Täter hoffen in der Türkei auf Milde Kindermörder legt Rechtsmittel ein / Eifersuchtsmörder will zurück Von Hubertus Gärtner Bielefeld/Paderborn (nw). Ein Jahr nach seiner Verurteilung befindet sich der Kindermörder Ali Kur (30) in der Türkei immer noch in Untersuchungshaft. Kur habe Rechtsmittel eingelegt, über seinen Fall müsse nun in der Türkei ein sogenanntes Appellationsgericht entscheiden, sagte der Paderborner Oberstaatsanwalt Horst Rürup. Ali Kur wurde für schuldig befunden, am 12. Januar 2009 die achtjährige Kardelen aus Paderborn missbraucht und ermordet zu haben. Nach der grausamen Tat war er zusammen mit seiner Ehefrau in die Türkei geflohen. Vor einem Gericht in der türkischen Stadt Söke wurde der Täter am 24. Dezember 2009 zu lebenslanger Haft plus 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Sollte dieses erstinstanzliche Urteil vom Appellationsgericht bestätigt werden, dann könne Kur definitiv nicht in den Genuss einer vorzeitigen Begnadigung kommen, sagt Rürup. Die Richter in Söke hätten diese Möglichkeit ganz bewusst "durch die zusätzliche Verhängung einer zeitlichen Freiheitsstrafe" verbaut.Gnadenakt für LebenslänglicheIn der Vergangenheit hatte es in der Türkei mehrfach Gnadenakte für zu lebenslanger Haft verurteilte Täter gegeben. In einem anderen Fall verweigern deshalb jetzt die Bielefelder Staatsanwaltschaft und die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm einem zu lebenslanger Haft verurteilten Türken die Ausreise in seine Heimat. Önder B. (28) hatte am Neujahrstag 2009 in Harsewinkel seine Ehefrau (18) aus Eifersucht auf bestialische Weise getötet. Das Opfer wurde mit einem Messer und einem Billardstock malträtiert und mehrfach mit dem Auto überfahren. Önder B. verbüßt seine lebenslange Freiheitsstrafe in der JVA Bielefeld-Brackwede. Er hat beantragt, die Strafe in seiner türkischen Heimat absitzen zu dürfen.Der Mörder berufe sich auf ein Übereinkommen zur Strafvollstreckung, das unter anderen Staaten auch Deutschland und die Türkei unterzeichnet hätten, sagt der Bielefelder Staatsanwalt Christoph Mackel. Seine Behörde und die Generalstaatsanwaltschaft hätten den Antrag abgelehnt, weil "nicht sichergestellt sei, dass gegen Önder B. in der Türkei lange genug vollstreckt werde".In Deutschland müssen Täter bei lebenslanger Haft mindestens 15 Jahre im Gefängnis verbringen. Önder B. müsse "genauso behandelt werden wie andere zu lebenslanger Haft verurteilte Täter".Detlev Binder, Verteidiger von Önder B., will beim Oberlandesgericht in Hamm eine Entscheidung beantragen. Deutschland habe das oben erwähnte Abkommen unterzeichnet, es dürfe jetzt nicht die türkische Strafvollstreckung in Zweifel ziehen.

Täter hoffen in der Türkei auf Milde

Bielefeld/Paderborn (nw). Ein Jahr nach seiner Verurteilung befindet sich der Kindermörder Ali Kur (30) in der Türkei immer noch in Untersuchungshaft. Kur habe Rechtsmittel eingelegt, über seinen Fall müsse nun in der Türkei ein sogenanntes Appellationsgericht entscheiden, sagte der Paderborner Oberstaatsanwalt Horst Rürup.

Ali Kur wurde für schuldig befunden, am 12. Januar 2009 die achtjährige Kardelen aus Paderborn missbraucht und ermordet zu haben. Nach der grausamen Tat war er zusammen mit seiner Ehefrau in die Türkei geflohen. Vor einem Gericht in der türkischen Stadt Söke wurde der Täter am 24. Dezember 2009 zu lebenslanger Haft plus 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Sollte dieses erstinstanzliche Urteil vom Appellationsgericht bestätigt werden, dann könne Kur definitiv nicht in den Genuss einer vorzeitigen Begnadigung kommen, sagt Rürup. Die Richter in Söke hätten diese Möglichkeit ganz bewusst "durch die zusätzliche Verhängung einer zeitlichen Freiheitsstrafe" verbaut.

Gnadenakt für Lebenslängliche

In der Vergangenheit hatte es in der Türkei mehrfach Gnadenakte für zu lebenslanger Haft verurteilte Täter gegeben. In einem anderen Fall verweigern deshalb jetzt die Bielefelder Staatsanwaltschaft und die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm einem zu lebenslanger Haft verurteilten Türken die Ausreise in seine Heimat. Önder B. (28) hatte am Neujahrstag 2009 in Harsewinkel seine Ehefrau (18) aus Eifersucht auf bestialische Weise getötet. Das Opfer wurde mit einem Messer und einem Billardstock malträtiert und mehrfach mit dem Auto überfahren. Önder B. verbüßt seine lebenslange Freiheitsstrafe in der JVA Bielefeld-Brackwede. Er hat beantragt, die Strafe in seiner türkischen Heimat absitzen zu dürfen.

Der Mörder berufe sich auf ein Übereinkommen zur Strafvollstreckung, das unter anderen Staaten auch Deutschland und die Türkei unterzeichnet hätten, sagt der Bielefelder Staatsanwalt Christoph Mackel. Seine Behörde und die Generalstaatsanwaltschaft hätten den Antrag abgelehnt, weil "nicht sichergestellt sei, dass gegen Önder B. in der Türkei lange genug vollstreckt werde".

In Deutschland müssen Täter bei lebenslanger Haft mindestens 15 Jahre im Gefängnis verbringen. Önder B. müsse "genauso behandelt werden wie andere zu lebenslanger Haft verurteilte Täter".

Detlev Binder, Verteidiger von Önder B., will beim Oberlandesgericht in Hamm eine Entscheidung beantragen. Deutschland habe das oben erwähnte Abkommen unterzeichnet, es dürfe jetzt nicht die türkische Strafvollstreckung in Zweifel ziehen.

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