Trinkwassersuche an Werre und Weser in Zeiten anhaltender Trockenheit Ulf Hanke Bad Oeynhausen (nw). Die wichtigste Flüssigkeit in der Kurstadt Bad Oeynhausen ist nicht etwa salzhaltige Sole, sondern Leitungswasser. Erneut droht im Sommer eine Versorgungskrise. Durch Gartenpools und Rasensprenger wird zu Spitzenzeiten womöglich mehr Wasser verprasst, als nachgepumpt werden kann. Es wäre die vierte Wasserkrise in Folge. Gegenmaßnahmen sind zwar längst eingeleitet, greifen aber noch nicht vollständig in diesem Sommer. Hilfe kommt aus der Nachbarschaft, aus Minden und Herford. Seit vergangenem Jahr pumpt auch Porta Westfalica Wasser unter der Weser nach Bad Oeynhausen. Bis zu 1.000 Kubikmeter können täglich das Leitungsnetz entlasten. „Das hilft“, sagt Susanne Brants, Geschäftsbereichsleiterin Wasser bei den Stadtwerken Bad Oeynhausen (SBO). Aber reicht das auch diesen Sommer? Brants ist zuversichtlich, dass eine Krise wie in den vergangenen drei Jahren diesmal abgewendet werden kann, obwohl der neue, größere Wasserspeicher in Bergkirchen noch nicht zur Verfügung steht. Voraussetzung sei, dass die Verbraucher sparsam mit dem Leitungswasser umgehen. „Letzten Endes haben wir es alle in der Hand“, sagt Brants: „Jeder kann einen großen Beitrag leisten.“ Der Schreck im vergangenen Jahr habe womöglich dazu geführt, dass die Menschen erkennen: Wasser ist nicht endlos da. Wie es aktuell ums feuchte Nass bestellt ist, können alle Bürger auf den Internetseiten der Stadtwerke ablesen. Dort ist eine Ampel zu sehen, die den Wasserverbrauch in Bad Oeynhausen und Löhne steuern soll. Leuchtet sie grün, ist die „Trinkwassernutzung uneingeschränkt möglich“, heißt es dazu. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Verbraucher sorglos den Hahn aufdrehen und laufen lassen können. Darauf haben die Verantwortlichen des Wasserbeschaffungsverbands (WBV) „Am Wiehen“ bei einer Pressekonferenz in Löhne hingewiesen: Trinkwasser sollte wie ein kostbares Lebensmittel behandelt werden. Auch deshalb suchen die Stadtwerke Bad Oeynhausen (SBO) und Löhne(SWL) nach Wasser aus eigenen Quellen. In Porta Westfalica haben die SBO im Februar und März vier Bohrungen veranlasst. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet. Wie erwartet sind die Techniker auf Grundwasser gestoßen, doch ob es auch Trinkwasserqualität hat, wird noch untersucht. Und auch wenn die nächste Wasserkrise absehbar ist, geht das nicht schneller. „Ein Brunnenbau bedeutet nicht: Im Herbst ist das Wasser da“, sagt Susanne Brants. Das gleiche gilt auch für die Wassersuche an anderen Stellen im Stadtgebiet. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Stadtwerke in Bad Oeynhausen und Löhne natürlich da suchen, wo schon Wasser ist, das bestätigte Holger Freymuth von den SWL bereits vor einigen Wochen auf Nachfrage: Zum Beispiel an der Werre in Gohfeld – und in Werste. „Wir stimmen uns eng ab“, sagt Susanne Brants. Während die SBO in Porta bereits Probebohrungen veranlasst haben und die Wasserqualität untersuchen lassen, befindet sich die Suche nach Wasser an der Werre noch im Stadium von Schreibtischarbeit. Geologische Voruntersuchungen sollen klären, wo gebohrt und wie ergiebig diese Brunnen für die Versorgung der Stadtbevölkerung sein können. Probleme bereitet derzeit noch der Hochbehälter Bergkirchen. Er ist zu klein bemessen für die Spitzenverbräuche im Werretal. Die Bauarbeiten für den zusätzlichen 10.000 Kubikmeter großen Zwischenspeicher laufen bereits, werden aber voraussichtlich erst 2021 fertig. Solange ist der Wasserpegel in diesem Hochbehälter der wichtigste Krisen-Indikator: Läuft dieser wichtige Speicher leer, zieht das Rohrnetz im ganzen Werretal früher oder später Luft. Das wäre schlecht. „Der Schaden ginge in die Millionen“, heißt es in einer neuen Broschüre, die von den Wasserbeschaffungsverbänden „Am Wiehen“ und „Herford West“ bei einer PR-Agentur aus Soest in Auftrag gegeben worden ist und „zu gegebenem Anlass“ an alle Kunden der Stadtwerke verteilt werden soll. Noch leuchtet die Warn-Ampel grün. Das kann sich allerdings rasch ändern. Zweierlei Trinkwasser Die Kurstadt badet in Wasser aus Hille, trinkt Ufer-Filtrat der Weser und ein bisschen Brunnenwasser aus Volmerdingsen sowie von der Lohe. Fast drei Millionen Kubikmeter Wasser hat Bad Oeynhausen im vergangenen Jahr verbraucht. Der Wasserbeschaffungsverband (WBV) „Am Wiehen“ lieferte etwa zwei Drittel dieser Menge. Ein Drittel fördern die Stadtwerke Bad Oeynhausen selbst. Den Löwenanteil steuert die Brunnengalerie an der Weser in Rehme bei, kleinere Mengen kommen aus dem Wiehengebirge in Volmerdingsen und aus Brunnen aus Lohe. Der Norden trinkt WBV-Wasser, der Süden eine Mischung. Das Leitungsnetz ist zweigeteilt. Während die Stadt nördlich der Werre komplett vom WBV versorgt wird (zuletzt rund eine Million Kubikmeter), wird der doppelt so durstige Süden von Bad Oeynhausen (zuletzt 1,9 Millionen Kubikmeter Verbrauch) mit Wasser vom WBV und aus den Brunnen in Rehme versorgt. Das Wasserwerk mischt beide Wässer, bevor sie in die Leitungen kommen. Die Anteile des Uferfiltrats an der Gesamtmenge schwanken nach Jahreszeit und Weserpegel. Im Sommer fließt im Süden mehr WBV-Wasser durch die Leitungen als im Winter. Im Jahresmittel 2019 lag der WBV-Anteil im Süden bei 45 Prozent. Zu Hochzeiten der Wasserkrise im Juni 2019 lag der WBV-Anteil im Süden jedoch bei 51 Prozent, im Juli bei 53 Prozent. Nachdem die Wasserleitung aus Porta Westfalica in Betrieb genommen wurde, sank der Anteil des WBV-Wassers im August spürbar auf 42 Prozent. (nw)

Trinkwassersuche an Werre und Weser in Zeiten anhaltender Trockenheit

Das Planschen ist weiter erlaubt. Und weil es zur Zeit noch genug Leitungswasser gibt, darf auch noch nachgefüllt werden. Die Lage kann sich aber schnell ändern. Foto: dpa © Picture Alliance

Bad Oeynhausen (nw). Die wichtigste Flüssigkeit in der Kurstadt Bad Oeynhausen ist nicht etwa salzhaltige Sole, sondern Leitungswasser. Erneut droht im Sommer eine Versorgungskrise. Durch Gartenpools und Rasensprenger wird zu Spitzenzeiten womöglich mehr Wasser verprasst, als nachgepumpt werden kann. Es wäre die vierte Wasserkrise in Folge. Gegenmaßnahmen sind zwar längst eingeleitet, greifen aber noch nicht vollständig in diesem Sommer.

Hilfe kommt aus der Nachbarschaft, aus Minden und Herford. Seit vergangenem Jahr pumpt auch Porta Westfalica Wasser unter der Weser nach Bad Oeynhausen. Bis zu 1.000 Kubikmeter können täglich das Leitungsnetz entlasten. „Das hilft“, sagt Susanne Brants, Geschäftsbereichsleiterin Wasser bei den Stadtwerken Bad Oeynhausen (SBO). Aber reicht das auch diesen Sommer?

Brants ist zuversichtlich, dass eine Krise wie in den vergangenen drei Jahren diesmal abgewendet werden kann, obwohl der neue, größere Wasserspeicher in Bergkirchen noch nicht zur Verfügung steht. Voraussetzung sei, dass die Verbraucher sparsam mit dem Leitungswasser umgehen. „Letzten Endes haben wir es alle in der Hand“, sagt Brants: „Jeder kann einen großen Beitrag leisten.“ Der Schreck im vergangenen Jahr habe womöglich dazu geführt, dass die Menschen erkennen: Wasser ist nicht endlos da.

Wie es aktuell ums feuchte Nass bestellt ist, können alle Bürger auf den Internetseiten der Stadtwerke ablesen. Dort ist eine Ampel zu sehen, die den Wasserverbrauch in Bad Oeynhausen und Löhne steuern soll. Leuchtet sie grün, ist die „Trinkwassernutzung uneingeschränkt möglich“, heißt es dazu. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Verbraucher sorglos den Hahn aufdrehen und laufen lassen können. Darauf haben die Verantwortlichen des Wasserbeschaffungsverbands (WBV) „Am Wiehen“ bei einer Pressekonferenz in Löhne hingewiesen: Trinkwasser sollte wie ein kostbares Lebensmittel behandelt werden.

Auch deshalb suchen die Stadtwerke Bad Oeynhausen (SBO) und Löhne(SWL) nach Wasser aus eigenen Quellen. In Porta Westfalica haben die SBO im Februar und März vier Bohrungen veranlasst. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet. Wie erwartet sind die Techniker auf Grundwasser gestoßen, doch ob es auch Trinkwasserqualität hat, wird noch untersucht. Und auch wenn die nächste Wasserkrise absehbar ist, geht das nicht schneller. „Ein Brunnenbau bedeutet nicht: Im Herbst ist das Wasser da“, sagt Susanne Brants.

Das gleiche gilt auch für die Wassersuche an anderen Stellen im Stadtgebiet. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Stadtwerke in Bad Oeynhausen und Löhne natürlich da suchen, wo schon Wasser ist, das bestätigte Holger Freymuth von den SWL bereits vor einigen Wochen auf Nachfrage: Zum Beispiel an der Werre in Gohfeld – und in Werste. „Wir stimmen uns eng ab“, sagt Susanne Brants.

Während die SBO in Porta bereits Probebohrungen veranlasst haben und die Wasserqualität untersuchen lassen, befindet sich die Suche nach Wasser an der Werre noch im Stadium von Schreibtischarbeit. Geologische Voruntersuchungen sollen klären, wo gebohrt und wie ergiebig diese Brunnen für die Versorgung der Stadtbevölkerung sein können. Probleme bereitet derzeit noch der Hochbehälter Bergkirchen. Er ist zu klein bemessen für die Spitzenverbräuche im Werretal. Die Bauarbeiten für den zusätzlichen 10.000 Kubikmeter großen Zwischenspeicher laufen bereits, werden aber voraussichtlich erst 2021 fertig. Solange ist der Wasserpegel in diesem Hochbehälter der wichtigste Krisen-Indikator: Läuft dieser wichtige Speicher leer, zieht das Rohrnetz im ganzen Werretal früher oder später Luft.

Das wäre schlecht. „Der Schaden ginge in die Millionen“, heißt es in einer neuen Broschüre, die von den Wasserbeschaffungsverbänden „Am Wiehen“ und „Herford West“ bei einer PR-Agentur aus Soest in Auftrag gegeben worden ist und „zu gegebenem Anlass“ an alle Kunden der Stadtwerke verteilt werden soll. Noch leuchtet die Warn-Ampel grün. Das kann sich allerdings rasch ändern.

Zweierlei Trinkwasser

Die Kurstadt badet in Wasser aus Hille, trinkt Ufer-Filtrat der Weser und ein bisschen Brunnenwasser aus Volmerdingsen sowie von der Lohe. Fast drei Millionen Kubikmeter Wasser hat Bad Oeynhausen im vergangenen Jahr verbraucht. Der Wasserbeschaffungsverband (WBV) „Am Wiehen“ lieferte etwa zwei Drittel dieser Menge.

Ein Drittel fördern die Stadtwerke Bad Oeynhausen selbst. Den Löwenanteil steuert die Brunnengalerie an der Weser in Rehme bei, kleinere Mengen kommen aus dem Wiehengebirge in Volmerdingsen und aus Brunnen aus Lohe. Der Norden trinkt WBV-Wasser, der Süden eine Mischung.

Das Leitungsnetz ist zweigeteilt. Während die Stadt nördlich der Werre komplett vom WBV versorgt wird (zuletzt rund eine Million Kubikmeter), wird der doppelt so durstige Süden von Bad Oeynhausen (zuletzt 1,9 Millionen Kubikmeter Verbrauch) mit Wasser vom WBV und aus den Brunnen in Rehme versorgt. Das Wasserwerk mischt beide Wässer, bevor sie in die Leitungen kommen. Die Anteile des Uferfiltrats an der Gesamtmenge schwanken nach Jahreszeit und Weserpegel.

Im Sommer fließt im Süden mehr WBV-Wasser durch die Leitungen als im Winter. Im Jahresmittel 2019 lag der WBV-Anteil im Süden bei 45 Prozent. Zu Hochzeiten der Wasserkrise im Juni 2019 lag der WBV-Anteil im Süden jedoch bei 51 Prozent, im Juli bei 53 Prozent. Nachdem die Wasserleitung aus Porta Westfalica in Betrieb genommen wurde, sank der Anteil des WBV-Wassers im August spürbar auf 42 Prozent. (nw)

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