Unternehmer aus dem Lübbecker Land begrüßen Biden-Wahl Karsten Schulz,Kirsten Tirre,Frank Hartmann Lübbecker Land (nw). Nachdem klar ist, dass Demokrat Joe Biden die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat, äußert Karl-Ernst Hunting, Leiter der Mindener Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer (IHK), sich optimistisch zu den Auswirkungen auf die Wirtschaft im Mühlenkreis: „Wir hoffen, dass unsere Unternehmen jetzt ein Stück mehr Sicherheit in den Außenhandelsbeziehungen mit den USA erhalten.“ Investitionen in den USA und der Ausbau des Handels setzten eine berechenbare Wirtschaftspolitik und berechenbare Standortbedingungen voraus. „Das war bisher beispielsweise mit realisierten und angedrohten Einfuhr-Hürden und der America-first-Politik nur bedingt gegeben“, sagt Hunting. Für wichtig hält der Wirtschaftsvertreter auch eine konsequentere Bekämpfung der Corona-Pandemie in den USA, „damit dorthin bald wieder Geschäftsreisen unserer Minden-Lübbecker Unternehmen im bisherigen Umfang möglich sind.“ Mit der anstehenden Präsidentschaft von Joe Biden verbänden die heimischen Unternehmen zwar nicht unbedingt beigelegte, aber vielleicht doch abnehmende Konflikte im Handel zwischen den USA und anderen Ländern der Welt. Die bisherigen Zollstreitigkeiten zwischen den USA und vor allem China hätten indirekt über teilweise geänderte Welthandelsströme auch negative Auswirkungen auf die hiesigen Unternehmen gehabt, sagt Hunting und verdeutlicht dies anhand einiger Zahlen. Demnach sind etwa 350 ostwestfälische Unternehmen in den USA tätig, davon etwa 100 mit einer eigenen Niederlassung. In Minden-Lübbecke unterhielten 50 Unternehmen Geschäftsbeziehungen in die USA, 14 seien dort mit eigenen Niederlassungen vertreten. Nach IHK-Schätzungen hängen 20.000 bis 25.000 Arbeitsplätze in der Region OWL von den Geschäftsbeziehungen zu den USA ab. Darüber hinaus habe sich in den vergangenen zehn Jahren der US-Markt für ostwestfälische Unternehmen verdoppelt. Siegbert Wortmann, Firmenchef der Wortmann Unternehmensgruppe aus Hüllhorst, hatte einen persönlichen Favoriten: Joe Biden. Er habe sich gefreut, dass Biden gewonnen hat und denkt, dass es sich positiv auf die Beziehungen und den Umgangston zwischen Europa und den USA auswirken wird. Die Extrempositionen eines Donald Trump werde es unter dem neuen Präsidenten nicht geben. Auch mehr Verlässlichkeit gehe von Biden aus. „Donald Trump hat heute das eine gesagt und morgen das andere getwittert.“ Auf das Hüllhorster Unternehmen selbst hat der Wechsel keine Auswirkungen. Denn der Computerhersteller der Marke „Terra“ kauft zwar in den USA bei Microsoft oder auch Intel mit einem Volumen von 500 Millionen Euro ein, exportiert aber nicht. Dass sich der unter Trump eingeschlagene Wirtschaftskurs der USA oder die Klagen über die unfaire Lastenteilung in der NATO für die Verteidigung etwas ändern wird, glaubt Siegbert Wortmann nicht. Wohl aber, dass die USA nun wieder den internationalen Organisationen wie der WHO beitreten werden, aus denen sie sich verabschiedet haben und auch, dass sie den Klimaschutz wieder stärker in den Vordergrund stellen. Dass es Biden im Amt des US-Präsidenten schwer haben wird, glaubt Wortmann auch. Denn das Land sei gespalten. Natürlich hat auch Siegbert Wortmann den spannenden Wahlkrimi in den USA verfolgt und sich nicht zuletzt deswegen über den Sieg des Demokraten gefreut, weil er ihn auch menschlich gut findet. Biden habe mit dem frühen Tod seiner Frau und seiner Tochter durch einen Unfall 1972 und dann 2015 dem Tod seines ältesten Sohnes Beau durch einen Tumor schwere Schicksalsschläge einstecken müssen. Es sei menschlich vorbildlich, wie sich Biden um seine Familie gekümmert habe und dabei seinen beruflichen und politischen Weg gegangen sei. Nur eines werde er ein bisschen vermissen, sagt Siegbert Wortmann augenzwinkernd: Den hohen Unterhaltungswert von Donald Trump. Das Unternehmen Gauselmann ist zwar mit einem Entwicklungsstudio in Las Vegas vertreten, nach Angaben von Sprecher Mario Hoffmeister seit 2018 aber nicht mehr auf dem US-Markt aktiv. Dafür um so stärker in Südamerika, so Hoffmeister. Trotzdem hat Firmengründer Paul Gauselmann eine ganz klare Haltung zum Ausgang der Wahl: „Präsident Trump hat sich mit seinen unsäglichen Manieren zwar sehr tatkräftig für die USA eingesetzt und zum großen Teil auch mit wirtschaftlichem Erfolg. Aber sein Verhalten ist unerträglich, und darum sind fast alle in der Welt froh, dass dies jetzt ein Ende hat.“ Mit einem souveränen Präsidenten Biden und seiner Vize-Präsidentin Kamala Harris, die auf Paul Gauselmann beide sehr sympathisch und authentisch wirken, „habe ich die Hoffnung, dass sich auch das amerikanische Verhältnis zu Deutschland wieder normalisiert“. Vieles habe sich in den Vereinigten Staaten verändert, darauf weist Lars Steinkamp, Junior-Chef des heimischen Werkzeuge- und Formenbauers Steinkamp aus Espelkamp hin. Viele Jahrzehnte hatte das heimische Unternehmen eine Tochterfirma in den USA. So entstanden viele Freundschaften, die Firmengründer Ingolf Steinkamp auch durch zahlreiche Besuche in dem großen Land jenseits des Ozeans immer wieder vertiefte. Doch inzwischen haben sich die Geschäftsbeziehungen gelöst, die Tochter sei verkauft. „Seit Donald Trump hat es auch immer wieder Probleme mit den Zöllen gegeben“, so Lars Steinkamp. Wegen der guten Kontakte konnte man allerdings die Rezeptur des Espelkamper Pils, das „Steinpils“, vor fünf Jahren über den großen Teich nach Cincinnati in Ohio verkaufen. Doch auch das ist inzwischen Geschichte: „Wegen Corona hat das dortige Brauhaus, in dem das Steinpils ausgeschenkt wurde, dicht machen müssen. Aber das Rezept ist wieder verkauft worden und wird sicherlich bald woanders wieder zu neuen Ehren kommen – wenn sich die Lage in den USA wieder beruhigt hat“, sagt Lars Steinkamp.

Unternehmer aus dem Lübbecker Land begrüßen Biden-Wahl

Lars Steinkamp hofft, dass sich die Lage in den USA beruhigt. © Klaus Frensing

Lübbecker Land (nw). Nachdem klar ist, dass Demokrat Joe Biden die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat, äußert Karl-Ernst Hunting, Leiter der Mindener Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer (IHK), sich optimistisch zu den Auswirkungen auf die Wirtschaft im Mühlenkreis: „Wir hoffen, dass unsere Unternehmen jetzt ein Stück mehr Sicherheit in den Außenhandelsbeziehungen mit den USA erhalten.“ Investitionen in den USA und der Ausbau des Handels setzten eine berechenbare Wirtschaftspolitik und berechenbare Standortbedingungen voraus. „Das war bisher beispielsweise mit realisierten und angedrohten Einfuhr-Hürden und der America-first-Politik nur bedingt gegeben“, sagt Hunting. Für wichtig hält der Wirtschaftsvertreter auch eine konsequentere Bekämpfung der Corona-Pandemie in den USA, „damit dorthin bald wieder Geschäftsreisen unserer Minden-Lübbecker Unternehmen im bisherigen Umfang möglich sind.“

Mit der anstehenden Präsidentschaft von Joe Biden verbänden die heimischen Unternehmen zwar nicht unbedingt beigelegte, aber vielleicht doch abnehmende Konflikte im Handel zwischen den USA und anderen Ländern der Welt. Die bisherigen Zollstreitigkeiten zwischen den USA und vor allem China hätten indirekt über teilweise geänderte Welthandelsströme auch negative Auswirkungen auf die hiesigen Unternehmen gehabt, sagt Hunting und verdeutlicht dies anhand einiger Zahlen.

Karl-Ernst Hunting setzt künftig auf größere Berechenbarkeit. Fotos: nw - © Frank Hartmann
Karl-Ernst Hunting setzt künftig auf größere Berechenbarkeit. Fotos: nw - © Frank Hartmann

Demnach sind etwa 350 ostwestfälische Unternehmen in den USA tätig, davon etwa 100 mit einer eigenen Niederlassung. In Minden-Lübbecke unterhielten 50 Unternehmen Geschäftsbeziehungen in die USA, 14 seien dort mit eigenen Niederlassungen vertreten. Nach IHK-Schätzungen hängen 20.000 bis 25.000 Arbeitsplätze in der Region OWL von den Geschäftsbeziehungen zu den USA ab. Darüber hinaus habe sich in den vergangenen zehn Jahren der US-Markt für ostwestfälische Unternehmen verdoppelt.

Paul Gauselmann findet Donald Trumps Manieren unerträglich. - © Joern Spreen-Ledebur
Paul Gauselmann findet Donald Trumps Manieren unerträglich. - © Joern Spreen-Ledebur

Siegbert Wortmann, Firmenchef der Wortmann Unternehmensgruppe aus Hüllhorst, hatte einen persönlichen Favoriten: Joe Biden. Er habe sich gefreut, dass Biden gewonnen hat und denkt, dass es sich positiv auf die Beziehungen und den Umgangston zwischen Europa und den USA auswirken wird. Die Extrempositionen eines Donald Trump werde es unter dem neuen Präsidenten nicht geben. Auch mehr Verlässlichkeit gehe von Biden aus. „Donald Trump hat heute das eine gesagt und morgen das andere getwittert.“

Si egbert Wortmann glaubt, dass es Biden schwer haben wird. - © Jürgen Krüger
Si egbert Wortmann glaubt, dass es Biden schwer haben wird. - © Jürgen Krüger

Auf das Hüllhorster Unternehmen selbst hat der Wechsel keine Auswirkungen. Denn der Computerhersteller der Marke „Terra“ kauft zwar in den USA bei Microsoft oder auch Intel mit einem Volumen von 500 Millionen Euro ein, exportiert aber nicht.

Dass sich der unter Trump eingeschlagene Wirtschaftskurs der USA oder die Klagen über die unfaire Lastenteilung in der NATO für die Verteidigung etwas ändern wird, glaubt Siegbert Wortmann nicht. Wohl aber, dass die USA nun wieder den internationalen Organisationen wie der WHO beitreten werden, aus denen sie sich verabschiedet haben und auch, dass sie den Klimaschutz wieder stärker in den Vordergrund stellen.

Dass es Biden im Amt des US-Präsidenten schwer haben wird, glaubt Wortmann auch. Denn das Land sei gespalten. Natürlich hat auch Siegbert Wortmann den spannenden Wahlkrimi in den USA verfolgt und sich nicht zuletzt deswegen über den Sieg des Demokraten gefreut, weil er ihn auch menschlich gut findet. Biden habe mit dem frühen Tod seiner Frau und seiner Tochter durch einen Unfall 1972 und dann 2015 dem Tod seines ältesten Sohnes Beau durch einen Tumor schwere Schicksalsschläge einstecken müssen. Es sei menschlich vorbildlich, wie sich Biden um seine Familie gekümmert habe und dabei seinen beruflichen und politischen Weg gegangen sei. Nur eines werde er ein bisschen vermissen, sagt Siegbert Wortmann augenzwinkernd: Den hohen Unterhaltungswert von Donald Trump.

Das Unternehmen Gauselmann ist zwar mit einem Entwicklungsstudio in Las Vegas vertreten, nach Angaben von Sprecher Mario Hoffmeister seit 2018 aber nicht mehr auf dem US-Markt aktiv. Dafür um so stärker in Südamerika, so Hoffmeister. Trotzdem hat Firmengründer Paul Gauselmann eine ganz klare Haltung zum Ausgang der Wahl: „Präsident Trump hat sich mit seinen unsäglichen Manieren zwar sehr tatkräftig für die USA eingesetzt und zum großen Teil auch mit wirtschaftlichem Erfolg. Aber sein Verhalten ist unerträglich, und darum sind fast alle in der Welt froh, dass dies jetzt ein Ende hat.“ Mit einem souveränen Präsidenten Biden und seiner Vize-Präsidentin Kamala Harris, die auf Paul Gauselmann beide sehr sympathisch und authentisch wirken, „habe ich die Hoffnung, dass sich auch das amerikanische Verhältnis zu Deutschland wieder normalisiert“.

Vieles habe sich in den Vereinigten Staaten verändert, darauf weist Lars Steinkamp, Junior-Chef des heimischen Werkzeuge- und Formenbauers Steinkamp aus Espelkamp hin. Viele Jahrzehnte hatte das heimische Unternehmen eine Tochterfirma in den USA. So entstanden viele Freundschaften, die Firmengründer Ingolf Steinkamp auch durch zahlreiche Besuche in dem großen Land jenseits des Ozeans immer wieder vertiefte. Doch inzwischen haben sich die Geschäftsbeziehungen gelöst, die Tochter sei verkauft.

„Seit Donald Trump hat es auch immer wieder Probleme mit den Zöllen gegeben“, so Lars Steinkamp. Wegen der guten Kontakte konnte man allerdings die Rezeptur des Espelkamper Pils, das „Steinpils“, vor fünf Jahren über den großen Teich nach Cincinnati in Ohio verkaufen.

Doch auch das ist inzwischen Geschichte: „Wegen Corona hat das dortige Brauhaus, in dem das Steinpils ausgeschenkt wurde, dicht machen müssen. Aber das Rezept ist wieder verkauft worden und wird sicherlich bald woanders wieder zu neuen Ehren kommen – wenn sich die Lage in den USA wieder beruhigt hat“, sagt Lars Steinkamp.

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