Traditionsunternehmen Heinze ist insolvent: So viele Arbeitnehmer sind betroffen Jana Marie Bertermann Herford. Das Traditionsunternehmen Heinze ist insolvent. Mittlerweile gibt es Heinze seit 85 Jahren. Zu den Kunden zählen namhafte Unternehmen wie BMW, Mercedes und Porsche. In der Region sind rund 600 Mitarbeitenden betroffen, neben denen in Herford unter anderem auch in Hiddenhausen und Bad Salzuflen. Sie wurden am Freitagmittag über die Insolvenz informiert. Die Stimmung in der Belegschaft sei bedrückt, so schildert der Betriebsratsvorsitzende Thorsten Hauch die Atmosphäre. Er arbeite seit 1979 bei Heinze. Mitarbeitende erhalten für drei Monate Insolvenzausfallgeld Die Insolvenzverwaltung werden nun die Fachanwälte für Insolvenzrecht, Stephan Höltershinken aus Minden und Johannes Franke aus Hannover, übernehmen. Sie blicken optimistisch in die Zukunft. "Wir haben hier sehr gute Voraussetzungen, das Unternehmen fortzuführen", so beurteilt Stephan Höltershinken die Lage. "Das Unternehmen hat wirklich Potenzial." In diesem Monat wurde für die Mitarbeitenden Kurzarbeit angemeldet. Für drei Monate werden sie zunächst Insolvenzausfallgeld bekommen. Die erste Zahlung erfolge Ende diesen Monats rückwirkend für den September, also zu dem Zeitpunkt, an dem sie eigentlich ihren normalen Lohn bekommen hätten, erklärt Höltershinken und betont: "Unternehmen sind nicht nur Maschinen, sondern vor allem Menschen." Halbleiterkrise ist Grund für die Insolvenz Auch das Tochterunternehmen Linden in Lüdenscheid, das um die 130 Menschen beschäftigt, ist von der Insolvenz betroffen. Hier wird der Anwalt Lau dabei helfen, die Krise zu überwinden. Als Grund für die Insolvenz nannte das Unternehmen die weltweite Halbleiterkrise. Ohne Halbleiter kommen Autos heutzutage nicht mehr aus. Das bedeutet: Engpässe bei der Lieferung sorgen dafür, dass weniger Autos produziert werden und Autohersteller somit weniger Kunststoffteile bei Firmen wie Heinze bestellen. Dort fallen jedoch weiterhin Kosten an, zum Beispiel für zur Produktion eingekauftes Material und die Gehälter der Mitarbeitenden. Kunststofftechnik ist Heinzes Spezialgebiet Kunststofftechnik ist das Spezialgebiet von Heinze - und zwar von der Konstruktion bis zur Montage. Wird ein neues Kunststoffteil konstruiert, müssen zunächst entsprechende Werkzeuge gebaut werden. Mit ihnen erfolgt dann der Spritzguss: Kunststoffgranulat wird geschmolzen und unter Druck in eine Form gespritzt. Anschließend werden die Kunststoffteile veredelt. Dazu gehört häufig auch, sie zu galvanisieren. Dabei handelt es sich um einen chemischen Prozess, durch den der Kunststoff einen silberfarbenen Überzug erhält. Der letzte Schritt im Produktionsprozess ist die Montage. Viele der von Heinze produzierten Kunststoffteile werden in Autos eingebaut - zum Beispiel im Armaturenbrett. Aber auch in Waschmaschinen der Firma Miele sind von Heinze gefertigte Kunststoffteile zu finden. Das Zukunftsziel: Stabilität zurückgewinnen "All diese Schritte passieren hier bei uns im Unternehmen", erzählt Eigentümer und Geschäftsführer Jörg Tilmes. Die Werkzeuge, die im Heinze-Unternehmen benutzt werden, gehören den Kunden, für die produziert wird. Wenn sich nun Heinzes Kunden neue Produzenten suchen, könnte das für das Unternehmen zum Problem werden. "Wir versuchen, unsere Kunden mit ins Boot zu nehmen", sagt Tilmes. "Die Belieferung muss weitergehen!" Das vorrangige Ziel sei jetzt, wieder Stabilität im Unternehmen zu gewinnen, so Stephan Höltershinken und Johannes Franke. Außerdem hielten sie nach Investoren Ausschau und prüften, ob Standorte zusammengelegt werden können. Nicht von der Insolvenz betroffen sind das sächsische Tochterunternehmen SMK Oberflächenveredelung GmbH in Oberlungwitz und die Auslandstöchter Linden s.r.o. in Tschechien und Heinze Sh.P.K. in Kosovo.

Traditionsunternehmen Heinze ist insolvent: So viele Arbeitnehmer sind betroffen

Kunststofftechnik ist das Spezialgebiet des Heinze-Unternehmens. © Jana Marie Bertermann

Herford. Das Traditionsunternehmen Heinze ist insolvent. Mittlerweile gibt es Heinze seit 85 Jahren. Zu den Kunden zählen namhafte Unternehmen wie BMW, Mercedes und Porsche. In der Region sind rund 600 Mitarbeitenden betroffen, neben denen in Herford unter anderem auch in Hiddenhausen und Bad Salzuflen. Sie wurden am Freitagmittag über die Insolvenz informiert.

Die Stimmung in der Belegschaft sei bedrückt, so schildert der Betriebsratsvorsitzende Thorsten Hauch die Atmosphäre. Er arbeite seit 1979 bei Heinze.

Mitarbeitende erhalten für drei Monate Insolvenzausfallgeld

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Jeden Donnerstag von unserer Lokalchefin Christina Römer

Die Insolvenzverwaltung werden nun die Fachanwälte für Insolvenzrecht, Stephan Höltershinken aus Minden und Johannes Franke aus Hannover, übernehmen. Sie blicken optimistisch in die Zukunft. "Wir haben hier sehr gute Voraussetzungen, das Unternehmen fortzuführen", so beurteilt Stephan Höltershinken die Lage. "Das Unternehmen hat wirklich Potenzial."

Das Unternehmen Heinze ist insolvent (v.l.: die Rechtsanwälte für Insolvenzrecht Johannes Franke und Stephan Höltershinken, Personalchef Andreas Stoppe, bisheriger Geschäftsführer Jörg Tilmes und Betriebsratsvorsitzender Thomas Hauch). - © Jana Marie Bertermann
Das Unternehmen Heinze ist insolvent (v.l.: die Rechtsanwälte für Insolvenzrecht Johannes Franke und Stephan Höltershinken, Personalchef Andreas Stoppe, bisheriger Geschäftsführer Jörg Tilmes und Betriebsratsvorsitzender Thomas Hauch). - © Jana Marie Bertermann

In diesem Monat wurde für die Mitarbeitenden Kurzarbeit angemeldet. Für drei Monate werden sie zunächst Insolvenzausfallgeld bekommen. Die erste Zahlung erfolge Ende diesen Monats rückwirkend für den September, also zu dem Zeitpunkt, an dem sie eigentlich ihren normalen Lohn bekommen hätten, erklärt Höltershinken und betont: "Unternehmen sind nicht nur Maschinen, sondern vor allem Menschen."

Halbleiterkrise ist Grund für die Insolvenz

Auch das Tochterunternehmen Linden in Lüdenscheid, das um die 130 Menschen beschäftigt, ist von der Insolvenz betroffen. Hier wird der Anwalt Lau dabei helfen, die Krise zu überwinden.

Als Grund für die Insolvenz nannte das Unternehmen die weltweite Halbleiterkrise. Ohne Halbleiter kommen Autos heutzutage nicht mehr aus. Das bedeutet: Engpässe bei der Lieferung sorgen dafür, dass weniger Autos produziert werden und Autohersteller somit weniger Kunststoffteile bei Firmen wie Heinze bestellen. Dort fallen jedoch weiterhin Kosten an, zum Beispiel für zur Produktion eingekauftes Material und die Gehälter der Mitarbeitenden.

Kunststofftechnik ist Heinzes Spezialgebiet

Kunststofftechnik ist das Spezialgebiet von Heinze - und zwar von der Konstruktion bis zur Montage. Wird ein neues Kunststoffteil konstruiert, müssen zunächst entsprechende Werkzeuge gebaut werden. Mit ihnen erfolgt dann der Spritzguss: Kunststoffgranulat wird geschmolzen und unter Druck in eine Form gespritzt.

Anschließend werden die Kunststoffteile veredelt. Dazu gehört häufig auch, sie zu galvanisieren. Dabei handelt es sich um einen chemischen Prozess, durch den der Kunststoff einen silberfarbenen Überzug erhält. Der letzte Schritt im Produktionsprozess ist die Montage. Viele der von Heinze produzierten Kunststoffteile werden in Autos eingebaut - zum Beispiel im Armaturenbrett. Aber auch in Waschmaschinen der Firma Miele sind von Heinze gefertigte Kunststoffteile zu finden.

Das Zukunftsziel: Stabilität zurückgewinnen

"All diese Schritte passieren hier bei uns im Unternehmen", erzählt Eigentümer und Geschäftsführer Jörg Tilmes. Die Werkzeuge, die im Heinze-Unternehmen benutzt werden, gehören den Kunden, für die produziert wird. Wenn sich nun Heinzes Kunden neue Produzenten suchen, könnte das für das Unternehmen zum Problem werden. "Wir versuchen, unsere Kunden mit ins Boot zu nehmen", sagt Tilmes. "Die Belieferung muss weitergehen!"

Das vorrangige Ziel sei jetzt, wieder Stabilität im Unternehmen zu gewinnen, so Stephan Höltershinken und Johannes Franke. Außerdem hielten sie nach Investoren Ausschau und prüften, ob Standorte zusammengelegt werden können.

Nicht von der Insolvenz betroffen sind das sächsische Tochterunternehmen SMK Oberflächenveredelung GmbH in Oberlungwitz und die Auslandstöchter Linden s.r.o. in Tschechien und Heinze Sh.P.K. in Kosovo.

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