Radverkehr: Fußgänger sollen im Oeynhauser Kurpark unter sich bleiben Heidi Froreich Bad Oeynhausen. Mit dem Fahrrad durch den Kurpark – auch diese Bürgeranregung soll im neuen Masterplan „Klimafreundliche Mobilität“ Berücksichtigung finden. Dass dieser Wunsch nicht nur auf dem Papier dokumentiert, sondern auch realisiert wird, bereitet Fußgängern schon jetzt Sorge. „Eine Änderung der geltenden Kurparkordnung ist grundsätzlich möglich“, erklärt Staatsbad-Betriebsleiter Dirk Henschel gegenüber der Neuen Westfälischen (NW). Allerdings bedarf es dazu mehr als eines Bürgerwunsches. Zahlreiche Gebäude im Park stehen unter Denkmalschutz und gelten als unantastbar. „Es gibt aber keine Gesetze, die Fahrradfahren im Park grundsätzlich verbieten“, stellt Henschel klar. Die Nutzung des Parks wird nur durch eine städtische Parkordnung geregelt. Henschel weist darauf hin: „Veränderungen brauchen eine politische Mehrheit“. Im Juli 2019 herrschte die im Betriebsausschuss. Das aus den 1990er Jahren stammende Regelwerk wurde aktualisiert. Dabei ging es nicht nur darum, unerwünschten Autoverkehr zu unterbinden. Segways, E-Roller und Drohnen gab es vor 25 Jahren noch nicht. Deren Nutzung im Park ist jetzt ebenso verboten wie das Radfahren. Verschärfte Kontrollen nicht nur durch einen privaten Sicherheitsdienst, sondern auch durch Mitarbeiter des Ordnungsamtes sollen dafür sorgen, dass Fußgänger im Park unter sich bleiben. Keine gute Idee fanden nun Bürger, die sich an einer Online-Befragung für den Masterplan „Klimafreundliche Mobilität“ beteiligt haben. Sie wünschen sich die Freigabe für den Radverkehr. Zumindest auf den Haupttrassen, beispielsweise von der Balitherme bis zum Inowroclawplatz. „Diese Beschränkung wäre wenig praktikabel“, befürchtet Henschel. Die Versuchung, auch Nebenwege zu befahren, sei zu groß. „Ich liebe das Radfahren – aber nicht im im Kurpark“, bekundet Kurt Nagel (CDU). Der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses hat die Anregung durch den Vortrag des Stadtplaners in der Sitzung direkt zur Kenntnis genommen, kann der Anregung aber auch im Nachhinein nichts Positives abgewinnen. Insbesondere die Größe der Parkanlage mache eine Nutzung per Rad nicht erforderlich. Auch den Vergleich mit Uferpromenaden beispielsweise am Timmendorfer Strand, auf denen Radfahrern und Fußgänger gleichberechtigt unterwegs sind, mag er nicht gelten lassen: „Wir haben hier im Kurort eine andere Klientel“. Das ist auch für Henning Bökamp, für die FDP im Stadtentwicklungsausschuss, das entscheidende Argument. Gerade Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt und auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, seien besonders schutzbedürftig. Und der sei nur durch ein absolutes Fahrverbot zu gewährleisten. Im Übrigen zeige sich auch in anderen städtischen Grünanlagen wie dem Siel und dem Siekertal, dass eine gemeinsame Wegenutzung von Fußgängern und Radfahrern „häufig Probleme bereite“. Die könnten, so Thomas Heilig (UW), im Kurpark nur vermieden werden, wenn es dort für Radler zusätzliche Fahrspuren auf den Randstreifen gäbe. Doch weil es für solche baulichen Veränderungen ohnehin keine Genehmigung gäbe, hält auch er „nix von Radlern in Kurpark“. Dass man durch den Kurpark Wege abkürzen und beispielsweise von der Innenstadt schneller zur Südbahn kommt, kann Olaf Winkelmann (SPD) zwar nachvollziehen, überzeugen kann ihn dieses Argument aber nicht: „So ein großer Umweg ist die Umfahrt auf Ost- und Westkorso ja nicht“. Darüber hinaus gelte es ja gerade, den Park als Ort der Entschleunigung zu schützen. Ingrid Schley (Grüne) sieht das genauso: „Ich will als Fußgänger im Park auch mal träumerisch unterwegs sein“. Das sei aber nur möglich, wenn der Radverkehr aus der Anlage verbannt bleibe: „Absoluter Vorrang für Erholung und Fußgänger“, lautet ihre Forderung. Als lächerlich kritisiert hingegen Rainer Müller-Held (BBO) das geltende Verbot und verweist auf Großstädte, die das Befahren ihrer Parkanlage seit Jahren erlauben: „Was im Englischen Garten in München und im Schlosspark Sanssouci möglich ist, muss doch auch in einer Kleinstadt klappen“. Dass es durch rücksichtsloses und zu schnelles Fahren Gefährdungspotential gibt, mag auch er nicht ausschließen und fordert daher Kontrollen.“ Im übrigen sieht er in der Freigabe für den Radverkehr die Chance, eine neue Nutzungskultur zu entwickeln. Müller-Held: „Der Besuch des Parks ist ein Geschenk, für das man sich durch rücksichtsvolles Verhalten bedanken sollte“. Eltern könnten dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Müller-Held: „Indem sie ihren Kindern verbieten, Rasenflächen und Beete zu befahren“. Das lässt sich schon jetzt trainieren, ist Müller-Held mit Blick auf einschlägige Beobachtungen bei seinen regelmäßigen Spaziergängen durch den Kurpark überzeugt. Weniger sicher kann er sein, dass Radverkehr im Kurpark künftig grundsätzlich erlaubt wird. Zumindest im Stadtentwicklungsausschuss ist keine breite Unterstützung für den Bürgerwunsch erkennbar.

Radverkehr: Fußgänger sollen im Oeynhauser Kurpark unter sich bleiben

Radfahren im Kurpark ist verboten- und das soll nach Ansicht vieler Politiker auch so bleiben. Foto: Thorsten Gödecker © Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen. Mit dem Fahrrad durch den Kurpark – auch diese Bürgeranregung soll im neuen Masterplan „Klimafreundliche Mobilität“ Berücksichtigung finden. Dass dieser Wunsch nicht nur auf dem Papier dokumentiert, sondern auch realisiert wird, bereitet Fußgängern schon jetzt Sorge. „Eine Änderung der geltenden Kurparkordnung ist grundsätzlich möglich“, erklärt Staatsbad-Betriebsleiter Dirk Henschel gegenüber der Neuen Westfälischen (NW). Allerdings bedarf es dazu mehr als eines Bürgerwunsches.

Zahlreiche Gebäude im Park stehen unter Denkmalschutz und gelten als unantastbar. „Es gibt aber keine Gesetze, die Fahrradfahren im Park grundsätzlich verbieten“, stellt Henschel klar. Die Nutzung des Parks wird nur durch eine städtische Parkordnung geregelt. Henschel weist darauf hin: „Veränderungen brauchen eine politische Mehrheit“. Im Juli 2019 herrschte die im Betriebsausschuss. Das aus den 1990er Jahren stammende Regelwerk wurde aktualisiert. Dabei ging es nicht nur darum, unerwünschten Autoverkehr zu unterbinden. Segways, E-Roller und Drohnen gab es vor 25 Jahren noch nicht. Deren Nutzung im Park ist jetzt ebenso verboten wie das Radfahren. Verschärfte Kontrollen nicht nur durch einen privaten Sicherheitsdienst, sondern auch durch Mitarbeiter des Ordnungsamtes sollen dafür sorgen, dass Fußgänger im Park unter sich bleiben.

Keine gute Idee fanden nun Bürger, die sich an einer Online-Befragung für den Masterplan „Klimafreundliche Mobilität“ beteiligt haben. Sie wünschen sich die Freigabe für den Radverkehr. Zumindest auf den Haupttrassen, beispielsweise von der Balitherme bis zum Inowroclawplatz. „Diese Beschränkung wäre wenig praktikabel“, befürchtet Henschel. Die Versuchung, auch Nebenwege zu befahren, sei zu groß.

„Ich liebe das Radfahren – aber nicht im im Kurpark“, bekundet Kurt Nagel (CDU). Der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses hat die Anregung durch den Vortrag des Stadtplaners in der Sitzung direkt zur Kenntnis genommen, kann der Anregung aber auch im Nachhinein nichts Positives abgewinnen. Insbesondere die Größe der Parkanlage mache eine Nutzung per Rad nicht erforderlich. Auch den Vergleich mit Uferpromenaden beispielsweise am Timmendorfer Strand, auf denen Radfahrern und Fußgänger gleichberechtigt unterwegs sind, mag er nicht gelten lassen: „Wir haben hier im Kurort eine andere Klientel“.

Das ist auch für Henning Bökamp, für die FDP im Stadtentwicklungsausschuss, das entscheidende Argument. Gerade Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt und auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, seien besonders schutzbedürftig. Und der sei nur durch ein absolutes Fahrverbot zu gewährleisten. Im Übrigen zeige sich auch in anderen städtischen Grünanlagen wie dem Siel und dem Siekertal, dass eine gemeinsame Wegenutzung von Fußgängern und Radfahrern „häufig Probleme bereite“. Die könnten, so Thomas Heilig (UW), im Kurpark nur vermieden werden, wenn es dort für Radler zusätzliche Fahrspuren auf den Randstreifen gäbe. Doch weil es für solche baulichen Veränderungen ohnehin keine Genehmigung gäbe, hält auch er „nix von Radlern in Kurpark“.

Dass man durch den Kurpark Wege abkürzen und beispielsweise von der Innenstadt schneller zur Südbahn kommt, kann Olaf Winkelmann (SPD) zwar nachvollziehen, überzeugen kann ihn dieses Argument aber nicht: „So ein großer Umweg ist die Umfahrt auf Ost- und Westkorso ja nicht“. Darüber hinaus gelte es ja gerade, den Park als Ort der Entschleunigung zu schützen. Ingrid Schley (Grüne) sieht das genauso: „Ich will als Fußgänger im Park auch mal träumerisch unterwegs sein“. Das sei aber nur möglich, wenn der Radverkehr aus der Anlage verbannt bleibe: „Absoluter Vorrang für Erholung und Fußgänger“, lautet ihre Forderung.

Als lächerlich kritisiert hingegen Rainer Müller-Held (BBO) das geltende Verbot und verweist auf Großstädte, die das Befahren ihrer Parkanlage seit Jahren erlauben: „Was im Englischen Garten in München und im Schlosspark Sanssouci möglich ist, muss doch auch in einer Kleinstadt klappen“. Dass es durch rücksichtsloses und zu schnelles Fahren Gefährdungspotential gibt, mag auch er nicht ausschließen und fordert daher Kontrollen.“ Im übrigen sieht er in der Freigabe für den Radverkehr die Chance, eine neue Nutzungskultur zu entwickeln. Müller-Held: „Der Besuch des Parks ist ein Geschenk, für das man sich durch rücksichtsvolles Verhalten bedanken sollte“. Eltern könnten dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Müller-Held: „Indem sie ihren Kindern verbieten, Rasenflächen und Beete zu befahren“. Das lässt sich schon jetzt trainieren, ist Müller-Held mit Blick auf einschlägige Beobachtungen bei seinen regelmäßigen Spaziergängen durch den Kurpark überzeugt. Weniger sicher kann er sein, dass Radverkehr im Kurpark künftig grundsätzlich erlaubt wird. Zumindest im Stadtentwicklungsausschuss ist keine breite Unterstützung für den Bürgerwunsch erkennbar.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Regionales