Neubau der ICE-Trasse Bielefeld-Hannover: Niedersachsens Mängelliste Matthias Bungeroth Bielefeld/Hannover. Die niedersächsischen Regierungsparteien SPD und CDU sehen noch einigen Verbesserungsbedarf in den Planungen für den Neubau einer Bahntrasse zwischen Bielefeld und Hannover. Das wurde bei einer Landtagsdebatte in der Landeshauptstadt deutlich. Der Deutschlandtakt als künftiger Fahrplan ab 2030 sei zwar „ausdrücklich" zu begrüßen, wie es in einem gemeinsamen Entschließungsantrag der Regierungsparteien dort heißt. Doch gleichzeitig sehen beide Koalitionspartner einigen Verbesserungsbedarf im jüngst eröffneten Planungsverfahren. Es gebe die Befürchtung, „dass die Durchsetzung der anvisierten Fahrzeiten im Deutschlandtaktentwurf zu erheblichen Verzögerungen bei den erforderlichen Maßnahmen im Schienennetz führt", wie es in dem Antrag heißt. Im Klartext bedeutet dies: Die jüngst bei einem Workshop nochmals kontrovers diskutierte Vorgabe einer Fahrzeit von 31 Minuten zwischen Bielefeld und Hannover würde den Bau einer aufwendigen, neuen Trassenführung bedingen, der die Realisierung des Deutschlandtakts länger als nötig hinauszögert. "Es wird gegen die 31 Minuten opponiert" Begrüßt wird deshalb in dem Antragsentwurf, dass sich auch die Kommunen der Region Schaumburg/OWL für einen Ausbau der Bestandstrasse stark gemacht hätten. „Es wird gegen die 31 Minuten opponiert", sagt auch Rainer Engel, Experte für den Deutschlandtakt und stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn in Ostwestfalen-Lippe, auf Anfrage von nw.de. Die Neubaupläne müssten nach dem Antragstext von Hannover auch dahingehend überprüft werden, dass der Schienennahverkehr in den ländlichen Räumen noch besser mit den Fernverkehrsverbindungen verknüpft würden. Auch am Deutschlandtakt selbst wird im Antrag Kritik geübt. „Insgesamt besteht für den Personennahverkehr die Befürchtung, dass der aufgestellte Fahrplan bisher nicht robust genug ist, so dass Verspätungen zum Verlust des Anschlusses führen", heißt es darin. Diese Kritik entzündet sich an dem Umstand, dass die geplante, künftige Umsteigezeit zwischen der ICE-Linie Düsseldorf-Bielefeld-Hannover und der Strecke von Hannover über Braunschweig, Magdeburg nach Halle/Saale in Hannover bei lediglich sechs Minuten lägen. „Das gilt für beide Richtungen." "Die Tür ist einen Spalt breit offen" Zum Vergleich: Wer heute als Bahnreisender von Bielefeld nach Hamburg fahren will und dafür den Fernverkehr der DB nutzt, hat in Hannover eine Umsteigezeit von acht Minuten. Eine Zeitspanne, die nicht immer ausreicht, um den Bahnsteig und den Zug zu wechseln und die für den Fahrgast durchaus zur physischen Herausforderung werden kann. Wer diesen Anschluss jedoch verpasst, mus in der Regel eine Stunde auf den nächsten Zug warten. Rainer Engel sieht in der Positionierung der Koalitionspartner von Hannover jedenfalls eine Grundlage für weitere Gespräche über das Bauprojekt. „Die Tür ist einen Spalt breit offen, so dass man unbedingt mit Parteien und Regierung in Niedersachsen reden sollte", appelliert der Bahnexperte. Engel schlägt für die künftige Trasse Bielefeld-Hannover eine Variante vor, „die die Bestandsstrecke zwischen Bielefeld und Bad Oeynhausen weiterhin nutzen würde und zugleich den Verkehr Osnabrück – Hannover um eine weitere Viertelstunde beschleunigen würde".

Neubau der ICE-Trasse Bielefeld-Hannover: Niedersachsens Mängelliste

Der Neubau zwischen Bielefeld und Hannover ist umstritten.     © picture alliance/dpa

Bielefeld/Hannover. Die niedersächsischen Regierungsparteien SPD und CDU sehen noch einigen Verbesserungsbedarf in den Planungen für den Neubau einer Bahntrasse zwischen Bielefeld und Hannover. Das wurde bei einer Landtagsdebatte in der Landeshauptstadt deutlich. Der Deutschlandtakt als künftiger Fahrplan ab 2030 sei zwar „ausdrücklich" zu begrüßen, wie es in einem gemeinsamen Entschließungsantrag der Regierungsparteien dort heißt.

Doch gleichzeitig sehen beide Koalitionspartner einigen Verbesserungsbedarf im jüngst eröffneten Planungsverfahren. Es gebe die Befürchtung, „dass die Durchsetzung der anvisierten Fahrzeiten im Deutschlandtaktentwurf zu erheblichen Verzögerungen bei den erforderlichen Maßnahmen im Schienennetz führt", wie es in dem Antrag heißt.

Im Klartext bedeutet dies: Die jüngst bei einem Workshop nochmals kontrovers diskutierte Vorgabe einer Fahrzeit von 31 Minuten zwischen Bielefeld und Hannover würde den Bau einer aufwendigen, neuen Trassenführung bedingen, der die Realisierung des Deutschlandtakts länger als nötig hinauszögert.

"Es wird gegen die 31 Minuten opponiert"

Begrüßt wird deshalb in dem Antragsentwurf, dass sich auch die Kommunen der Region Schaumburg/OWL für einen Ausbau der Bestandstrasse stark gemacht hätten. „Es wird gegen die 31 Minuten opponiert", sagt auch Rainer Engel, Experte für den Deutschlandtakt und stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn in Ostwestfalen-Lippe, auf Anfrage von nw.de.

Die Neubaupläne müssten nach dem Antragstext von Hannover auch dahingehend überprüft werden, dass der Schienennahverkehr in den ländlichen Räumen noch besser mit den Fernverkehrsverbindungen verknüpft würden. Auch am Deutschlandtakt selbst wird im Antrag Kritik geübt. „Insgesamt besteht für den Personennahverkehr die Befürchtung, dass der aufgestellte Fahrplan bisher nicht robust genug ist, so dass Verspätungen zum Verlust des Anschlusses führen", heißt es darin.

Diese Kritik entzündet sich an dem Umstand, dass die geplante, künftige Umsteigezeit zwischen der ICE-Linie Düsseldorf-Bielefeld-Hannover und der Strecke von Hannover über Braunschweig, Magdeburg nach Halle/Saale in Hannover bei lediglich sechs Minuten lägen. „Das gilt für beide Richtungen."

"Die Tür ist einen Spalt breit offen"

Zum Vergleich: Wer heute als Bahnreisender von Bielefeld nach Hamburg fahren will und dafür den Fernverkehr der DB nutzt, hat in Hannover eine Umsteigezeit von acht Minuten. Eine Zeitspanne, die nicht immer ausreicht, um den Bahnsteig und den Zug zu wechseln und die für den Fahrgast durchaus zur physischen Herausforderung werden kann. Wer diesen Anschluss jedoch verpasst, mus in der Regel eine Stunde auf den nächsten Zug warten.

Rainer Engel sieht in der Positionierung der Koalitionspartner von Hannover jedenfalls eine Grundlage für weitere Gespräche über das Bauprojekt. „Die Tür ist einen Spalt breit offen, so dass man unbedingt mit Parteien und Regierung in Niedersachsen reden sollte", appelliert der Bahnexperte.

Engel schlägt für die künftige Trasse Bielefeld-Hannover eine Variante vor, „die die Bestandsstrecke zwischen Bielefeld und Bad Oeynhausen weiterhin nutzen würde und zugleich den Verkehr Osnabrück – Hannover um eine weitere Viertelstunde beschleunigen würde".

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