Tod im Hallenbad: Staatsanwalt stellt Ermittlungen gegen Stadtwerke-Chef ein Ulf Hanke Bad Oeynhausen (nw). Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Stadtwerke-Vorstand Andreas Schwarze nach etwa zehn Monaten nachträglicher Ermittlungen eingestellt. Ein Mitverschulden am Ertrinken des sechsjährigen Kindes in der zweiten Stunde eines Seepferdchenkurses im Januar 2018 sei nicht zu erkennen, erläuterte Staatsanwalt Veit Walter auf Nachfrage. Das Amtsgericht Bad Oeynhausen hatte im August 2020 den Schwimmlehrer wegen des tragischen Unglücks im Hallenbad Rehme zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Richter befand, dass der Schwimmlehrer seine Aufsichtspflicht verletzt habe. Der mitangeklagte Badleiter des Hallenbads Rehme wurde freigesprochen. Während des laufenden Prozesses im August 2020 kündigte der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft überraschend gegen Stadtwerke-Vorstand Andreas Schwarze Ermittlungen an. Schwarze war eigentlich als Zeuge vorgesehen und machte deshalb von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Die Stadtwerke hatten erst 19 Tage vor dem tragischen Unglück die Zuständigkeit für die Bäder von der Stadt Bad Oeynhausen übernommen. Der Schwimmkurs war noch durch die Stadtverwaltung organisiert worden. Der Staatsanwalt entschuldigte sich in der Gerichtsverhandlung ausdrücklich bei dem 25-jährigen angeklagten Schwimmlehrer dafür, dass dieser über Monate als einziger Beschuldigter galt. Er sehe ihn nicht allein in der Verantwortung. Es sei deshalb zu prüfen, ob nicht auch ein Organisationsversagen vorliege und zumindest eine Mitverantwortung bei dem Veranstalter liege. Staatsanwalt Walter hat das inzwischen geprüft und kommt zu einem anderen Ergebnis. Der Tod des Jungen sei tragisch, aber das Amtsgericht habe dem Schwimmlehrer eine individuelle Schuld zugewiesen. Der Schwimmlehrer hätte nach Überzeugung des Richters selbst dafür sorgen können, dass nicht alle Kinder gleichzeitig im Wasser sind. Diese Verantwortung sei nicht auf andere Personen abzuwälzen, so der Staatsanwalt. Anlass für die Ermittlungen waren die Aussagen des Angeklagten im Prozess. Der Schwimmlehrer betonte, dass er sich bei seinen Vorgesetzten darüber beklagt hatte, alleine für zwölf Kindern im Wasser verantwortlich zu sein. Der Badleiter hätte ihm jedoch zu verstehen gegeben, dass man das immer so gemacht und keinen Anlass für Änderungen sehe. Auch der Stadtwerke-Vorstand habe nicht auf die Kritik reagiert. Oberster Vorgesetzter des Schwimmlehrers war zu diesem Zeitpunkt Stadtwerke-Vorstand Andreas Schwarze. Sein Rechtsanwalt Tobias Diedrichs widerspricht den Vorwürfen des Schwimmlehrers und des Staatsanwalts allerdings vehement und bezeichnet das Ermittlungsverfahren „auf dieser Grundlage unverantwortlich“. Der Stadtwerke-Vorstand habe erst wenige Tage zuvor die Zuständigkeit für den Bäderbereich übernommen. Die Kurse seien noch von der Stadtverwaltung Bad Oeynhausen beauftragt worden. Der Schwimmlehrer sei als Honorarkraft außerhalb des regulären Badebetriebs mit dem Schwimmkurs beauftragt worden und habe bereits im Vorjahr auf die gleiche Weise Kindern im Hallenbad das Schwimmen beigebracht. Zudem sei der Badleiter längst durch das Gericht von den Vorwürfen freigesprochen worden. „Herr Schwarze bedauert den tragischen Tod des Kindes außerordentlich“, sagte Diedrichs im Auftrag seines Mandanten: „Für die Eltern ist das eine Katastrophe.“ Zugleich sei der Stadtwerke-Vorstand erleichtert, nicht mehr mit dem Ermittlungsvorwurf konfrontiert zu werden. Schwarze selbst wollte sich auf Nachfrage nicht selbst zur Einstellung des Verfahrens äußern. Nach einer Tauchübung im Anfängerkurs für Nichtschwimmer am Samstagvormittag, 20. Januar 2018, war eines der Kinder nicht wieder aufgetaucht. Der in diesem Moment ins Bad zurückkehrende Badleiter entdeckte den Jungen im tiefen Wasser auf der abfallenden Schräge und zog den leblosen Körper aus dem Wasser. Wiederbelebungsversuche scheiterten. Der Junge verstarb wenig später im Klinikum Minden. Die juristische Aufarbeitung des tragischen Unfalls ist jetzt vorerst abgeschlossen. Nach Informationen der Redaktion hat der Schwimmlehrer seinen Widerspruch gegen das Urteil zurückgezogen. Das Ermittlungsverfahren gegen den Stadtwerke-Chef war von Amts wegen aufgenommen und ist von Amts wegen eingestellt worden. Bei neuen Hinweisen könnte es allerdings jederzeit wieder aufgenommen werden.

Tod im Hallenbad: Staatsanwalt stellt Ermittlungen gegen Stadtwerke-Chef ein

Stadtwerke-Vorstand Andreas Schwarze ist erleichtert, dass die Staatsanwaltschaft Bielefeld die Ermittlungen gegen ihn einstellt. Foto: Jörg Stuke © Jörg Stuke

Bad Oeynhausen (nw). Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Stadtwerke-Vorstand Andreas Schwarze nach etwa zehn Monaten nachträglicher Ermittlungen eingestellt. Ein Mitverschulden am Ertrinken des sechsjährigen Kindes in der zweiten Stunde eines Seepferdchenkurses im Januar 2018 sei nicht zu erkennen, erläuterte Staatsanwalt Veit Walter auf Nachfrage. Das Amtsgericht Bad Oeynhausen hatte im August 2020 den Schwimmlehrer wegen des tragischen Unglücks im Hallenbad Rehme zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Richter befand, dass der Schwimmlehrer seine Aufsichtspflicht verletzt habe. Der mitangeklagte Badleiter des Hallenbads Rehme wurde freigesprochen.

Während des laufenden Prozesses im August 2020 kündigte der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft überraschend gegen Stadtwerke-Vorstand Andreas Schwarze Ermittlungen an. Schwarze war eigentlich als Zeuge vorgesehen und machte deshalb von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Die Stadtwerke hatten erst 19 Tage vor dem tragischen Unglück die Zuständigkeit für die Bäder von der Stadt Bad Oeynhausen übernommen. Der Schwimmkurs war noch durch die Stadtverwaltung organisiert worden.

Der Schwimmer- und Nichtschwimmer-Bereich im Hallenbad Rehme. Der Badleiter hat den regungslosen Körper des Sechsjährigen auf der Schräge zum tiefen Bereich entdeckt und aus dem Wasser gezogen. Foto: Ulf Hanke - © Ulf Hanke
Der Schwimmer- und Nichtschwimmer-Bereich im Hallenbad Rehme. Der Badleiter hat den regungslosen Körper des Sechsjährigen auf der Schräge zum tiefen Bereich entdeckt und aus dem Wasser gezogen. Foto: Ulf Hanke - © Ulf Hanke

Der Staatsanwalt entschuldigte sich in der Gerichtsverhandlung ausdrücklich bei dem 25-jährigen angeklagten Schwimmlehrer dafür, dass dieser über Monate als einziger Beschuldigter galt. Er sehe ihn nicht allein in der Verantwortung. Es sei deshalb zu prüfen, ob nicht auch ein Organisationsversagen vorliege und zumindest eine Mitverantwortung bei dem Veranstalter liege.

Staatsanwalt Walter hat das inzwischen geprüft und kommt zu einem anderen Ergebnis. Der Tod des Jungen sei tragisch, aber das Amtsgericht habe dem Schwimmlehrer eine individuelle Schuld zugewiesen. Der Schwimmlehrer hätte nach Überzeugung des Richters selbst dafür sorgen können, dass nicht alle Kinder gleichzeitig im Wasser sind. Diese Verantwortung sei nicht auf andere Personen abzuwälzen, so der Staatsanwalt.

Anlass für die Ermittlungen waren die Aussagen des Angeklagten im Prozess. Der Schwimmlehrer betonte, dass er sich bei seinen Vorgesetzten darüber beklagt hatte, alleine für zwölf Kindern im Wasser verantwortlich zu sein. Der Badleiter hätte ihm jedoch zu verstehen gegeben, dass man das immer so gemacht und keinen Anlass für Änderungen sehe. Auch der Stadtwerke-Vorstand habe nicht auf die Kritik reagiert.

Oberster Vorgesetzter des Schwimmlehrers war zu diesem Zeitpunkt Stadtwerke-Vorstand Andreas Schwarze. Sein Rechtsanwalt Tobias Diedrichs widerspricht den Vorwürfen des Schwimmlehrers und des Staatsanwalts allerdings vehement und bezeichnet das Ermittlungsverfahren „auf dieser Grundlage unverantwortlich“. Der Stadtwerke-Vorstand habe erst wenige Tage zuvor die Zuständigkeit für den Bäderbereich übernommen. Die Kurse seien noch von der Stadtverwaltung Bad Oeynhausen beauftragt worden. Der Schwimmlehrer sei als Honorarkraft außerhalb des regulären Badebetriebs mit dem Schwimmkurs beauftragt worden und habe bereits im Vorjahr auf die gleiche Weise Kindern im Hallenbad das Schwimmen beigebracht. Zudem sei der Badleiter längst durch das Gericht von den Vorwürfen freigesprochen worden. „Herr Schwarze bedauert den tragischen Tod des Kindes außerordentlich“, sagte Diedrichs im Auftrag seines Mandanten: „Für die Eltern ist das eine Katastrophe.“ Zugleich sei der Stadtwerke-Vorstand erleichtert, nicht mehr mit dem Ermittlungsvorwurf konfrontiert zu werden. Schwarze selbst wollte sich auf Nachfrage nicht selbst zur Einstellung des Verfahrens äußern.

Nach einer Tauchübung im Anfängerkurs für Nichtschwimmer am Samstagvormittag, 20. Januar 2018, war eines der Kinder nicht wieder aufgetaucht. Der in diesem Moment ins Bad zurückkehrende Badleiter entdeckte den Jungen im tiefen Wasser auf der abfallenden Schräge und zog den leblosen Körper aus dem Wasser. Wiederbelebungsversuche scheiterten. Der Junge verstarb wenig später im Klinikum Minden.

Die juristische Aufarbeitung des tragischen Unfalls ist jetzt vorerst abgeschlossen. Nach Informationen der Redaktion hat der Schwimmlehrer seinen Widerspruch gegen das Urteil zurückgezogen. Das Ermittlungsverfahren gegen den Stadtwerke-Chef war von Amts wegen aufgenommen und ist von Amts wegen eingestellt worden. Bei neuen Hinweisen könnte es allerdings jederzeit wieder aufgenommen werden.

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