Bad Oeynhausen Nachbarn stürmen Grillparty am Obdachlosenheim mit Axt und Messer Ulf Hanke Bad Oeynhausen. Es fehlte nicht viel, dann hätte diese Grillparty in einem Blutbad geendet. Zwei Männer aus Bad Oeynhausen haben am Donnerstag, 18. Juli 2019, gegen 21.30 Uhr bewaffnet den Garten eines Nachbarhauses gestürmt. Offenbar, weil sie sich von den Bewohnern der städtischen Notunterkunft belästigt fühlten und gewaltsam die Nachtruhe durchsetzen wollten, die auch in Bad Oeynhausen erst ab 22 Uhr gilt. Einer der Männer versteckte eine Axt hinterm Rücken, der andere hatte ein Messer in der Hand. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat die beiden Männer (28 und 35 Jahre) wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Wochen zuvor sollen sie aus der Nachbarwohnung einer 67-Jährigen heraus die Bewohner der Notunterkunft mehrfach beleidigt, Stinkefinger und Hitlergruß gezeigt und Nazi-Parolen gebrüllt haben. Der 35-jährige Angeklagte soll bei dieser Gelegenheit auch seine Hose runter gezogen und einer Nachbarin gezeigt haben. Die beiden Angeklagten geben zu, dass sie mit Axt und Messer zu den Nachbarn gelaufen sind. Sie hätten jedoch nicht die Absicht gehabt, die Bewohner zu verletzten. Die Vorwürfe mit den Nazi-Parolen und dem entblößten Geschlechtsteil bestreiten sie zunächst, auf Nachfragen können sie sich angeblich nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Ihre mitangeklagte 67-jährige Gastgeberin bestätigt zwar Beleidigungen am fraglichen Dienstag, 8. Juni 2019, mehrere Wochen vor der Grillparty. Sie behauptet jedoch, ein Teil davon könne auch aus Liedtexten stammen, die sehr laut im Hintergrund liefen: „Wir haben Hirntod gehört." Das ist gewaltverherrlichende Rap-Musik. Der 28-jährige Angeklagte erklärt, er sei am Abend der Grillparty „sehr betrunken" gewesen. Er habe öfters mit seinem Kumpel bei der 67-jährigen Mitangeklagten gefeiert, die schräg gegenüber der Notunterkunft im Nachbarhaus wohnt. Auch an diesem Sommerabend habe man reichlich Bier und Whisky getrunken und Cannabis geraucht. Dann habe der 35-Jährige plötzlich eine Axt gegriffen und sei damit „sehr aggressiv" zu den Nachbarn gelaufen. Er selbst habe sich ein Messer genommen. „Wir wollten die einschüchtern", erklärt er. Es habe öfter Ärger gegeben. „Sie wollten mit dem Messer in der Hand alkoholisiert eine Klärung herbeiführen?", fragt der Staatsanwalt. „Klingt blöd", sagt der 28-Jährige: „Und ich hab‘ vielleicht nicht nachgedacht." Er habe aber schnell gemerkt, dass die Sache eskaliert, sein Messer weggeworfen und seinen aggressiven Kumpel soeben noch zurückhalten können. Dann sei auch schon die Polizei eingetroffen. Mit Nazis und deren Parolen will er nichts zu tun haben. Der zweite Angeklagte bestätigt diese Darstellung. Er habe mit einem seiner damaligen Nachbarn Probleme gehabt: „Aber ich hatte nicht vor, Menschen weh zu tun." Die Axt habe er in einer Tasche hinterm Rücken verstaut und nicht gezeigt. Das Messer habe sein Kumpel gar nicht aufgeklappt. Die Teilnehmer der Grillparty dagegen beschreiben die Situation ganz anders. Ein Zeuge will gesehen haben, wie der 35-Jährige die Axt rausholte und aus zwei Armlängen Entfernung auf Hüfthöhe nach einem Mitbewohner warf. Der sei just in diesem Moment gestolpert und hingefallen, so dass die Axt ihr Ziel verfehlte. Ein anderer Zeuge dagegen bestätigt zwar, dass die zwei Männer bewaffnet auftauchten und der Mitbewohner stolperte. Während des Angriffs verkroch er sich jedoch mit seiner Freundin unterm Tisch. Als er den Kopf wieder rausstreckte, habe der Angeklagte die Axt in der Hand gehabt: „Die kann der also gar nicht geworfen haben." Die Nazi-Parolen sollen bereits Wochen zuvor, Anfang Juni 2019 gefallen sein. Mehrere Zeugen bestätigen das, Drohungen hätten sie jedoch nicht wahrgenommen. Eine 40-jährige Zeugin beschreibt das nachbarschaftliche Zusammenleben sehr anschaulich: „Schöner wohnen ist was anders." Es habe immer wieder Vorfälle gegeben, meist nach Alkoholgenuss, erklärt sie: „Wir haben da alle nicht reingespuckt." Die Männer hätten an diesem Nachmittag aber auch Nazi-Parolen gebrüllt und einer habe seine Hose runtergelassen: „Erst war Geschrei und irgendwann stand er im Adamskostüm am Fenster. Das muss ich nicht haben." Der Richter will wissen, ob sie das schockiert habe. Die Zeugin erklärt, im erstem Moment habe sie das amüsiert, doch ein George Clooney sei er ja nicht, ihr ehemaliger Nachbar. Andere Zeugen aus der Notunterkunft wollen den exhibitionistischen Akt ihres Nachbarn aus dem Küchenfenster beobachtet haben. Andere dagegen erklären, es sei gar nicht möglich von dort dem Nachbarn aufs Geschlechtsteil zu schauen. Der Prozess gegen die zwei Männer wird mit weiteren Zeugen Ende Juni fortgesetzt. Für die 67-jährige Mitangeklagte ist der Prozess zu Ende. Der Richter verurteilte sie wie von der Staatsanwaltschaft gefordert wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 15 Euro (450 Euro).
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Nachbarn stürmen Grillparty am Obdachlosenheim mit Axt und Messer

Eine Grillparty hätte in einem Blutbad enden können. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat nun zwei Männer wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angeklagt. © Pixabay (Symbolbild)

Bad Oeynhausen. Es fehlte nicht viel, dann hätte diese Grillparty in einem Blutbad geendet. Zwei Männer aus Bad Oeynhausen haben am Donnerstag, 18. Juli 2019, gegen 21.30 Uhr bewaffnet den Garten eines Nachbarhauses gestürmt. Offenbar, weil sie sich von den Bewohnern der städtischen Notunterkunft belästigt fühlten und gewaltsam die Nachtruhe durchsetzen wollten, die auch in Bad Oeynhausen erst ab 22 Uhr gilt. Einer der Männer versteckte eine Axt hinterm Rücken, der andere hatte ein Messer in der Hand. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat die beiden Männer (28 und 35 Jahre) wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Wochen zuvor sollen sie aus der Nachbarwohnung einer 67-Jährigen heraus die Bewohner der Notunterkunft mehrfach beleidigt, Stinkefinger und Hitlergruß gezeigt und Nazi-Parolen gebrüllt haben. Der 35-jährige Angeklagte soll bei dieser Gelegenheit auch seine Hose runter gezogen und einer Nachbarin gezeigt haben.

Die beiden Angeklagten geben zu, dass sie mit Axt und Messer zu den Nachbarn gelaufen sind. Sie hätten jedoch nicht die Absicht gehabt, die Bewohner zu verletzten. Die Vorwürfe mit den Nazi-Parolen und dem entblößten Geschlechtsteil bestreiten sie zunächst, auf Nachfragen können sie sich angeblich nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Ihre mitangeklagte 67-jährige Gastgeberin bestätigt zwar Beleidigungen am fraglichen Dienstag, 8. Juni 2019, mehrere Wochen vor der Grillparty. Sie behauptet jedoch, ein Teil davon könne auch aus Liedtexten stammen, die sehr laut im Hintergrund liefen: „Wir haben Hirntod gehört." Das ist gewaltverherrlichende Rap-Musik.

Der 28-jährige Angeklagte erklärt, er sei am Abend der Grillparty „sehr betrunken" gewesen. Er habe öfters mit seinem Kumpel bei der 67-jährigen Mitangeklagten gefeiert, die schräg gegenüber der Notunterkunft im Nachbarhaus wohnt. Auch an diesem Sommerabend habe man reichlich Bier und Whisky getrunken und Cannabis geraucht.

Dann habe der 35-Jährige plötzlich eine Axt gegriffen und sei damit „sehr aggressiv" zu den Nachbarn gelaufen. Er selbst habe sich ein Messer genommen. „Wir wollten die einschüchtern", erklärt er. Es habe öfter Ärger gegeben. „Sie wollten mit dem Messer in der Hand alkoholisiert eine Klärung herbeiführen?", fragt der Staatsanwalt. „Klingt blöd", sagt der 28-Jährige: „Und ich hab‘ vielleicht nicht nachgedacht."

Er habe aber schnell gemerkt, dass die Sache eskaliert, sein Messer weggeworfen und seinen aggressiven Kumpel soeben noch zurückhalten können. Dann sei auch schon die Polizei eingetroffen. Mit Nazis und deren Parolen will er nichts zu tun haben.

Der zweite Angeklagte bestätigt diese Darstellung. Er habe mit einem seiner damaligen Nachbarn Probleme gehabt: „Aber ich hatte nicht vor, Menschen weh zu tun." Die Axt habe er in einer Tasche hinterm Rücken verstaut und nicht gezeigt. Das Messer habe sein Kumpel gar nicht aufgeklappt.

Die Teilnehmer der Grillparty dagegen beschreiben die Situation ganz anders. Ein Zeuge will gesehen haben, wie der 35-Jährige die Axt rausholte und aus zwei Armlängen Entfernung auf Hüfthöhe nach einem Mitbewohner warf. Der sei just in diesem Moment gestolpert und hingefallen, so dass die Axt ihr Ziel verfehlte. Ein anderer Zeuge dagegen bestätigt zwar, dass die zwei Männer bewaffnet auftauchten und der Mitbewohner stolperte. Während des Angriffs verkroch er sich jedoch mit seiner Freundin unterm Tisch. Als er den Kopf wieder rausstreckte, habe der Angeklagte die Axt in der Hand gehabt: „Die kann der also gar nicht geworfen haben."

Die Nazi-Parolen sollen bereits Wochen zuvor, Anfang Juni 2019 gefallen sein. Mehrere Zeugen bestätigen das, Drohungen hätten sie jedoch nicht wahrgenommen. Eine 40-jährige Zeugin beschreibt das nachbarschaftliche Zusammenleben sehr anschaulich: „Schöner wohnen ist was anders." Es habe immer wieder Vorfälle gegeben, meist nach Alkoholgenuss, erklärt sie: „Wir haben da alle nicht reingespuckt." Die Männer hätten an diesem Nachmittag aber auch Nazi-Parolen gebrüllt und einer habe seine Hose runtergelassen: „Erst war Geschrei und irgendwann stand er im Adamskostüm am Fenster. Das muss ich nicht haben."

Der Richter will wissen, ob sie das schockiert habe. Die Zeugin erklärt, im erstem Moment habe sie das amüsiert, doch ein George Clooney sei er ja nicht, ihr ehemaliger Nachbar. Andere Zeugen aus der Notunterkunft wollen den exhibitionistischen Akt ihres Nachbarn aus dem Küchenfenster beobachtet haben. Andere dagegen erklären, es sei gar nicht möglich von dort dem Nachbarn aufs Geschlechtsteil zu schauen.

Der Prozess gegen die zwei Männer wird mit weiteren Zeugen Ende Juni fortgesetzt. Für die 67-jährige Mitangeklagte ist der Prozess zu Ende. Der Richter verurteilte sie wie von der Staatsanwaltschaft gefordert wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 15 Euro (450 Euro).

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