Sinnvoller Schutz? NRW ermöglicht Coronaimpfungen von 12- bis 15-Jährigen in Impfzentren Jemima Wittig,Wiebke Wellnitz Düsseldorf/Bielefeld. Die Impfung gegen das Coronavirus ist bei Kindern und Jugendlichen umstritten. Nun hat sich das NRW-Gesundheitsministerium dazu entschlossen, die Impfungen in Impfzentren anzubieten - unter zwei Bedingungen. Die Impfungen sollen sich nach Angaben des Ministeriums an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) orientieren. Bislang empfiehlt die Stiko, dass nur diejenigen geimpft werden sollen, die Vorerkrankungen haben oder einen regelmäßigen Kontakt zu Personen mit erhöhtem Risiko schwerer Krankheitsverläufe, die selbst nicht geimpft werden können, vorweisen können. Weitere Kinder und Jugendliche können jedoch nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoakzeptanz ihren Piks erhalten. Erhöhter Beratungsbedarf Der Bielefelder Kinderarzt-Sprecher Marcus Heidemann plädiert auch weiter auf Zurückhaltung. "Kinder sollten nicht zur Impfung gedrängt werden", sagt er. Das Risiko des Kindes, etwa durch eine Vorerkrankung, sei ausschlaggebend für eine Impfung. Darum müsste jedes Kind beziehunsgweise dessen Erziehungsberechtigte individuell beraten werden. Auch das Gesundheitsministerium pocht darauf, dass der erhöhte Beratungsbedarf in die Abläufe einkalkuliert werden muss. Deswegen solle ein fester Zeitraum für die Impfungen der Kinder und Jugendlichen in den Impfzentren definiert werden. Ein 'Ärmel hoch und Spritze rein' soll es bei jungen Menschen nicht geben, so Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Solche Impfaktionen wären laut Heidemann auch in Bielefeld möglich - wenn Bedarf bestehen würde. Diese Aktionen könnten sich dann an die Kinder richten, die keinen Kinderarzt haben oder dort nicht geimpft werden können. Die Umsetzung sei in der Theorie kein Problem, weil auch jetzt schon Kinderärzte in den Impfzentren aushelfen, da sie Erfahrung im Impfen haben. Heidemann sieht dafür aber derzeit in der Praxis keine Notwendigkeit, da es ihm zufolge keine Probleme bei der Umsetzung von Impfungen in den Kinderarztpraxen der Region gibt. Zudem ist seiner Erfahrung nach die Nachfrage nach einer Impfung in dieser Altersgruppe bislang auch nicht sehr groß. Stärkung der medizinischen Wahlfreiheit "Ich habe in den letzten Tagen mit vielen Kinder- und Jugendärzten gesprochen. Dabei wurde deutlich, dass die Möglichkeit der Corona-Schutzimpfungen für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren nicht in allen Regionen in Nordrhein-Westfalen gleichermaßen verteilt ist. Das sollte aber nicht vom Wohnort abhängen. Das Land ermöglicht daher Impfungen in Impfzentren für diese Altersgruppen und stärkt mit seiner Entscheidung die medizinische Wahlfreiheit der Eltern", begründet Laumann die Entscheidung. Zwar kann das Impfangebot in den nordrhein-westfälischen Impfzentren ab sofort eingerichtent werden, sofern vor Ort ein entsprechender Bedarf besteht, so das Gesundheitsministerium. Die Kreise und Städte bräuchten aber Zeit, um sich Gedanken um die konkrete Umsetzung zu machen. Bürgerinnen und Bürgern werde empfohlen, sich vorab im jeweiligen Impfzentrum zu erkundigen, ob und ab wann ein Impfangebot für Kinder und Jugendliche eingerichtet werde.

Sinnvoller Schutz? NRW ermöglicht Coronaimpfungen von 12- bis 15-Jährigen in Impfzentren

Das neue Impfangebot soll mehr Wahlfreiheit für die Eltern und Familien ermöglichen. © Pixabay (Symbolbild)

Düsseldorf/Bielefeld. Die Impfung gegen das Coronavirus ist bei Kindern und Jugendlichen umstritten. Nun hat sich das NRW-Gesundheitsministerium dazu entschlossen, die Impfungen in Impfzentren anzubieten - unter zwei Bedingungen.

Die Impfungen sollen sich nach Angaben des Ministeriums an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) orientieren. Bislang empfiehlt die Stiko, dass nur diejenigen geimpft werden sollen, die Vorerkrankungen haben oder einen regelmäßigen Kontakt zu Personen mit erhöhtem Risiko schwerer Krankheitsverläufe, die selbst nicht geimpft werden können, vorweisen können. Weitere Kinder und Jugendliche können jedoch nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoakzeptanz ihren Piks erhalten.

Erhöhter Beratungsbedarf

Der Bielefelder Kinderarzt-Sprecher Marcus Heidemann plädiert auch weiter auf Zurückhaltung. "Kinder sollten nicht zur Impfung gedrängt werden", sagt er. Das Risiko des Kindes, etwa durch eine Vorerkrankung, sei ausschlaggebend für eine Impfung. Darum müsste jedes Kind beziehunsgweise dessen Erziehungsberechtigte individuell beraten werden.

Auch das Gesundheitsministerium pocht darauf, dass der erhöhte Beratungsbedarf in die Abläufe einkalkuliert werden muss. Deswegen solle ein fester Zeitraum für die Impfungen der Kinder und Jugendlichen in den Impfzentren definiert werden. Ein 'Ärmel hoch und Spritze rein' soll es bei jungen Menschen nicht geben, so Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Solche Impfaktionen wären laut Heidemann auch in Bielefeld möglich - wenn Bedarf bestehen würde. Diese Aktionen könnten sich dann an die Kinder richten, die keinen Kinderarzt haben oder dort nicht geimpft werden können. Die Umsetzung sei in der Theorie kein Problem, weil auch jetzt schon Kinderärzte in den Impfzentren aushelfen, da sie Erfahrung im Impfen haben. Heidemann sieht dafür aber derzeit in der Praxis keine Notwendigkeit, da es ihm zufolge keine Probleme bei der Umsetzung von Impfungen in den Kinderarztpraxen der Region gibt. Zudem ist seiner Erfahrung nach die Nachfrage nach einer Impfung in dieser Altersgruppe bislang auch nicht sehr groß.

Stärkung der medizinischen Wahlfreiheit

"Ich habe in den letzten Tagen mit vielen Kinder- und Jugendärzten gesprochen. Dabei wurde deutlich, dass die Möglichkeit der Corona-Schutzimpfungen für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren nicht in allen Regionen in Nordrhein-Westfalen gleichermaßen verteilt ist. Das sollte aber nicht vom Wohnort abhängen. Das Land ermöglicht daher Impfungen in Impfzentren für diese Altersgruppen und stärkt mit seiner Entscheidung die medizinische Wahlfreiheit der Eltern", begründet Laumann die Entscheidung.

Zwar kann das Impfangebot in den nordrhein-westfälischen Impfzentren ab sofort eingerichtent werden, sofern vor Ort ein entsprechender Bedarf besteht, so das Gesundheitsministerium. Die Kreise und Städte bräuchten aber Zeit, um sich Gedanken um die konkrete Umsetzung zu machen. Bürgerinnen und Bürgern werde empfohlen, sich vorab im jeweiligen Impfzentrum zu erkundigen, ob und ab wann ein Impfangebot für Kinder und Jugendliche eingerichtet werde.

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