Schauspielschule MuSS geschlossen, kein Buhnen-Theater im Vlothoer Gewerbemietpark Heidi Froreich Bad Oeynhausen (nw). Corona ist nicht schuld. Das stellt Thomas Modzel gleich zuerst klar. Und nennt dann ganz andere Gründe, die aus seiner Sicht dafür verantwortlich sind, dass er zwei seiner großen Vorhaben beendet hat. MuSS, die erste private Schauspielschule in Ostwestfalen-Lippe, ist geschlossen. Das Buhnen-Theater im Vlothoer Gewerbemietpark wird es nicht geben. Vor sieben Jahren hatte Modzel die Musikalische Schauspielschule (MuSS)im Bielefelder Gesellschaftshaus eröffnet. „Wer heutzutage im Fernsehen oder auf der Theaterbühne Erfolg haben will, braucht eine solide Ausbildung“, hatte er damals betont und auf eigene einschlägige Erfahrungen verwiesen. Modzel, der ursprünglich Theologe werden wollte, hat Bankfachwirt gelernt, ein Schauspielstudium an der Essenener Folkwangschule und ein Musikstudium an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf absolviert. In Bad Oeynhausen betreibt er eine private Musikschule, steht aber seit Jahren in vielen unterschiedlichen Rollen auf und hinter der Bühne. In Bochum spielte er Mackie Messer in Brechts Dreigroschenoper, in St. Petersburg und Moskau den Baron von Münchhausen, bei Musical-Produktionen von Konstantin Wecker übernahm er die musikalische Leitung. Vielseitig wie er selbst sollten auch seine MuSS-Schüler werden. In dreieinhalb Jahren sollten sie nicht nur Singen und Sprechen lernen, sondern auch die Grundkenntnisse eines Instruments erlernen. Auch Wirtschaft, Recht und Poltik standen auf dem Stundenplan. „Als Rund-um-Sorglos-Paket“ beschrieb Modzel damals sein Angebot, für das es im Umkreis von 150 Kilometern nichts Vergleichbares gäbe. Modzel schien eine Marktlücke entdeckt zu haben, für die 20 Ausbildungsplätze lagen im zweiten Semester bereits 70 Bewerbungen vor. Pro Monat kostete die Ausbildung 390 Euro. Im August 2014 bezog die Schule neue Räume in der ehemaligen Skala an der Herforder Straße in Bielefelds City. Die stehen nun leer, zum 1. März hat Modzel seine Schule geschlossen. „Ich hatte zuviel Ärger mit Schülern“, nennt er als entscheidenden Grund. Viele Auszubildende hätten falsche Vorstellungen von ihrem künftigen Beruf auf der Bühne und vor der Kamera. Modzel: „Die wollen nicht wahrhaben, dass man als Schauspieler körperlich fit sein muss, gute Gedächtnisleistungen braucht und betriebswirtschaftliche Kenntnisse das Überleben sichern können“. Dementsprechend unmotiviert hätten die meisten der letzten Auszubildenden am Unterricht teilgenommen. Außerdem habe es in sozialen Netzwerken immer häufiger „böse Kommentare und völlig unberechtigte Kritik“ gegeben. Modzel: „Diese Dreckschmeißer im Stall haben mir und den anderen Dozenten den Spaß an der Arbeit genommen“. Sechs der zuletzt noch 30 unterrichteten Schüler hätten die Ausbildung noch erfolgreich beendet, mit den übrigen seien die Ausbildungsverträge gekündigt worden. Beendet ist auch die Zusammenarbeit mit Marion Karstens. Von ihr hatte Modzel im vergangenen Jahr eine etwa 500 Quadratmeter große alte Industriehalle in der Möllberger Straße in Vlotho gemietet. Mit dem „Buhnen-Theater“ wollte er hier eine neue Kulturstätte errichten, die Platz für Aufführungen, Workshops, Lesungen und Musicals bieten sollte. Für seinen Premierenauftritt am 11. Juli hatte er sich noch mit einem Grundkonstrukt aus Bühne, Stühlen und Lichttechnik begnügt, aber umfangreiche Umbauarbeiten in Aussicht gestellt. Von denen nimmt der 47-Jährige nun Abstand: „Für den Umbau hätte ich keine baurechtliche Genehmigung bekommen“. Er fühlt sich von seiner Vermieterin getäuscht und betrachtet den Pachtvertrag als hinfällig: „Das Buhnen-Theater hat sich für mich erledigt“. Für eine Stellungnahme war Karstens nicht zu erreichen. Auf Auftritte verzichten muss Modzel dennoch nicht. Zum Beispiel auf dem Rathausplatz in Bodenwerder. Am kommenden Sonntag singt und spielt er dort den Baron von Münchhausen im gleichnamigen Musical, weitere Shows folgen bis September. Wobei hier nun doch noch Corona ins Spiel kommt. Modzel: „Zwei Auftritte mussten wegen der Pandemie ausfallen“. Und natürlich lässt der umtriebige Künstler keinen Zweifel daran, dass er nach dem Ende von MuSS und Buhnen-Theater nach einer neuen Herausforderung sucht. Einzelheiten verrät er noch nicht, nur soviel lässt er sich entlocken: „Ich habe eine ganz verrückte Idee“. Die er weder in Bielefeld noch in Vlotho, sondern in Bad Oeynhausen realisieren will.

Schauspielschule MuSS geschlossen, kein Buhnen-Theater im Vlothoer Gewerbemietpark

Die Schauspielschule von Thomas Modzel in Bielefeld ist jetzt geschlossen. Foto: Andreas Zobe © Andreas Zobe

Bad Oeynhausen (nw). Corona ist nicht schuld. Das stellt Thomas Modzel gleich zuerst klar. Und nennt dann ganz andere Gründe, die aus seiner Sicht dafür verantwortlich sind, dass er zwei seiner großen Vorhaben beendet hat. MuSS, die erste private Schauspielschule in Ostwestfalen-Lippe, ist geschlossen. Das Buhnen-Theater im Vlothoer Gewerbemietpark wird es nicht geben.

Vor sieben Jahren hatte Modzel die Musikalische Schauspielschule (MuSS)im Bielefelder Gesellschaftshaus eröffnet. „Wer heutzutage im Fernsehen oder auf der Theaterbühne Erfolg haben will, braucht eine solide Ausbildung“, hatte er damals betont und auf eigene einschlägige Erfahrungen verwiesen. Modzel, der ursprünglich Theologe werden wollte, hat Bankfachwirt gelernt, ein Schauspielstudium an der Essenener Folkwangschule und ein Musikstudium an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf absolviert. In Bad Oeynhausen betreibt er eine private Musikschule, steht aber seit Jahren in vielen unterschiedlichen Rollen auf und hinter der Bühne. In Bochum spielte er Mackie Messer in Brechts Dreigroschenoper, in St. Petersburg und Moskau den Baron von Münchhausen, bei Musical-Produktionen von Konstantin Wecker übernahm er die musikalische Leitung.

Als Baron von Münchhausen steht Modzel in Bodenwerder im Mittelpunkt. Foto: pr - © NN
Als Baron von Münchhausen steht Modzel in Bodenwerder im Mittelpunkt. Foto: pr - © NN

Vielseitig wie er selbst sollten auch seine MuSS-Schüler werden. In dreieinhalb Jahren sollten sie nicht nur Singen und Sprechen lernen, sondern auch die Grundkenntnisse eines Instruments erlernen. Auch Wirtschaft, Recht und Poltik standen auf dem Stundenplan. „Als Rund-um-Sorglos-Paket“ beschrieb Modzel damals sein Angebot, für das es im Umkreis von 150 Kilometern nichts Vergleichbares gäbe. Modzel schien eine Marktlücke entdeckt zu haben, für die 20 Ausbildungsplätze lagen im zweiten Semester bereits 70 Bewerbungen vor. Pro Monat kostete die Ausbildung 390 Euro. Im August 2014 bezog die Schule neue Räume in der ehemaligen Skala an der Herforder Straße in Bielefelds City.

Die stehen nun leer, zum 1. März hat Modzel seine Schule geschlossen. „Ich hatte zuviel Ärger mit Schülern“, nennt er als entscheidenden Grund. Viele Auszubildende hätten falsche Vorstellungen von ihrem künftigen Beruf auf der Bühne und vor der Kamera. Modzel: „Die wollen nicht wahrhaben, dass man als Schauspieler körperlich fit sein muss, gute Gedächtnisleistungen braucht und betriebswirtschaftliche Kenntnisse das Überleben sichern können“. Dementsprechend unmotiviert hätten die meisten der letzten Auszubildenden am Unterricht teilgenommen. Außerdem habe es in sozialen Netzwerken immer häufiger „böse Kommentare und völlig unberechtigte Kritik“ gegeben. Modzel: „Diese Dreckschmeißer im Stall haben mir und den anderen Dozenten den Spaß an der Arbeit genommen“. Sechs der zuletzt noch 30 unterrichteten Schüler hätten die Ausbildung noch erfolgreich beendet, mit den übrigen seien die Ausbildungsverträge gekündigt worden.

Beendet ist auch die Zusammenarbeit mit Marion Karstens. Von ihr hatte Modzel im vergangenen Jahr eine etwa 500 Quadratmeter große alte Industriehalle in der Möllberger Straße in Vlotho gemietet. Mit dem „Buhnen-Theater“ wollte er hier eine neue Kulturstätte errichten, die Platz für Aufführungen, Workshops, Lesungen und Musicals bieten sollte. Für seinen Premierenauftritt am 11. Juli hatte er sich noch mit einem Grundkonstrukt aus Bühne, Stühlen und Lichttechnik begnügt, aber umfangreiche Umbauarbeiten in Aussicht gestellt. Von denen nimmt der 47-Jährige nun Abstand: „Für den Umbau hätte ich keine baurechtliche Genehmigung bekommen“. Er fühlt sich von seiner Vermieterin getäuscht und betrachtet den Pachtvertrag als hinfällig: „Das Buhnen-Theater hat sich für mich erledigt“. Für eine Stellungnahme war Karstens nicht zu erreichen.

Auf Auftritte verzichten muss Modzel dennoch nicht. Zum Beispiel auf dem Rathausplatz in Bodenwerder. Am kommenden Sonntag singt und spielt er dort den Baron von Münchhausen im gleichnamigen Musical, weitere Shows folgen bis September. Wobei hier nun doch noch Corona ins Spiel kommt. Modzel: „Zwei Auftritte mussten wegen der Pandemie ausfallen“.

Und natürlich lässt der umtriebige Künstler keinen Zweifel daran, dass er nach dem Ende von MuSS und Buhnen-Theater nach einer neuen Herausforderung sucht. Einzelheiten verrät er noch nicht, nur soviel lässt er sich entlocken: „Ich habe eine ganz verrückte Idee“. Die er weder in Bielefeld noch in Vlotho, sondern in Bad Oeynhausen realisieren will.

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