Schuss auf Ehefrau: Freundin des Opfers spricht von psychischem Terror Nils Middelhauve Pr. Oldendorf/Bielefeld (nw). "Der psychische Terror war immer da." Mit diesem markanten Satz beschrieb eine Freundin der Getöteten in der Verhandlung, wie jene ihre Ehe in den letzten Monaten wahrgenommen hatte, bevor es zur Trennung und letztlich zu dem Geschehen kam, in dessen Verlauf die 54-Jährige am ZOB in Pr. Oldendorf durch eine Pistolenkugel starb. Vor dem Bielefelder Landgericht schilderten Bekannte und Freunde des Paars nun ihre Eindrücke von dem wegen Mordverdachts angeklagten Albert S. (59) und dessen getöteter Ehefrau. Bei dem Versuch, sich dem Innenleben des Angeklagten zu nähern, gleichen die Aussagen der Zeugen Mosaiksteinen, die auf den ersten Blick ein für den Außenstehenden diffuses Bild ergeben - sich möglicherweise jedoch letztlich zu einem stimmigen Ganzen fügen. Dass er sehr hilfsbereit war, berichteten gleich mehrere Kollegen und Freunde von Albert S. vor der I. Großen Strafkammer des Landgerichts. Er sei, so einer der Zeugen, "ein vorbildlicher Vater und Ehemann" gewesen. 59-Jähriger sei "ein vorbildlicher Vater und Ehemann" gewesen Doch bei dieser nach außen hin scheinbar harmonischen und glücklichen Ehe handelte es sich möglicherweise - zumindest in ihren letzten Zügen - lediglich um den Schein dessen, was das Paar und wohl insbesondere Albert S. dem Umfeld weismachen wollte. Eine Arbeitskollegin und enge Freundin der Getöteten schilderte vor Gericht, dass die Freundlichkeit anderen gegenüber nach Aussage der Frau von Albert S. lediglich Fassade gewesen sei. In das Bild dieser nicht anzutastenden Harmonie passt es sodann auch, dass etliche Bekannte des Angeklagten bis zuletzt nicht wussten, dass dieser im Herbst des vergangenen Jahrs von seiner Frau verlassen worden war. "Immer, wenn ich nach ihr fragte, sagte Albert: Die ist bei der Arbeit", berichtete einer der Zeugen - dabei habe sie da bereits nicht mehr in dem ehemals gemeinsamen Haus gewohnt. Dass der anderen gegenüber zumeist beherrscht und kontrolliert wirkende S. auch andere Seiten haben mag, deutet eine Nachbarin des Angeklagten an: "Ich habe ihn einmal richtig aufbrausend und aggressiv erlebt." Auch der Bruder von Albert S. berichtete vor Gericht, dass dieser zwar ein sehr offener Mensch sei, der jedoch "wenn ihm etwas nicht passt, bereits bei Kleinigkeiten" aus der Haut fahren könne. Kritik, so der Zeuge, könne sein Bruder gar nicht vertragen. Kritik könne er gar nicht vertragen, sagte sein Bruder Nebenklagevertreter Alexander Klemme fragte sodann, ob der Zeuge etwas über einen Vorfall von vor über 30 Jahren wisse, bei dem Albert S. seine damalige erste Ehefrau geschlagen haben und es zu einem Verfahren mit anschließender Verurteilung gekommen sein soll. In diesem Moment verdunkelt sich die Miene des Angeklagten. Sichtlich verärgert äußert er seinem Verteidiger Peter Rostek gegenüber, dass es um diese alten Geschichten nun doch gar nicht gehe. Möglicherweise gestattete der ansonsten sehr leise, kaum wahrnehmbar sprechende Angeklagte den Prozessbeteiligten in jenem Moment einen kurzen Blick auf die Rückseite der Medaille. Der Prozess wird am 16. Juli fortgesetzt.

Schuss auf Ehefrau: Freundin des Opfers spricht von psychischem Terror

Vor dem Landgericht in Bielefeld unter Mordverdacht: Albert S. aus Pr. Oldendorf. © Wolfgang Rudolf

Pr. Oldendorf/Bielefeld (nw). "Der psychische Terror war immer da." Mit diesem markanten Satz beschrieb eine Freundin der Getöteten in der Verhandlung, wie jene ihre Ehe in den letzten Monaten wahrgenommen hatte, bevor es zur Trennung und letztlich zu dem Geschehen kam, in dessen Verlauf die 54-Jährige am ZOB in Pr. Oldendorf durch eine Pistolenkugel starb. Vor dem Bielefelder Landgericht schilderten Bekannte und Freunde des Paars nun ihre Eindrücke von dem wegen Mordverdachts angeklagten Albert S. (59) und dessen getöteter Ehefrau.

Bei dem Versuch, sich dem Innenleben des Angeklagten zu nähern, gleichen die Aussagen der Zeugen Mosaiksteinen, die auf den ersten Blick ein für den Außenstehenden diffuses Bild ergeben - sich möglicherweise jedoch letztlich zu einem stimmigen Ganzen fügen. Dass er sehr hilfsbereit war, berichteten gleich mehrere Kollegen und Freunde von Albert S. vor der I. Großen Strafkammer des Landgerichts. Er sei, so einer der Zeugen, "ein vorbildlicher Vater und Ehemann" gewesen.

59-Jähriger sei "ein vorbildlicher Vater und Ehemann" gewesen

Doch bei dieser nach außen hin scheinbar harmonischen und glücklichen Ehe handelte es sich möglicherweise - zumindest in ihren letzten Zügen - lediglich um den Schein dessen, was das Paar und wohl insbesondere Albert S. dem Umfeld weismachen wollte. Eine Arbeitskollegin und enge Freundin der Getöteten schilderte vor Gericht, dass die Freundlichkeit anderen gegenüber nach Aussage der Frau von Albert S. lediglich Fassade gewesen sei. In das Bild dieser nicht anzutastenden Harmonie passt es sodann auch, dass etliche Bekannte des Angeklagten bis zuletzt nicht wussten, dass dieser im Herbst des vergangenen Jahrs von seiner Frau verlassen worden war.

"Immer, wenn ich nach ihr fragte, sagte Albert: Die ist bei der Arbeit", berichtete einer der Zeugen - dabei habe sie da bereits nicht mehr in dem ehemals gemeinsamen Haus gewohnt. Dass der anderen gegenüber zumeist beherrscht und kontrolliert wirkende S. auch andere Seiten haben mag, deutet eine Nachbarin des Angeklagten an: "Ich habe ihn einmal richtig aufbrausend und aggressiv erlebt."

Auch der Bruder von Albert S. berichtete vor Gericht, dass dieser zwar ein sehr offener Mensch sei, der jedoch "wenn ihm etwas nicht passt, bereits bei Kleinigkeiten" aus der Haut fahren könne. Kritik, so der Zeuge, könne sein Bruder gar nicht vertragen.

Kritik könne er gar nicht vertragen, sagte sein Bruder

Nebenklagevertreter Alexander Klemme fragte sodann, ob der Zeuge etwas über einen Vorfall von vor über 30 Jahren wisse, bei dem Albert S. seine damalige erste Ehefrau geschlagen haben und es zu einem Verfahren mit anschließender Verurteilung gekommen sein soll. In diesem Moment verdunkelt sich die Miene des Angeklagten. Sichtlich verärgert äußert er seinem Verteidiger Peter Rostek gegenüber, dass es um diese alten Geschichten nun doch gar nicht gehe.

Möglicherweise gestattete der ansonsten sehr leise, kaum wahrnehmbar sprechende Angeklagte den Prozessbeteiligten in jenem Moment einen kurzen Blick auf die Rückseite der Medaille.

Der Prozess wird am 16. Juli fortgesetzt.


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