Nervenkrieg um Tariflohn in Klinik Arbeitskampf beschäftigt Landtags-Ausschuss Von Michael Kaiser Bad Salzuflen/Düsseldorf (nw). Der Arbeitskampf in der Lippischen Nervenklinik Dr. Spernau geht in die nächste Runde. In Düsseldorf wird es heute im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landtages auch um die Frage gehen, ob der öffentliche Versorgungsauftrag der Klinik noch sichergestellt ist, nachdem 39 Pflegemitarbeiter ausgesperrt und teils durch Leiharbeiter ersetzt worden sind. "Uns geht als Fachausschuss nicht primär die Tarifauseinandersetzung an, auch wenn es mir persönlich angemessen erscheint, die Haltung des Klinikbetreibers zu geißeln", sagt Günter Garbrecht, Vorsitzender des Gremiums. "Aber da die Klinik Dr. Spernau die psychiatrische und psychotherapeutische Pflichtversorgung für einen Teil des Kreises Lippe übernommen hat, interessiert uns die Situation der Patienten während des Streiks sehr wohl."Wenn fast 40 der 110 Stammkräfte ausgesperrt worden seien, dann sei für ihn eine ordnungsgemäße Versorgung nur noch "schwer vorstellbar", so der SPD-Politiker. Eine interessante Detailfrage sei überdies, wie es sich im Fall Dr. Spernau mit der vertraglichen Verpflichtung von Leiharbeitsfirmen verhalte, ihre Mitarbeiter nicht als Streikbrecher einzusetzen.Der ungewöhnliche Arbeitskampf dauert nun bereits 18 Wochen, die Aussperrungen begannen vor drei Wochen. Irgendeinen Fortschritt in dem Konflikt gibt es bislang nicht. Geschäftsführer Alexander Spernau, der anders als sein Großvater, Klinikgründer Herbert Spernau, kein Arzt, sondern Manager ist, verweigert kategorisch Verhandlungen über den geforderten Tarifvertrag. Eine Stellungnahme lehnte Spernau gestern erneut ab. Allerdings hatte er sich früher bereits eindeutig geäußert: "Die können drei Jahre streiken, einen Tarifvertrag wird es nicht geben.""Diese Hartleibigkeit ist Ausnahmeerscheinung""Ich kenne im Klinikbereich nicht wenige Arbeitgeber mit neoliberaler Grundhaltung, aber diese Hartleibigkeit ist eine Ausnahmeerscheinung", sagt Volker Hoppmann, der zuständige Verdi-Sekretär. Dass die streikenden Spernau-Beschäftigten ungebrochen und enthusiastisch für ihre Rechte kämpfen - sie wollen nicht länger für bis zu 30 Prozent weniger Geld als ihre Kollegen im öffentlichen Dienst arbeiten und auf Weihnachtsgeld verzichten -, nennt Hoppmann bewundernswert.Für Spernau findet Hoppmann deutliche Worte: "Er betreibt eben keine private Rehaklinik, sondern ist Teil der Akutversorgung des Landes. Er nutzt alle Vorteile des Systems und verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil, indem er Löhne nicht auf vergleichbarem Tarifniveau zahlt." Dass es auch anders gehe, zeigten die Beispiele anderer privater Klinikträger in der Region.

Nervenkrieg um Tariflohn in Klinik

Bad Salzuflen/Düsseldorf (nw). Der Arbeitskampf in der Lippischen Nervenklinik Dr. Spernau geht in die nächste Runde. In Düsseldorf wird es heute im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landtages auch um die Frage gehen, ob der öffentliche Versorgungsauftrag der Klinik noch sichergestellt ist, nachdem 39 Pflegemitarbeiter ausgesperrt und teils durch Leiharbeiter ersetzt worden sind.

"Uns geht als Fachausschuss nicht primär die Tarifauseinandersetzung an, auch wenn es mir persönlich angemessen erscheint, die Haltung des Klinikbetreibers zu geißeln", sagt Günter Garbrecht, Vorsitzender des Gremiums. "Aber da die Klinik Dr. Spernau die psychiatrische und psychotherapeutische Pflichtversorgung für einen Teil des Kreises Lippe übernommen hat, interessiert uns die Situation der Patienten während des Streiks sehr wohl."

Wenn fast 40 der 110 Stammkräfte ausgesperrt worden seien, dann sei für ihn eine ordnungsgemäße Versorgung nur noch "schwer vorstellbar", so der SPD-Politiker. Eine interessante Detailfrage sei überdies, wie es sich im Fall Dr. Spernau mit der vertraglichen Verpflichtung von Leiharbeitsfirmen verhalte, ihre Mitarbeiter nicht als Streikbrecher einzusetzen.

Der ungewöhnliche Arbeitskampf dauert nun bereits 18 Wochen, die Aussperrungen begannen vor drei Wochen. Irgendeinen Fortschritt in dem Konflikt gibt es bislang nicht. Geschäftsführer Alexander Spernau, der anders als sein Großvater, Klinikgründer Herbert Spernau, kein Arzt, sondern Manager ist, verweigert kategorisch Verhandlungen über den geforderten Tarifvertrag. Eine Stellungnahme lehnte Spernau gestern erneut ab. Allerdings hatte er sich früher bereits eindeutig geäußert: "Die können drei Jahre streiken, einen Tarifvertrag wird es nicht geben."

"Diese Hartleibigkeit ist Ausnahmeerscheinung"

"Ich kenne im Klinikbereich nicht wenige Arbeitgeber mit neoliberaler Grundhaltung, aber diese Hartleibigkeit ist eine Ausnahmeerscheinung", sagt Volker Hoppmann, der zuständige Verdi-Sekretär. Dass die streikenden Spernau-Beschäftigten ungebrochen und enthusiastisch für ihre Rechte kämpfen - sie wollen nicht länger für bis zu 30 Prozent weniger Geld als ihre Kollegen im öffentlichen Dienst arbeiten und auf Weihnachtsgeld verzichten -, nennt Hoppmann bewundernswert.

Für Spernau findet Hoppmann deutliche Worte: "Er betreibt eben keine private Rehaklinik, sondern ist Teil der Akutversorgung des Landes. Er nutzt alle Vorteile des Systems und verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil, indem er Löhne nicht auf vergleichbarem Tarifniveau zahlt." Dass es auch anders gehe, zeigten die Beispiele anderer privater Klinikträger in der Region.

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