Nach dem Sturm: Im Bielefelder Wald droht jetzt Lebensgefahr Jürgen Mahncke Bielefeld. Nach den vergangenen Stürmen über der Stadt warnt „Wald und Holz NRW", die Forstverwaltung des Landes, dringend davor, in den kommenden Tagen die Wälder zu betreten. Es bestehe die Gefahr, durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste verletzt oder getötet zu werden. „Viele Waldwege sind durch umgestürzte Bäume versperrt und nicht passierbar. Die quer über dem Weg liegenden Äste und Stämme sind eine große Gefahr. Der Versuch sie zu überklettern, kann lebensgefährlich sein. Ineinander verkeilte Äste und Stämme stehen häufig unter Spannung. Sie kann sich spontan oder durch das Überklettern lösen. Selbst dünne Stämme werden dann zu tödlichen Katapulten", erklärte Michael Blaschke von „Wald und Holz NRW". Durch den Regen der letzten Wochen und Tage sind viele Waldböden aufgeweicht. Wurzeln haben weniger Halt im aufgeweichten Boden und können auch nach dem Sturm leicht umfallen. Zahlreiche Bäume sind nach dem Sturm angebrochen oder liegen mit halb herausgerissenem Wurzelteller auf anderen Bäumen. In den Baumkronen verkeilte Äste können herabfallen. Standen Bäume, zum Beispiel an der Osningstraße, vor geraumer Zeit noch im Verbund und stützten sich bei Sturm gegenseitig, sind jetzt große Lücken durch Trockenheit und Käferbefall entstanden. Dies ist Ursache dafür, dass diese Straße immer wieder von Sperrungen betroffen ist. Bis spät am Samstagnachmittag beseitigten Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren Bäume von der Straße über den Berg. Sie standen alleine und konnten dem starken Sturm nicht mehr trotzen. Teilweise lagen sie schräg über der Straße, lediglich noch durch die seitlichen Straßenplanken gestützt. Sie zu entsorgen, war auch für die Einsatzkräfte eine gefährliche Herausforderung. Gerade an Waldrändern sei die Gefahr von umstürzenden Bäumen immens, sagte Blaschke. „Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz", hieß es indessen am Sonntagmittag bei der Bielefelder Feuerwehr. Nachdem bis zum Vormittag nahezu 250 Einsätze von Freitag an abgearbeitet waren, rüsteten sich die Berufsfeuerwehr und die 27 Löschabteilungen der Freiwilligen Wehren bereits wieder zum nächsten Sturmeinsatz. Denn die Wettervorhersagen verhießen nichts Gutes, vor den nächsten Orkanböen liefen die Warnungen ein. 1.000 Anrufe bei der Feuerwehr Die Leitstelle wurde wiederum, wie schon bei den beiden vergangenen Stürmen, personell hochgefahren. Niemand soll in einem Notfall lange auf eine Verbindung zu den Einsatzkräften warten. Von der Leitstelle aus werden dann die entsprechenden Wehren möglichst schnell zu den Einsatzorten geschickt. Insgesamt waren bis zum Sonntagmittag insgesamt rund 1.000 Anrufe zu bewältigen, die alle noch mit dem Orkantief „Zeynep" zu tun hatten. Und dann ging es mit den Einsätzen bereits munter weiter. In Hoberge am Linkberg war am Nachmittag ein Baum auf eine Stromleitung gestürzt und musste von der Freiwilligen Feuerwehr über die Drehleiter entsorgt werden. Gegen 15 Uhr wurden bereits wieder zwölf Einsätze gezählt, obwohl der Sturm noch nicht angezogen hatte. Immer dabei sind die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehren. 27 Löschabteilungen sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt und sind zum Beispiel bei großen Sturmschäden Garant dafür, dass schnell geholfen werden kann. „Ohne diese freiwilligen Helfer wären Sturmschäden kaum zeitnah zu bewältigen. Sie sind die wichtigste Stütze und Basis für das Abarbeiten dieser Einsätze, denn die Berufsfeuerwehr muss auch bei großen Sturmlagen ihrer Hauptaufgaben, wie zum Beispiel bei Bränden oder Verkehrsunfällen jederzeit nachkommen können", sagte Feuerwehreinsatzleiter Gerald Schönwälder. Kaum Zeit zum Erholen hatten hunderte von ehrenamtlichen Feuerwehrleuten, die an diesem Wochenende bereits ihren dritten Sturm verarbeiten mussten. Sie standen auch am Sonntagabend wieder parat – eine nicht ungefährliche Arbeit in den Nachstunden. „Wir können dann oft nicht genau einschätzen, unter welcher Spannung ein umgestürzter Baum steht und wie gefährlich der Einsatz unserer Leute ist", weiß Gerald Schönwälder, der heute Morgen um 8 Uhr nach 24 Stunden seine Schicht beendet.
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Nach dem Sturm: Im Bielefelder Wald droht jetzt Lebensgefahr

Feuerwehrleute der Löschabteilung Brackwede (Foto) und viele ihrer Kollegen waren am Wochenende ununterbrochen unterwegs, um wieder für freie Straßen zu sorgen. Hier auf der Osningstraße gab es eine Reihe von umgestürzten Bäumen, die beseitigt werden mussten – eine schweißtreibende und teilweise gefährliche Aufgabe. Foto: Jürgen Mahncke

Bielefeld. Nach den vergangenen Stürmen über der Stadt warnt „Wald und Holz NRW", die Forstverwaltung des Landes, dringend davor, in den kommenden Tagen die Wälder zu betreten. Es bestehe die Gefahr, durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste verletzt oder getötet zu werden.

„Viele Waldwege sind durch umgestürzte Bäume versperrt und nicht passierbar. Die quer über dem Weg liegenden Äste und Stämme sind eine große Gefahr. Der Versuch sie zu überklettern, kann lebensgefährlich sein. Ineinander verkeilte Äste und Stämme stehen häufig unter Spannung. Sie kann sich spontan oder durch das Überklettern lösen. Selbst dünne Stämme werden dann zu tödlichen Katapulten", erklärte Michael Blaschke von „Wald und Holz NRW".

Durch den Regen der letzten Wochen und Tage sind viele Waldböden aufgeweicht. Wurzeln haben weniger Halt im aufgeweichten Boden und können auch nach dem Sturm leicht umfallen. Zahlreiche Bäume sind nach dem Sturm angebrochen oder liegen mit halb herausgerissenem Wurzelteller auf anderen Bäumen. In den Baumkronen verkeilte Äste können herabfallen.


Standen Bäume, zum Beispiel an der Osningstraße, vor geraumer Zeit noch im Verbund und stützten sich bei Sturm gegenseitig, sind jetzt große Lücken durch Trockenheit und Käferbefall entstanden. Dies ist Ursache dafür, dass diese Straße immer wieder von Sperrungen betroffen ist.

Bis spät am Samstagnachmittag beseitigten Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren Bäume von der Straße über den Berg. Sie standen alleine und konnten dem starken Sturm nicht mehr trotzen. Teilweise lagen sie schräg über der Straße, lediglich noch durch die seitlichen Straßenplanken gestützt. Sie zu entsorgen, war auch für die Einsatzkräfte eine gefährliche Herausforderung. Gerade an Waldrändern sei die Gefahr von umstürzenden Bäumen immens, sagte Blaschke.

Michael Blaschke warnt vor Betreten des Waldes. Foto: S. Jonek - © Sarah Jonek Fotografie
Michael Blaschke warnt vor Betreten des Waldes. Foto: S. Jonek - © Sarah Jonek Fotografie

„Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz", hieß es indessen am Sonntagmittag bei der Bielefelder Feuerwehr. Nachdem bis zum Vormittag nahezu 250 Einsätze von Freitag an abgearbeitet waren, rüsteten sich die Berufsfeuerwehr und die 27 Löschabteilungen der Freiwilligen Wehren bereits wieder zum nächsten Sturmeinsatz. Denn die Wettervorhersagen verhießen nichts Gutes, vor den nächsten Orkanböen liefen die Warnungen ein.

1.000 Anrufe bei der Feuerwehr

Die Leitstelle wurde wiederum, wie schon bei den beiden vergangenen Stürmen, personell hochgefahren. Niemand soll in einem Notfall lange auf eine Verbindung zu den Einsatzkräften warten. Von der Leitstelle aus werden dann die entsprechenden Wehren möglichst schnell zu den Einsatzorten geschickt. Insgesamt waren bis zum Sonntagmittag insgesamt rund 1.000 Anrufe zu bewältigen, die alle noch mit dem Orkantief „Zeynep" zu tun hatten. Und dann ging es mit den Einsätzen bereits munter weiter.

In Hoberge am Linkberg war am Nachmittag ein Baum auf eine Stromleitung gestürzt und musste von der Freiwilligen Feuerwehr über die Drehleiter entsorgt werden. Gegen 15 Uhr wurden bereits wieder zwölf Einsätze gezählt, obwohl der Sturm noch nicht angezogen hatte.

Immer dabei sind die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehren. 27 Löschabteilungen sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt und sind zum Beispiel bei großen Sturmschäden Garant dafür, dass schnell geholfen werden kann. „Ohne diese freiwilligen Helfer wären Sturmschäden kaum zeitnah zu bewältigen. Sie sind die wichtigste Stütze und Basis für das Abarbeiten dieser Einsätze, denn die Berufsfeuerwehr muss auch bei großen Sturmlagen ihrer Hauptaufgaben, wie zum Beispiel bei Bränden oder Verkehrsunfällen jederzeit nachkommen können", sagte Feuerwehreinsatzleiter Gerald Schönwälder.

Kaum Zeit zum Erholen hatten hunderte von ehrenamtlichen Feuerwehrleuten, die an diesem Wochenende bereits ihren dritten Sturm verarbeiten mussten. Sie standen auch am Sonntagabend wieder parat – eine nicht ungefährliche Arbeit in den Nachstunden. „Wir können dann oft nicht genau einschätzen, unter welcher Spannung ein umgestürzter Baum steht und wie gefährlich der Einsatz unserer Leute ist", weiß Gerald Schönwälder, der heute Morgen um 8 Uhr nach 24 Stunden seine Schicht beendet.

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