Bad Oeynhausen / Porta Westfalica Ruhestörer bricht Polizisten die Nase und versucht FFP2-Maske aufzuessen Ulf Hanke Bad Oeynhausen (NW). Die Musik laut aufgedreht, eine halbe Flasche Korn im Kopf und Cannabisdampf in der Lunge: Es waren denkbar schlechte Voraussetzungen, um sich nachts mit der Polizei anzulegen. Ein Ruhestörer hat in einer Januarnacht die einzige in Bad Oeynhausen stationierte Polizeistreife so sehr beschäftigt, dass die Beamten Verstärkung aus Porta Westfalica anfordern mussten. Nach dem ersten Klingeln gegen 2 Uhr, versprach der 36-jährige Ruhestörer noch in der Haustür, ins Bett zu gehen. Sein Versprechen hielt nicht lange. Gegen 4 Uhr standen die Polizisten wieder auf der Matte. Doch diesmal wurde der Ruhestörer aggressiv. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat den 36-jährigen Mann aus Bad Oeynhausen wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte, Körperverletzung und Beleidigung angeklagt. Der Mann soll einem 24-jährigen Polizisten, der ihm in der Zelle in Minden die Fesseln löste, mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm dadurch die Nase gebrochen haben. Eine 25-jährige Polizistin wurde von Schlägen an der Schulter getroffen und erlitt Prellungen. Sie war die Adressatin seiner Beleidigungen. Noch bevor die Gerichtsverhandlung am Freitagmorgen beginnt, spricht der Angeklagte die auf dem Flur wartende Polizistin an und bittet um Verzeihung. Im Gerichtssaal wiederholt er seine Entschuldigung auch gegenüber dem Polizisten mit dem Nasenbeinbruch und dem dritten Beamten. An dem fraglichen Tag, erklärt er dem Richter, habe er sich selbst versehentlich das Bein gebrochen, als er gegen einen Glastisch gestoßen sei. Ein Attest bestätigt das. Den Bruch habe er jedoch zunächst nicht wahrhaben wollen. Stattdessen versuchte der Angeklagte, die Schmerzen mit Alkohol und Cannabis zu betäuben. Das ging schief. An die Ruhestörung kann sich der 36-Jährige zwar noch erinnern, an die Beleidigungen, Faustschläge, Tritte und sein Spucken im Polizeiauto jedoch nicht mehr. Auf Nachfragen des Richters, ob er sich gegen die Festnahme gesperrt habe, erwidert der Angeklagte: "Mit mir wurde nicht geredet" und "Ich habe keine Anweisungen gehört, dass ich Folge zu leisten habe". Seiner Darstellung nach wehrte er sich bloß gegen die Fesselung und weil die Polizisten sein verletztes Bein belasteten, was ihm Schmerzen bereitet habe. Die Polizisten konnten von dem Beinbruch, den der Angeklagte selbst nicht wahrhaben wollte, zu diesem Zeitpunkt nichts wissen. Die Verletzung wurde erst nach der Nacht im Polizeigewahrsam vom Klinikum Minden festgestellt, wo der Angeklagte eine Woche lang behandelt wurde. Die Beamten eilten Dienstagnacht, 19. Januar, zu der Wohnung, weil Nachbarn über den Notruf eine Ruhestörung meldeten. Schon auf der Straße vor dem Haus unweit des Amtsgerichts nahmen die Polizisten laute Musik und Schreie wahr. Nach der ersten Ermahnung war kurzzeitig Ruhe. "Jeder hat eine zweite Chance", sagte die Polizistin. Der Angeklagte nutzte seine nicht. Bei der zweiten Ermahnung wenig später reagierte der Ruhestörer bereits überaus aggressiv. Als sie dem Mann ankündigten, ihn in Gewahrsam zu nehmen, rannte er spontan raus auf die Straße zum Streifenwagen. Die Polizisten liefen hinterher, erwischten den Ausreißer und fixierten ihn auf der Rückbank des Streifenwagens. Auf Fahrt in die Zelle der Polizeiwache Minden randalierte der Ruhestörer jedoch, trat nach der Polizistin am Steuer und bespuckte sie. Eine FFP2-Coronaschutzmaske, die ihm aufgesetzt worden war, versuchte er aufzuessen. Noch in Bad Oeynhausen musste der Streifenwagen halten, die Beamten riefen über Funk Verstärkung herbei, so schildert die Polizistin das Geschehen. Nach acht bis zehn Minuten erreichte die zweite Streifenwagenbesatzung aus Porta Westfalica den Gefangenentransport. Zu dritt überwältigten die Beamten den Ruhestörer, fuhren nach Minden und trugen ihn in die Zelle. Der Mann hatte sich scheinbar beruhigt, die Polizisten entschieden, seine Fesseln zu lösen. Noch im gleichen Moment drehte sich der Entfesselte vom Bauch auf den Rücken und schlug dem aus Porta Westfalica herbeigeeilten Polizisten zweimal gezielt ins Gesicht. Der Beamte schlug zurück. Die Polizistin konnte ihren Kopf wegdrehen, wurde aber an der Schulter getroffen. Der Angeklagte hat in dieser Nacht offenbar die Kontrolle über sich und sein Leben verloren. Er habe Suizidgedanken gehabt, erzählt er dem Richter. Er habe sich deshalb später auch in Behandlung begeben. Der 36-Jährige ist seit längerem berufsunfähig, er bezieht eine kleine Erwerbsunfähigkeitsrente. Sein frühes Geständnis und seine Reue rechnete der Richter ihm strafmildernd an, verurteilte ihn aber wie von der Staatsanwaltschaft gefordert zu zehn Monaten Haft, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Angeklagte muss außerdem jeweils 600 Euro Schmerzensgeld an die beiden verletzten Polizisten zahlen. Das Urteil nahm der 36-Jährige noch im Gerichtssaal an.
Bad Oeynhausen / Porta Westfalica

Ruhestörer bricht Polizisten die Nase und versucht FFP2-Maske aufzuessen

Ein Ruhestörer aus Bad Oeynhausen hat Polizisten beleidigt, getreten, geschlagen, bespuckt und dann versucht, seine FFP2-Maske aufzuessen. © Pixabay

Bad Oeynhausen (NW). Die Musik laut aufgedreht, eine halbe Flasche Korn im Kopf und Cannabisdampf in der Lunge: Es waren denkbar schlechte Voraussetzungen, um sich nachts mit der Polizei anzulegen. Ein Ruhestörer hat in einer Januarnacht die einzige in Bad Oeynhausen stationierte Polizeistreife so sehr beschäftigt, dass die Beamten Verstärkung aus Porta Westfalica anfordern mussten.

Nach dem ersten Klingeln gegen 2 Uhr, versprach der 36-jährige Ruhestörer noch in der Haustür, ins Bett zu gehen. Sein Versprechen hielt nicht lange. Gegen 4 Uhr standen die Polizisten wieder auf der Matte. Doch diesmal wurde der Ruhestörer aggressiv.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat den 36-jährigen Mann aus Bad Oeynhausen wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte, Körperverletzung und Beleidigung angeklagt. Der Mann soll einem 24-jährigen Polizisten, der ihm in der Zelle in Minden die Fesseln löste, mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm dadurch die Nase gebrochen haben. Eine 25-jährige Polizistin wurde von Schlägen an der Schulter getroffen und erlitt Prellungen. Sie war die Adressatin seiner Beleidigungen.


Noch bevor die Gerichtsverhandlung am Freitagmorgen beginnt, spricht der Angeklagte die auf dem Flur wartende Polizistin an und bittet um Verzeihung. Im Gerichtssaal wiederholt er seine Entschuldigung auch gegenüber dem Polizisten mit dem Nasenbeinbruch und dem dritten Beamten. An dem fraglichen Tag, erklärt er dem Richter, habe er sich selbst versehentlich das Bein gebrochen, als er gegen einen Glastisch gestoßen sei. Ein Attest bestätigt das. Den Bruch habe er jedoch zunächst nicht wahrhaben wollen. Stattdessen versuchte der Angeklagte, die Schmerzen mit Alkohol und Cannabis zu betäuben.

Das ging schief. An die Ruhestörung kann sich der 36-Jährige zwar noch erinnern, an die Beleidigungen, Faustschläge, Tritte und sein Spucken im Polizeiauto jedoch nicht mehr. Auf Nachfragen des Richters, ob er sich gegen die Festnahme gesperrt habe, erwidert der Angeklagte: "Mit mir wurde nicht geredet" und "Ich habe keine Anweisungen gehört, dass ich Folge zu leisten habe". Seiner Darstellung nach wehrte er sich bloß gegen die Fesselung und weil die Polizisten sein verletztes Bein belasteten, was ihm Schmerzen bereitet habe.

Die Polizisten konnten von dem Beinbruch, den der Angeklagte selbst nicht wahrhaben wollte, zu diesem Zeitpunkt nichts wissen. Die Verletzung wurde erst nach der Nacht im Polizeigewahrsam vom Klinikum Minden festgestellt, wo der Angeklagte eine Woche lang behandelt wurde.

Die Beamten eilten Dienstagnacht, 19. Januar, zu der Wohnung, weil Nachbarn über den Notruf eine Ruhestörung meldeten. Schon auf der Straße vor dem Haus unweit des Amtsgerichts nahmen die Polizisten laute Musik und Schreie wahr. Nach der ersten Ermahnung war kurzzeitig Ruhe. "Jeder hat eine zweite Chance", sagte die Polizistin. Der Angeklagte nutzte seine nicht.

Bei der zweiten Ermahnung wenig später reagierte der Ruhestörer bereits überaus aggressiv. Als sie dem Mann ankündigten, ihn in Gewahrsam zu nehmen, rannte er spontan raus auf die Straße zum Streifenwagen. Die Polizisten liefen hinterher, erwischten den Ausreißer und fixierten ihn auf der Rückbank des Streifenwagens. Auf Fahrt in die Zelle der Polizeiwache Minden randalierte der Ruhestörer jedoch, trat nach der Polizistin am Steuer und bespuckte sie. Eine FFP2-Coronaschutzmaske, die ihm aufgesetzt worden war, versuchte er aufzuessen.

Noch in Bad Oeynhausen musste der Streifenwagen halten, die Beamten riefen über Funk Verstärkung herbei, so schildert die Polizistin das Geschehen. Nach acht bis zehn Minuten erreichte die zweite Streifenwagenbesatzung aus Porta Westfalica den Gefangenentransport. Zu dritt überwältigten die Beamten den Ruhestörer, fuhren nach Minden und trugen ihn in die Zelle.

Der Mann hatte sich scheinbar beruhigt, die Polizisten entschieden, seine Fesseln zu lösen. Noch im gleichen Moment drehte sich der Entfesselte vom Bauch auf den Rücken und schlug dem aus Porta Westfalica herbeigeeilten Polizisten zweimal gezielt ins Gesicht. Der Beamte schlug zurück. Die Polizistin konnte ihren Kopf wegdrehen, wurde aber an der Schulter getroffen.

Der Angeklagte hat in dieser Nacht offenbar die Kontrolle über sich und sein Leben verloren. Er habe Suizidgedanken gehabt, erzählt er dem Richter. Er habe sich deshalb später auch in Behandlung begeben. Der 36-Jährige ist seit längerem berufsunfähig, er bezieht eine kleine Erwerbsunfähigkeitsrente.

Sein frühes Geständnis und seine Reue rechnete der Richter ihm strafmildernd an, verurteilte ihn aber wie von der Staatsanwaltschaft gefordert zu zehn Monaten Haft, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Angeklagte muss außerdem jeweils 600 Euro Schmerzensgeld an die beiden verletzten Polizisten zahlen. Das Urteil nahm der 36-Jährige noch im Gerichtssaal an.

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