Pop-up-Radweg auf der Stadtautobahn in Bad Oeynhausen Ulf Hanke Bad Oeynhausen (nw). Weit und breit ist kein Auto in Sicht. Also schwingt sich Andreas Edler in den Sattel und radelt an der Shell-Tankstelle vorbei bis zum Werrepark. Der grüne Ratsherr ist ein geübter Radler und hartgesotten. Noch vor kurzem hätte er sich das Radeln auf der zweispurigen Stadtautobahn aber nicht getraut. Doch seit die Nordumgehung zwischen A30 und A2 freigegeben ist, hat sich der Autoverkehr in der Kurstadt beruhigt. Und während der Coronakrise ist noch weniger los. Das sind beste Voraussetzungen für einen Pop-up-Radweg, einen kurzfristig eingerichteten Radweg. Berlin hat es vorgemacht und Autospuren mit Baken gesperrt und für Radfahrer freigegeben. In NRW wäre Bad Oeynhausen sogar Trendsetter. Im ganzen Land gibt’s derzeit nur in Düsseldorf noch einen Pop-up-Radweg. Die Millionenmetropole Köln kriegt’s nicht hin. In der Kurstadt wäre die aufploppende Radinfrastruktur ein erster Vorgeschmack auf den Radschnellweg (RS3), der auf der gleichen Strecke gebaut werden soll. Einzige Bedingung für den Pop-up-Radweg scheint derzeit zu sein: Er muss zeitlich befristet werden. Andreas Edler hätte da eine Idee: „Wir können ihn ja bis zum Neubau des RS3 befristen.“ Im Februar hat der Stadtrat bereits beschlossen, noch in diesem Jahr zwei Spuren der Mindener Straße für den Autoverkehr zu sperren. Damit soll der Durchgangsverkehr aus der Innenstadt vergrault werden. Die Politik hofft, dass die Autos zwischen den Schnellimbissen Subway und McDonalds trotzdem auf einer Spur staufrei in Bewegung bleiben. Die Sperrung soll testweise erst einmal nur auf etwa 500 Metern Strecke zwischen Subway und dem Werre-Park verwirklicht werden. Weil dadurch aber ein langer toter Raum entstünde, der auch noch schwer zu reinigen wäre, hat sich Stadtwerke-Vorstand Andreas Schwarze ebenfalls für einen Pop-up-Radweg stark gemacht. Der technische Beigeordnete Thomas Lüer findet die Idee prinzipiell auch gut. Zahlreiche Menschen in Bad Oeynhausen nutzen nämlich schon jetzt täglich das Fahrrad. Mehr als 1.000 Radfahrer hat das technische Rathaus kürzlich bei einer Zählung an der Unterführung in den Sielpark gezählt. Trotzdem hat Lüer Bedenken. Rechtsgrundlage eines Pop-up-Radwegs sei die Covid-19-Verordnung des Landes und die darin festgeschriebenen Abstandsregeln, so Lüer. Auf der Mindener Straße seien aber derzeit sowenige Radfahrer unterwegs, dass die auch jetzt schon genügend Abstand voneinander hätten. Der ADFC NRW widerspricht. Rechtliche Grundlage für Pop-up-Radwege sei die Straßenverkehrsordnung (StVO). Die Straßenverkehrsbehörde, in diesem Fall die Stadt Bad Oeynhausen, könnte eine solche Radspur ohne weiteres auf Grundlage der geltenden StVO anordnen. Der zweite Einwand des technischen Beigeordneten zielt auf die Sicherheit der Radfahrer. Im Verlauf der Mindener Straße gibt es zahlreiche Ein- und Ausfahrten. Der Edeka-Supermarkt im Werre-Park hat gerade erst eine eigene Zufahrt bekommen, die zahlreiche Autofahrer nutzen. Hier würden sich Autos und Radler unweigerlich kreuzen. Der Auftrag zur Spuren-Sperrung ist inzwischen nach Verzögerungen in der Kreisverwaltung veröffentlicht. Erste Gebote sind bereits im Rathaus II eingetrudelt. „Wir müssen jetzt auch prüfen, ob wir den Auftrag wandeln können“, sagt Lüer. Die Sperrung soll eine mittlere fünfstellige Summe kosten. Was ein Popup-Radweg mit den vielen Ein- und Ausfahrtsregelungen kostet, ist noch unklar. Strittig ist zudem, welche Spuren gesperrt werden. Beschlossen ist, dass die Autos von den mittleren Spuren weichen müssen. Für Radfahrer wäre es aber womöglich besser, wenn die äußeren Autospuren gesperrt würden. Ratsherr Andreas Edler schlägt eine einfache Lösung vor: Die Baken sollten mitten auf der gestrichelten Linie zwischen den Autospuren befestigt werden. So könne man immer noch entscheiden, ob man die äußere oder die innere Spur für Autos sperrt. Straßen NRW hat Kritik an den Pop-up-Radwegen in Köln und Düsseldorf aufmerksam verfolgt. Sprecher Sven Johanning verweist auf die Unfallgefahr an Ein- und Ausfahrten. Grundlage für den Pop-up Radweg im weiteren Abschnitt der Mindener Straße und Kanalstraße, genauso wie für die weitere Planung des Radschnellwegs, sei die Verkehrsdichte. „Dafür brauchen wir aber belastbare, repräsentative Verkehrszahlen.“ Der beste Zeitpunkt zum Zählen wäre März gewesen, weil dann keine Baustellen in Bad Oeynhausen die Statistik verzerrt hätten. Wann die nächste Zählung möglich wird, ist jedoch unklar. (nw)

Pop-up-Radweg auf der Stadtautobahn in Bad Oeynhausen

ADFC-Sprecher Andreas Edler zeigt, wo der zweite Pop-up-Radweg in NRW entlang führen könnte: Auf der Mindener Straße zwischen Subway und Ford Meyer. Foto: Ulf Hanke © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen (nw). Weit und breit ist kein Auto in Sicht. Also schwingt sich Andreas Edler in den Sattel und radelt an der Shell-Tankstelle vorbei bis zum Werrepark. Der grüne Ratsherr ist ein geübter Radler und hartgesotten. Noch vor kurzem hätte er sich das Radeln auf der zweispurigen Stadtautobahn aber nicht getraut. Doch seit die Nordumgehung zwischen A30 und A2 freigegeben ist, hat sich der Autoverkehr in der Kurstadt beruhigt. Und während der Coronakrise ist noch weniger los.

Das sind beste Voraussetzungen für einen Pop-up-Radweg, einen kurzfristig eingerichteten Radweg. Berlin hat es vorgemacht und Autospuren mit Baken gesperrt und für Radfahrer freigegeben. In NRW wäre Bad Oeynhausen sogar Trendsetter. Im ganzen Land gibt’s derzeit nur in Düsseldorf noch einen Pop-up-Radweg. Die Millionenmetropole Köln kriegt’s nicht hin.

In der Kurstadt wäre die aufploppende Radinfrastruktur ein erster Vorgeschmack auf den Radschnellweg (RS3), der auf der gleichen Strecke gebaut werden soll. Einzige Bedingung für den Pop-up-Radweg scheint derzeit zu sein: Er muss zeitlich befristet werden. Andreas Edler hätte da eine Idee: „Wir können ihn ja bis zum Neubau des RS3 befristen.“

Im Februar hat der Stadtrat bereits beschlossen, noch in diesem Jahr zwei Spuren der Mindener Straße für den Autoverkehr zu sperren. Damit soll der Durchgangsverkehr aus der Innenstadt vergrault werden. Die Politik hofft, dass die Autos zwischen den Schnellimbissen Subway und McDonalds trotzdem auf einer Spur staufrei in Bewegung bleiben.

Die Sperrung soll testweise erst einmal nur auf etwa 500 Metern Strecke zwischen Subway und dem Werre-Park verwirklicht werden. Weil dadurch aber ein langer toter Raum entstünde, der auch noch schwer zu reinigen wäre, hat sich Stadtwerke-Vorstand Andreas Schwarze ebenfalls für einen Pop-up-Radweg stark gemacht.

Der technische Beigeordnete Thomas Lüer findet die Idee prinzipiell auch gut. Zahlreiche Menschen in Bad Oeynhausen nutzen nämlich schon jetzt täglich das Fahrrad. Mehr als 1.000 Radfahrer hat das technische Rathaus kürzlich bei einer Zählung an der Unterführung in den Sielpark gezählt.

Trotzdem hat Lüer Bedenken. Rechtsgrundlage eines Pop-up-Radwegs sei die Covid-19-Verordnung des Landes und die darin festgeschriebenen Abstandsregeln, so Lüer. Auf der Mindener Straße seien aber derzeit sowenige Radfahrer unterwegs, dass die auch jetzt schon genügend Abstand voneinander hätten.

Der ADFC NRW widerspricht. Rechtliche Grundlage für Pop-up-Radwege sei die Straßenverkehrsordnung (StVO). Die Straßenverkehrsbehörde, in diesem Fall die Stadt Bad Oeynhausen, könnte eine solche Radspur ohne weiteres auf Grundlage der geltenden StVO anordnen.

Der zweite Einwand des technischen Beigeordneten zielt auf die Sicherheit der Radfahrer. Im Verlauf der Mindener Straße gibt es zahlreiche Ein- und Ausfahrten. Der Edeka-Supermarkt im Werre-Park hat gerade erst eine eigene Zufahrt bekommen, die zahlreiche Autofahrer nutzen. Hier würden sich Autos und Radler unweigerlich kreuzen.

Der Auftrag zur Spuren-Sperrung ist inzwischen nach Verzögerungen in der Kreisverwaltung veröffentlicht. Erste Gebote sind bereits im Rathaus II eingetrudelt. „Wir müssen jetzt auch prüfen, ob wir den Auftrag wandeln können“, sagt Lüer. Die Sperrung soll eine mittlere fünfstellige Summe kosten. Was ein Popup-Radweg mit den vielen Ein- und Ausfahrtsregelungen kostet, ist noch unklar.

Strittig ist zudem, welche Spuren gesperrt werden. Beschlossen ist, dass die Autos von den mittleren Spuren weichen müssen. Für Radfahrer wäre es aber womöglich besser, wenn die äußeren Autospuren gesperrt würden. Ratsherr Andreas Edler schlägt eine einfache Lösung vor: Die Baken sollten mitten auf der gestrichelten Linie zwischen den Autospuren befestigt werden. So könne man immer noch entscheiden, ob man die äußere oder die innere Spur für Autos sperrt.

Straßen NRW hat Kritik an den Pop-up-Radwegen in Köln und Düsseldorf aufmerksam verfolgt. Sprecher Sven Johanning verweist auf die Unfallgefahr an Ein- und Ausfahrten. Grundlage für den Pop-up Radweg im weiteren Abschnitt der Mindener Straße und Kanalstraße, genauso wie für die weitere Planung des Radschnellwegs, sei die Verkehrsdichte. „Dafür brauchen wir aber belastbare, repräsentative Verkehrszahlen.“ Der beste Zeitpunkt zum Zählen wäre März gewesen, weil dann keine Baustellen in Bad Oeynhausen die Statistik verzerrt hätten. Wann die nächste Zählung möglich wird, ist jedoch unklar. (nw)

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