Pr. Oldendorf/Bielefeld Riesiges Drogenlabor in Pr. Oldendorf: So gingen die Speed-Köche vor Sandra Spieker Pr. Oldendorf/Bielefeld. Wie kamen die mutmaßlichen Drogenköche an den Transporter und die Utensilien für ihre Arbeiten in der Lagerhalle in Börninghausen? Wo hinterließen sie ihre Spuren? In der unscheinbaren Halle sollten Grundstoffe für synthetische Drogen wie Speed hergestellt werden. Die Materialbeschaffung und Logistik für eines der größten Drogenlabore in Deutschland stand im Vordergrund des vierten Verhandlungstages vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld. Auch wurden die drei Angeklagten - ein Rödinghauser (31), ein Pr. Oldendorfer (39) und ein Niederländer - erneut gebeten, sich zu ihren Lebensläufen zu äußern. Wie sich herausstellte, beschafften die mutmaßlichen Betreiber des Drogenlabors das benötigte Propangas ganz in der Nähe - in einem Baumarkt in Lübbecke. Es sei ihr schon ein wenig verwunderlich vorgekommen, als der Kunde eine solch große Menge an Propangasflaschen bestellte, sagte die damalige Mitarbeiterin des Baumarktes vor Gericht. Normalerweise würden in dem Fachmarkt höchstens zwei oder drei Gasflaschen auf einmal verkauft. "Zum Grillen oder Unkraut abflammen", so die Mitarbeiterin. "Das war schon auffällig." Daher habe sie auch den Marktleiter hinzugezogen. Der habe das Okay gegeben. Mehrere Kassenbelege wurden vor Gericht durchgegangen. Insgesamt hatte der angeklagte 31-Jährige an mehreren Tagen Ende April 2019 mehr als 30 große Gasflaschen für rund 2.500 Euro kaufen wollen. Notiert hatte die Mitarbeiterin den Namen der Firma und den Nachnamen des Angeklagten, aber keine Adresse und Telefonnummer. Der Kunde habe gleich angekündigt, dass er öfters komme, so die Mitarbeiterin. Er solle sich vorher telefonisch melden, habe sie ihm gesagt, um sicherzustellen, dass die gewünschte Anzahl an Gasflaschen auch vorrätig sei oder beim Lieferanten bestellt werde. Normalerweise würden die Gasflaschen von einem Mitarbeiter nach vorn zur Kasse geholt. Aufgrund der hohen Anzahl der Flaschen habe sie ihm gesagt, er könne sich die Flaschen an der Rückseite des Gebäudes abholen, so die Mitarbeiterin. Dort seien sie in einem großen Drahtkorb gelagert gewesen. Durch eine offene Tür habe sie einen Kastenwagen gesehen. Die Farbe: "höchstwahrscheinlich weiß, auf jeden Fall sehr hell". Wofür er so viele Gasflaschen brauche, habe sie gefragt. Er habe eine größere Baustelle in der Nähe und müsse dort Teerpappe verlegen, sei die Antwort gewesen. Bezahlt habe der Kunde die Flaschen in bar. "Er hatte nicht wenig Geld dabei", hatte die Mitarbeiterin bemerkt. Mehrere große Geldscheine habe er in der Hemdtasche gehabt, dazu eine teure Uhr am Handgelenk, "möglicherweise eine Rolex oder Breitling". An das Aussehen könne sie sich nun, zwei Jahre später, nicht mehr genau erinnern. Er sei hinzugerufen worden und habe dem Kunden beim Verladen der Flaschen in den Bulli geholfen, sagt ein damaliger Verkäufer des Baumarktes vor Gericht. Ihm habe er gesagt, er brauche die Gasflaschen für eine Veranstaltung. Möglicherweise den Blasheimer Markt, habe er sich gedacht und nicht weiter nachgefragt. "Dafür ist das ja nicht unüblich." Wie der Transporter genau aussah und was für ein Kennzeichen er hatte, daran konnte sich der Mitarbeiter des Marktes nicht erinnern. Es sei kein "MI"-Kennzeichen gewesen, aber ein deutsches. Bei dem Transporter handelte es sich offenbar um ein ehemaliges Firmenfahrzeug aus der Region. Der weiße Mercedes Sprinter sei schon älter gewesen und sollte verkauft werden, sagte der Geschäftsführer der Firma vor Gericht. Er sei etwa seit 2013 als Lieferwagen für Kunden in der Nähe genutzt worden. Über den Schwager seines Bruders sei ein Kontakt zustande gekommen. Der Schwager (der angeklagte Pr. Oldendorfer) habe einen Freund gehabt, der sich für den Wagen interessierte, hieß es. Zwei Männer hätten sich den Wagen angeschaut und Probe gefahren und etwa eineinhalb Wochen später gekauft, sagte der Logistikleiter der IT-Firma vor Gericht. Die Bezahlung? In bar. Einer der beiden habe Handwerkerkleidung getragen. Der Kaufvertrag war auf den Angeklagten aus Rödinghausen ausgestellt. Übergeben habe er den Sprinter unabgemeldet und noch mit Werbeaufschrift. Die Männer hätten versichert, dass sie die Ummeldung schnellstens vornehmen. Was offenbar nicht passierte. Der Fahrzeugschein sei abhanden gekommen, dann aber wieder aufgetaucht, so der Logistikleiter. Daher habe es wohl mit der Ummeldung beim Straßenverkehrsamt nicht sofort geklappt. Wie schon bei den ersten Verhandlungstagen schwiegen die drei Angeklagten auch am Montag vor Gericht. Angaben zu ihren Lebensläufen wollten sie auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin in der Verhandlung nicht machen. Sie sollten schriftlich erfolgen, ließen sie durch ihre Anwälte mitteilen. Der Prozess wird am 16. April fortgesetzt.
Pr. Oldendorf/Bielefeld

Riesiges Drogenlabor in Pr. Oldendorf: So gingen die Speed-Köche vor

Zahlreiche Propangasflaschen lagerten in der als Drogenlabor genutzten Halle in Börninghausen. Woher die kamen, darum ging es jetzt vor Gericht. © Joern Spreen-Ledebur

Pr. Oldendorf/Bielefeld. Wie kamen die mutmaßlichen Drogenköche an den Transporter und die Utensilien für ihre Arbeiten in der Lagerhalle in Börninghausen? Wo hinterließen sie ihre Spuren? In der unscheinbaren Halle sollten Grundstoffe für synthetische Drogen wie Speed hergestellt werden. Die Materialbeschaffung und Logistik für eines der größten Drogenlabore in Deutschland stand im Vordergrund des vierten Verhandlungstages vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld. Auch wurden die drei Angeklagten - ein Rödinghauser (31), ein Pr. Oldendorfer (39) und ein Niederländer - erneut gebeten, sich zu ihren Lebensläufen zu äußern.

Wie sich herausstellte, beschafften die mutmaßlichen Betreiber des Drogenlabors das benötigte Propangas ganz in der Nähe - in einem Baumarkt in Lübbecke. Es sei ihr schon ein wenig verwunderlich vorgekommen, als der Kunde eine solch große Menge an Propangasflaschen bestellte, sagte die damalige Mitarbeiterin des Baumarktes vor Gericht. Normalerweise würden in dem Fachmarkt höchstens zwei oder drei Gasflaschen auf einmal verkauft. "Zum Grillen oder Unkraut abflammen", so die Mitarbeiterin. "Das war schon auffällig." Daher habe sie auch den Marktleiter hinzugezogen. Der habe das Okay gegeben.

Mehrere Kassenbelege wurden vor Gericht durchgegangen. Insgesamt hatte der angeklagte 31-Jährige an mehreren Tagen Ende April 2019 mehr als 30 große Gasflaschen für rund 2.500 Euro kaufen wollen. Notiert hatte die Mitarbeiterin den Namen der Firma und den Nachnamen des Angeklagten, aber keine Adresse und Telefonnummer. Der Kunde habe gleich angekündigt, dass er öfters komme, so die Mitarbeiterin. Er solle sich vorher telefonisch melden, habe sie ihm gesagt, um sicherzustellen, dass die gewünschte Anzahl an Gasflaschen auch vorrätig sei oder beim Lieferanten bestellt werde.

Normalerweise würden die Gasflaschen von einem Mitarbeiter nach vorn zur Kasse geholt. Aufgrund der hohen Anzahl der Flaschen habe sie ihm gesagt, er könne sich die Flaschen an der Rückseite des Gebäudes abholen, so die Mitarbeiterin. Dort seien sie in einem großen Drahtkorb gelagert gewesen. Durch eine offene Tür habe sie einen Kastenwagen gesehen. Die Farbe: "höchstwahrscheinlich weiß, auf jeden Fall sehr hell". Wofür er so viele Gasflaschen brauche, habe sie gefragt. Er habe eine größere Baustelle in der Nähe und müsse dort Teerpappe verlegen, sei die Antwort gewesen. Bezahlt habe der Kunde die Flaschen in bar. "Er hatte nicht wenig Geld dabei", hatte die Mitarbeiterin bemerkt. Mehrere große Geldscheine habe er in der Hemdtasche gehabt, dazu eine teure Uhr am Handgelenk, "möglicherweise eine Rolex oder Breitling". An das Aussehen könne sie sich nun, zwei Jahre später, nicht mehr genau erinnern.

Er sei hinzugerufen worden und habe dem Kunden beim Verladen der Flaschen in den Bulli geholfen, sagt ein damaliger Verkäufer des Baumarktes vor Gericht. Ihm habe er gesagt, er brauche die Gasflaschen für eine Veranstaltung. Möglicherweise den Blasheimer Markt, habe er sich gedacht und nicht weiter nachgefragt. "Dafür ist das ja nicht unüblich." Wie der Transporter genau aussah und was für ein Kennzeichen er hatte, daran konnte sich der Mitarbeiter des Marktes nicht erinnern. Es sei kein "MI"-Kennzeichen gewesen, aber ein deutsches.

Bei dem Transporter handelte es sich offenbar um ein ehemaliges Firmenfahrzeug aus der Region. Der weiße Mercedes Sprinter sei schon älter gewesen und sollte verkauft werden, sagte der Geschäftsführer der Firma vor Gericht. Er sei etwa seit 2013 als Lieferwagen für Kunden in der Nähe genutzt worden. Über den Schwager seines Bruders sei ein Kontakt zustande gekommen. Der Schwager (der angeklagte Pr. Oldendorfer) habe einen Freund gehabt, der sich für den Wagen interessierte, hieß es. Zwei Männer hätten sich den Wagen angeschaut und Probe gefahren und etwa eineinhalb Wochen später gekauft, sagte der Logistikleiter der IT-Firma vor Gericht. Die Bezahlung? In bar. Einer der beiden habe Handwerkerkleidung getragen.

Der Kaufvertrag war auf den Angeklagten aus Rödinghausen ausgestellt. Übergeben habe er den Sprinter unabgemeldet und noch mit Werbeaufschrift. Die Männer hätten versichert, dass sie die Ummeldung schnellstens vornehmen. Was offenbar nicht passierte. Der Fahrzeugschein sei abhanden gekommen, dann aber wieder aufgetaucht, so der Logistikleiter. Daher habe es wohl mit der Ummeldung beim Straßenverkehrsamt nicht sofort geklappt.

Wie schon bei den ersten Verhandlungstagen schwiegen die drei Angeklagten auch am Montag vor Gericht. Angaben zu ihren Lebensläufen wollten sie auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin in der Verhandlung nicht machen. Sie sollten schriftlich erfolgen, ließen sie durch ihre Anwälte mitteilen. Der Prozess wird am 16. April fortgesetzt.

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