Pinkpop-Festival: Zum 50-jährigen Jubiläum spielen The Cure, Jamiroquai und Fleetwood Mac in den Niederlanden groß auf Thomas Kühlmann Heerlen/Landgraaf (mt). Es gibt Personen, die haben der Musikbranche ebenso ihren Stempel aufgedrückt wie die Künstler selbst. Als am 20. Februar dieses Jahres der Musikjournalist Peter Rüchel verstirbt, ist mit ihm ein mehr als 40-jähriges Lebenswerk gegangen. Von 1977 bis 1986 hatte er als Erfinder des "Rockpalastes" im WDR nationalen und internationalen Künstlern ein Sprungbrett für große Karrieren geboten, die europaweit im Fernsehen übertragenen Rocknächte hatten Kultstatus und werden auch heute noch im Nachklang als DVDs und CDs vermarktet. Was vielen Deutschen Peter Rüchel war, das ist den Niederländern ihr Jan Smeets. Auch er hat alles für seine Leidenschaft Musik gegeben und mit dem Pinkpop-Musikfestival ein Event geschaffen, das jetzt seinen 50. Geburtstag feierte. Jan Smeets hat das Massenspektakel seit der Premiere 1970 organisiert und ist auch bei der Jubiläumsausgabe noch der Chef. Als er 1967 das Monterrey-Pop-Festival und zwei Jahre später das legendäre Woodstock-Festival 1969 mitverfolgt, lässt ihn die Idee nicht los, ähnliches auch in den Niederlanden auf die Beine zu stellen. Gesagt, getan. Die Premiere startet 1970 mit acht Bands, unter ihnen die George Baker Selection, die in Deutschland mit ihrem Hit „Paloma blanca“ später in der ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck auftaucht und mit anderen Schlagergrößen um die Gunst des Publikums singt und spielt. Auch die niederländischen Platzhirsche von Golden Earring sind mit von der Partie. Gerade einmal 2,50 Gulden kostet der Eintritt. Von Jahr zu Jahr steigert sich die Popularität des Events, immer angesagtere Bands finden sich im Line up wieder. Ebenso wie beim Rockpalast dient auch das Pinkpop-Festival vielen Bands als Sprungbrett für Mega-Erfolge. So spielen U2 oder die Simple Minds bereits Anfang der 80er Jahre auf dem Festival, als sie in Europa noch eher Geheimtipps sind. „U2 haben für 6.000 Mark gespielt“, erinnert sich Smeets gern zurück. Bis heute ist das Interesse an dem seit 1996 als Drei-Tage-Event ausgerichteten Konzert-Marathons stets gestiegen. Die Eintrittspreise liegen mittlerweile bei 190 Euro für ein Drei-Tage-Ticket, was die Besucher jedoch nicht davon abhält, in Scharen den Weg auf die ehemalige Trabrennbahn in Landgraaf bei Heerlen in der Provinz Limburg zu suchen. Die 2016er-Ausgabe, bei der die Red Hot Chili Peppers, Rammstein und Paul McCartney als Headliner auftreten, ist mit 116.700 Musikfans die bislang am bestens besuchte Veranstaltung. Es gibt kaum einen relevanten Musiker, der im Laufe der Jahrzehnte nicht hier aufgetreten ist. Die Rolling Stones, Stevie Wonder, Robbie Williams, Iggy Pop – von Rock bis Folk, von Soul bis Jazz, von Hip Hop bis House ist für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Darauf legt Smeets stets wert. Ebenso bunt gemischt wie die Bands ist das Publikum. Bunt tätowierte Rocker, Familien mit Kindern, Gruppen von jungen Leuten, langhaarige Pärchen, eingehüllt in indische Hemden, weißhaarige Senioren, Teenager – kurz, der Querschnitt der Gesellschaft ist vertreten. Zum Jubiläum geben sich Mumford & Sons, The Cure, Fleetwood Mac, Lenny Kravitz und Jamiroquai die Ehre – neben etlichen anderen Bands, versteht sich. Und wieder trifft Organisator Jan Smeets mit der Künstlerauswahl den Nagel auf den Kopf. Schaffensmüdigkeit kennt der mittlerweile 74-Jährige überhaupt nicht – im Gegenteil. „Das einzige, was ich sicher weiß, ist, dass es nächstes Jahr das 51. Festival geben wird.“ Und dann fügt er ernst hinzu. „Aber wir denken darüber nach, ob wir vom Pfingstwochenende weggehen. Denn es wird immer schwieriger, vor allem amerikanische Top-Acts zu bekommen. Die meisten gehen erst später auf Tour. Vielleicht werden wir Pinkpop in Zukunft um drei Wochen verschieben.“ Einen Herzenswunsch hat der Musik-Globetrotter auch noch: „Bob Dylan war noch nie bei Pinkpop. Eine Schande! Das muss sich ändern!“ Womit wir wieder bei Peter Rüchel wären. Sein größter Traum, einmal Bruce Springsteen im Rockpalast präsentieren zu dürfen – Mitglieder der E-Street-Band wie Nils Lofgren oder Little Steven verpflichtete er solo auf der Bühne – hat sich bis zu seinem Tod nicht erfüllt.

Pinkpop-Festival: Zum 50-jährigen Jubiläum spielen The Cure, Jamiroquai und Fleetwood Mac in den Niederlanden groß auf

Dicht gedrängt verfolgten die Musikfans am Samstagabend vor der riesengroßen Hauptbühne von Jay Kay und seiner Band Jamiroquai. MT-Fotos: Thomas Kühlmann © Thomas Kühlmann/mt

Heerlen/Landgraaf (mt). Es gibt Personen, die haben der Musikbranche ebenso ihren Stempel aufgedrückt wie die Künstler selbst. Als am 20. Februar dieses Jahres der Musikjournalist Peter Rüchel verstirbt, ist mit ihm ein mehr als 40-jähriges Lebenswerk gegangen. Von 1977 bis 1986 hatte er als Erfinder des "Rockpalastes" im WDR nationalen und internationalen Künstlern ein Sprungbrett für große Karrieren geboten, die europaweit im Fernsehen übertragenen Rocknächte hatten Kultstatus und werden auch heute noch im Nachklang als DVDs und CDs vermarktet.

Was vielen Deutschen Peter Rüchel war, das ist den Niederländern ihr Jan Smeets. Auch er hat alles für seine Leidenschaft Musik gegeben und mit dem Pinkpop-Musikfestival ein Event geschaffen, das jetzt seinen 50. Geburtstag feierte. Jan Smeets hat das Massenspektakel seit der Premiere 1970 organisiert und ist auch bei der Jubiläumsausgabe noch der Chef. Als er 1967 das Monterrey-Pop-Festival und zwei Jahre später das legendäre Woodstock-Festival 1969 mitverfolgt, lässt ihn die Idee nicht los, ähnliches auch in den Niederlanden auf die Beine zu stellen. Gesagt, getan. Die Premiere startet 1970 mit acht Bands, unter ihnen die George Baker Selection, die in Deutschland mit ihrem Hit „Paloma blanca“ später in der ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck auftaucht und mit anderen Schlagergrößen um die Gunst des Publikums singt und spielt. Auch die niederländischen Platzhirsche von Golden Earring sind mit von der Partie. Gerade einmal 2,50 Gulden kostet der Eintritt.

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Von Jahr zu Jahr steigert sich die Popularität des Events, immer angesagtere Bands finden sich im Line up wieder. Ebenso wie beim Rockpalast dient auch das Pinkpop-Festival vielen Bands als Sprungbrett für Mega-Erfolge. So spielen U2 oder die Simple Minds bereits Anfang der 80er Jahre auf dem Festival, als sie in Europa noch eher Geheimtipps sind. „U2 haben für 6.000 Mark gespielt“, erinnert sich Smeets gern zurück. Bis heute ist das Interesse an dem seit 1996 als Drei-Tage-Event ausgerichteten Konzert-Marathons stets gestiegen. Die Eintrittspreise liegen mittlerweile bei 190 Euro für ein Drei-Tage-Ticket, was die Besucher jedoch nicht davon abhält, in Scharen den Weg auf die ehemalige Trabrennbahn in Landgraaf bei Heerlen in der Provinz Limburg zu suchen. Die 2016er-Ausgabe, bei der die Red Hot Chili Peppers, Rammstein und Paul McCartney als Headliner auftreten, ist mit 116.700 Musikfans die bislang am bestens besuchte Veranstaltung.

Es gibt kaum einen relevanten Musiker, der im Laufe der Jahrzehnte nicht hier aufgetreten ist. Die Rolling Stones, Stevie Wonder, Robbie Williams, Iggy Pop – von Rock bis Folk, von Soul bis Jazz, von Hip Hop bis House ist für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Darauf legt Smeets stets wert. Ebenso bunt gemischt wie die Bands ist das Publikum. Bunt tätowierte Rocker, Familien mit Kindern, Gruppen von jungen Leuten, langhaarige Pärchen, eingehüllt in indische Hemden, weißhaarige Senioren, Teenager – kurz, der Querschnitt der Gesellschaft ist vertreten. Zum Jubiläum geben sich Mumford & Sons, The Cure, Fleetwood Mac, Lenny Kravitz und Jamiroquai die Ehre – neben etlichen anderen Bands, versteht sich. Und wieder trifft Organisator Jan Smeets mit der Künstlerauswahl den Nagel auf den Kopf.

Schaffensmüdigkeit kennt der mittlerweile 74-Jährige überhaupt nicht – im Gegenteil. „Das einzige, was ich sicher weiß, ist, dass es nächstes Jahr das 51. Festival geben wird.“ Und dann fügt er ernst hinzu. „Aber wir denken darüber nach, ob wir vom Pfingstwochenende weggehen. Denn es wird immer schwieriger, vor allem amerikanische Top-Acts zu bekommen. Die meisten gehen erst später auf Tour. Vielleicht werden wir Pinkpop in Zukunft um drei Wochen verschieben.“

Einen Herzenswunsch hat der Musik-Globetrotter auch noch: „Bob Dylan war noch nie bei Pinkpop. Eine Schande! Das muss sich ändern!“ Womit wir wieder bei Peter Rüchel wären. Sein größter Traum, einmal Bruce Springsteen im Rockpalast präsentieren zu dürfen – Mitglieder der E-Street-Band wie Nils Lofgren oder Little Steven verpflichtete er solo auf der Bühne – hat sich bis zu seinem Tod nicht erfüllt.

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