Impfpflicht ab März Schwangere aus OWL über die verzweifelte Suche nach geimpften Hebammen In Deutschland herrscht Hebammenmangel. Die Impfpflicht für das Personal im Gesundheitswesen droht die Lage zu verschärfen, denn nicht alle Hebammen sind geimpft. Carolin Nieder-Entgelmeier Berlin/Bielefeld. Ab dem 15. März gilt in Deutschland eine Impfpflicht für das Personal im Gesundheitswesen. Wer bis dahin keinen Immunitätsnachweis gegen das Coronavirus vorlegen kann, darf nicht weiter beschäftigt werden. Davon betroffen sind auch Hebammen, allerdings nicht nur in Kliniken oder Geburtshäusern, sondern auch in freiberuflicher Tätigkeit in der Vor- und Nachsorge. Die Folgen spüren Schwangere bereits jetzt und das in einer Zeit, in der sowieso schon ein massiver Hebammenmangel in Deutschland besteht. Drei Schwangere aus OWL berichten von ihrer verzweifelten Suche nach geimpften Hebammen. 20 Anfragen an Hebammen und 20 Absagen Die Bielefelderin Mareike B. ist im fünften Monat schwanger, als sie erfährt, dass ihre Hebamme sie nicht bis zur Geburt betreuen kann. „Ich war so glücklich, als ich im Dezember nach monatelanger Suche endlich eine Hebamme gefunden hatte und bin aus allen Wolken gefallen, als sie mir nur einen Monat später sagte, dass sie mich bald nicht mehr betreuen kann." Als die 34-Jährige Mitte Dezember eine Hebamme findet, hat der Bundestag die Impfpflicht längst verabschiedet. „Ich bin deshalb fest davon ausgegangen, dass sie geimpft ist." Rückblickend ärgert sich Mareike B. darüber, ihre Hebamme nicht sofort nach dem Impfstatus gefragt zu haben. „Ich war so naiv zu glauben, dass sich Menschen, die beruflich mit Schwangeren zu tun haben, gegen das Coronavirus schützen, auch um ihre Patientinnen nicht zu gefährden. Doch das war ein Irrglaube." Nun sucht die Bielefelderin eine neue Hebamme. „Ich habe seit der vergangenen Woche 20 Hebammen angefragt, aber bislang nur Absagen erhalten." Die 34-Jährige hat die Sorge, dass sie keine Hebamme finden wird. „Das ist meine erste Schwangerschaft, die leider mit vielen Komplikationen verbunden ist, deshalb wünsche ich mir so sehr eine erfahrene Begleiterin in dieser schwierigen Zeit." „Ich bin fassungslos über diesen Vertrauensmissbrauch" Ähnliche Erfahrungen muss derzeit die Herforderin Sarah W. machen, die im siebten Monat schwanger ist. „Ich suche bereits seit Mitte Dezember nach einer neuen Hebamme." Die 38-Jährige hat bereits drei Kinder zur Welt gebracht, stets mit der Unterstützung einer Hebamme. „Ich hatte das große Glück, dass mich immer dieselbe Hebamme begleitet hat." Doch als Sarah W. ihrer Hebamme erklärt, dass sie auf Empfehlung ihres Gynäkologen zum dritten Mal gegen das Coronavirus geimpft wurde, eskaliert die Situation. „Sie hat mir unterstellt, dass ich mein Kind gefährde und mir nahegelegt, den Behandlungsvertrag aufzulösen." Trotz der Vorwürfe sucht die Herforderin das Gespräch. „Wir kennen uns schließlich bereits seit Jahren und ich hatte großes Vertrauen zu ihr." Doch dann erfährt die 38-Jährige, dass ihre Hebamme ungeimpft ist und sie nicht mehr lange betreuen kann. „Dabei hatte sie mir versichert, geimpft zu sein. Ich bin fassungslos über diesen Vertrauensmissbrauch." Hebamme lügt Patientin monatelang an So fühlt sich derzeit auch die Detmolderin Svenja S., die im sechsten Schwangerschaftsmonat erfährt, dass sie von ihrer Hebamme über Monate belogen wurde. „Sie hat mir früh offenbart, dass sie aufgrund einer Autoimmunerkrankung nicht gegen das Coronavrius geimpft werden kann." Die 33-Jährige glaubt ihrer Hebamme. „Doch als der Bundestag im Dezember die Impfpflicht beschlossen hat, sagte sie mir, dass sie den Behandlungsvertrag beenden muss, obwohl das Gesetz Ausnahmen für Hebammen vorsieht, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können." Für eine Ausnahme von der Impfpflicht muss Personal im Gesundheitswesen laut dem Bundesgesundheitsministerium lediglich ein entsprechendes ärztlichen Zeugnis vorlegen. „Doch meine Hebamme kann so ein Zeugnis nicht vorlegen, weil sie gelogen hat und die Krankheit als Ausrede genutzt hat", erklärt Svenja S. „Sie hat mein Vertrauen missbraucht und mich in eine gefährliche Lage gebracht, da ich nun vielleicht keine Hebamme mehr finden werde." Nach Angaben der Detmolderin war das Verhältnis zu ihrer Hebamme von Beginn an schwierig. „Sie legt sehr viel Wert auf Naturheilkunde und hat mich zu einer Geburt in einem Geburtshaus gedrängt, obwohl ich ihr mehrfach gesagt habe, dass das keine Option für mich ist." Trotzdem ist die 33-Jährige damals froh über die Unterstützung. „Ich habe lange nach einer Hebamme gesucht und war einfach erleichtert, als nach der monatelangen Suche endlich eine Zusage kam, deshalb habe ich die Probleme hingenommen." Im Nachhinein bewertet das die 33-Jährige als Fehlentscheidung: „Aber ich hatte keine Alternative." Berufsverband: „Mehrheit der Hebammen ist geimpft" Auf Anfrage von nw.de lehnen die drei Hebammen aus Bielefeld, Herford und Detmold eine Stellungnahme ab. Ihren Impfstatus müssen Hebammen nach Angaben des Landesverbands der Hebammen NRW gegenüber ihren Patientinnen nicht offenlegen. „Sie sind aber dazu verpflichtet, die Behandlungsverträge zu kündigen, wenn sie wissen, dass sie nach dem 15. März nicht mehr arbeiten dürfen", erklärt Vorsitzende Barbara Blomeier. Wie hoch die Impfquote unter Hebammen in Deutschland ist, ist laut Blomeier nicht bekannt. „Fest steht aber, dass die Mehrheit der Hebammen geimpft ist, so wie der Großteil der Allgemeinbevölkerung. Trotzdem steht in der Öffentlichkeit häufig der kleinere Teil der Ungeimpften im Fokus, wenn Probleme auftreten." Schwangere befürchten Verschärfung des Hebammenmangels Frauen wie Svenja S., Mareike B. und Sarah W. aus OWL befürchten nun wie viele Schwangere, dass sich der Hebammenmangel in Deutschland ab dem 15. März verschlimmern wird. Und zwar nicht nur mit Blick auf die Vor- und Nachsorge, sondern auch mit Blick auf die Geburtshilfe. Aufgrund des Hebammenmangels mussten im vergangenen Jahr allein in OWL zwei Kliniken ihre Kreißsäle zeitweise schließen, das Klinikum Herford und das St. Johannisstift Paderborn. Auch Blomeier teilt diese Sorgen. „Punktuell wird es zu Problemen kommen." Doch mit einer flächendeckenden Verschärfung rechnet sie nicht. „Dafür hat sich in den vergangenen Jahren zu viel getan, um den Beruf der Hebamme wieder attraktiver zu machen. Wie die Einrichtung von Hebammenkreißsälen." So entstehen nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums bis Ende 2022 alleine in NRW in 20 weiteren Kliniken Kreißsäle, die von Hebammen geleitet werden, darunter im Klinikum Herford und im Krankenhaus Lübbecke. „Genauso möchten Hebammen arbeiten, deshalb ist das wichtig", sagt Blomeier. Hilfe auf der Suche nach Hebammen bieten in vielen Städten Hebammenzentralen als Zusammenschlüsse freiberuflicher Hebammen über Angebote. Zudem bietet das Portal Ammely einen bundesweiten Überblick.
Impfpflicht ab März

Schwangere aus OWL über die verzweifelte Suche nach geimpften Hebammen

Viele Schwangere in Deutschland finden keine Hebamme. © picture alliance/dpa

Berlin/Bielefeld. Ab dem 15. März gilt in Deutschland eine Impfpflicht für das Personal im Gesundheitswesen. Wer bis dahin keinen Immunitätsnachweis gegen das Coronavirus vorlegen kann, darf nicht weiter beschäftigt werden. Davon betroffen sind auch Hebammen, allerdings nicht nur in Kliniken oder Geburtshäusern, sondern auch in freiberuflicher Tätigkeit in der Vor- und Nachsorge.

Die Folgen spüren Schwangere bereits jetzt und das in einer Zeit, in der sowieso schon ein massiver Hebammenmangel in Deutschland besteht. Drei Schwangere aus OWL berichten von ihrer verzweifelten Suche nach geimpften Hebammen.

20 Anfragen an Hebammen und 20 Absagen

Die Bielefelderin Mareike B. ist im fünften Monat schwanger, als sie erfährt, dass ihre Hebamme sie nicht bis zur Geburt betreuen kann. „Ich war so glücklich, als ich im Dezember nach monatelanger Suche endlich eine Hebamme gefunden hatte und bin aus allen Wolken gefallen, als sie mir nur einen Monat später sagte, dass sie mich bald nicht mehr betreuen kann." Als die 34-Jährige Mitte Dezember eine Hebamme findet, hat der Bundestag die Impfpflicht längst verabschiedet. „Ich bin deshalb fest davon ausgegangen, dass sie geimpft ist." Rückblickend ärgert sich Mareike B. darüber, ihre Hebamme nicht sofort nach dem Impfstatus gefragt zu haben. „Ich war so naiv zu glauben, dass sich Menschen, die beruflich mit Schwangeren zu tun haben, gegen das Coronavirus schützen, auch um ihre Patientinnen nicht zu gefährden. Doch das war ein Irrglaube."

Nun sucht die Bielefelderin eine neue Hebamme. „Ich habe seit der vergangenen Woche 20 Hebammen angefragt, aber bislang nur Absagen erhalten." Die 34-Jährige hat die Sorge, dass sie keine Hebamme finden wird. „Das ist meine erste Schwangerschaft, die leider mit vielen Komplikationen verbunden ist, deshalb wünsche ich mir so sehr eine erfahrene Begleiterin in dieser schwierigen Zeit."

„Ich bin fassungslos über diesen Vertrauensmissbrauch"

Ähnliche Erfahrungen muss derzeit die Herforderin Sarah W. machen, die im siebten Monat schwanger ist. „Ich suche bereits seit Mitte Dezember nach einer neuen Hebamme." Die 38-Jährige hat bereits drei Kinder zur Welt gebracht, stets mit der Unterstützung einer Hebamme. „Ich hatte das große Glück, dass mich immer dieselbe Hebamme begleitet hat." Doch als Sarah W. ihrer Hebamme erklärt, dass sie auf Empfehlung ihres Gynäkologen zum dritten Mal gegen das Coronavirus geimpft wurde, eskaliert die Situation. „Sie hat mir unterstellt, dass ich mein Kind gefährde und mir nahegelegt, den Behandlungsvertrag aufzulösen."

Trotz der Vorwürfe sucht die Herforderin das Gespräch. „Wir kennen uns schließlich bereits seit Jahren und ich hatte großes Vertrauen zu ihr." Doch dann erfährt die 38-Jährige, dass ihre Hebamme ungeimpft ist und sie nicht mehr lange betreuen kann. „Dabei hatte sie mir versichert, geimpft zu sein. Ich bin fassungslos über diesen Vertrauensmissbrauch."

Hebamme lügt Patientin monatelang an

So fühlt sich derzeit auch die Detmolderin Svenja S., die im sechsten Schwangerschaftsmonat erfährt, dass sie von ihrer Hebamme über Monate belogen wurde. „Sie hat mir früh offenbart, dass sie aufgrund einer Autoimmunerkrankung nicht gegen das Coronavrius geimpft werden kann." Die 33-Jährige glaubt ihrer Hebamme. „Doch als der Bundestag im Dezember die Impfpflicht beschlossen hat, sagte sie mir, dass sie den Behandlungsvertrag beenden muss, obwohl das Gesetz Ausnahmen für Hebammen vorsieht, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können."

Für eine Ausnahme von der Impfpflicht muss Personal im Gesundheitswesen laut dem Bundesgesundheitsministerium lediglich ein entsprechendes ärztlichen Zeugnis vorlegen. „Doch meine Hebamme kann so ein Zeugnis nicht vorlegen, weil sie gelogen hat und die Krankheit als Ausrede genutzt hat", erklärt Svenja S. „Sie hat mein Vertrauen missbraucht und mich in eine gefährliche Lage gebracht, da ich nun vielleicht keine Hebamme mehr finden werde."

Nach Angaben der Detmolderin war das Verhältnis zu ihrer Hebamme von Beginn an schwierig. „Sie legt sehr viel Wert auf Naturheilkunde und hat mich zu einer Geburt in einem Geburtshaus gedrängt, obwohl ich ihr mehrfach gesagt habe, dass das keine Option für mich ist." Trotzdem ist die 33-Jährige damals froh über die Unterstützung. „Ich habe lange nach einer Hebamme gesucht und war einfach erleichtert, als nach der monatelangen Suche endlich eine Zusage kam, deshalb habe ich die Probleme hingenommen." Im Nachhinein bewertet das die 33-Jährige als Fehlentscheidung: „Aber ich hatte keine Alternative."

Berufsverband: „Mehrheit der Hebammen ist geimpft"

Auf Anfrage von nw.de lehnen die drei Hebammen aus Bielefeld, Herford und Detmold eine Stellungnahme ab. Ihren Impfstatus müssen Hebammen nach Angaben des Landesverbands der Hebammen NRW gegenüber ihren Patientinnen nicht offenlegen. „Sie sind aber dazu verpflichtet, die Behandlungsverträge zu kündigen, wenn sie wissen, dass sie nach dem 15. März nicht mehr arbeiten dürfen", erklärt Vorsitzende Barbara Blomeier.

Barbara Blomeier ist Vorsitzende des Landesverbands der Hebammen NRW. - © Thomas Rinke
Barbara Blomeier ist Vorsitzende des Landesverbands der Hebammen NRW. - © Thomas Rinke

Wie hoch die Impfquote unter Hebammen in Deutschland ist, ist laut Blomeier nicht bekannt. „Fest steht aber, dass die Mehrheit der Hebammen geimpft ist, so wie der Großteil der Allgemeinbevölkerung. Trotzdem steht in der Öffentlichkeit häufig der kleinere Teil der Ungeimpften im Fokus, wenn Probleme auftreten."

Schwangere befürchten Verschärfung des Hebammenmangels

Frauen wie Svenja S., Mareike B. und Sarah W. aus OWL befürchten nun wie viele Schwangere, dass sich der Hebammenmangel in Deutschland ab dem 15. März verschlimmern wird. Und zwar nicht nur mit Blick auf die Vor- und Nachsorge, sondern auch mit Blick auf die Geburtshilfe. Aufgrund des Hebammenmangels mussten im vergangenen Jahr allein in OWL zwei Kliniken ihre Kreißsäle zeitweise schließen, das Klinikum Herford und das St. Johannisstift Paderborn.

Auch Blomeier teilt diese Sorgen. „Punktuell wird es zu Problemen kommen." Doch mit einer flächendeckenden Verschärfung rechnet sie nicht. „Dafür hat sich in den vergangenen Jahren zu viel getan, um den Beruf der Hebamme wieder attraktiver zu machen. Wie die Einrichtung von Hebammenkreißsälen." So entstehen nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums bis Ende 2022 alleine in NRW in 20 weiteren Kliniken Kreißsäle, die von Hebammen geleitet werden, darunter im Klinikum Herford und im Krankenhaus Lübbecke. „Genauso möchten Hebammen arbeiten, deshalb ist das wichtig", sagt Blomeier.

Hilfe auf der Suche nach Hebammen bieten in vielen Städten Hebammenzentralen als Zusammenschlüsse freiberuflicher Hebammen über Angebote. Zudem bietet das Portal Ammely einen bundesweiten Überblick.

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