So wird die Corona-Schutzimpfung beim Hausarzt ablaufen Gregor Winkler Bielefeld. Die Impfung gegen das Coronavirus kommt. Sie kommt langsam - zu langsam meinen einige. Aber Neuzulassungen bei den Medikamenten, wie etwa dem Wirkstoff von Astrazeneca, oder zusätzlich eingerichtete Produktionsstandorte für bereits zugelassene Vakzine kurbeln die Kampagne an. "Die Zahl der täglich verabreichten Impfungen wird Zug um Zug steigen. Es wird nach und nach genug Impfstoff für alle in Deutschland geben. Wir können voraussichtlich im Sommer allen ein Impfangebot machen", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in seiner Regierungserklärung. Neben den Impfzentren steht auch die große Gruppe der Hausärzte in den Startlöchern. Sie könnten in Sachen Impfung einen zusätzlichen Turbo zünden. Wann können die Hausarztpraxen in die Impfkampagne einsteigen? Die Antwort ist einfach: Sobald ein geeignetes Vakzin geliefert werden kann. Das bedeutet, dass einer der einfach zu lagernden Impfstoffe in ausreichender Menge vorhanden sein muss. Das kann noch dauern: "Ich vermute, dass wir gegen Ende Februar den ersten Impfstoff in den Praxen haben werden", sagt Ulrich Polenz, Chef der Bezirksstelle Paderborn der Kassenärztlichen Vereinigung. Sicher 90 Prozent seiner Kollegen seien bereit, in ihren Praxen zu impfen, vermutet der erste Vorsitzende der Initiative Bielefelder Hausärzte, Johannes Hartmann. Auch Wolfram Coesfeld, erster Vorsitzender des Ärztevereins Gütersloh, bestätigt: "Wir wollen die Impfung vorantreiben. Die Bereitschaft bei den Ärzten ist groß." Haben die Hausärzte die Kapazitäten, um gegen Corona zu impfen? Ja, aber immer unter der Voraussetzung, dass ein Impfstoff geliefert wird. Internist Coesfeld betont: "In den Hausarztpraxen liegt eine extreme Expertise. Wir impfen gegen alles." Allgemeinmediziner Polenz verdeutlicht: "Im Frühjahr wurden 20 Millionen Dosen Grippeimpfstoff überwiegend in den Praxen verimpft. Vom Handling her ist das das Gleiche." Johannes Hartmann, ebenfalls Internist, ergänzt: "Wenn ein gutes Vertrauensverhältnis besteht, ist das von Vorteil." Gerade dadurch könnten Hausärzte ihre Patienten auch von einer Impfung überzeugen. Ein Vorteil sei auch, dass mögliche Risiken für die Patienten, wie Allergien, beim Hausarzt bekannt seien. Einen möglichen Notfall müsse der Mediziner beherrschen. "Durch die vorhandenen Daten entfällt zudem ein Wust von Bürokratie", erklärt Coesfeld. Wer sollte sich beim Hausarzt impfen lassen? Hausärzte dürfen wie alle anderen Ärzte nur die Gruppen impfen, die gemäß der Prioritätenliste an der Reihe sind. Eine Vermutung liegt auf der Hand: Gerade ältere Menschen werden sich schwertun, online oder über die Hotline einen Termin im Impfzentrum zu machen. Hinzu kommt die oft fehlende Mobilität, um die teilweise weit entfernt liegenden Einrichtungen zu erreichen. Da ist der Weg zum Hausarzt meist kürzer. "Ich bin überzeugt, dass 80 Prozent der Älteren sich lieber vom Hausarzt impfen lassen werden", rechnet Wolfram Coesfeld vor. Die Hausärzte stehen bereit für alle, die nicht durch ein Impfzentrum abgedeckt werden", verspricht Johannes Hartmann. Werden die Impfzentren überflüssig, sobald die Hausärzte impfen können? Nein, sagen die Ärztevertreter, denn sobald eine große Menge Impfstoff da ist, sollte der auch zügig verimpft werden. Dazu benötigt man große Kapazitäten. "Als schnell über die Einrichtung der Zentren entschieden werden musste, wussten wir noch fast nichts über die möglichen Impfstoffe. Wenn wir die Entscheidungen jetzt infrage stellen, ist es, als ob man sich montags ärgert, die Lottozahlen vom Samstag nicht getippt zu haben", verdeutlicht Ulrich Polenz. In den Zentren sei der Impfstoff auch bereits vorhanden. "Der Vorteil der Impfzentren ist, dass wir dort sehr schnell eine große Zahl an Menschen durchimpfen können", stellt Johannes Hartmann klar. Wie lauten die Prognosen der Hausärzte für die Impfkampagne? "Die bisherige Strategie, zuerst in den Heimen zu impfen, war vollkommen richtig", meint Coesfeld. "In den Paderborner Heimen wird es in vier Wochen keine coronabedingten Todesfälle mehr geben. Das ist ein Riesenerfolg", zeigt sich Polenz optimistisch. Kritisch sehen die Mediziner das künftige Termin-Vergabesystem. "Das könnte schnell zusammenbrechen", vermutet Johannes Hartmann. Die Hausärzte werden nach Kräften unterstützen. "Da herrscht viel Einfallsreichtum", verkündet Polenz, und Coesfeld glaubt, "dass einige Kollegen auch mal am Sonntag ihre Praxis öffnen werden."

So wird die Corona-Schutzimpfung beim Hausarzt ablaufen

Die Hausärzte können die Impfkampagne beschleunigen. © Pixabay

Bielefeld. Die Impfung gegen das Coronavirus kommt. Sie kommt langsam - zu langsam meinen einige. Aber Neuzulassungen bei den Medikamenten, wie etwa dem Wirkstoff von Astrazeneca, oder zusätzlich eingerichtete Produktionsstandorte für bereits zugelassene Vakzine kurbeln die Kampagne an. "Die Zahl der täglich verabreichten Impfungen wird Zug um Zug steigen. Es wird nach und nach genug Impfstoff für alle in Deutschland geben. Wir können voraussichtlich im Sommer allen ein Impfangebot machen", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in seiner Regierungserklärung. Neben den Impfzentren steht auch die große Gruppe der Hausärzte in den Startlöchern. Sie könnten in Sachen Impfung einen zusätzlichen Turbo zünden.

Wann können die Hausarztpraxen in die Impfkampagne einsteigen?

Die Antwort ist einfach: Sobald ein geeignetes Vakzin geliefert werden kann. Das bedeutet, dass einer der einfach zu lagernden Impfstoffe in ausreichender Menge vorhanden sein muss. Das kann noch dauern: "Ich vermute, dass wir gegen Ende Februar den ersten Impfstoff in den Praxen haben werden", sagt Ulrich Polenz, Chef der Bezirksstelle Paderborn der Kassenärztlichen Vereinigung. Sicher 90 Prozent seiner Kollegen seien bereit, in ihren Praxen zu impfen, vermutet der erste Vorsitzende der Initiative Bielefelder Hausärzte, Johannes Hartmann. Auch Wolfram Coesfeld, erster Vorsitzender des Ärztevereins Gütersloh, bestätigt: "Wir wollen die Impfung vorantreiben. Die Bereitschaft bei den Ärzten ist groß."

Haben die Hausärzte die Kapazitäten, um gegen Corona zu impfen?
Ulrich Polenz, Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, Leiter der Bezirksstelle Paderborn. - © Jens Reddeker
Ulrich Polenz, Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, Leiter der Bezirksstelle Paderborn. - © Jens Reddeker

Ja, aber immer unter der Voraussetzung, dass ein Impfstoff geliefert wird. Internist Coesfeld betont: "In den Hausarztpraxen liegt eine extreme Expertise. Wir impfen gegen alles." Allgemeinmediziner Polenz verdeutlicht: "Im Frühjahr wurden 20 Millionen Dosen Grippeimpfstoff überwiegend in den Praxen verimpft. Vom Handling her ist das das Gleiche." Johannes Hartmann, ebenfalls Internist, ergänzt: "Wenn ein gutes Vertrauensverhältnis besteht, ist das von Vorteil." Gerade dadurch könnten Hausärzte ihre Patienten auch von einer Impfung überzeugen. Ein Vorteil sei auch, dass mögliche Risiken für die Patienten, wie Allergien, beim Hausarzt bekannt seien. Einen möglichen Notfall müsse der Mediziner beherrschen. "Durch die vorhandenen Daten entfällt zudem ein Wust von Bürokratie", erklärt Coesfeld.

Wer sollte sich beim Hausarzt impfen lassen?
Wolfram Coesfeld, Vorsitzender des Ärztevereins Gütersloh - © Ludger Osterkamp
Wolfram Coesfeld, Vorsitzender des Ärztevereins Gütersloh - © Ludger Osterkamp

Hausärzte dürfen wie alle anderen Ärzte nur die Gruppen impfen, die gemäß der Prioritätenliste an der Reihe sind. Eine Vermutung liegt auf der Hand: Gerade ältere Menschen werden sich schwertun, online oder über die Hotline einen Termin im Impfzentrum zu machen. Hinzu kommt die oft fehlende Mobilität, um die teilweise weit entfernt liegenden Einrichtungen zu erreichen. Da ist der Weg zum Hausarzt meist kürzer. "Ich bin überzeugt, dass 80 Prozent der Älteren sich lieber vom Hausarzt impfen lassen werden", rechnet Wolfram Coesfeld vor. Die Hausärzte stehen bereit für alle, die nicht durch ein Impfzentrum abgedeckt werden", verspricht Johannes Hartmann.

Werden die Impfzentren überflüssig, sobald die Hausärzte impfen können?
Johannes Hartmann, 1. Vorsitzender der Initiative Bielefelder Hausärzte. - © Privat
Johannes Hartmann, 1. Vorsitzender der Initiative Bielefelder Hausärzte. - © Privat

Nein, sagen die Ärztevertreter, denn sobald eine große Menge Impfstoff da ist, sollte der auch zügig verimpft werden. Dazu benötigt man große Kapazitäten. "Als schnell über die Einrichtung der Zentren entschieden werden musste, wussten wir noch fast nichts über die möglichen Impfstoffe. Wenn wir die Entscheidungen jetzt infrage stellen, ist es, als ob man sich montags ärgert, die Lottozahlen vom Samstag nicht getippt zu haben", verdeutlicht Ulrich Polenz. In den Zentren sei der Impfstoff auch bereits vorhanden. "Der Vorteil der Impfzentren ist, dass wir dort sehr schnell eine große Zahl an Menschen durchimpfen können", stellt Johannes Hartmann klar.

Wie lauten die Prognosen der Hausärzte für die Impfkampagne?

"Die bisherige Strategie, zuerst in den Heimen zu impfen, war vollkommen richtig", meint Coesfeld. "In den Paderborner Heimen wird es in vier Wochen keine coronabedingten Todesfälle mehr geben. Das ist ein Riesenerfolg", zeigt sich Polenz optimistisch. Kritisch sehen die Mediziner das künftige Termin-Vergabesystem. "Das könnte schnell zusammenbrechen", vermutet Johannes Hartmann. Die Hausärzte werden nach Kräften unterstützen. "Da herrscht viel Einfallsreichtum", verkündet Polenz, und Coesfeld glaubt, "dass einige Kollegen auch mal am Sonntag ihre Praxis öffnen werden."

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