Pure Freude beim Neustart im GOP Ursula Koch Bad Oeynhausen. Die Corona-Pandemie hat auch im GOP alle Pläne durcheinandergewirbelt und tut es noch. Trotzdem wurde am Freitag das Varieté-Theater als fünftes von sieben Häusern wieder eröffnet. Der erste Vorhang hatte sich vor drei Wochen in Münster wieder geöffnet, berichtet Kreativ-Direktor Werner Buss. In fünf Wochen hat er mit seinem Team und den Direktoren einen Zeitplan für die Wiedereröffnung entwickelt. „Es ist ein Riesenglück, dass wir wieder spielen dürfen“, sagt Buss. Ganz einfach war der Neustart allerdings nicht. Das Team in den Häusern musste sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Aber vor allem mussten die Shows neu konzipiert werden. In Bad Oeynhausen sollte jetzt eigentlich das Programm „Camping“ gespielt werden. Doch knapp die Hälfte der dafür gebuchten Artisten konnte gar nicht nach Deutschland einreisen, berichtet Buss. Ob die für Herbst geplante Show „Undressed“ stattfinden kann, steht noch in den Sternen. Die sollte mit ausschließlich ukrainischen Künstlern in Kiew einstudiert werden. Doch die Artisten erhalten derzeit alle kein Visum für Deutschland, sagt der Kopf von „Show concept“. Andere waren im März in Deutschland gestrandet, wie die beiden Antipoden-Akrobatinnen Eyerusalem & Tsion. „Sie hatten gerade einmal drei Auftritte in München absolviert, als der Lockdown kam. Es gab keine Flüge mehr, daher konnten sie auch nicht zurück nach Hause“, erzählt Buss. Darum sei er sehr glücklich diese beiden „Ausnahmetalente“, die er im vergangenen Jahr in einer Artistenschule in Addis Abeba entdeckt hatte, jetzt in Bad Oeynhausen präsentieren zu können. Was die Beiden in der Show „Vorhang auf!“ zeigen, ist tatsächlich außergewöhnlich: Sie jonglieren nicht nur auf dem Rücken liegend mit Händen und Füßen Tücher, sondern sie kombinieren das noch mit Partnerakrobatik. Vor etwa vier Wochen hat sich Buss mit dem Regisseur Knut Gminder das Konzept für „Vorhang auf!“ überlegt. Darin sind einige der Artisten eingebunden, die auch für „Camping“ vorgesehen waren. „Vorhang auf“ ist aber keinesfalls Ersatzprogramm, sondern erfüllt alle Qualitätsmaßstäbe, die das GOP in den vergangenen Jahren gesetzt hat. Das Ensemble ist international besetzt, die Künstler kommen aus den USA, Mexiko, Äthiopien, Kanada und Frankreich. Dreh- und Angelpunkt des Programms ist die Schwäbin Rosemie, die mit Witz und Charme ihre Kollegen ankündigt. Die Tänzerin und Clownin war schon mehrfach im GOP zu Gast und moderierte auch schon beim „Feuerwerk der Turnkunst“. Sie gibt die mit strengem grauen Dutt und Kassenbrille die biedere alte Dame, zeigt sich in ihren Nummern aber ausgesprochen gelenkig und musikalisch. Ihr Flirt mit dem Publikum fällt wegen Corona distanziert aus. Dafür schmachtet Rosemie ihren Assistenten Gabriel an, der nicht nur den Eimer mit Konfetti reichen kann, sondern auch ein Virtuose am Cyr Wheel (ein einreifiges Rhönrad), an dem er einen verblüffenden Tanz vollführt. Sehr tänzerisch und damit ungewohnt fällt die Keulenjonglage von Aaron DeWitt und Nate Armour aus, die ihre Kunststücke in eine Choreographie einbetten. Hervorstechend ist auch der Auftritt von Publio Alberto Rabago sowohl an den Straptaten wie am Chinese Pole. Er rutscht rasant die Stange hinab und stoppt trotzdem jedes Mal eine Hand breit über dem Boden zum Stoppen kommt. Den Artisten ist anzumerken, dass sie sich freuen, wieder auf der Bühne zu stehen. Das Publikum ist offenbar ebenso hungrig und geht von Anfang an mit. Rund um die 90 Minuten Show ist die Atmosphäre entspannt, alle achten auf Abstand und tragen Maske. Im GOP Bad Oeynhausen bleibt aktuell jeder zweite Tisch unbesetzt. Zwischen den Absätzen mit jeweils zwei Tischreihen sind Plexiglasscheiben aufgebaut. Die beiden Reihen auf einem Absatz trennt der Gang. Wer möchte, kann sich auch eine Plexiglasscheibe auf den Tisch stellen lassen, um zu engen Kontakt mit dem Gegenüber zu vermeiden. Der Einlass ist um eine halbe Stunde verlängert worden, damit kein Stau aufkommt. Die Pause ist gestrichen, damit sich nicht im Foyer oder in den Waschräumen Grüppchen bilden. Bis zum 6. September wird „Vorhang auf!“ gespielt. Karten sind erhältlich unter Telefon (0 57 31) 7 44 80 oder in Minden bei Express-Ticketservice, Obermarktstraße 26-30.

Pure Freude beim Neustart im GOP

Bad Oeynhausen. Die Corona-Pandemie hat auch im GOP alle Pläne durcheinandergewirbelt und tut es noch. Trotzdem wurde am Freitag das Varieté-Theater als fünftes von sieben Häusern wieder eröffnet. Der erste Vorhang hatte sich vor drei Wochen in Münster wieder geöffnet, berichtet Kreativ-Direktor Werner Buss.

Moderatorin Rosemie ist nicht nur charmant und witzig, sondern auch ausgesprochen musikalisch, wie sie am Alphorn beweist. - © Foto: pr
Moderatorin Rosemie ist nicht nur charmant und witzig, sondern auch ausgesprochen musikalisch, wie sie am Alphorn beweist. - © Foto: pr

In fünf Wochen hat er mit seinem Team und den Direktoren einen Zeitplan für die Wiedereröffnung entwickelt. „Es ist ein Riesenglück, dass wir wieder spielen dürfen“, sagt Buss. Ganz einfach war der Neustart allerdings nicht. Das Team in den Häusern musste sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Aber vor allem mussten die Shows neu konzipiert werden.

In Bad Oeynhausen sollte jetzt eigentlich das Programm „Camping“ gespielt werden. Doch knapp die Hälfte der dafür gebuchten Artisten konnte gar nicht nach Deutschland einreisen, berichtet Buss. Ob die für Herbst geplante Show „Undressed“ stattfinden kann, steht noch in den Sternen. Die sollte mit ausschließlich ukrainischen Künstlern in Kiew einstudiert werden. Doch die Artisten erhalten derzeit alle kein Visum für Deutschland, sagt der Kopf von „Show concept“.

Andere waren im März in Deutschland gestrandet, wie die beiden Antipoden-Akrobatinnen Eyerusalem & Tsion. „Sie hatten gerade einmal drei Auftritte in München absolviert, als der Lockdown kam. Es gab keine Flüge mehr, daher konnten sie auch nicht zurück nach Hause“, erzählt Buss. Darum sei er sehr glücklich diese beiden „Ausnahmetalente“, die er im vergangenen Jahr in einer Artistenschule in Addis Abeba entdeckt hatte, jetzt in Bad Oeynhausen präsentieren zu können. Was die Beiden in der Show „Vorhang auf!“ zeigen, ist tatsächlich außergewöhnlich: Sie jonglieren nicht nur auf dem Rücken liegend mit Händen und Füßen Tücher, sondern sie kombinieren das noch mit Partnerakrobatik.

Vor etwa vier Wochen hat sich Buss mit dem Regisseur Knut Gminder das Konzept für „Vorhang auf!“ überlegt. Darin sind einige der Artisten eingebunden, die auch für „Camping“ vorgesehen waren.

„Vorhang auf“ ist aber keinesfalls Ersatzprogramm, sondern erfüllt alle Qualitätsmaßstäbe, die das GOP in den vergangenen Jahren gesetzt hat. Das Ensemble ist international besetzt, die Künstler kommen aus den USA, Mexiko, Äthiopien, Kanada und Frankreich. Dreh- und Angelpunkt des Programms ist die Schwäbin Rosemie, die mit Witz und Charme ihre Kollegen ankündigt. Die Tänzerin und Clownin war schon mehrfach im GOP zu Gast und moderierte auch schon beim „Feuerwerk der Turnkunst“. Sie gibt die mit strengem grauen Dutt und Kassenbrille die biedere alte Dame, zeigt sich in ihren Nummern aber ausgesprochen gelenkig und musikalisch. Ihr Flirt mit dem Publikum fällt wegen Corona distanziert aus. Dafür schmachtet Rosemie ihren Assistenten Gabriel an, der nicht nur den Eimer mit Konfetti reichen kann, sondern auch ein Virtuose am Cyr Wheel (ein einreifiges Rhönrad), an dem er einen verblüffenden Tanz vollführt.

Sehr tänzerisch und damit ungewohnt fällt die Keulenjonglage von Aaron DeWitt und Nate Armour aus, die ihre Kunststücke in eine Choreographie einbetten. Hervorstechend ist auch der Auftritt von Publio Alberto Rabago sowohl an den Straptaten wie am Chinese Pole. Er rutscht rasant die Stange hinab und stoppt trotzdem jedes Mal eine Hand breit über dem Boden zum Stoppen kommt.

Den Artisten ist anzumerken, dass sie sich freuen, wieder auf der Bühne zu stehen. Das Publikum ist offenbar ebenso hungrig und geht von Anfang an mit. Rund um die 90 Minuten Show ist die Atmosphäre entspannt, alle achten auf Abstand und tragen Maske.

Im GOP Bad Oeynhausen bleibt aktuell jeder zweite Tisch unbesetzt. Zwischen den Absätzen mit jeweils zwei Tischreihen sind Plexiglasscheiben aufgebaut. Die beiden Reihen auf einem Absatz trennt der Gang. Wer möchte, kann sich auch eine Plexiglasscheibe auf den Tisch stellen lassen, um zu engen Kontakt mit dem Gegenüber zu vermeiden. Der Einlass ist um eine halbe Stunde verlängert worden, damit kein Stau aufkommt. Die Pause ist gestrichen, damit sich nicht im Foyer oder in den Waschräumen Grüppchen bilden.

Bis zum 6. September wird „Vorhang auf!“ gespielt. Karten sind erhältlich unter Telefon (0 57 31) 7 44 80 oder in Minden bei Express-Ticketservice, Obermarktstraße 26-30.

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