Umfrage zum digitalen Lernen: Warum Schule nicht ersetzbar ist Elke Niedringhaus-Haasper Bad Oeynhausen (nw). Der digitale Schulunterricht hat keine Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt ein Expertenteam an der Europaschule. Sechs Fachleute haben dort knapp 700 Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen direkt nach Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach ihren Erfahrungen und Ängsten befragt. Das Ergebnis: Der ideale Weg des Lernens führt nicht über die Technik. Und mehr noch: Der digitale Unterricht erzeugt Ängste. Drei Mitarbeiter des Esta-Bildungswerkes und ebenso viele sozialpädagogische Mitarbeiter der Europaschule haben anhand eines Fragenkataloges unter mehr als der Hälfte aller Schülerinnen und Schüler ermittelt, welche Bedingungen und Auswirkungen der digitale Unterricht hatte. Für Dirk Rahlmeyer ist das Ergebnis keine Überraschung. Denn: „Die Schule nimmt in der Welt der Kinder einen viel größeren Stellenwert ein, als wir glauben“, so der Schulleiter. Immerhin sieben Prozent der Gesamtschüler haben im Elternhaus keinen festen Arbeitsplatz. Und nur 16 Prozent der Haushalte verfügen über einen Drucker. Fast ein Drittel der Schüler und Schülerinnen klagen darüber, dass sie die gestellten Aufgaben nicht verstanden haben. Unterstützung von ihren Eltern bekamen nur 30 Prozent der Befragten. Ein Viertel der Schülerinnen und Schüler gab an, dass sie die Aufgaben lieber in der Schule als Zuhause erledigt hätten. Genauso viele vermissten den geregelten Tagesablauf, den der Schulalltag vorgibt. Außerdem hätten sie sich nach ihren Freunden gesehnt. Und - was früher undenkbar gewesen wäre – etwa die Hälfte der Befragten hat sich sehr darauf gefreut, dass der reguläre Schulbetrieb wieder losgeht. Welche Ängste die digitale Beschulung erzeugt hat, zeigt sich darin, dass etwa 42 Prozent der Gesamtschüler sich davor fürchtet, dass durch den fehlenden Unterricht jetzt die Versetzung gefährdet ist. „Das ist besonders erschreckend“, resümiert Johannes Sfalanga das für ihn dramatischer Ergebnis. Der pädagogische Mitarbeiter des Esta-Bildungswerkes gehört zum Kriseninterventionsteam an der Gesamtschule. Und musste sich nach den „Klassikern“ wie Mobbing und körperliche Auseinandersetzung jetzt den Auswirkungen der Corona-Pandemie stellen. Für seine Kollegin Maren Spreckmann, Fachkraft des multiprofessionellen Teams an der Europaschule, ist besorgniserregend, welche Auswirkungen die Bildungsschere auf den digitalen Unterricht hatte: „Nur sechs Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben in der Umfrage an, dass sie alle Aufgaben ohne Hilfe erledigen konnten“, so die Pädagogin. Denn: „In den 29 gestellten Fragen kam heraus, dass gerade die Schülerinnen und Schüler, die aus einem nicht unterstützenden Elternhaus stammen, mit den Voraussetzungen des Homeschoolings nicht zurechtkamen. Das fängt bei den technischen Voraussetzungen an und geht da weiter, wo diese Schülerinnen und Schüler keine Chance auf Unterstützung neben den Anrufen der Lehrkräfte hatten“, weiß die Lehrerin. Ihr Resümee: „Schule ist nicht ersetzbar“. Die Konsequenz aus den Ergebnissen besteht für Dirk Rahlmeyer darin, jetzt besonders die Kinder, die durch den digitalen Unterricht zu kurz gekommen sind, in kleinen Gruppen zu fördern.

Umfrage zum digitalen Lernen: Warum Schule nicht ersetzbar ist

Beraten über das Ergebnis der Umfrage: Schulleiter Dirk Rahlmeyer (von links), Johannes Sfalanga und Maren Spreckmann. © Foto: Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen (nw). Der digitale Schulunterricht hat keine Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt ein Expertenteam an der Europaschule. Sechs Fachleute haben dort knapp 700 Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen direkt nach Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach ihren Erfahrungen und Ängsten befragt. Das Ergebnis: Der ideale Weg des Lernens führt nicht über die Technik. Und mehr noch: Der digitale Unterricht erzeugt Ängste.

Drei Mitarbeiter des Esta-Bildungswerkes und ebenso viele sozialpädagogische Mitarbeiter der Europaschule haben anhand eines Fragenkataloges unter mehr als der Hälfte aller Schülerinnen und Schüler ermittelt, welche Bedingungen und Auswirkungen der digitale Unterricht hatte. Für Dirk Rahlmeyer ist das Ergebnis keine Überraschung. Denn: „Die Schule nimmt in der Welt der Kinder einen viel größeren Stellenwert ein, als wir glauben“, so der Schulleiter.

Immerhin sieben Prozent der Gesamtschüler haben im Elternhaus keinen festen Arbeitsplatz. Und nur 16 Prozent der Haushalte verfügen über einen Drucker. Fast ein Drittel der Schüler und Schülerinnen klagen darüber, dass sie die gestellten Aufgaben nicht verstanden haben. Unterstützung von ihren Eltern bekamen nur 30 Prozent der Befragten.

Ein Viertel der Schülerinnen und Schüler gab an, dass sie die Aufgaben lieber in der Schule als Zuhause erledigt hätten. Genauso viele vermissten den geregelten Tagesablauf, den der Schulalltag vorgibt. Außerdem hätten sie sich nach ihren Freunden gesehnt. Und - was früher undenkbar gewesen wäre – etwa die Hälfte der Befragten hat sich sehr darauf gefreut, dass der reguläre Schulbetrieb wieder losgeht. Welche Ängste die digitale Beschulung erzeugt hat, zeigt sich darin, dass etwa 42 Prozent der Gesamtschüler sich davor fürchtet, dass durch den fehlenden Unterricht jetzt die Versetzung gefährdet ist.

„Das ist besonders erschreckend“, resümiert Johannes Sfalanga das für ihn dramatischer Ergebnis. Der pädagogische Mitarbeiter des Esta-Bildungswerkes gehört zum Kriseninterventionsteam an der Gesamtschule. Und musste sich nach den „Klassikern“ wie Mobbing und körperliche Auseinandersetzung jetzt den Auswirkungen der Corona-Pandemie stellen. Für seine Kollegin Maren Spreckmann, Fachkraft des multiprofessionellen Teams an der Europaschule, ist besorgniserregend, welche Auswirkungen die Bildungsschere auf den digitalen Unterricht hatte: „Nur sechs Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben in der Umfrage an, dass sie alle Aufgaben ohne Hilfe erledigen konnten“, so die Pädagogin.

Denn: „In den 29 gestellten Fragen kam heraus, dass gerade die Schülerinnen und Schüler, die aus einem nicht unterstützenden Elternhaus stammen, mit den Voraussetzungen des Homeschoolings nicht zurechtkamen. Das fängt bei den technischen Voraussetzungen an und geht da weiter, wo diese Schülerinnen und Schüler keine Chance auf Unterstützung neben den Anrufen der Lehrkräfte hatten“, weiß die Lehrerin. Ihr Resümee: „Schule ist nicht ersetzbar“.

Die Konsequenz aus den Ergebnissen besteht für Dirk Rahlmeyer darin, jetzt besonders die Kinder, die durch den digitalen Unterricht zu kurz gekommen sind, in kleinen Gruppen zu fördern.

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