Polizisten als Nazis beschimpft: Das unschöne Ende einer Kur Ulf Hanke Bad Oeynhausen. Nach Ansicht der Angeklagten stecken zwei Polizisten, der Gastwirt und mehrere Stammgäste des Oeynhausener Tennisclubs (OTC) unter einer Decke. Erst habe der Gastwirt die Zeche falsch berechnet, dann seien dessen Stammgäste ausfällig geworden und schließlich behaupteten zwei Polizisten auch noch, von ihr beleidigt worden zu sein. Dabei war sie es doch eigentlich, die um Hilfe rief. Die Angeklagte schüttelt entschieden den Kopf: „So etwas habe ich nicht mal in Berlin erlebt.“ Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat die 51-jährige Dortmunderin wegen Beamtenbeleidigung angeklagt. Die Frau soll am 20. November, zum Ende ihres Kuraufenthalts, mit zwei Begleitern in der OTC-Gaststätte „Tie Break“ eingekehrt sein. Nach einem Streit über die Zeche in Höhe von 124 Euro soll die Situation gegen Mitternacht eskaliert sein. Die Kurgäste wollten nicht so viel getrunken haben, wie auf dem Deckel stand. Ein Stammgast, der eigentlich bloß mit Kumpels Fußball gucken wollte, rief die Polizei. Als die Beamten eintrafen, soll die Frau außer Rand und Band gewesen sein. In den Streit mit dem Wirt hätten sich dessen Stammgäste eingemischt und sie als „Krüppel“ bezeichnet. Sie solle endlich zahlen und gehen. Außerdem seien aus der Gruppe der Stammgäste „nationalsozialistische Äußerungen“ gefallen. Welche genau, führt die Angeklagte nicht aus, betont aber: „Ich habe mich von den Stammgästen bedroht gefühlt.“ Deshalb habe sie auch die Polizei gerufen. Die Beamten hätten sich aber gegen sie gewandt. Einer der beiden Polizisten soll sie sogar geschubst haben. „Glücklicherweise bin ich in die Sitzgruppe gefallen“, sagt sie: „Es ist nicht viel passiert.“ Drei Wochen zuvor sei sie aber an der Hüfte operiert worden und weilte zur Anschlussheilbehandlung in der Maternusklinik. Die Angeklagte erstattete Anzeige wegen Körperverletzung gegen den Beamten. Beide Polizisten widersprechen eindringlich. Von einem Schubser könne keine Rede sein. Die Beamten erlebten die Situation ganz anders. Als sie eintrafen, so einer der beiden Polizisten, hätte bloß „eine deutlich alkoholisierte, ältere Frau“ in der Gaststätte „sehr laut herumkrakeelt“. Die Angeklagte habe auf einem Tisch gesessen, die Füße auf einem Stuhl. Dass sie auf Gehhilfen angewiesen sei, hätten die Beamten erst sehr viel später entdeckt. Sie sei „ohne Krücken ganz gut ausgekommen“, so der Polizist. Ein Gespräch mit der Frau sei nicht möglich gewesen. Die anderen Gäste dagegen hätten sich ruhig verhalten. Die Beamten ließen sich den dicht beschriebenen Bierdeckel mit der Zeche zeigen. Die Frau habe schließlich ihre Anwältin angerufen. Während dieses Telefonats soll sie die Polizisten vernehmbar als Nazis beschimpft und auch mit anderen Ausdrücken beleidigt haben. Zwei Gäste boten sich sofort als Zeugen an. Der erste Beamte wollte der Frau das Handy wegnehmen, der zweite Polizist ließ sich den Hörer reichen, um mit der Anwältin zu sprechen. Sie sollte ihre Mandantin beruhigen, damit er sie nicht in Gewahrsam nehmen musste, was dann auch nicht geschah. Die Anwältin saß am Dienstag an der Seite der Angeklagten und wies nachträglich den ersten Polizisten zurecht. Er sei voreingenommen, „auch heute noch richtig sauer“ und hätte damals „nicht deeskalierend“ gewirkt. Das brachte der Verteidigerin allerdings eine Rüge des Richters ein. In der Befragung des zweiten Polizisten, der die Angeklagte angeblich geschubst haben soll, aber auch mit der Anwältin telefonierte, war die Verteidigerin sachlicher und fragte nach dem Ziel der angeblichen Beleidigungen ihrer Mandantin. Und der zweite Polizist erklärte, dass die Worte der Angeklagten wohl nicht nur ihm und seinem Kollegen, sondern vielleicht auch den Stammgästen des Lokals galten. „Sehen Sie, da bin ich bei Ihnen“, sagte die Verteidigerin. So habe sie das Telefonat auch wahrgenommen. Dem Vorschlag der Verteidigerin zur Einstellung des Verfahrens folgte der Richter mit Verweis auf die Strafanzeige gegen die Polizisten nicht. Die Sache müsse entschieden werden. Der Prozess wird am 30. Oktober mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

Polizisten als Nazis beschimpft: Das unschöne Ende einer Kur

Nach einem geselligen Abend war es mit der Ruhe in der Gaststube des Tennisvereins vorbei. Die Stimmung war alles andere als entspannt, als der Streit zwischen einer Frau und dem Wirt wegen der Höhe des „Deckels“ eskalierte. © Foto: Ulf Hanke

Bad Oeynhausen. Nach Ansicht der Angeklagten stecken zwei Polizisten, der Gastwirt und mehrere Stammgäste des Oeynhausener Tennisclubs (OTC) unter einer Decke. Erst habe der Gastwirt die Zeche falsch berechnet, dann seien dessen Stammgäste ausfällig geworden und schließlich behaupteten zwei Polizisten auch noch, von ihr beleidigt worden zu sein. Dabei war sie es doch eigentlich, die um Hilfe rief. Die Angeklagte schüttelt entschieden den Kopf: „So etwas habe ich nicht mal in Berlin erlebt.“

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat die 51-jährige Dortmunderin wegen Beamtenbeleidigung angeklagt. Die Frau soll am 20. November, zum Ende ihres Kuraufenthalts, mit zwei Begleitern in der OTC-Gaststätte „Tie Break“ eingekehrt sein. Nach einem Streit über die Zeche in Höhe von 124 Euro soll die Situation gegen Mitternacht eskaliert sein. Die Kurgäste wollten nicht so viel getrunken haben, wie auf dem Deckel stand. Ein Stammgast, der eigentlich bloß mit Kumpels Fußball gucken wollte, rief die Polizei. Als die Beamten eintrafen, soll die Frau außer Rand und Band gewesen sein.

In den Streit mit dem Wirt hätten sich dessen Stammgäste eingemischt und sie als „Krüppel“ bezeichnet. Sie solle endlich zahlen und gehen. Außerdem seien aus der Gruppe der Stammgäste „nationalsozialistische Äußerungen“ gefallen. Welche genau, führt die Angeklagte nicht aus, betont aber: „Ich habe mich von den Stammgästen bedroht gefühlt.“ Deshalb habe sie auch die Polizei gerufen.

Die Beamten hätten sich aber gegen sie gewandt. Einer der beiden Polizisten soll sie sogar geschubst haben. „Glücklicherweise bin ich in die Sitzgruppe gefallen“, sagt sie: „Es ist nicht viel passiert.“ Drei Wochen zuvor sei sie aber an der Hüfte operiert worden und weilte zur Anschlussheilbehandlung in der Maternusklinik. Die Angeklagte erstattete Anzeige wegen Körperverletzung gegen den Beamten. Beide Polizisten widersprechen eindringlich. Von einem Schubser könne keine Rede sein. Die Beamten erlebten die Situation ganz anders. Als sie eintrafen, so einer der beiden Polizisten, hätte bloß „eine deutlich alkoholisierte, ältere Frau“ in der Gaststätte „sehr laut herumkrakeelt“.

Die Angeklagte habe auf einem Tisch gesessen, die Füße auf einem Stuhl. Dass sie auf Gehhilfen angewiesen sei, hätten die Beamten erst sehr viel später entdeckt. Sie sei „ohne Krücken ganz gut ausgekommen“, so der Polizist. Ein Gespräch mit der Frau sei nicht möglich gewesen. Die anderen Gäste dagegen hätten sich ruhig verhalten. Die Beamten ließen sich den dicht beschriebenen Bierdeckel mit der Zeche zeigen.

Die Frau habe schließlich ihre Anwältin angerufen. Während dieses Telefonats soll sie die Polizisten vernehmbar als Nazis beschimpft und auch mit anderen Ausdrücken beleidigt haben. Zwei Gäste boten sich sofort als Zeugen an. Der erste Beamte wollte der Frau das Handy wegnehmen, der zweite Polizist ließ sich den Hörer reichen, um mit der Anwältin zu sprechen. Sie sollte ihre Mandantin beruhigen, damit er sie nicht in Gewahrsam nehmen musste, was dann auch nicht geschah. Die Anwältin saß am Dienstag an der Seite der Angeklagten und wies nachträglich den ersten Polizisten zurecht. Er sei voreingenommen, „auch heute noch richtig sauer“ und hätte damals „nicht deeskalierend“ gewirkt. Das brachte der Verteidigerin allerdings eine Rüge des Richters ein.

In der Befragung des zweiten Polizisten, der die Angeklagte angeblich geschubst haben soll, aber auch mit der Anwältin telefonierte, war die Verteidigerin sachlicher und fragte nach dem Ziel der angeblichen Beleidigungen ihrer Mandantin. Und der zweite Polizist erklärte, dass die Worte der Angeklagten wohl nicht nur ihm und seinem Kollegen, sondern vielleicht auch den Stammgästen des Lokals galten. „Sehen Sie, da bin ich bei Ihnen“, sagte die Verteidigerin. So habe sie das Telefonat auch wahrgenommen. Dem Vorschlag der Verteidigerin zur Einstellung des Verfahrens folgte der Richter mit Verweis auf die Strafanzeige gegen die Polizisten nicht. Die Sache müsse entschieden werden. Der Prozess wird am 30. Oktober mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

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