Tödlicher Schuss auf Ehefrau soll "Unfall" gewesen sein Nils Middelhauve Pr. Oldendorf/Bielefeld. "Dann muss sich ein Schuss gelöst haben. Sie schlug noch mit ihrer Tasche auf mich ein. Was danach passiert ist, weiß ich nicht mehr. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf dem Boden und zwei oder drei Männer saßen auf mir." Mit diesen Worten schilderte Albert S. nun vor dem Bielefelder Landgericht seine noch vorhandenen Erinnerungen an jene Minuten, in denen seine getrennt von ihm lebende Ehefrau am 5. Januar auf offener Straße durch eine Pistolenkugel getötet wurde. Der 59-jährige Mann aus Pr. Oldendorf muss sich nun wegen des Verdachts des Mordes aus niedrigen Beweggründen vor dem Bielefelder Landgericht verantworten. Albert S. spricht leise. Genau genommen ist er - auch für die anderen Prozessbeteiligten - kaum zu verstehen, daran ändert auch die Nutzung der im Saal 1 des Bielefelder Landgerichts vorhandenen Mikrofonanlage nicht sonderlich viel. Immer wieder versagt seine Stimme, bricht er in Tränen aus. Vor der I. Großen Strafkammer schildert er die jahrzehntelange Beziehung, aus der drei mittlerweile erwachsene Kinder hervorgegangen sind. Größere Streitigkeiten habe es, so S., eigentlich nicht gegeben, auch nicht gegen Ende des vergangenen Jahres. Allerdings sei seine Frau, die als Altenpflegerin tätig war, häufig gereizt von der Arbeit zurückgekehrt. Folgt man den Schilderungen des Angeklagten, so wurde dessen Welt am 29. November 2019 auf den Kopf gestellt: "Als ich an dem Tag von der Arbeit zurückkam, war sie nicht da", berichtete S. vor Gericht. Im gemeinsamen Haus habe er lediglich einen Zettel mit der Aufschrift "Ich kann nicht mehr, ich bin weg" vorgefunden. Noch an jenem Tag, so Albert S., habe er vorgehabt, seinem Leben ein Ende zu setzen. Sein Schwiegersohn habe ihn jedoch von derartigem abgehalten. In der Folgezeit gab es offenbar mehrfachen Kontakt zwischen den Eheleuten, wenngleich seine Frau aus Sicht des Angeklagten schnell abweisend und gereizt reagiert habe. Am 5. Januar habe er sich schließlich zur Arbeitsstelle seiner Frau nach Nettelstedt fahren lassen und die 54-Jährige nach ihrem Schichtende abgepasst. Als die Frau ihr Auto geöffnet habe, sei er zeitgleich hinten rechts eingestiegen. Seine Frau, so S., habe sich noch nicht einmal erschrocken, sondern lediglich gesagt: "Ach, du bist es." Gemeinsam seien sie dann nach Pr. Oldendorf gefahren, wo die 54-Jährige in der Nähe des Busbahnhofs gehalten habe. "Den Grund für den Halt kenne ich nicht", sagte S. vor Gericht. Was dann folgte, wisse er nur noch schemenhaft: Die beiden seien ausgestiegen, er habe die Pistole aus einer Jackentasche gezogen, seine Frau am Handgelenk zu sich herangezogen und gesagt, dass er sich umbringen werde. "In dem Moment hat sich wohl ein Schuss gelöst. Ich hatte die Waffe in der Hand. Ich habe das gar nicht verstanden." Dann habe seine Frau noch mit ihrer Tasche auf ihn eingeschlagen: "Es gab gar kein Anzeichen, dass sie getroffen worden war." Dann setze die Erinnerung aus, so der Angeklagte. Zeugen des Geschehens schilderten nach der Tat, dass die Frau noch in Richtung eines Eiscafés geflüchtet, dort aber zusammengebrochen sei. Darüber hinaus soll Albert S. noch mit der Pistole auf den Kopf seiner Frau gezielt haben. Aufgrund einer Ladehemmung habe sich trotz des Versuchs, diese zu lösen, jedoch kein weiterer Schuss abgeben lassen. Daraufhin habe S. von seinem Opfer abgelassen und sei von Zeugen überwältigt worden. Der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann hielt S. vor, dass diese Zeugenaussagen kaum mit dem vom Angeklagten geschilderten Versehen in Einklang zu bringen seien. Er glaube den Zeugenaussagen, gab S. zu Protokoll - jedoch könne er sich weder erinnern, noch habe er eine Erklärung für diese Aussagen. Die Frau des Angeklagten erlitt einen Brustkorbdurchschuss und verblutete noch am Tatort. Die Anklage ging zunächst davon aus, dass Albert S. der Frau in den Rücken geschossen habe. Ein Schussspurengutachten legt nun jedoch nah, das der Schuss aus weniger als fünf Zentimeter Entfernung von vorne abgegeben worden sein muss. Der Prozess wird am 29. Juni fortgesetzt.

Tödlicher Schuss auf Ehefrau soll "Unfall" gewesen sein

Vor dem Landgericht in Bielefeld unter Mordverdacht: Albert S. aus Pr. Oldendorf mit Anwalt Peter Rostek. © Wolfgang Rudolf

Pr. Oldendorf/Bielefeld. "Dann muss sich ein Schuss gelöst haben. Sie schlug noch mit ihrer Tasche auf mich ein. Was danach passiert ist, weiß ich nicht mehr. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf dem Boden und zwei oder drei Männer saßen auf mir." Mit diesen Worten schilderte Albert S. nun vor dem Bielefelder Landgericht seine noch vorhandenen Erinnerungen an jene Minuten, in denen seine getrennt von ihm lebende Ehefrau am 5. Januar auf offener Straße durch eine Pistolenkugel getötet wurde.

Der 59-jährige Mann aus Pr. Oldendorf muss sich nun wegen des Verdachts des Mordes aus niedrigen Beweggründen vor dem Bielefelder Landgericht verantworten. Albert S. spricht leise. Genau genommen ist er - auch für die anderen Prozessbeteiligten - kaum zu verstehen, daran ändert auch die Nutzung der im Saal 1 des Bielefelder Landgerichts vorhandenen Mikrofonanlage nicht sonderlich viel. Immer wieder versagt seine Stimme, bricht er in Tränen aus.

Vor der I. Großen Strafkammer schildert er die jahrzehntelange Beziehung, aus der drei mittlerweile erwachsene Kinder hervorgegangen sind. Größere Streitigkeiten habe es, so S., eigentlich nicht gegeben, auch nicht gegen Ende des vergangenen Jahres. Allerdings sei seine Frau, die als Altenpflegerin tätig war, häufig gereizt von der Arbeit zurückgekehrt.

Folgt man den Schilderungen des Angeklagten, so wurde dessen Welt am 29. November 2019 auf den Kopf gestellt: "Als ich an dem Tag von der Arbeit zurückkam, war sie nicht da", berichtete S. vor Gericht. Im gemeinsamen Haus habe er lediglich einen Zettel mit der Aufschrift "Ich kann nicht mehr, ich bin weg" vorgefunden. Noch an jenem Tag, so Albert S., habe er vorgehabt, seinem Leben ein Ende zu setzen. Sein Schwiegersohn habe ihn jedoch von derartigem abgehalten.

In der Folgezeit gab es offenbar mehrfachen Kontakt zwischen den Eheleuten, wenngleich seine Frau aus Sicht des Angeklagten schnell abweisend und gereizt reagiert habe. Am 5. Januar habe er sich schließlich zur Arbeitsstelle seiner Frau nach Nettelstedt fahren lassen und die 54-Jährige nach ihrem Schichtende abgepasst. Als die Frau ihr Auto geöffnet habe, sei er zeitgleich hinten rechts eingestiegen. Seine Frau, so S., habe sich noch nicht einmal erschrocken, sondern lediglich gesagt: "Ach, du bist es."

Gemeinsam seien sie dann nach Pr. Oldendorf gefahren, wo die 54-Jährige in der Nähe des Busbahnhofs gehalten habe. "Den Grund für den Halt kenne ich nicht", sagte S. vor Gericht. Was dann folgte, wisse er nur noch schemenhaft: Die beiden seien ausgestiegen, er habe die Pistole aus einer Jackentasche gezogen, seine Frau am Handgelenk zu sich herangezogen und gesagt, dass er sich umbringen werde. "In dem Moment hat sich wohl ein Schuss gelöst. Ich hatte die Waffe in der Hand. Ich habe das gar nicht verstanden." Dann habe seine Frau noch mit ihrer Tasche auf ihn eingeschlagen: "Es gab gar kein Anzeichen, dass sie getroffen worden war."

Dann setze die Erinnerung aus, so der Angeklagte. Zeugen des Geschehens schilderten nach der Tat, dass die Frau noch in Richtung eines Eiscafés geflüchtet, dort aber zusammengebrochen sei. Darüber hinaus soll Albert S. noch mit der Pistole auf den Kopf seiner Frau gezielt haben. Aufgrund einer Ladehemmung habe sich trotz des Versuchs, diese zu lösen, jedoch kein weiterer Schuss abgeben lassen. Daraufhin habe S. von seinem Opfer abgelassen und sei von Zeugen überwältigt worden.

Der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann hielt S. vor, dass diese Zeugenaussagen kaum mit dem vom Angeklagten geschilderten Versehen in Einklang zu bringen seien. Er glaube den Zeugenaussagen, gab S. zu Protokoll - jedoch könne er sich weder erinnern, noch habe er eine Erklärung für diese Aussagen.

Die Frau des Angeklagten erlitt einen Brustkorbdurchschuss und verblutete noch am Tatort. Die Anklage ging zunächst davon aus, dass Albert S. der Frau in den Rücken geschossen habe. Ein Schussspurengutachten legt nun jedoch nah, das der Schuss aus weniger als fünf Zentimeter Entfernung von vorne abgegeben worden sein muss. Der Prozess wird am 29. Juni fortgesetzt.

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