Bielefeld Streit um Gutachten: Ursache für Imbisswagen-Explosion am Siegfriedplatz Bielefeld. Die Explosion einer Gasflasche im Inneren eines japanischen Imbisswagens am 15. Juni auf dem Siegfriedplatz hätte beinahe ein Todesopfer zur Folge gehabt. Lange schwebte der 32-jährige Koch Kohei Matsumoto, der sich zum Unglückszeitpunkt im Wagen befand, mit Verbrennungen dritten Grades in Lebensgefahr. Seit geraumer Zeit sei er aber aus dem Koma erwacht, könne selbstständig atmen und spreche auch wieder, sagt sein Freund und Berater Peter Herden von der deutsch-japanischen Gesellschaft. Kohei blicke bereits wieder hoffnungsvoll in die Zukunft: „Er hofft, dass er in vier Wochen schon in die Reha gehen kann." Allerdings eine Sache liegt dem „Ramen"-Meister (Ramen sind asiatische Nudelsuppen) und seinen beiden Mitbetroffenen schwer im Magen. Wie Staatsanwalt Christopher York mitteilte, liegt inzwischen das Sachverständigengutachten zur Ursache des Unglücks vor: „Der Sachverständige hat im Brandschutt keinen Druckminderer gefunden. Fehlt der, kann im Gasschlauch und der Anlage zu viel Druck gewesen sein", erklärt York. Deshalb gehen die Behörden davon aus, dass der fehlende Druckminderer Ursache für das explosionsartige Platzen der Flasche war. Allerdings, so räumt auch York ein, sei das nur ein Rückschluss. 100-prozentig rekonstruierbar sei das Unglück nicht mehr. Auch die Befragung der Verletzten sei auch noch nicht abgeschlossen. „Dieser Vorwurf macht die drei Betreiber sehr betroffen", erklärt Herden. „Insbesondere für Japaner sei der Vorwurf, nicht korrekt gearbeitet zu haben, schwer zu verkraften." Alle drei Männer – neben Matsumoto waren noch zwei Kollegen (33, 50) anwesend, die aber vor dem Imbiss standen und daher leichtere Brandverletzungen erlitten – hätten Traumata. Wie berichtet, hatten sich beide auf ihren brennenden Freund geworfen und mit den bloßen Händen versucht, die Flammen zu löschen. Peter Herden berät die Köche aus Osaka schon seit eineinhalb Jahren bei ihrem Traum, ein eigenes Restaurant an der Arndtstraße zu eröffnen. Wegen des belastenden Gutachtens hat er sich intensiv mit der Gasanlage und ihrer Installation beschäftigt. „Wir können beweisen, dass an der angeschlossenen Gasflasche ein Druckminderer befestigt war." Herden weist auf eine große Überwurfmutter an dem Gewinde der kohlschwarzen Falsche hin: „Die gehört zum Druckminderer. Der einfache Schlauchanschluss hat eine viel kleinere Mutter." Dass der Druckminderer nicht mehr zu finden war, führt Herden auf die enorme Hitze zurück, die bei dem Unglück entstanden sein muss. „Möglicherweise ist der Druckminderer, der in der Regel aus Aluminium gefertigt wird, geschmolzen." Er betont: „Die drei wissen nicht, was den Unfall verursacht hat. Sicher ist, dass der Gasanschluss vorschriftsmäßig und geprüft war. Mit Sicherheit schließen wir den Betrieb ohne Druckminderer aus." Und nach mehr als 50 Einsätzen mit dem Imbisswagen seien auch alle drei mit der Anlage vertraut gewesen. Dass die Ramen-Köche überhaupt auf dem mobilen Verkauf setzten, hat mit einer anderen beruflichen Problematik zu tun. Ihr Restaurant „S’j Ramen" an der Arndtstraße sei schon länger betriebsbereit. Aber es gebe noch technische Hindernisse, um die Entlüftung endgültig herzustellen. So lange das nicht gelöst werde, sei die seit Herbst geplante Eröffnung nicht möglich, sagt der Schatzmeister der deutsch-japanischen Gesellschaft, der die Köche von Beginn an unternehmerisch berät.
Bielefeld

Streit um Gutachten: Ursache für Imbisswagen-Explosion am Siegfriedplatz

Der Imbisswagen brannte nach der Explosion komplett ab. Ursache soll eine der Gasflaschen gewesen sein. © Wolfgang Rudolf

Bielefeld. Die Explosion einer Gasflasche im Inneren eines japanischen Imbisswagens am 15. Juni auf dem Siegfriedplatz hätte beinahe ein Todesopfer zur Folge gehabt. Lange schwebte der 32-jährige Koch Kohei Matsumoto, der sich zum Unglückszeitpunkt im Wagen befand, mit Verbrennungen dritten Grades in Lebensgefahr.

Seit geraumer Zeit sei er aber aus dem Koma erwacht, könne selbstständig atmen und spreche auch wieder, sagt sein Freund und Berater Peter Herden von der deutsch-japanischen Gesellschaft. Kohei blicke bereits wieder hoffnungsvoll in die Zukunft: „Er hofft, dass er in vier Wochen schon in die Reha gehen kann."

Allerdings eine Sache liegt dem „Ramen"-Meister (Ramen sind asiatische Nudelsuppen) und seinen beiden Mitbetroffenen schwer im Magen. Wie Staatsanwalt Christopher York mitteilte, liegt inzwischen das Sachverständigengutachten zur Ursache des Unglücks vor: „Der Sachverständige hat im Brandschutt keinen Druckminderer gefunden.

Fehlt der, kann im Gasschlauch und der Anlage zu viel Druck gewesen sein", erklärt York. Deshalb gehen die Behörden davon aus, dass der fehlende Druckminderer Ursache für das explosionsartige Platzen der Flasche war. Allerdings, so räumt auch York ein, sei das nur ein Rückschluss. 100-prozentig rekonstruierbar sei das Unglück nicht mehr. Auch die Befragung der Verletzten sei auch noch nicht abgeschlossen.

Der Gutachter hat im Brandschutt den Druckminderer nicht gefunden, der am Gasflaschenventil befestigt sein muss. Die Betreiber bringen Gegenbeweise, die zeigen sollen, dass er installiert gewesen sein muss. - © Wolfgang Rudolf
Der Gutachter hat im Brandschutt den Druckminderer nicht gefunden, der am Gasflaschenventil befestigt sein muss. Die Betreiber bringen Gegenbeweise, die zeigen sollen, dass er installiert gewesen sein muss. - © Wolfgang Rudolf

„Dieser Vorwurf macht die drei Betreiber sehr betroffen", erklärt Herden. „Insbesondere für Japaner sei der Vorwurf, nicht korrekt gearbeitet zu haben, schwer zu verkraften."

Alle drei Männer – neben Matsumoto waren noch zwei Kollegen (33, 50) anwesend, die aber vor dem Imbiss standen und daher leichtere Brandverletzungen erlitten – hätten Traumata. Wie berichtet, hatten sich beide auf ihren brennenden Freund geworfen und mit den bloßen Händen versucht, die Flammen zu löschen.

Peter Herden berät die Köche aus Osaka schon seit eineinhalb Jahren bei ihrem Traum, ein eigenes Restaurant an der Arndtstraße zu eröffnen. Wegen des belastenden Gutachtens hat er sich intensiv mit der Gasanlage und ihrer Installation beschäftigt. „Wir können beweisen, dass an der angeschlossenen Gasflasche ein Druckminderer befestigt war." Herden weist auf eine große Überwurfmutter an dem Gewinde der kohlschwarzen Falsche hin: „Die gehört zum Druckminderer. Der einfache Schlauchanschluss hat eine viel kleinere Mutter."

Dass der Druckminderer nicht mehr zu finden war, führt Herden auf die enorme Hitze zurück, die bei dem Unglück entstanden sein muss. „Möglicherweise ist der Druckminderer, der in der Regel aus Aluminium gefertigt wird, geschmolzen." Er betont: „Die drei wissen nicht, was den Unfall verursacht hat. Sicher ist, dass der Gasanschluss vorschriftsmäßig und geprüft war. Mit Sicherheit schließen wir den Betrieb ohne Druckminderer aus." Und nach mehr als 50 Einsätzen mit dem Imbisswagen seien auch alle drei mit der Anlage vertraut gewesen.

Zwei der Brandopfer sind bereits aus dem Krankenhaus entlassen: Jens Jörke (l.) und Satoshi Nakao (r.). Sie bedanken sich herzlich für die angestoßene Spendenaktion von Enno Calsin Borda und Anna Maria Berlin (Mitte, v.l.). - © Wolfgang Rudolf
Zwei der Brandopfer sind bereits aus dem Krankenhaus entlassen: Jens Jörke (l.) und Satoshi Nakao (r.). Sie bedanken sich herzlich für die angestoßene Spendenaktion von Enno Calsin Borda und Anna Maria Berlin (Mitte, v.l.). - © Wolfgang Rudolf

Dass die Ramen-Köche überhaupt auf dem mobilen Verkauf setzten, hat mit einer anderen beruflichen Problematik zu tun. Ihr Restaurant „S’j Ramen" an der Arndtstraße sei schon länger betriebsbereit. Aber es gebe noch technische Hindernisse, um die Entlüftung endgültig herzustellen. So lange das nicht gelöst werde, sei die seit Herbst geplante Eröffnung nicht möglich, sagt der Schatzmeister der deutsch-japanischen Gesellschaft, der die Köche von Beginn an unternehmerisch berät.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Regionales