Bad Oeynhausen Offenes Impfangebot im Werrepark: Stundenlanges Anstehen für den Piks Lange Schlangen gab es am Samstag beim offenen Impfangebot im Werrepark. Innerhalb von viereinhalb Stunden ließen sich dort 744 Menschen gegen das Corona Virus immunisieren. Elke Niedringhaus-Haasper Bad Oeynhausen. Sandra Rohlfing ist erleichtert. Beim offenen Impfangebot im Werrepark hat die Gohfelderin am Samstag ihren ersten Piks gegen das Corona Virus bekommen. Und dafür eine Wartezeit von zweieinhalb Stunden in Kauf genommen. So wie Sandra Rohlfing ging es den meisten der anderen 743 Impflinge auch. Manche von ihnen kamen sogar schon um acht Uhr morgens. Wohlwissend, dass sie sechs Stunden ausharren mussten. Am späten Vormittag stellte Center-Manager Torben Schultz den älteren unter ihnen Klappstühle zur Verfügung. Ein halber Kilometer Warteschlange: An der Gebäudefassade zur Mindener Straße reihen sich die Impfwilligen auf wie Perlen an einer Schnur. Geduld ist gefragt, um beim ambulanten Impfteam auf der ehemaligen Fläche des „Fashion Store" anzukommen. Das hatte auf den Ansturm reagiert und bereits eine halbe Stunde eher als angekündigt mit der Aktion angefangen und die sechs Impfplätze freigegeben. Manche kommen zu früh zum Boostern und gehen leer aus Nicht nur die beiden Kreisangestellten Marleen Günter und Larissa Hauptmeier haben alle Hände voll zu tun, um die Menschen zu registrieren, sondern auch der Apotheker, der pausenlos das Serum von Biontech in Kanülen aufzieht, die medizinische Fachangestellte, die eine Impfe nach der anderen injiziert und Hans-Georg Bresser und Anke Richter-Scheer, die für den ärztlichen Bereich zuständig sind, arbeiten auf Hochtouren. Klaus Harnack ist erleichtert, als er endlich beim Impfteam angekommen ist. „Bei meiner Hausärztin hätte ich erst für Ende Januar einen Termin zum Boostern bekommen. Aber die steigende Inzidenz macht mir Sorgen. Da stehe ich lieber mal ein paar Stunden an", sagt der Löhner. Und macht seinen Oberarm frei für den Piks. Anders ergeht es dem Herrn hinter ihm. Seine Zweitimpfung liegt keine vier Monate zurück. „Dann boostern wir aus immunologischen Gründen noch nicht", bedauert Hans-Georg Bresser. Bresser, der normalerweise als Kinderarzt in Bielefeld arbeitet, ist mehr als zufrieden mit der Impfaktion im Werre-Park. „Durch die kurzen Wege und die geringeren Dokumentationsanforderungen können wir hier sehr effektiv arbeiten", sagt der Mediziner. Und freut sich, als Rolf Schöphörster, der für die mobilen Impfungen im Kreis verantwortlich ist, schon einer Stunde nach der Öffnung zwanzig Erstimpfungen gezählt hat. Hocherfreut ist auch Torben Schultz: „Ich hatte zwar mit einem großen Andrang gerechnet. Aber nicht mit so einem Ansturm. Und ziehe meinen Hut vor der effektiven Arbeit dieses Impfteams", sagt der Center-Manager. Impfärztin positiv überrascht Positiv überrascht von der Impfwilligkeit ist auch Anke Richter-Scheer. Die Vorsitzende des Hausärzteverbands Westfalen-Lippe und Leiterin des früheren Impfzentrums in Hille lobt das Engagement der Mitarbeiter. „Schließlich arbeiten alle hier außerhalb ihrer Arbeitszeiten", betont die Ärztin. Ärgerlich ist die Medizinerin aber über die neusten Entscheidungen im Bundesgesundheitsministerium: „Es ist traurig, dass gerade jetzt, wo die Impfaktionen an Zulauf gewinnen, von heute auf morgen entschieden worden ist, dass der Biontech Impfstoff zugunsten von Moderna reduziert wird. Die Diskussion darüber mit den Patienten bleibt wieder einmal an den Ärzten hängen", macht Anke-Richter-Scheer ihrem Ärger Luft. Auf Zulassung des Impfstoffes für Kinder zwischen fünf und zehn Jahren hofft derweil Hans-Georg Bresser. „Zum einen, weil die Inzidenz in dieser Altersgruppe zwischen 500 und 700 liegt. Und zum anderen, weil Kinder auch Überträger sind. Aber ganz besonders, weil wir Kinderärzte wissen, welche gravierenden psychosozialen Aspekte dahinterstecken".
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Offenes Impfangebot im Werrepark: Stundenlanges Anstehen für den Piks

Die beiden Kreisangestellten Marleen Günther (l.) und Larissa Hauptmeier registrieren am Eingang der mobilen Impfstation die Ankommenden. © Elke Niedringhaus-Haasper

Bad Oeynhausen. Sandra Rohlfing ist erleichtert. Beim offenen Impfangebot im Werrepark hat die Gohfelderin am Samstag ihren ersten Piks gegen das Corona Virus bekommen. Und dafür eine Wartezeit von zweieinhalb Stunden in Kauf genommen. So wie Sandra Rohlfing ging es den meisten der anderen 743 Impflinge auch. Manche von ihnen kamen sogar schon um acht Uhr morgens. Wohlwissend, dass sie sechs Stunden ausharren mussten. Am späten Vormittag stellte Center-Manager Torben Schultz den älteren unter ihnen Klappstühle zur Verfügung.

Ein halber Kilometer Warteschlange: An der Gebäudefassade zur Mindener Straße reihen sich die Impfwilligen auf wie Perlen an einer Schnur. Geduld ist gefragt, um beim ambulanten Impfteam auf der ehemaligen Fläche des „Fashion Store" anzukommen. Das hatte auf den Ansturm reagiert und bereits eine halbe Stunde eher als angekündigt mit der Aktion angefangen und die sechs Impfplätze freigegeben.

Wie am Fließband wird einer nach dem anderen geimpft. - © Elke Niedringhaus-Haasper
Wie am Fließband wird einer nach dem anderen geimpft. - © Elke Niedringhaus-Haasper

Manche kommen zu früh zum Boostern und gehen leer aus

Nicht nur die beiden Kreisangestellten Marleen Günter und Larissa Hauptmeier haben alle Hände voll zu tun, um die Menschen zu registrieren, sondern auch der Apotheker, der pausenlos das Serum von Biontech in Kanülen aufzieht, die medizinische Fachangestellte, die eine Impfe nach der anderen injiziert und Hans-Georg Bresser und Anke Richter-Scheer, die für den ärztlichen Bereich zuständig sind, arbeiten auf Hochtouren.

Lange Schlangen gab es am Werrepark am Samstag für die offene Impfaktion. Im Schnitt zweieinhalb Stunden warteten die Impfwilligen dort, bevor sie in den Räumen des ehemaligen "Fashion Store" angekommen waren. Foto: Elke Niedringhaus-Haasper - © Elke Niedringhaus-Haasper
Lange Schlangen gab es am Werrepark am Samstag für die offene Impfaktion. Im Schnitt zweieinhalb Stunden warteten die Impfwilligen dort, bevor sie in den Räumen des ehemaligen "Fashion Store" angekommen waren. Foto: Elke Niedringhaus-Haasper - © Elke Niedringhaus-Haasper

Klaus Harnack ist erleichtert, als er endlich beim Impfteam angekommen ist. „Bei meiner Hausärztin hätte ich erst für Ende Januar einen Termin zum Boostern bekommen. Aber die steigende Inzidenz macht mir Sorgen. Da stehe ich lieber mal ein paar Stunden an", sagt der Löhner. Und macht seinen Oberarm frei für den Piks. Anders ergeht es dem Herrn hinter ihm. Seine Zweitimpfung liegt keine vier Monate zurück. „Dann boostern wir aus immunologischen Gründen noch nicht", bedauert Hans-Georg Bresser.

Bresser, der normalerweise als Kinderarzt in Bielefeld arbeitet, ist mehr als zufrieden mit der Impfaktion im Werre-Park. „Durch die kurzen Wege und die geringeren Dokumentationsanforderungen können wir hier sehr effektiv arbeiten", sagt der Mediziner. Und freut sich, als Rolf Schöphörster, der für die mobilen Impfungen im Kreis verantwortlich ist, schon einer Stunde nach der Öffnung zwanzig Erstimpfungen gezählt hat. Hocherfreut ist auch Torben Schultz: „Ich hatte zwar mit einem großen Andrang gerechnet. Aber nicht mit so einem Ansturm. Und ziehe meinen Hut vor der effektiven Arbeit dieses Impfteams", sagt der Center-Manager.

Impfärztin positiv überrascht

Positiv überrascht von der Impfwilligkeit ist auch Anke Richter-Scheer. Die Vorsitzende des Hausärzteverbands Westfalen-Lippe und Leiterin des früheren Impfzentrums in Hille lobt das Engagement der Mitarbeiter. „Schließlich arbeiten alle hier außerhalb ihrer Arbeitszeiten", betont die Ärztin. Ärgerlich ist die Medizinerin aber über die neusten Entscheidungen im Bundesgesundheitsministerium: „Es ist traurig, dass gerade jetzt, wo die Impfaktionen an Zulauf gewinnen, von heute auf morgen entschieden worden ist, dass der Biontech Impfstoff zugunsten von Moderna reduziert wird. Die Diskussion darüber mit den Patienten bleibt wieder einmal an den Ärzten hängen", macht Anke-Richter-Scheer ihrem Ärger Luft.

Auf Zulassung des Impfstoffes für Kinder zwischen fünf und zehn Jahren hofft derweil Hans-Georg Bresser. „Zum einen, weil die Inzidenz in dieser Altersgruppe zwischen 500 und 700 liegt. Und zum anderen, weil Kinder auch Überträger sind. Aber ganz besonders, weil wir Kinderärzte wissen, welche gravierenden psychosozialen Aspekte dahinterstecken".

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