit nw.de einige Ratschläge, die wichtig sind. Die Stichworte: Pauschalreise„Momentan gilt der Appell, die persönliche Mobilität weitgehend einzuschränken", sagt Lambracht. Doch wer über die Buchung einer Reise grundsätzlich nachdenke, müssen wissen: „Die Pauschalreise ist gesetzlich immer besser abgesichert als die Individualreise." So gebe es bei dieser Reiseform die Möglichkeit einer kostenlosen Stornierung, etwa bei Zielländern, für die eine Reisewarnung vorliegt, ein Einreiseverbot besteht oder für die zwingend Quarantäne vorgeschrieben wird. StornogebührenWer in diesen Tagen Individualreisen bucht und diese stornieren will, muss in jedem Fall mit Gebühren rechnen – ein gesetzliches, kostenfreies Rücktrittsrecht gibt es in diesem Fall nicht. Lambracht: „Viele Anbieter sind kulant und sagen, der Kunde kann kostenfrei bis sechs Tage vor dem Reiseantritt stornieren." Doch die Erfahrungen des vergangenen Jahres hätten gezeigt, dass es schwierig werden könne, wenn schon Geld geflossen sei. „Die Vorkasse hat zu Problemen geführt, weil das Geld schon beim Anbieter der Reise war." Doch Rückabwicklungen seien oft schwierig. VertragspartnerNicht selten stellt sich die Frage, ob man eine Reise über einen Vermittler wie etwa eine Internetplattform bucht oder direkt beim Reiseveranstalter. Dazu sagt Lambracht: „Die Buchung direkt beim Veranstalter ist die rechtlich klarere Variante." Zwar kommt auch bei der Vermittlung der eigentliche Reisevertrag mit dem Veranstalter zustande, „der Vermittler leitet das Geld nur weiter". Das vertragliche „Dreiecksverhältnis" hat in den vergangenen Monaten in dem Fall, dass man von der Reise zurücktreten wolle, aber vermehrt zu Problemen geführt. „Es gelten immer die bei Vertragsschluss vereinbarten Stornierungsbedingungen." Ferienhäuser„Innerdeutsch sehe ich wenig Probleme auf die Urlauber zukommen – so denn das Reisen und das Beherbergen von Gästen wieder möglich ist", sagt Lambracht. Wer aber zum Beispiel ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung buchen wolle, könne Probleme bekommen, wenn es am Zielort plötzlich Corona-Beschränkungen gebe und die Buchung storniert werden solle. Denn die Anbieter solcher Objekte seien nicht grundsätzlich verpflichtet, Geld zurückzuzahlen. „Es gibt viele, die schon mit einer Staffelung von 50 Prozent ab dem Zeitpunkt der Buchung anfangen." Darüber hätten sich schon viele Verbraucher gewundert, warnt Lambracht. Sein Rat, der für alle Buchungen aktuell ganz besonders gelte: „Zeit nehmen und sich die klein gedruckten Bedingungen ansehen." GutscheineWer vor dem 8. März 2020 eine Reise gebucht, wegen des Corona-Lockdowns wieder storniert und dafür vom Veranstalter einen Reisegutschein erhalten hat, ist rechtlich abgesichert. „Die Gutscheine können dieses Jahr für Buchungen eingesetzt werden", sagt Lambracht. Nach dem 31. 12. dieses Jahres könne die Auszahlung des Gegenwerts beantragt werden. Für alle anderen Gutscheine „gilt die normale Verjährungsfrist von drei Jahren". Damit könne man immer noch „sehr beruhigt" sein. „Es sei denn, der Reiseveranstalter geht in die Insolvenz." Allgemeiner RatLambracht rät, sich vor einer Buchung über die Corona-Lage im Zielland der vergangenen zwölf Monate zu informieren. Strittig sei, ob man sich bei einer Buchung aktuell auf außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände berufen und kostenlos stornieren könne. Die Verbraucherzentrale sei dieser Meinung, aber: „Es ist und bleibt eine unsichere Lage."

Urlaub in der Pandemie: Was Reisende 2021 beachten sollten

Erholsam: Ein Spaziergang an der See, wie hier am Brodtener Steilufer in der Lübecker Bucht. Die Planung des Urlaubs 2021 ist durch Corona schwierig. © picture alliance

Gütersloh/Löhne (nw). Vorfreude ist die schönste Freude. Dies gilt insbesondere für die Planung des Urlaubs. Doch in diesen Tagen, da überall in erster Linie von Inzidenzen und Impfkampagnen die Rede ist, verursacht der Gedanke an einen Urlaub im Jahr 2021 nicht selten Kopfschmerzen. Dabei ist eines zweifellos da: die Reiselust.

„Die Leute wollen unbedingt reisen", sagt Jörg Ernstmeier, Inhaber des gleichnamigen Reisebüros in Löhne. Doch eines fehlt bei vielen Reisewilligen, wie Ernstmeier sagt: „die Planungssicherheit". Doch Ostern rückt näher, und so steht der Urlaub 2021 oben auf der Tagesordnung. Julian Lambracht, Experte bei der Verbraucherberatungsstelle in Gütersloh, gibt im Gespräch mit nw.de einige Ratschläge, die wichtig sind. Die Stichworte:

Pauschalreise
„Momentan gilt der Appell, die persönliche Mobilität weitgehend einzuschränken", sagt Lambracht. Doch wer über die Buchung einer Reise grundsätzlich nachdenke, müssen wissen: „Die Pauschalreise ist gesetzlich immer besser abgesichert als die Individualreise." So gebe es bei dieser Reiseform die Möglichkeit einer kostenlosen Stornierung, etwa bei Zielländern, für die eine Reisewarnung vorliegt, ein Einreiseverbot besteht oder für die zwingend Quarantäne vorgeschrieben wird.

Stornogebühren
Wer in diesen Tagen Individualreisen bucht und diese stornieren will, muss in jedem Fall mit Gebühren rechnen – ein gesetzliches, kostenfreies Rücktrittsrecht gibt es in diesem Fall nicht. Lambracht: „Viele Anbieter sind kulant und sagen, der Kunde kann kostenfrei bis sechs Tage vor dem Reiseantritt stornieren." Doch die Erfahrungen des vergangenen Jahres hätten gezeigt, dass es schwierig werden könne, wenn schon Geld geflossen sei. „Die Vorkasse hat zu Problemen geführt, weil das Geld schon beim Anbieter der Reise war." Doch Rückabwicklungen seien oft schwierig.

Vertragspartner
Nicht selten stellt sich die Frage, ob man eine Reise über einen Vermittler wie etwa eine Internetplattform bucht oder direkt beim Reiseveranstalter. Dazu sagt Lambracht: „Die Buchung direkt beim Veranstalter ist die rechtlich klarere Variante." Zwar kommt auch bei der Vermittlung der eigentliche Reisevertrag mit dem Veranstalter zustande, „der Vermittler leitet das Geld nur weiter". Das vertragliche „Dreiecksverhältnis" hat in den vergangenen Monaten in dem Fall, dass man von der Reise zurücktreten wolle, aber vermehrt zu Problemen geführt. „Es gelten immer die bei Vertragsschluss vereinbarten Stornierungsbedingungen."

Ferienhäuser
„Innerdeutsch sehe ich wenig Probleme auf die Urlauber zukommen – so denn das Reisen und das Beherbergen von Gästen wieder möglich ist", sagt Lambracht. Wer aber zum Beispiel ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung buchen wolle, könne Probleme bekommen, wenn es am Zielort plötzlich Corona-Beschränkungen gebe und die Buchung storniert werden solle. Denn die Anbieter solcher Objekte seien nicht grundsätzlich verpflichtet, Geld zurückzuzahlen. „Es gibt viele, die schon mit einer Staffelung von 50 Prozent ab dem Zeitpunkt der Buchung anfangen." Darüber hätten sich schon viele Verbraucher gewundert, warnt Lambracht. Sein Rat, der für alle Buchungen aktuell ganz besonders gelte: „Zeit nehmen und sich die klein gedruckten Bedingungen ansehen."

Gutscheine
Wer vor dem 8. März 2020 eine Reise gebucht, wegen des Corona-Lockdowns wieder storniert und dafür vom Veranstalter einen Reisegutschein erhalten hat, ist rechtlich abgesichert. „Die Gutscheine können dieses Jahr für Buchungen eingesetzt werden", sagt Lambracht. Nach dem 31. 12. dieses Jahres könne die Auszahlung des Gegenwerts beantragt werden. Für alle anderen Gutscheine „gilt die normale Verjährungsfrist von drei Jahren". Damit könne man immer noch „sehr beruhigt" sein. „Es sei denn, der Reiseveranstalter geht in die Insolvenz."

Allgemeiner Rat
Lambracht rät, sich vor einer Buchung über die Corona-Lage im Zielland der vergangenen zwölf Monate zu informieren. Strittig sei, ob man sich bei einer Buchung aktuell auf außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände berufen und kostenlos stornieren könne. Die Verbraucherzentrale sei dieser Meinung, aber: „Es ist und bleibt eine unsichere Lage."

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