Tausende Kinder werden 2020 nicht schwimmen lernen Matthias Bungeroth Bielefeld/Lage. Das Sommerwetter ist zurück und mit ihm der Wunsch vieler Familien, mit den Kindern in einen Badeurlaub zu gehen. Doch was so naheliegend klingt, ist oft ein Problem. Denn viele Kinder können nicht schwimmen und ihr Heer wird im Corona-Jahr 2020 immer größer. Denn die meisten Schwimmkurse fallen aus, wie die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) warnt. „Fest steht, dass viele Zehntausend Kinder, die normalerweise in diesem Jahr schwimmen gelernt hätten, es nicht tun werden", sagt DLRG-Bundessprecher Martin Holzhause auf Anfrage von nw.de. „Bei uns liegt das System sehr flach", bekennt auch Klaus Wagner aus Lage, Sprecher der DLRG Westfalen. Viele Bäder seien geschlossen. Und dort, wo Schwimmkurse möglich seien, gebe es hohe Hygieneauflagen. Sensibel zu sehen seien hier insbesondere die Situationen in den Duschen und Umkleiden. "Wir fangen dann wieder bei Null an" Im März, beim ersten Corona-Lockdown, hätten sämtliche Schwimmkurse in der Region abgebrochen werden müssen. Im Herbst können der Betrieb „eventuell rudimentär" wieder aufgenommen werden, hofft Wagner. „Wir fangen dann wieder bei Null an", bedeute dies für die im März abgebrochenen Kurse. Zudem sei durch die Kurse, die gar nicht stattfinden konnten, ein großer „Rückstau" in der Schwimmausbildung innerhalb dieses Jahres entstanden. Einige Experten, wie der niedersächsische DLRG-Präsident Oliver Liersch, befürchten gar, dass der komplette Schwimmjahrgang 2020 ohne abgeschlossene Kurse in die Geschichte eingehen wird. Das würde seinen Angaben zufolge für Niedersachsen bedeuten, dass 75.000 Kinder nicht schwimmen lernen könnten. Auch in Westfalen ist die Zahl der Kinder, die nicht ausgebildet werden können, riesig. Laut Holzhause haben im Vorjahr in dieser Region rund 22.400 Personen an Schwimmangeboten für Anfänger teilgenommen. Weitere 22.000 besuchten Kurse für Fortgeschrittene.„5.654 Kinder haben ein Seepferdchen abgelegt, 4.946 das Deutsche Jugendschwimmabzeichen Bronze (Freischwimmer), 3.745 Silber und 2.332 Gold", erläutert der DLRG-Sprecher. Die Experten warnen davor, dass sich in der Zeit nach Corona ein Trend verstetigt, der schon in den vergangenen Jahren dazu geführt hat, dass die Zahl der Nichtschwimmer steigt: Die Zahl der Bäder nimmt ab, es gibt weniger Trainingsmöglichkeiten und Wasserzeiten in vorhandenen Einrichtungen. Wagner: „Jeder Bürgermeister, der jetzt ein Bad schließt, muss damit rechnen, dass die Ertrinkungszahlen in zehn Jahren steigen."

Tausende Kinder werden 2020 nicht schwimmen lernen

© Foto: Henning Westerkamp /Pixabay

Bielefeld/Lage. Das Sommerwetter ist zurück und mit ihm der Wunsch vieler Familien, mit den Kindern in einen Badeurlaub zu gehen. Doch was so naheliegend klingt, ist oft ein Problem. Denn viele Kinder können nicht schwimmen und ihr Heer wird im Corona-Jahr 2020 immer größer. Denn die meisten Schwimmkurse fallen aus, wie die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) warnt.

„Fest steht, dass viele Zehntausend Kinder, die normalerweise in diesem Jahr schwimmen gelernt hätten, es nicht tun werden", sagt DLRG-Bundessprecher Martin Holzhause auf Anfrage von nw.de. „Bei uns liegt das System sehr flach", bekennt auch Klaus Wagner aus Lage, Sprecher der DLRG Westfalen. Viele Bäder seien geschlossen. Und dort, wo Schwimmkurse möglich seien, gebe es hohe Hygieneauflagen. Sensibel zu sehen seien hier insbesondere die Situationen in den Duschen und Umkleiden.

"Wir fangen dann wieder bei Null an"

Im März, beim ersten Corona-Lockdown, hätten sämtliche Schwimmkurse in der Region abgebrochen werden müssen. Im Herbst können der Betrieb „eventuell rudimentär" wieder aufgenommen werden, hofft Wagner. „Wir fangen dann wieder bei Null an", bedeute dies für die im März abgebrochenen Kurse. Zudem sei durch die Kurse, die gar nicht stattfinden konnten, ein großer „Rückstau" in der Schwimmausbildung innerhalb dieses Jahres entstanden.

Einige Experten, wie der niedersächsische DLRG-Präsident Oliver Liersch, befürchten gar, dass der komplette Schwimmjahrgang 2020 ohne abgeschlossene Kurse in die Geschichte eingehen wird. Das würde seinen Angaben zufolge für Niedersachsen bedeuten, dass 75.000 Kinder nicht schwimmen lernen könnten. Auch in Westfalen ist die Zahl der Kinder, die nicht ausgebildet werden können, riesig. Laut Holzhause haben im Vorjahr in dieser Region rund 22.400 Personen an Schwimmangeboten für Anfänger teilgenommen. Weitere 22.000 besuchten Kurse für Fortgeschrittene.„5.654 Kinder haben ein Seepferdchen abgelegt, 4.946 das Deutsche Jugendschwimmabzeichen Bronze (Freischwimmer), 3.745 Silber und 2.332 Gold", erläutert der DLRG-Sprecher.

Die Experten warnen davor, dass sich in der Zeit nach Corona ein Trend verstetigt, der schon in den vergangenen Jahren dazu geführt hat, dass die Zahl der Nichtschwimmer steigt: Die Zahl der Bäder nimmt ab, es gibt weniger Trainingsmöglichkeiten und Wasserzeiten in vorhandenen Einrichtungen. Wagner: „Jeder Bürgermeister, der jetzt ein Bad schließt, muss damit rechnen, dass die Ertrinkungszahlen in zehn Jahren steigen."

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