Neue Schlamperei mit Patientendokumenten: Bad Oeynhausener Fotograf deckt nächsten Aktenskandal auf Nicole Bliesenerund Martin Fröhlich Bad Eilsen/Bad Oeynhausen (nw). Patientenakten werden offenbar häufiger als gedacht einfach ungeschützt in Krankenhausruinen zurückgelassen. Nachdem ein Fall in Büren und ein Fall in Bünde für Aufsehen gesorgt hatten, wird jetzt ein Fall bekannt, der schon einige Jahre zurückliegt. Aufgespürt hat ihn ein Bad Oeynhausener. Daniel Boberg gehört zu jenen Fotografen und Videofilmern, die sich darauf spezialisiert haben, sogenannte Lost Places zu besuchen. Gemeint sind aufgegebene Gebäude und Gelände, die niemand mehr nutzt. Ein solcher Platz war die ehemalige Weserberglandklinik in Bad Eilsen kurz hinter der niedersächsischen Grenze. „Da sind wir schon 2011 knietief durch Patientenakten gewatet“, sagt Boberg, dem der Ausflug auf das Klinikgelände angesichts der neuen Aktenskandale wieder einfiel. „Da konnten wir nicht nur sehen, was jeder Patient zu Mittag gegessen hat“, so Boberg. „Die Räume wirkten, als hätte das Personal spontan die Stifte fallen gelassen und wäre zusammen mit den Patienten geflüchtet“, beschreibt er die Situation. Der Bad Oeynhauser hat damals Fotos gemacht, die seine Angaben belegen. Er fand auch Rechnungen und Bewerbungsmappen. Auch auf Youtube gibt es Lost-Places-Videos von dem Gebäude in Bad Eilsen. Die Weserberglandklinik war nach einem Insolvenzverfahren 1996 geschlossen worden – eine Parallele übrigens zu einem Fall in Bünde. Sie wurde geschlossen, ohne alle Akten zu beseitigen. Die Schaumburger Nachrichten schrieben im Jahr 2010 bereits davon, dass „im Untergeschoss der ehemaligen Klinik Regalmeter um Regalmeter Patientenakten lagern“. Die Masse davon stamme aus dem Jahr 1988. Es sei unklar, weshalb niemand die Akten entsorgt habe. In Büren im Kreis Paderborn war zuletzt durch ein Video eines Youtubers bekannt geworden, dass alte Patientenakten herumliegen. Sie stammten aus der früheren St.-Nikolaus-Klinik. Später kam heraus, dass auch in einem früheren Kurhaus in Bünde der Datenschutz keine Rolle gespielt hatte. Auch dort fanden sich Akten. Inzwischen hat das Bünder Ordnungsamt die Dokumente sichergestellt. Die Geschichte in Bad Eilsen geht noch weiter: Im Rahmen der Expo 2000 in Hannover wurde das Gebäude unter dem Namen Garni-Hotel Weserbergland noch einmal genutzt und 2001 endgültig geschlossen. Auch da fielen die Akten offenbar niemandem ernsthaft auf. Erst 2012 begann dann der Abriss des Gebäudes.

Neue Schlamperei mit Patientendokumenten: Bad Oeynhausener Fotograf deckt nächsten Aktenskandal auf

Fotograf Daniel Boberg aus Bad Oeynhausen

Bad Eilsen/Bad Oeynhausen (nw). Patientenakten werden offenbar häufiger als gedacht einfach ungeschützt in Krankenhausruinen zurückgelassen. Nachdem ein Fall in Büren und ein Fall in Bünde für Aufsehen gesorgt hatten, wird jetzt ein Fall bekannt, der schon einige Jahre zurückliegt. Aufgespürt hat ihn ein Bad Oeynhausener.

Daniel Boberg gehört zu jenen Fotografen und Videofilmern, die sich darauf spezialisiert haben, sogenannte Lost Places zu besuchen. Gemeint sind aufgegebene Gebäude und Gelände, die niemand mehr nutzt. Ein solcher Platz war die ehemalige Weserberglandklinik in Bad Eilsen kurz hinter der niedersächsischen Grenze.

Das Bild zeigt alte Akten in dem Klinikumsgebäude in Bad Eilsen. Fotos: Boberg
Das Bild zeigt alte Akten in dem Klinikumsgebäude in Bad Eilsen. Fotos: Boberg

„Da sind wir schon 2011 knietief durch Patientenakten gewatet“, sagt Boberg, dem der Ausflug auf das Klinikgelände angesichts der neuen Aktenskandale wieder einfiel. „Da konnten wir nicht nur sehen, was jeder Patient zu Mittag gegessen hat“, so Boberg. „Die Räume wirkten, als hätte das Personal spontan die Stifte fallen gelassen und wäre zusammen mit den Patienten geflüchtet“, beschreibt er die Situation. Der Bad Oeynhauser hat damals Fotos gemacht, die seine Angaben belegen. Er fand auch Rechnungen und Bewerbungsmappen. Auch auf Youtube gibt es Lost-Places-Videos von dem Gebäude in Bad Eilsen.

Die Weserberglandklinik war nach einem Insolvenzverfahren 1996 geschlossen worden – eine Parallele übrigens zu einem Fall in Bünde. Sie wurde geschlossen, ohne alle Akten zu beseitigen. Die Schaumburger Nachrichten schrieben im Jahr 2010 bereits davon, dass „im Untergeschoss der ehemaligen Klinik Regalmeter um Regalmeter Patientenakten lagern“. Die Masse davon stamme aus dem Jahr 1988. Es sei unklar, weshalb niemand die Akten entsorgt habe.

In Büren im Kreis Paderborn war zuletzt durch ein Video eines Youtubers bekannt geworden, dass alte Patientenakten herumliegen. Sie stammten aus der früheren St.-Nikolaus-Klinik. Später kam heraus, dass auch in einem früheren Kurhaus in Bünde der Datenschutz keine Rolle gespielt hatte. Auch dort fanden sich Akten. Inzwischen hat das Bünder Ordnungsamt die Dokumente sichergestellt.

Die Geschichte in Bad Eilsen geht noch weiter: Im Rahmen der Expo 2000 in Hannover wurde das Gebäude unter dem Namen Garni-Hotel Weserbergland noch einmal genutzt und 2001 endgültig geschlossen. Auch da fielen die Akten offenbar niemandem ernsthaft auf. Erst 2012 begann dann der Abriss des Gebäudes.

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