Sachliche Debatte: Mehr als 200 Besucher verfolgen Info-Veranstaltung zum geplanten Hochregallager von Bauerngut in Bückeburg Raimund Cremers Bückeburg (szlz). Erstmals gebündelt und geballt sind im Großen Rathaussaal alle Informationen und notwendigen Schritte für den geplanten Neubau eines Hochregallagers des Konzern Bauerngut in Bückeburg auf den Tisch gekommen. Die Stadt Bückeburg als Bauleitplaner in Person von Bürgermeister Reiner Brombach und Baubereichsleiter Björn Sassenberg, der Landkreis Schaumburg als die zuständige Behörde für die Teilaufhebung des Landschaftsschutzgebietes Bückeburg-West-Sandfurth (LSG) in Person von Landrat Jörg Farr, Kreisdezernentin Andrea Stüdemann und Umweltamtsleiterin Martina Engelking und Bauerngut Geschäftsführer Klaus Jeinßen als Vertreter des Bauherrn standen Rede und Antwort. 200 Zuhörer im und einige Handvoll an den Seiteneingängen verfolgten die Debatte – dem Anschein nach die Hälfte Befürworter, die andere Hälfte Ablehner. Sprecher der Initiativen „Wir lieben Bückeburg“ beziehungsweise Landschaftsschutz Schaumburger ergriffen ebenso das Wort wie Bauerngut-Mitarbeiter. Das Fazit Im Gegensatz zu vielen vorherigen Diskussionen in Rat und Ausschüssen war es eine ganz überwiegend sachliche Debatte. Klar wurde aber auch, dass sich die wirtschaftlichen Interessen und die Interessen von Naturschutz, beziehungsweise Landschaftsschutz unvereinbar gegenüber stehen. Der Politik in Stadt und Landkreis steht ein sorgfältiger Abwägungsprozess bevor, ob und wie der B-Plan beschlossen, beziehungsweise der Landschaftsschutz in dem Gebiet aufgehoben wird. Bürgermeister Reiner Brombach geht davon aus, dass bis Ende des Jahres die Satzungsbeschlüsse für die Änderung des F-Plans, die Aufstellung des B-Plans und die Teilaufhebung des LSG seitens des Landkreises beschlossen werden – oder die Ablehnung. Die Stadt Detailliert erläuterte Fachbereichsleiter Björn Sassenberg erneut die notwendigen Schritte zur Aufstellung eines B-Plans. Seitens des Bauamtes müssten „sehr, sehr viele Aspekte“ abgearbeitet werden. „Wir sind dran.“ Der Zeitpunkt zur Auslegung im Bau- und Umweltausschuss und der zweiten Öffentlichen Auslegung – „auf diesen Schritt warten sie“ – sei noch nicht erreicht, weil Punkte wie Artenschutz, Ausgleichsflächen, Entwässerung oder Erschließung noch bearbeitet werden müssten. Für die Teilaufhebung des LSG würden noch nicht alle Gutachten vorliegen. Zum befürchteten Absinken des Grundwasserspiegels habe der Gutachter festgestellt, dass keine Beeinträchtigungen zu erwarten sein. Zum Abwägungsprozess durch die Politik sagte Sassenberg, dass neben Belangen des Umweltschutzes und des Landschaftsschutzes auch Belange wie gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse (Stichwort: „auch 800 Arbeitsplätze sind ein Belang“), öffentliche und private Belange und der Wirtschaft abgewogen müssten. Die Frage dabei: „Was ist wichtiger?“ Sassenberg verwies weiter darauf, dass eine Erweiterung ein ganz anderer Prozess als ein Neubau sei, da bereits vorhandenen betriebliche Notwendigkeiten vorhanden sind. Natürlich habe es Alternativprüfungen gegeben, wies auch der Bürgermeister auf zahlreiche Vorgespräche etwa mit der Bundeswehr hin. Letztendlich sei es auf die Fläche südlich der B 83 hinausgelaufen. Die etwa 700 Stellungnahme würden aufgearbeitet, bewertet und dokumentiert, versicherte Sassenberg. „Alles in allem ein Parforceritt durch Planungsrecht“, wie die extra von der Stadt für den Abend engagierte Moderatorin Tanja Dornieden von der Firma Koko den halbstündigen Vortrag bewertete. Der Konzern Bauerngut „Für uns ist die Nähe zum Produktionsstandort zwingend notwendig“, eröffnete Bauerngut-Geschäftsführer Klaus Jeinsen seine Darstellung. Angelieferte Rohstoffe oder Ware müssten unter dem Frischeaspekt schnellstmöglich verarbeitet und täglich frisch weggearbeitet werden. Die Umlaufzeit dauere maximal zwei Tage, dann sei das gesamte Lager einmal durch. Der Neubau werde wie bisher das Lager für Fleisch- und Wurstwaren aufnehmen, aber auch Käse, vegetarische und vegane Produkte, die bereits jetzt am Standort umgeschlagen würden und die einen immer größeren Anteil am Gesamtumsatz einnehmen würden. Der Biobereich wachse derzeit „massiv“: jährlich um 40 Prozent. Da höherwertige Haltungsformen in der Fleischproduktion vom Verbraucher immer mehr nachgefragt werden, würden wegen der notwendigen Sortierung mehr Lagerkapazitäten gebraucht. 550 Filialen werden von Bückeburg aus beliefert. Vom Start weg werde es 80 neue Arbeitsplätze im Neubau geben, am Ende werden es um die 230 neue Arbeitsplätze sein. Da bestimmte Mitarbeiter zwischen beiden Werken pendeln müssten, seien kurze Wege unabdingbar: „Das kostet Zeit und Geld, wenn der Neubau weiter weg ist.“ Bauerngut expandiere seit 30 Jahren in Bückeburg, habe in den vergangenen Jahren einen „außergewöhnlichen Lauf“, was Absatz und Umsatz angehe, nicht nur im Fleisch, sondern auch im Nichtfleischbereich. Das 2006 erbaute Hochregallager am Produktionsstandort sei mittlerweile viel zu klein, Waren müssten hin- und hergestapelt werden. Der Landkreis Die Leiterin des Umweltamtes, Martina Engelking, bezeichnete die beantragte Teilaufhebung des LSG als „relevanten“ und „eigentlich nicht vereinbaren Eingriff“ in das Landschaftsbild“. Aber, so ihre vorsichtige Voreinschätzung: Derzeit sehe der Landkreis keine Verschlechterung, auch wenn wir erst ganz am Anfang stehen und noch nicht alle Planunterlagen vorliegen würden. Über die Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit habe die Politik zu entscheiden. Oder wie es Landrat Jörg Farr formulierte: „Die Politik muss abwägen. Was ist höherwertiger: Der Standort Bauerngut oder das Landschaftsschutzgebiet?“

Sachliche Debatte: Mehr als 200 Besucher verfolgen Info-Veranstaltung zum geplanten Hochregallager von Bauerngut in Bückeburg

Erstmals standen Stadt Bückeburg, Landkreis Schaumburg und Bauerngut auf einem Podium Rede und Antwort: 200 Bückeburger waren gekommen, um aus erster Hand informiert zu werden, darunter Vertreter der Neubau-Gegner „Wir lieben Bückeburg“, ebenso aber auch Mitarbeiter von Bauerngut, die um ihre Arbeitsplätze fürchten. Foto: szlz © Raimund Cremers

Bückeburg (szlz). Erstmals gebündelt und geballt sind im Großen Rathaussaal alle Informationen und notwendigen Schritte für den geplanten Neubau eines Hochregallagers des Konzern Bauerngut in Bückeburg auf den Tisch gekommen. Die Stadt Bückeburg als Bauleitplaner in Person von Bürgermeister Reiner Brombach und Baubereichsleiter Björn Sassenberg, der Landkreis Schaumburg als die zuständige Behörde für die Teilaufhebung des Landschaftsschutzgebietes Bückeburg-West-Sandfurth (LSG) in Person von Landrat Jörg Farr, Kreisdezernentin Andrea Stüdemann und Umweltamtsleiterin Martina Engelking und Bauerngut Geschäftsführer Klaus Jeinßen als Vertreter des Bauherrn standen Rede und Antwort. 200 Zuhörer im und einige Handvoll an den Seiteneingängen verfolgten die Debatte – dem Anschein nach die Hälfte Befürworter, die andere Hälfte Ablehner. Sprecher der Initiativen „Wir lieben Bückeburg“ beziehungsweise Landschaftsschutz Schaumburger ergriffen ebenso das Wort wie Bauerngut-Mitarbeiter.

Das Fazit

Im Gegensatz zu vielen vorherigen Diskussionen in Rat und Ausschüssen war es eine ganz überwiegend sachliche Debatte. Klar wurde aber auch, dass sich die wirtschaftlichen Interessen und die Interessen von Naturschutz, beziehungsweise Landschaftsschutz unvereinbar gegenüber stehen. Der Politik in Stadt und Landkreis steht ein sorgfältiger Abwägungsprozess bevor, ob und wie der B-Plan beschlossen, beziehungsweise der Landschaftsschutz in dem Gebiet aufgehoben wird. Bürgermeister Reiner Brombach geht davon aus, dass bis Ende des Jahres die Satzungsbeschlüsse für die Änderung des F-Plans, die Aufstellung des B-Plans und die Teilaufhebung des LSG seitens des Landkreises beschlossen werden – oder die Ablehnung.

Die Stadt

Detailliert erläuterte Fachbereichsleiter Björn Sassenberg erneut die notwendigen Schritte zur Aufstellung eines B-Plans. Seitens des Bauamtes müssten „sehr, sehr viele Aspekte“ abgearbeitet werden. „Wir sind dran.“ Der Zeitpunkt zur Auslegung im Bau- und Umweltausschuss und der zweiten Öffentlichen Auslegung – „auf diesen Schritt warten sie“ – sei noch nicht erreicht, weil Punkte wie Artenschutz, Ausgleichsflächen, Entwässerung oder Erschließung noch bearbeitet werden müssten. Für die Teilaufhebung des LSG würden noch nicht alle Gutachten vorliegen. Zum befürchteten Absinken des Grundwasserspiegels habe der Gutachter festgestellt, dass keine Beeinträchtigungen zu erwarten sein.

Zum Abwägungsprozess durch die Politik sagte Sassenberg, dass neben Belangen des Umweltschutzes und des Landschaftsschutzes auch Belange wie gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse (Stichwort: „auch 800 Arbeitsplätze sind ein Belang“), öffentliche und private Belange und der Wirtschaft abgewogen müssten. Die Frage dabei: „Was ist wichtiger?“

Sassenberg verwies weiter darauf, dass eine Erweiterung ein ganz anderer Prozess als ein Neubau sei, da bereits vorhandenen betriebliche Notwendigkeiten vorhanden sind. Natürlich habe es Alternativprüfungen gegeben, wies auch der Bürgermeister auf zahlreiche Vorgespräche etwa mit der Bundeswehr hin. Letztendlich sei es auf die Fläche südlich der B 83 hinausgelaufen. Die etwa 700 Stellungnahme würden aufgearbeitet, bewertet und dokumentiert, versicherte Sassenberg. „Alles in allem ein Parforceritt durch Planungsrecht“, wie die extra von der Stadt für den Abend engagierte Moderatorin Tanja Dornieden von der Firma Koko den halbstündigen Vortrag bewertete.

Der Konzern Bauerngut

„Für uns ist die Nähe zum Produktionsstandort zwingend notwendig“, eröffnete Bauerngut-Geschäftsführer Klaus Jeinsen seine Darstellung. Angelieferte Rohstoffe oder Ware müssten unter dem Frischeaspekt schnellstmöglich verarbeitet und täglich frisch weggearbeitet werden. Die Umlaufzeit dauere maximal zwei Tage, dann sei das gesamte Lager einmal durch. Der Neubau werde wie bisher das Lager für Fleisch- und Wurstwaren aufnehmen, aber auch Käse, vegetarische und vegane Produkte, die bereits jetzt am Standort umgeschlagen würden und die einen immer größeren Anteil am Gesamtumsatz einnehmen würden. Der Biobereich wachse derzeit „massiv“: jährlich um 40 Prozent. Da höherwertige Haltungsformen in der Fleischproduktion vom Verbraucher immer mehr nachgefragt werden, würden wegen der notwendigen Sortierung mehr Lagerkapazitäten gebraucht. 550 Filialen werden von Bückeburg aus beliefert.

Vom Start weg werde es 80 neue Arbeitsplätze im Neubau geben, am Ende werden es um die 230 neue Arbeitsplätze sein. Da bestimmte Mitarbeiter zwischen beiden Werken pendeln müssten, seien kurze Wege unabdingbar: „Das kostet Zeit und Geld, wenn der Neubau weiter weg ist.“

Bauerngut expandiere seit 30 Jahren in Bückeburg, habe in den vergangenen Jahren einen „außergewöhnlichen Lauf“, was Absatz und Umsatz angehe, nicht nur im Fleisch, sondern auch im Nichtfleischbereich. Das 2006 erbaute Hochregallager am Produktionsstandort sei mittlerweile viel zu klein, Waren müssten hin- und hergestapelt werden.

Der Landkreis

Die Leiterin des Umweltamtes, Martina Engelking, bezeichnete die beantragte Teilaufhebung des LSG als „relevanten“ und „eigentlich nicht vereinbaren Eingriff“ in das Landschaftsbild“. Aber, so ihre vorsichtige Voreinschätzung: Derzeit sehe der Landkreis keine Verschlechterung, auch wenn wir erst ganz am Anfang stehen und noch nicht alle Planunterlagen vorliegen würden. Über die Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit habe die Politik zu entscheiden. Oder wie es Landrat Jörg Farr formulierte: „Die Politik muss abwägen. Was ist höherwertiger: Der Standort Bauerngut oder das Landschaftsschutzgebiet?“

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