Stemwede Stellenabbau bei ZF: "Weltweit haben sie schon viele rausgeworfen" Joern Spreen-Ledebur Stemwede. Der geplante Stellenabbau bei der ZF Friedrichshafen AG sorgt für Diskussionen im Nordkreis. Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet, dass der Zulieferer der Automobil-Industrie in der Dümmer-Region rund 1.000 Arbeitsplätze streicht. Sollte das zutreffen, dann wäre das hier fast jeder dritte Job. ZF beschäftigt in der Dümmer-Region derzeit knapp 3.300 Mitarbeiter. Davon sind allein am Standort Dielingen inklusive der 150 Auszubildenden knapp 2.100 Menschen tätig. In Dielingen ist ZF mit der Nutzfahrzeug-Sparte und dem weltweiten Hauptquartier der Division Pkw-Fahrwerktechnik vertreten. Auch in Espelkamp arbeiten Menschen für die ZF Friedrichshafen AG. Gegen den drohenden Stellenabbau und den Verkauf des Werkes Electronic Interfaces (Schaltungssysteme) in Diepholz protestierten wie berichtet knapp 1.000 Menschen bei einer Demo in Diepholz. Landrat Cord Bockhop und der Diepholzer Bürgermeister Florian Marré waren der Einladung der IG Metall nicht gefolgt – was die Teilnehmer mit lauten Buh-Rufen quittierten. Auch die IG Metall war ob des Fernbleibens irritiert. Bockhop und Marré hätten erklärt, sich im Moment nicht positionieren zu wollen, hieß es am Rand der Kundgebung seitens der Gewerkschaft. Friedrich Hartmann, 1. Bevollmächtigter der für die ZF-Standorte in der Region zuständigen IG Metall Nienburg-Stadthagen, und sein ehrenamtlicher Stellvertreter Stefan Brandt erinnerten an die 2016 beschlossenen Vereinbarungen, die eine Jobgarantie bis Ende des nächsten Jahres vorsieht. Die Belegschaft habe außerdem auf eine ihr zustehende zweiprozentige Lohnerhöhung verzichtet. Ziel der Gespräche sei es, die Beschäftigungssicherung über das Jahr 2022 hinaus zu verlängern. Wegen der Coronakrise sei ZF voriges Jahr massiv in Kurzarbeit gegangen, merkte Stefan Brandt an, der auch stellvertretender Vorsitzender des Personalrates im Werk Dielingen ist. „Weltweit haben sie schon viele rausgeworfen." Brandt erinnerte an die so genannten Zielbild-Gespräche, wie die Zukunft an jedem Standort in den nächsten Jahren aussehen soll – mit Sicherung der Beschäftigung. „Am Ende eines Tages ist es entscheidend, dass sie uns Arbeit bringen." Davon sei im Moment aber nicht die Rede, kritisiert der Dielinger Betriebsrats-Vize die nach Angaben der Gewerkschaft fehlenden Aussagen aus der Konzernleitung zu den Standorten in der Dümmer-Region. Der Standort Damme wird wie berichtet Ende 2023 geschlossen. Hier arbeiten noch 350 Mitarbeiter. Wie es mit denen weitergeht, die nicht in Vorruhestand gehen, ist laut IG Metall offen. Es gebe keine Angaben der ZF-Konzernleitung. Stefan Brandt und Friedrich Hartmann erinnerten daran, dass es derzeit für ZF offenbar genug Arbeit gebe. Es werde an den Standorten wie in Dielingen auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet. Zudem habe ZF das Unternehmen Wabco (Hannover) übernommen, einen Zulieferer für die Nutzfahrzeug-Industrie. Dieser Kauf sei auch sinnvoll, sagte Brandt im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Langfristig würden wegen der E-Mobilität bei Lkw neue Antriebssysteme benötigt. „Aber wir können Fahrwerk-Technik und Wabco hat die Assistenz-Systeme." Der Notbrems-Assistent etwa werde viele Auffahr-Unfälle durch Lkw verhindern. Die Gewerkschafter bezeichneten den Wabco-Kauf und die Synergien als gutes Geschäft für ZF. Einen Verkauf des Diepholzer EI-Werkes lehnt die IG Metall kategorisch ab. „Da muss es Alternativen geben", sagen Hartmann und Brandt und können sich vorstellen, dass in Diepholz neue Technologien entwickelt werden. Sollte das Werk trotzdem verkauft werden, befürchten die Gewerkschafter, „dass der Käufer es ausschlachtet und dann zu macht." Sie verweisen auf die schlechten Erfahrungen, als ZF im Jahr 2006 den Werkzeugbau in Dielingen verkaufte. Etwas später habe dieser Betrieb zugemacht und die Mitarbeiter hätten auf der Straße gestanden. Auch die Kollegen der ZF-Kunststoffsparte Boge, die nach dem Verkauf von Boge Rubber & Plastics durch ZF in Damme für den chinesischen TMT-Konzern arbeiteten, hätten seit 2013 schwere Zeiten durchlebt. Nun soll TMT laut IG Metall in Damme Eigenbedarf angemeldet und ZF den Mietvertrag gekündigt haben. Den Verkauf von Boge an TMT hatte übrigens der damalige ZF-Vorstandsvorsitzende Stefan Sommer verkündet und Anfang 2014 von einer Stärkung beider Unternehmen auf dem Weltmarkt gesprochen. Drei Jahre später verlor Sommer seinen Posten. Er hatte den Machtkampf mit dem Friedrichshafener Bürgermeister als Vertreter der Zeppelin-Stiftung um die künftige Ausrichtung des Konzerns verloren. Die Gewerkschafter können es nicht glauben, dass das Unternehmen nun ein Werk wie das EI-Werk in Diepholz als einem Eigentümer-Standort verkaufen wolle, sagten Brandt und Hartmann. ZF gehöre doch zwei Stiftungen – der Zeppelin-Stiftung in Friedrichshafen und der Ulderup-Stiftung in Diepholz. Und da solle nun rasiert werden. Hartmann und Brandt dazu: „Das würden sie sich in Friedrichshafen nicht trauen." Vielleicht hatten sie da den Machtkampf im Blick, den Stefan Sommer vor vier Jahren gegen Friedrichshafen verlor.
Stemwede

Stellenabbau bei ZF: "Weltweit haben sie schon viele rausgeworfen"

"Wir halten zusammen und dieser Zusammenhalt ist wichtig", sagte Stefan Brandt, stellvertretender Vorsitzender des Betriebsrates im ZF-Werk Dielingen. © Joern Spreen-Ledebur

Stemwede. Der geplante Stellenabbau bei der ZF Friedrichshafen AG sorgt für Diskussionen im Nordkreis. Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet, dass der Zulieferer der Automobil-Industrie in der Dümmer-Region rund 1.000 Arbeitsplätze streicht. Sollte das zutreffen, dann wäre das hier fast jeder dritte Job.

ZF beschäftigt in der Dümmer-Region derzeit knapp 3.300 Mitarbeiter. Davon sind allein am Standort Dielingen inklusive der 150 Auszubildenden knapp 2.100 Menschen tätig. In Dielingen ist ZF mit der Nutzfahrzeug-Sparte und dem weltweiten Hauptquartier der Division Pkw-Fahrwerktechnik vertreten. Auch in Espelkamp arbeiten Menschen für die ZF Friedrichshafen AG.

"Wir zeigen, dass sich diese Region das nicht gefallen lässt", sagte Friedrich Hartmann, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Nienburg-Stadthagen, zum geplanten Jobabbau bei ZF. "Es geht nicht nur um Jobs, es geht um Menschen." - © Joern Spreen-Ledebur
"Wir zeigen, dass sich diese Region das nicht gefallen lässt", sagte Friedrich Hartmann, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Nienburg-Stadthagen, zum geplanten Jobabbau bei ZF. "Es geht nicht nur um Jobs, es geht um Menschen." - © Joern Spreen-Ledebur

Gegen den drohenden Stellenabbau und den Verkauf des Werkes Electronic Interfaces (Schaltungssysteme) in Diepholz protestierten wie berichtet knapp 1.000 Menschen bei einer Demo in Diepholz. Landrat Cord Bockhop und der Diepholzer Bürgermeister Florian Marré waren der Einladung der IG Metall nicht gefolgt – was die Teilnehmer mit lauten Buh-Rufen quittierten. Auch die IG Metall war ob des Fernbleibens irritiert. Bockhop und Marré hätten erklärt, sich im Moment nicht positionieren zu wollen, hieß es am Rand der Kundgebung seitens der Gewerkschaft.

Setzten auf Zusammenarbeit: Durch den Verkauf der Sparte Gummi/Kunststoff an TMT werde die Position beider Unternehmen auf dem Weltmarkt gestärkt, sagten Anfang Januar 2014 der damalige ZF-Konzernchef Stefan Sommer und CSR-Vizepräsident Jianguo Fu. Sommer verlor 2017 seinen Posten nach internen Auseinandersetzungen um die künftige Ausrichtung des Konzerns und trat daraufhin zurück. - © Joern Spreen-Ledebur
Setzten auf Zusammenarbeit: Durch den Verkauf der Sparte Gummi/Kunststoff an TMT werde die Position beider Unternehmen auf dem Weltmarkt gestärkt, sagten Anfang Januar 2014 der damalige ZF-Konzernchef Stefan Sommer und CSR-Vizepräsident Jianguo Fu. Sommer verlor 2017 seinen Posten nach internen Auseinandersetzungen um die künftige Ausrichtung des Konzerns und trat daraufhin zurück. - © Joern Spreen-Ledebur

Friedrich Hartmann, 1. Bevollmächtigter der für die ZF-Standorte in der Region zuständigen IG Metall Nienburg-Stadthagen, und sein ehrenamtlicher Stellvertreter Stefan Brandt erinnerten an die 2016 beschlossenen Vereinbarungen, die eine Jobgarantie bis Ende des nächsten Jahres vorsieht. Die Belegschaft habe außerdem auf eine ihr zustehende zweiprozentige Lohnerhöhung verzichtet.

Ziel der Gespräche sei es, die Beschäftigungssicherung über das Jahr 2022 hinaus zu verlängern. Wegen der Coronakrise sei ZF voriges Jahr massiv in Kurzarbeit gegangen, merkte Stefan Brandt an, der auch stellvertretender Vorsitzender des Personalrates im Werk Dielingen ist. „Weltweit haben sie schon viele rausgeworfen."

Brandt erinnerte an die so genannten Zielbild-Gespräche, wie die Zukunft an jedem Standort in den nächsten Jahren aussehen soll – mit Sicherung der Beschäftigung. „Am Ende eines Tages ist es entscheidend, dass sie uns Arbeit bringen." Davon sei im Moment aber nicht die Rede, kritisiert der Dielinger Betriebsrats-Vize die nach Angaben der Gewerkschaft fehlenden Aussagen aus der Konzernleitung zu den Standorten in der Dümmer-Region.

Der Standort Damme wird wie berichtet Ende 2023 geschlossen. Hier arbeiten noch 350 Mitarbeiter. Wie es mit denen weitergeht, die nicht in Vorruhestand gehen, ist laut IG Metall offen. Es gebe keine Angaben der ZF-Konzernleitung. Stefan Brandt und Friedrich Hartmann erinnerten daran, dass es derzeit für ZF offenbar genug Arbeit gebe. Es werde an den Standorten wie in Dielingen auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet.

Zudem habe ZF das Unternehmen Wabco (Hannover) übernommen, einen Zulieferer für die Nutzfahrzeug-Industrie. Dieser Kauf sei auch sinnvoll, sagte Brandt im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Langfristig würden wegen der E-Mobilität bei Lkw neue Antriebssysteme benötigt. „Aber wir können Fahrwerk-Technik und Wabco hat die Assistenz-Systeme." Der Notbrems-Assistent etwa werde viele Auffahr-Unfälle durch Lkw verhindern. Die Gewerkschafter bezeichneten den Wabco-Kauf und die Synergien als gutes Geschäft für ZF.

Einen Verkauf des Diepholzer EI-Werkes lehnt die IG Metall kategorisch ab. „Da muss es Alternativen geben", sagen Hartmann und Brandt und können sich vorstellen, dass in Diepholz neue Technologien entwickelt werden. Sollte das Werk trotzdem verkauft werden, befürchten die Gewerkschafter, „dass der Käufer es ausschlachtet und dann zu macht."

Sie verweisen auf die schlechten Erfahrungen, als ZF im Jahr 2006 den Werkzeugbau in Dielingen verkaufte. Etwas später habe dieser Betrieb zugemacht und die Mitarbeiter hätten auf der Straße gestanden. Auch die Kollegen der ZF-Kunststoffsparte Boge, die nach dem Verkauf von Boge Rubber & Plastics durch ZF in Damme für den chinesischen TMT-Konzern arbeiteten, hätten seit 2013 schwere Zeiten durchlebt. Nun soll TMT laut IG Metall in Damme Eigenbedarf angemeldet und ZF den Mietvertrag gekündigt haben.

Den Verkauf von Boge an TMT hatte übrigens der damalige ZF-Vorstandsvorsitzende Stefan Sommer verkündet und Anfang 2014 von einer Stärkung beider Unternehmen auf dem Weltmarkt gesprochen. Drei Jahre später verlor Sommer seinen Posten. Er hatte den Machtkampf mit dem Friedrichshafener Bürgermeister als Vertreter der Zeppelin-Stiftung um die künftige Ausrichtung des Konzerns verloren.

Die Gewerkschafter können es nicht glauben, dass das Unternehmen nun ein Werk wie das EI-Werk in Diepholz als einem Eigentümer-Standort verkaufen wolle, sagten Brandt und Hartmann. ZF gehöre doch zwei Stiftungen – der Zeppelin-Stiftung in Friedrichshafen und der Ulderup-Stiftung in Diepholz. Und da solle nun rasiert werden. Hartmann und Brandt dazu: „Das würden sie sich in Friedrichshafen nicht trauen." Vielleicht hatten sie da den Machtkampf im Blick, den Stefan Sommer vor vier Jahren gegen Friedrichshafen verlor.

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