Bad Oeynhausen Nach Zechgelage: Fotograf aus Berlin randaliert in Bad Oeynhauser Hotel Bad Oeynhausen. Für den Fotografen aus Berlin war die Reise nach Bad Oeynhausen ein schneller, gut bezahlter Auftrag im Sommer 2019: ein Tageshonorar für ein paar Fotos in der Kurstadt. Der Hauptstädter reiste schon am Vorabend an und nahm sich im einst auch bei der Berliner Hautevolee angesagten Hotel Wittekind ein Zimmer. Die Nacht verbrachte er jedoch nicht im Bett des Kurhotels, sondern im Polizeigewahrsam. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wirft dem 44-jährigen Berliner tätlichen Angriff auf Polizeibeamte und Körperverletzung vor. Bei einem Zechgelage mit zwei Zufallsbekanntschaften in der Hotellobby am Abend des 11. Juni 2019 soll er sich derart daneben benommen haben, dass andere Gäste des Hotels offenbar die Polizei riefen. Was dann passierte, darüber gehen die Darstellungen weit auseinander. Unstrittig ist jedoch: Der angeklagte Fotograf hatte 1,35 Promille Alkohol im Blut, sein ebenfalls angeklagter Zechkumpan 2,12 Promille. Anwesend bei der kleinen Party im Kaminzimmer war außerdem eine Frau mit einer markanten Tätowierung im Gesicht; sie ist jedoch nicht angeklagt. Die drei verließen nach längeren Diskussionen offenbar freiwillig die Lobby. Anlass dafür war ein provokanter Satz des Fotografen, den ein Polizist gehört haben will: "Wir gehen jetzt aufs Zimmer und wollen Sex zu dritt haben." Das gefiel jedoch dem dritten Zechkumpan offenbar nicht und er verließ die Lobby, die beiden anderen hinterher. Die Polizisten verschlossen darauf die Eingangstür, öffneten dem Hotelgast jedoch wieder, weil der in Socken vor der Tür stand. Sobald der Fotograf wieder drinnen war, eskalierte der Streit. Nach Angaben des verletzten Polizisten griff der Berliner zu einer Vase, was der Polizist noch verhinderte. Dabei bekam der Beamte aber einen heftigen Stoß und erlitt einen Rippenbruch. Zu zweit überwältigten die Polizisten den Mann und fesselten ihn, während der um sich schlug, trat und lautstark brüllte. Sein Zechkumpan, der längst auf dem Fahrrad saß, kehrte eilig mit einer Bierflasche in der Hand zurück, was die Polizisten als Bedrohung werteten und ihn mit Pfefferspray außer Gefecht setzten. Der Fotograf schilderte dann eine ganz andere Sicht. Er habe sich eigentlich sehr wohl gefühlt in Bad Oeynhausen. "Es ist echt schön hier." Weil die Restaurants in der Nähe jedoch schon früh geschlossen hatten, habe er sich am Kiosk Bier geholt und dabei ein paar Leute kennengelernt. Eigentlich wollte er seine Zufallsbekanntschaften in eine Bar einladen. Man sei dann aber in die Hotellobby gegangen und habe es sich im Kaminzimmer gemütlich gemacht. Er habe die Schuhe ausgezogen und die Füße auf den Tisch gelegt, schließlich sei er den ganzen Tag schon unterwegs gewesen. "Und nach 20 Minuten brach da die Hölle los." Zwei Polizisten hätten sie rausgeworfen. Er habe in Socken auf der Straße gestanden - und war empört. Nach längeren Diskussionen durfte er seine Schuhe holen und dabei habe er "ein kleines Tänzchen" aufgeführt: Er habe so getan, als ob er nicht wüsste, ob er zurück ins Hotelzimmer oder zu seinen Schuhen wollte. In diesem Moment sei ein Polizist auf ihn gestürzt und habe ihn zu Boden geworfen. Im Streifenwagen sei dann getreten und gegen die Seitentür gepresst worden. "Er hat mich übelst misshandelt", sagte der Angeklagte zum verletzten Polizisten. Die Staatsanwältin ließ das so nicht stehen. "Ich habe keinen Anlass, ihnen auch nur ansatzweise zu glauben." Der Beamte habe glaubhaft geschildert, dass der Angeklagte im Streifenwagen mit dem Kopf gegen die Scheibe und in seine Richtung gestoßen habe. Der Verteidiger dagegen betonte, dass der Sachverhalt ungeklärt sei. Sein Mandant verzichte auf die Vernehmung der Nachtwächterin, um die Sache zu einem Abschluss zu bringen. Seinem Mandanten sei keine Schuld nachzuweisen, er forderte Freispruch. Der Richter verurteilte den Fotografen dagegen wie von der Staatsanwältin gefordert zu acht Monaten Haft, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem muss der Berliner 1.500 Euro Schmerzensgeld an den Polizisten und 2.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Sein Zechkumpan bekam eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 25 Euro (2.250 Euro). Für den angeklagten Hauptstadt-Fotografen fand der Richter deutliche Worte: "Jede ihrer Handlungen allein war ein tätlicher Angriff." In Berlin scheine er ein ruhiges Leben zu führen. Warum er aber in der Kleinstadt Bad Oeynhausen einen Polizisten dienstunfähig prügele, sei ihm völlig unverständlich.
Bad Oeynhausen

Nach Zechgelage: Fotograf aus Berlin randaliert in Bad Oeynhauser Hotel

Ein Hotelgast aus Berlin soll im Hotel Wittekind im Sommer 2019 einen Polizeibeamten tätlich angegriffen haben. Der Beamte erlitt einen Rippenbruch. Vor Gericht stellt der Angeklagte alles ganz anders dar. © Verwendung weltweit

Bad Oeynhausen. Für den Fotografen aus Berlin war die Reise nach Bad Oeynhausen ein schneller, gut bezahlter Auftrag im Sommer 2019: ein Tageshonorar für ein paar Fotos in der Kurstadt. Der Hauptstädter reiste schon am Vorabend an und nahm sich im einst auch bei der Berliner Hautevolee angesagten Hotel Wittekind ein Zimmer. Die Nacht verbrachte er jedoch nicht im Bett des Kurhotels, sondern im Polizeigewahrsam.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wirft dem 44-jährigen Berliner tätlichen Angriff auf Polizeibeamte und Körperverletzung vor. Bei einem Zechgelage mit zwei Zufallsbekanntschaften in der Hotellobby am Abend des 11. Juni 2019 soll er sich derart daneben benommen haben, dass andere Gäste des Hotels offenbar die Polizei riefen.

Was dann passierte, darüber gehen die Darstellungen weit auseinander. Unstrittig ist jedoch: Der angeklagte Fotograf hatte 1,35 Promille Alkohol im Blut, sein ebenfalls angeklagter Zechkumpan 2,12 Promille. Anwesend bei der kleinen Party im Kaminzimmer war außerdem eine Frau mit einer markanten Tätowierung im Gesicht; sie ist jedoch nicht angeklagt.

Die drei verließen nach längeren Diskussionen offenbar freiwillig die Lobby. Anlass dafür war ein provokanter Satz des Fotografen, den ein Polizist gehört haben will: "Wir gehen jetzt aufs Zimmer und wollen Sex zu dritt haben." Das gefiel jedoch dem dritten Zechkumpan offenbar nicht und er verließ die Lobby, die beiden anderen hinterher.

Die Polizisten verschlossen darauf die Eingangstür, öffneten dem Hotelgast jedoch wieder, weil der in Socken vor der Tür stand. Sobald der Fotograf wieder drinnen war, eskalierte der Streit. Nach Angaben des verletzten Polizisten griff der Berliner zu einer Vase, was der Polizist noch verhinderte. Dabei bekam der Beamte aber einen heftigen Stoß und erlitt einen Rippenbruch. Zu zweit überwältigten die Polizisten den Mann und fesselten ihn, während der um sich schlug, trat und lautstark brüllte. Sein Zechkumpan, der längst auf dem Fahrrad saß, kehrte eilig mit einer Bierflasche in der Hand zurück, was die Polizisten als Bedrohung werteten und ihn mit Pfefferspray außer Gefecht setzten.

Der Fotograf schilderte dann eine ganz andere Sicht. Er habe sich eigentlich sehr wohl gefühlt in Bad Oeynhausen. "Es ist echt schön hier." Weil die Restaurants in der Nähe jedoch schon früh geschlossen hatten, habe er sich am Kiosk Bier geholt und dabei ein paar Leute kennengelernt. Eigentlich wollte er seine Zufallsbekanntschaften in eine Bar einladen. Man sei dann aber in die Hotellobby gegangen und habe es sich im Kaminzimmer gemütlich gemacht. Er habe die Schuhe ausgezogen und die Füße auf den Tisch gelegt, schließlich sei er den ganzen Tag schon unterwegs gewesen. "Und nach 20 Minuten brach da die Hölle los."

Zwei Polizisten hätten sie rausgeworfen. Er habe in Socken auf der Straße gestanden - und war empört. Nach längeren Diskussionen durfte er seine Schuhe holen und dabei habe er "ein kleines Tänzchen" aufgeführt: Er habe so getan, als ob er nicht wüsste, ob er zurück ins Hotelzimmer oder zu seinen Schuhen wollte. In diesem Moment sei ein Polizist auf ihn gestürzt und habe ihn zu Boden geworfen. Im Streifenwagen sei dann getreten und gegen die Seitentür gepresst worden. "Er hat mich übelst misshandelt", sagte der Angeklagte zum verletzten Polizisten.

Die Staatsanwältin ließ das so nicht stehen. "Ich habe keinen Anlass, ihnen auch nur ansatzweise zu glauben." Der Beamte habe glaubhaft geschildert, dass der Angeklagte im Streifenwagen mit dem Kopf gegen die Scheibe und in seine Richtung gestoßen habe. Der Verteidiger dagegen betonte, dass der Sachverhalt ungeklärt sei. Sein Mandant verzichte auf die Vernehmung der Nachtwächterin, um die Sache zu einem Abschluss zu bringen. Seinem Mandanten sei keine Schuld nachzuweisen, er forderte Freispruch.

Der Richter verurteilte den Fotografen dagegen wie von der Staatsanwältin gefordert zu acht Monaten Haft, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem muss der Berliner 1.500 Euro Schmerzensgeld an den Polizisten und 2.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Sein Zechkumpan bekam eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 25 Euro (2.250 Euro). Für den angeklagten Hauptstadt-Fotografen fand der Richter deutliche Worte: "Jede ihrer Handlungen allein war ein tätlicher Angriff." In Berlin scheine er ein ruhiges Leben zu führen. Warum er aber in der Kleinstadt Bad Oeynhausen einen Polizisten dienstunfähig prügele, sei ihm völlig unverständlich.

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