Prozess gegen ehemaligen SS-Mann in IHK-Gebäude in Detmold C. Nieder-Entgelmeier Detmold (nw). Wegen Beihilfe zum Mord im Vernichtungslager Auschwitz in mindestens 170 000 Fällen muss sich der ehemalige SS-Mann Reinhold H. aus Lage ab dem 11. Februar vor dem Landgericht Detmold verantworten.Die Hauptverhandlung gegen den 94-Jährigen wird aus Platzgründen vom Landgericht in einen Saal der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lippe zu Detmold verlegt.„Das Landgericht hat den Saal der IHK zunächst für zwölf Verhandlungstage angemietet“, sagt die Sprecherin des Landgerichts, Anneli Pauline Neumann. Verbunden ist die räumliche Verlegung des Prozesses mit logistischen Herausforderungen, denn Sicherheitseinrichtungen und Saalausstattung müssen nach jedem Verhandlungstag abgebaut werden.Wie auch im Landgericht müssen sich alle Zuschauer und Journalisten, die an dem Prozess teilnehmen, einem Sicherheits-Check unterziehen. „Wir bauen zwei mobile Sicherheitsschleusen im Eingang der IHK auf“, so Neumann. Zudem werde auch das Gepäck durchleuchtet.„Elektronische Geräte und Taschen dürfen nicht mit in den Gerichtssaal genommen werden.“ Neumann rät Zuschauern deshalb dazu, persönliche Gegenstände erst gar nicht mit in das Gebäude zu bringen, weil es nur wenige Aufbewahrungsmöglichkeiten gibt. Die Sicherheits-Checks beginnen jeweils 90 Minuten vor der Verhandlung.Im Saal sind 60 Plätze für Zuschauer und weitere 60 für Journalisten vorgesehen. „Im Landgericht hätten wir nicht mal die Hälfte an Zuschauern und Journalisten unterbringen können“, sagt Neumann. „Um Foto- und Filmaufnahmen während des Prozesses zu verhindern, werden die großen Glasfronten des Saals zudem mit Stellwänden abgedeckt.“Hinzu kommen Tische und Stühle für alle Verfahrensbeteiligten. „Für die Richter und Schöffen der Schwurgerichtskammer, die Vertreter der Staatsanwaltschaft sowie für den Angeklagten und seine Verteidiger werden ebenso Plätze eingerichtet wie für die Nebenkläger“, so Neumann. Bislang wurden nach Angaben der Sprecherin 19 Nebenkläger aus Israel, Kanada, Großbritannien und den USA zugelassen. 13 weitere Anträge sind in Bearbeitung. „Die Nebenkläger haben das Recht, mit ihrem Vertreter an der Verhandlung teilzunehmen.“ Wegen der hohen Anzahl von Nebenklägern aus dem Ausland habe das Landgericht auch Plätze für 23 ausländische Journalisten vorgesehen, so Neumann weiter.Die IHK vermietet ihren größten Saal samt Inventar regelmäßig an Kammermitglieder. Zudem bietet der Saal Platz für Veranstaltungen und Prüfungen der Kammer.„Gerichtsverhandlungen gab es bei uns noch nie“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Axel Martens. Das Landgericht habe die IHK im vergangenen Jahr um Hilfe gebeten. „Wir haben zugestimmt und mit dem Gericht Termine besprochen.“Bereits geplante Veranstaltungen müssen nach Angaben von Martens nicht verschoben werden. „Der Betrieb der IHK läuft wie gewohnt weiter.“ Deshalb müsse auch nach jedem Verhandlungstag der Saal wieder geräumt werden. Nach den zwölf angesetzten Verhandlungstagen (11., 12., 18., 19. und 26. Februar, 11. und 18. März, 6., 15., 22. und 29. April sowie 20. Mai) gebe es jedoch keine Möglichkeit mehr, den Saal weiter an das Landgericht zu vermieten, erklärt Martens. „Dem Landgericht ist bekannt, dass mögliche weitere Verhandlungstage nicht in der IHK stattfinden können“, so Martens.Gesichert wird der Saal nach Angaben von Landgerichtssprecherin Neumann von fünf Wachmeistern, die während der gesamten Verhandlung anwesend sind. Weitere Polizeibeamte werden an allen Eingängen und Notausgängen des Saals postiert und für die Sicherheitskontrollen eingesetzt. „Die Sicherung des Grundstücks übernimmt die Kreispolizei Lippe“, erklärt Neumann. „Wir haben die Polizei um Amtshilfe gebeten, weil bei dem Prozess ein erhöhtes Sicherheitsrisiko besteht.“ Das taktische Vorgehen der Polizei wird nach Angaben von Uwe Bauer, Sprecher der Kreispolizeibehörde Lippe, nicht öffentlich gemacht. „Problematisch ist die Verkehrssituation rund um die IHK, weil die Zahl der Parkplätze dort begrenzt ist“, so Bauer.

Prozess gegen ehemaligen SS-Mann in IHK-Gebäude in Detmold

Hier wird am 11. Februar der Auschwitz-Prozess beginnen: Die Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold vermietet ihren größten Saal an das Landgericht Detmold. Neben den Verfahrensbeteiligten sollen 60 Zuschauer und 60 Journalisten Platz in dem Konferenzraum finden. © Foto: Vera Gerstendorf-Welle/nw

Detmold (nw). Wegen Beihilfe zum Mord im Vernichtungslager Auschwitz in mindestens 170 000 Fällen muss sich der ehemalige SS-Mann Reinhold H. aus Lage ab dem 11. Februar vor dem Landgericht Detmold verantworten.

Die Hauptverhandlung gegen den 94-Jährigen wird aus Platzgründen vom Landgericht in einen Saal der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lippe zu Detmold verlegt.

„Das Landgericht hat den Saal der IHK zunächst für zwölf Verhandlungstage angemietet“, sagt die Sprecherin des Landgerichts, Anneli Pauline Neumann. Verbunden ist die räumliche Verlegung des Prozesses mit logistischen Herausforderungen, denn Sicherheitseinrichtungen und Saalausstattung müssen nach jedem Verhandlungstag abgebaut werden.

Wie auch im Landgericht müssen sich alle Zuschauer und Journalisten, die an dem Prozess teilnehmen, einem Sicherheits-Check unterziehen. „Wir bauen zwei mobile Sicherheitsschleusen im Eingang der IHK auf“, so Neumann. Zudem werde auch das Gepäck durchleuchtet.

„Elektronische Geräte und Taschen dürfen nicht mit in den Gerichtssaal genommen werden.“ Neumann rät Zuschauern deshalb dazu, persönliche Gegenstände erst gar nicht mit in das Gebäude zu bringen, weil es nur wenige Aufbewahrungsmöglichkeiten gibt. Die Sicherheits-Checks beginnen jeweils 90 Minuten vor der Verhandlung.

Im Saal sind 60 Plätze für Zuschauer und weitere 60 für Journalisten vorgesehen. „Im Landgericht hätten wir nicht mal die Hälfte an Zuschauern und Journalisten unterbringen können“, sagt Neumann. „Um Foto- und Filmaufnahmen während des Prozesses zu verhindern, werden die großen Glasfronten des Saals zudem mit Stellwänden abgedeckt.“

Hinzu kommen Tische und Stühle für alle Verfahrensbeteiligten. „Für die Richter und Schöffen der Schwurgerichtskammer, die Vertreter der Staatsanwaltschaft sowie für den Angeklagten und seine Verteidiger werden ebenso Plätze eingerichtet wie für die Nebenkläger“, so Neumann. Bislang wurden nach Angaben der Sprecherin 19 Nebenkläger aus Israel, Kanada, Großbritannien und den USA zugelassen. 13 weitere Anträge sind in Bearbeitung. „Die Nebenkläger haben das Recht, mit ihrem Vertreter an der Verhandlung teilzunehmen.“ Wegen der hohen Anzahl von Nebenklägern aus dem Ausland habe das Landgericht auch Plätze für 23 ausländische Journalisten vorgesehen, so Neumann weiter.

Die IHK vermietet ihren größten Saal samt Inventar regelmäßig an Kammermitglieder. Zudem bietet der Saal Platz für Veranstaltungen und Prüfungen der Kammer.

„Gerichtsverhandlungen gab es bei uns noch nie“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Axel Martens. Das Landgericht habe die IHK im vergangenen Jahr um Hilfe gebeten. „Wir haben zugestimmt und mit dem Gericht Termine besprochen.“

Bereits geplante Veranstaltungen müssen nach Angaben von Martens nicht verschoben werden. „Der Betrieb der IHK läuft wie gewohnt weiter.“ Deshalb müsse auch nach jedem Verhandlungstag der Saal wieder geräumt werden. Nach den zwölf angesetzten Verhandlungstagen (11., 12., 18., 19. und 26. Februar, 11. und 18. März, 6., 15., 22. und 29. April sowie 20. Mai) gebe es jedoch keine Möglichkeit mehr, den Saal weiter an das Landgericht zu vermieten, erklärt Martens. „Dem Landgericht ist bekannt, dass mögliche weitere Verhandlungstage nicht in der IHK stattfinden können“, so Martens.

Gesichert wird der Saal nach Angaben von Landgerichtssprecherin Neumann von fünf Wachmeistern, die während der gesamten Verhandlung anwesend sind. Weitere Polizeibeamte werden an allen Eingängen und Notausgängen des Saals postiert und für die Sicherheitskontrollen eingesetzt. „Die Sicherung des Grundstücks übernimmt die Kreispolizei Lippe“, erklärt Neumann. „Wir haben die Polizei um Amtshilfe gebeten, weil bei dem Prozess ein erhöhtes Sicherheitsrisiko besteht.“ Das taktische Vorgehen der Polizei wird nach Angaben von Uwe Bauer, Sprecher der Kreispolizeibehörde Lippe, nicht öffentlich gemacht. „Problematisch ist die Verkehrssituation rund um die IHK, weil die Zahl der Parkplätze dort begrenzt ist“, so Bauer.

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