Gütersloh So erkennen Verbraucher im Supermarkt und Discounter Tönnies-Fleisch Gütersloh. Deutschlands größter Fleischkonzern darf wieder produzieren. Der massenhafte Ausbruch des Coronavirus in dem Werk hat erneut die Diskussion um Bedingungen für Werkvertragsarbeiter, Tierleid und Billigfleisch aufbranden lassen. Wer wissen möchte, wo überall Tönnies-Fleisch drin ist, der muss allerdings schon ganz genau hinschauen. Denn das Fleisch aus der Großschlachterei in Rheda-Wiedenbrück ist für den Verbraucher im Supermarkt oder Discounter nicht einfach zu erkennen. Die nach Unternehmensangaben normalerweise täglich bis zu 30.000 - je nach Saison - geschlachteten und verarbeiteten Schweine verbergen sich hinter einer Vielzahl von Verpackungen und Anbietern. Vorerst darf das Unternehmen nach dem dramatischen Corona-Gau im Betrieb nur mit angezogener Handbremse in geringerer Menge produzieren. Wo das Fleisch zuletzt bearbeitet und verpackt wurde, bevor es in den Handel kam, erkennen Verbraucher an einem ovalen Identitätskennzeichen auf der Verpackung. Denn Unternehmen, die mit tierischen Lebensmitteln umgehen, wie Schlacht und Zerlegungsbetriebe, sind zulassungspflichtig. In der ersten Zeile der Kennzeichnung oben findet sich das Kürzel für den EU-Staat, DE steht für Deutschland. Darunter wird das Bundesland angegeben, im Fall Tönnies mit NW für Nordrhein-Westfalen, gefolgt von einer fünfstelligen Nummer für den Schlachtkonzern in Rheda-Wiedenbrück: „NW 20202". Herausfinden können das Konsumenten über eine Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Hier gibt es alle "Listen der gemäß Verordnung (EG) Nr. 853/2004 zugelassenen Betriebe für den Handel mit Lebensmitteln tierischen Ursprungs in Deutschland (BLtU)", wie es im Amtsdeutsch auf der Homepage heißt. Die Suche funktioniert nach Namen des Betriebes oder nach der Zulassungsnummer auf der Verpackung, um herauszufinden, aus welchem Unternehmen das Fleisch stammt. Die Tönnies Lebensmittel GmbH & Co. KG in Rheda-Wiedenbrück ist zugelassen für den Schlachtbetrieb für als Haustiere gehaltene Huftiere und für die Zerlegung. Die Tönnies Rind GmbH & Co. KG ebenfalls mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück ist zugelassen als Zerlegungsbetrieb mit der Zulassungsnummer „NW 20045". Den zweitgrößten Schlachtbetrieb betreibt Tönnies nach eigenen Angaben in Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Fleisch, das hierher stammt, trägt die Kennzeichnung „ST 00688". Doch nicht für alle fleischhaltigen Lebensmittel ist eine solche Kennzeichnung Pflicht. „Für Produkte aus pflanzlichen Zutaten und verarbeiteten Fleischerzeugnissen besteht keine Kennzeichnungspflicht, z.B. bei Salaten mit Wurst oder Tortellini mit Schinkenfüllung," heißt es auf der Homepage der Verbraucherzentrale. Das gelte auch bei lose angebotenen Fleischwaren wie beispielsweise beim Metzger oder an Bedientheken in Supermärkten. Hier müssten Verbraucher beim Fachpersonal nachfragen. Und ist das Fleisch beispielsweise mariniert, führt die Nummer zu diesem Betrieb und nicht direkt zum Schlachthof, aus dem es kommt. Die Produkte, die der Konzern aus dem Kreis Gütersloh über die Tönnies-Foodservice GmbH für die Gastronomie vertreibt, können für den Verbraucher ebenfalls nicht einfach so erkannt werden. Hierbei handelt es sich um sogenanntes Convenience-Food (zu deutsch: bequemes Essen). Unter der Marke Artland bietet Tönnies zum Beispiel vorbereitete Schnitzel als Tiefkühlware an. In solchen Fällen bleibt dem Gast nichts anderes übrig, als beim Personal nachzufragen, woher denn eigentlich das Schnitzel auf seinem Teller stamme und ob es frisch zubereitet wurde. Der Großschlachter Tönnies kündigte zudem in seinem jüngsten Sofort-Programm an, das Ziel zu verfolgen, "die Produktion von Schweinefleisch künftig zu großen Teilen auf die Haltungsform 2 ('Stallhaltung plus') umzustellen und erweitert das Angebot für die Haltungsform 3 ('Außenklima') auf 3.000 Schweine/Woche." Die auf der Verpackung angegebene "Haltungsform" in den Stufen 1 bis 4 ist ein Siegel der Initiative Tierwohl. Dabei handelt es sich um einen freiwilligen Zusammenschluss aus Handel, Verbänden und Erzeugern. Die niedrigste Stufe 1 steht für die gesetzlichen Mindestanforderungen, in denen die Tiere im Stall gehalten werden. Äußerst kritisch sieht das Label "Haltungsform" der Verein Foodwatch, der sich für Verbraucherrechte und Lebensmittelqualität einsetzt. "Die Verbraucherinnen und Verbraucher können weder am Preis noch an der Haltungskennzeichnung erkennen, wie es den Tieren tatsächlich erging, denn allein die Haltungsform sagt noch nichts darüber aus, ob die Tiere gesund gehalten wurden", erklärt eine Sprecherin von Foodwatch. Denn viele Tiere würden aktuell unter vermeidbaren Krankheiten und Schmerzen leiden, wie etwa Euterentzündungen bei Kühen, Knochenbrüchen bei Hennen oder Gelenkserkrankungen bei Schweinen. Foodwatch fordere deshalb klare gesetzliche Vorgaben sowohl für tiergerechte Haltungsbedingungen als auch den bestmöglichen Gesundheitsstatus für alle Tiere, Verstöße müssten konsequent geahndet werden.
Gütersloh

So erkennen Verbraucher im Supermarkt und Discounter Tönnies-Fleisch

Wo wurde das Fleisch geschlachtet oder zuletzt bearbeitet? Das können Verbraucher in einer Datenbank im Internet nachsehen. © picture alliance / Zoonar

Gütersloh. Deutschlands größter Fleischkonzern darf wieder produzieren. Der massenhafte Ausbruch des Coronavirus in dem Werk hat erneut die Diskussion um Bedingungen für Werkvertragsarbeiter, Tierleid und Billigfleisch aufbranden lassen. Wer wissen möchte, wo überall Tönnies-Fleisch drin ist, der muss allerdings schon ganz genau hinschauen. Denn das Fleisch aus der Großschlachterei in Rheda-Wiedenbrück ist für den Verbraucher im Supermarkt oder Discounter nicht einfach zu erkennen.

Die nach Unternehmensangaben normalerweise täglich bis zu 30.000 - je nach Saison - geschlachteten und verarbeiteten Schweine verbergen sich hinter einer Vielzahl von Verpackungen und Anbietern. Vorerst darf das Unternehmen nach dem dramatischen Corona-Gau im Betrieb nur mit angezogener Handbremse in geringerer Menge produzieren.

Wo das Fleisch zuletzt bearbeitet und verpackt wurde, bevor es in den Handel kam, erkennen Verbraucher an einem ovalen Identitätskennzeichen auf der Verpackung. Denn Unternehmen, die mit tierischen Lebensmitteln umgehen, wie Schlacht und Zerlegungsbetriebe, sind zulassungspflichtig. In der ersten Zeile der Kennzeichnung oben findet sich das Kürzel für den EU-Staat, DE steht für Deutschland. Darunter wird das Bundesland angegeben, im Fall Tönnies mit NW für Nordrhein-Westfalen, gefolgt von einer fünfstelligen Nummer für den Schlachtkonzern in Rheda-Wiedenbrück: „NW 20202".

Herausfinden können das Konsumenten über eine Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Hier gibt es alle "Listen der gemäß Verordnung (EG) Nr. 853/2004 zugelassenen Betriebe für den Handel mit Lebensmitteln tierischen Ursprungs in Deutschland (BLtU)", wie es im Amtsdeutsch auf der Homepage heißt.

Die Suche funktioniert nach Namen des Betriebes oder nach der Zulassungsnummer auf der Verpackung, um herauszufinden, aus welchem Unternehmen das Fleisch stammt. Die Tönnies Lebensmittel GmbH & Co. KG in Rheda-Wiedenbrück ist zugelassen für den Schlachtbetrieb für als Haustiere gehaltene Huftiere und für die Zerlegung. Die Tönnies Rind GmbH & Co. KG ebenfalls mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück ist zugelassen als Zerlegungsbetrieb mit der Zulassungsnummer „NW 20045". Den zweitgrößten Schlachtbetrieb betreibt Tönnies nach eigenen Angaben in Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Fleisch, das hierher stammt, trägt die Kennzeichnung „ST 00688".

Doch nicht für alle fleischhaltigen Lebensmittel ist eine solche Kennzeichnung Pflicht. „Für Produkte aus pflanzlichen Zutaten und verarbeiteten Fleischerzeugnissen besteht keine Kennzeichnungspflicht, z.B. bei Salaten mit Wurst oder Tortellini mit Schinkenfüllung," heißt es auf der Homepage der Verbraucherzentrale. Das gelte auch bei lose angebotenen Fleischwaren wie beispielsweise beim Metzger oder an Bedientheken in Supermärkten. Hier müssten Verbraucher beim Fachpersonal nachfragen. Und ist das Fleisch beispielsweise mariniert, führt die Nummer zu diesem Betrieb und nicht direkt zum Schlachthof, aus dem es kommt.

Die Produkte, die der Konzern aus dem Kreis Gütersloh über die Tönnies-Foodservice GmbH für die Gastronomie vertreibt, können für den Verbraucher ebenfalls nicht einfach so erkannt werden. Hierbei handelt es sich um sogenanntes Convenience-Food (zu deutsch: bequemes Essen). Unter der Marke Artland bietet Tönnies zum Beispiel vorbereitete Schnitzel als Tiefkühlware an. In solchen Fällen bleibt dem Gast nichts anderes übrig, als beim Personal nachzufragen, woher denn eigentlich das Schnitzel auf seinem Teller stamme und ob es frisch zubereitet wurde.

Der Großschlachter Tönnies kündigte zudem in seinem jüngsten Sofort-Programm an, das Ziel zu verfolgen, "die Produktion von Schweinefleisch künftig zu großen Teilen auf die Haltungsform 2 ('Stallhaltung plus') umzustellen und erweitert das Angebot für die Haltungsform 3 ('Außenklima') auf 3.000 Schweine/Woche." Die auf der Verpackung angegebene "Haltungsform" in den Stufen 1 bis 4 ist ein Siegel der Initiative Tierwohl. Dabei handelt es sich um einen freiwilligen Zusammenschluss aus Handel, Verbänden und Erzeugern. Die niedrigste Stufe 1 steht für die gesetzlichen Mindestanforderungen, in denen die Tiere im Stall gehalten werden.

Äußerst kritisch sieht das Label "Haltungsform" der Verein Foodwatch, der sich für Verbraucherrechte und Lebensmittelqualität einsetzt. "Die Verbraucherinnen und Verbraucher können weder am Preis noch an der Haltungskennzeichnung erkennen, wie es den Tieren tatsächlich erging, denn allein die Haltungsform sagt noch nichts darüber aus, ob die Tiere gesund gehalten wurden", erklärt eine Sprecherin von Foodwatch. Denn viele Tiere würden aktuell unter vermeidbaren Krankheiten und Schmerzen leiden, wie etwa Euterentzündungen bei Kühen, Knochenbrüchen bei Hennen oder Gelenkserkrankungen bei Schweinen.

Foodwatch fordere deshalb klare gesetzliche Vorgaben sowohl für tiergerechte Haltungsbedingungen als auch den bestmöglichen Gesundheitsstatus für alle Tiere, Verstöße müssten konsequent geahndet werden.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Regionales