Herford Prozess um Vergewaltigung in der Herforder Disco X endet mit Überraschung Herford. Saal 309 des Herforder Schöffengerichts. Rund eine Stunde müssen die Vorsitzende, ihre beiden Schöffen, der Verteidiger, die Staatsanwältin, der Nebenklagevertreter, eine Bewährungshelferin, eine Justizangestellte, eine Mitarbeiterin des Jugendamts und eine Hand voll Zeugen warten. Erst dann erscheint der Angeklagte (19) – in Begleitung zweier Polizeibeamter, die ihn in Löhne geweckt und zwangsweise nach Herford gefahren haben. Nicht gerade der optimale Beginn für einen Prozess, in dem einem bereits vorbestraften und unter Bewährung stehende Angeklagten ein Verbrechen vorgeworfen wird und eine Haftstrafe wegen Vergewaltigung droht - mit zwei Jahren Mindeststrafe. Die Anklage Laut Anklage hat der Mann aus Löhne eine alkoholisierte und wehrlose jungen Frau auf der Damentoilette der Herforder Disco X im April 2019 vergewaltigt. Bereits im Juni war deshalb zum ersten Mal verhandelt worden. Der Prozess war dann verschoben worden, weil eine Videoaufzeichnung aufgetaucht war, die ausgewertet werden musste. Jetzt also der zweite Anlauf – mit der fast gleichen Aussage des Angeklagten. „Der Sex war 100-prozentig einvernehmlich", erklärte der 19-Jährige, der neben seinem Strafverteidiger Thomas Schwarz sitzt. Zuvor habe er die junge Frau kennen gelernt, sei mit ihr auf die Damentoilette gegangen und sie hätten zunächst Kokain konsumiert, dann sei es zum einvernehmlichen Sex gekommen. Wie der Mann identifiziert wurde Die Aussage des Angeklagten widerspricht sowohl der schriftlichen Anklage als auch der späteren Aussage der jungen Bad Salzuflerin. Laut Anklage war die junge Frau zunächst allein in der Kabine. Der Angeklagte soll dann über die Absperrung geklettert sein, sein Opfer festgehalten und vergewaltigthaben. Schließlich verschwand er. Die junge Frau wandte sich zunächst an eine Freundin, kurz darauf kam die Polizei. Sie sei zunächst total perplex gewesen, als der Unbekannte zu ihr in die Kabine geklettert sei und zunächst habe man sich sogar unterhalten. Sie sei zu diesem Zeitpunkt noch sehr betrunken gewesen und habe zuvor sogar einen Filmriss gehabt. Der Unbekannte habe aber nicht von ihr abgelassen. Unter anderem wegen des Alkoholkonsums konnte die junge Frau aus Lippe später nur eine vage Beschreibung abgeben, doch die Suche nach dem mutmaßlichen Täter dauerte nicht lange: In der Disco X war der Angeklagte bereits in der gleichen Nacht wegen eines möglichen Verdachts des Drogenhandels ins Visier geraten. Seine Daten waren deshalb erfasst und er war von der Security fotografiert worden. Darüber hinaus wird der Mann, der schon mehr als drei Jahre wegen Drogen und Körperverletzung absaß auch durch ein DNA-Gutachten identifiziert. Noch heute leide sie: „Ich habe Panikattacken und kann nicht schlafen", berichtet die Studentin, die auch regelmäßig Hilfe bei einer Therapeutin sucht. Das Problem bei ihrer aktuellen Aussage: Während der Befragung im Gericht taten sich bei der Frau Erinnerungslücken auf und sie machte teils widersprüchliche Angaben. Andererseits wurden Angaben des Angeklagten von Zeugen untermauert. Schließlich beantragten sowohl die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung als auch die Nebenklage Freispruch für den 19-Jährigen aus Löhne – dem folgte das Herforder Schöffengericht.
Herford

Prozess um Vergewaltigung in der Herforder Disco X endet mit Überraschung

Auf der Toilette im X hatten beide Sex. War er einvernehmlich? © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Saal 309 des Herforder Schöffengerichts. Rund eine Stunde müssen die Vorsitzende, ihre beiden Schöffen, der Verteidiger, die Staatsanwältin, der Nebenklagevertreter, eine Bewährungshelferin, eine Justizangestellte, eine Mitarbeiterin des Jugendamts und eine Hand voll Zeugen warten. Erst dann erscheint der Angeklagte (19) – in Begleitung zweier Polizeibeamter, die ihn in Löhne geweckt und zwangsweise nach Herford gefahren haben. Nicht gerade der optimale Beginn für einen Prozess, in dem einem bereits vorbestraften und unter Bewährung stehende Angeklagten ein Verbrechen vorgeworfen wird und eine Haftstrafe wegen Vergewaltigung droht - mit zwei Jahren Mindeststrafe.

Die Anklage

Laut Anklage hat der Mann aus Löhne eine alkoholisierte und wehrlose jungen Frau auf der Damentoilette der Herforder Disco X im April 2019 vergewaltigt. Bereits im Juni war deshalb zum ersten Mal verhandelt worden. Der Prozess war dann verschoben worden, weil eine Videoaufzeichnung aufgetaucht war, die ausgewertet werden musste. Jetzt also der zweite Anlauf – mit der fast gleichen Aussage des Angeklagten. „Der Sex war 100-prozentig einvernehmlich", erklärte der 19-Jährige, der neben seinem Strafverteidiger Thomas Schwarz sitzt. Zuvor habe er die junge Frau kennen gelernt, sei mit ihr auf die Damentoilette gegangen und sie hätten zunächst Kokain konsumiert, dann sei es zum einvernehmlichen Sex gekommen.


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Wie der Mann identifiziert wurde

Die Aussage des Angeklagten widerspricht sowohl der schriftlichen Anklage als auch der späteren Aussage der jungen Bad Salzuflerin. Laut Anklage war die junge Frau zunächst allein in der Kabine. Der Angeklagte soll dann über die Absperrung geklettert sein, sein Opfer festgehalten und vergewaltigthaben. Schließlich verschwand er. Die junge Frau wandte sich zunächst an eine Freundin, kurz darauf kam die Polizei.

Sie sei zunächst total perplex gewesen, als der Unbekannte zu ihr in die Kabine geklettert sei und zunächst habe man sich sogar unterhalten. Sie sei zu diesem Zeitpunkt noch sehr betrunken gewesen und habe zuvor sogar einen Filmriss gehabt. Der Unbekannte habe aber nicht von ihr abgelassen. Unter anderem wegen des Alkoholkonsums konnte die junge Frau aus Lippe später nur eine vage Beschreibung abgeben, doch die Suche nach dem mutmaßlichen Täter dauerte nicht lange: In der Disco X war der Angeklagte bereits in der gleichen Nacht wegen eines möglichen Verdachts des Drogenhandels ins Visier geraten.

Seine Daten waren deshalb erfasst und er war von der Security fotografiert worden. Darüber hinaus wird der Mann, der schon mehr als drei Jahre wegen Drogen und Körperverletzung absaß auch durch ein DNA-Gutachten identifiziert. Noch heute leide sie: „Ich habe Panikattacken und kann nicht schlafen", berichtet die Studentin, die auch regelmäßig Hilfe bei einer Therapeutin sucht.

Das Problem bei ihrer aktuellen Aussage: Während der Befragung im Gericht taten sich bei der Frau Erinnerungslücken auf und sie machte teils widersprüchliche Angaben. Andererseits wurden Angaben des Angeklagten von Zeugen untermauert. Schließlich beantragten sowohl die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung als auch die Nebenklage Freispruch für den 19-Jährigen aus Löhne – dem folgte das Herforder Schöffengericht.

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