Nach Vergewaltigung im Bielefelder Krankenhaus: Opfer sollen wohl informiert werden Lukas Brekenkamp,Ingo Kalischek Düsseldorf/Bielefeld. Im Fall der mutmaßlichen Vergewaltigungen eines Assistenzarztes im Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld kündigt sich eine überraschende Wendung an. Nach unbestätigten Informationen von nw.de sollen nun doch alle der bislang 32 identifizierten Opfer über die mutmaßlichen Vergewaltigungen informiert werden. Bislang wussten davon lediglich sieben Frauen, die von sich aus den Kontakt zur Polizei gesucht hatten. Jetzt wollen die Ermittler offenbar auch die 25 weiteren Opfer darüber in Kenntnis setzen. Wie mehrfach berichtet, soll ein damals 32-jähriger Assistenzarzt am Klinikum Bethel mehrere Patientinnen betäubt, sich anschließend an ihnen vergangen und die Taten zum Teil gefilmt haben. Der Mann arbeitete in dem Bielefelder Krankenhaus von Februar 2018 bis Januar 2020. In diesem Zeitraum müssen sich die Taten abgespielt haben. Eine damals 36-jährige Patientin hatte den Assistenzarzt im September 2019 als erstes angezeigt und so die monatelangen Ermittlungen der Kripo ins Rollen gebracht. Der Mann wurde am 21. September 2020 wegen mehrfacher Vergewaltigung festgenommen. Drei Tage später nahm er sich in seiner Zelle das Leben. Zu dieser Zeit hatten die Ermittler noch nicht alle Beweisvideos ausgewertet – dennoch wurde das Verfahren gegen den Mann am 25. September 2020 eingestellt.Anfang November wurde überraschend bekannt, dass das NRW-Justizministerium den Fall „im Rahmen der Dienst- und Fachaufsicht“ geprüft und neu vergeben hat – und zwar an die Staatsanwaltschaft Duisburg. Die ermittelt nun erneut gegen die damaligen Vorgesetzten des Assistenzarztes: den Chefarzt, den Oberarzt, der die Beschwerde entgegennahm, und die Klinikleitung.Im Zuge der neuen Ermittlungen soll sich die Ermittlungsgruppe dem Vernehmen nach mit der Frage beschäftigt haben, ob man nicht doch aktiv auf sämtliche Opfer zugehen müsse, um sie über die an ihnen begangenen Taten zu unterrichten. Das soll nun in enger Abstimmung mit der Beauftragten des Opferschutzes des Landes NRW geschehen – in möglichst schonender Form sowie unter begleitender Unterbreitung entsprechender Hilfsangebote. Das NRW-Justizministerium verweist auf Anfrage an die Staatsanwaltschaft Duisburg, die den Fall nicht kommentieren wollte und lediglich erklärte, dass man sich im Prüfverfahren befinde. Auch andere Angaben zu den Vergewaltigungen wollte die Staatsanwaltschaft zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen.Die Entscheidung, nun alle Opfer zu unterrichten, ist nicht unumstritten. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hatte sich damals dafür entschieden, die Opfer über die Taten nicht zu informieren, weil man eine Traumatisierung der ahnungslosen Frauen befürchtete. Das führte wiederum zu Kritik. Opferschützer sind der Meinung, dass die Staatsanwaltschaft die Frauen damit unzulässigerweise bevormunde. Therapeutinnen reagierten entsetzt, weil sich der Körper auch an Taten erinnere, wenn das Bewusstsein durch Narkose abgeschaltet wurde. Juristen kritisieren zudem, dass sich ohne Befragung der übrigen Opfer nicht ermitteln ließe, ob und wie viele weitere Hinweise es gab.

Nach Vergewaltigung im Bielefelder Krankenhaus: Opfer sollen wohl informiert werden

Die Taten soll ein Assistenzarzt am Klinikum Bethel begangen haben. © Wolfgang Rudolf

Düsseldorf/Bielefeld. Im Fall der mutmaßlichen Vergewaltigungen eines Assistenzarztes im Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld kündigt sich eine überraschende Wendung an. Nach unbestätigten Informationen von nw.de sollen nun doch alle der bislang 32 identifizierten Opfer über die mutmaßlichen Vergewaltigungen informiert werden. Bislang wussten davon lediglich sieben Frauen, die von sich aus den Kontakt zur Polizei gesucht hatten. Jetzt wollen die Ermittler offenbar auch die 25 weiteren Opfer darüber in Kenntnis setzen.

Wie mehrfach berichtet, soll ein damals 32-jähriger Assistenzarzt am Klinikum Bethel mehrere Patientinnen betäubt, sich anschließend an ihnen vergangen und die Taten zum Teil gefilmt haben. Der Mann arbeitete in dem Bielefelder Krankenhaus von Februar 2018 bis Januar 2020. In diesem Zeitraum müssen sich die Taten abgespielt haben.

Eine damals 36-jährige Patientin hatte den Assistenzarzt im September 2019 als erstes angezeigt und so die monatelangen Ermittlungen der Kripo ins Rollen gebracht. Der Mann wurde am 21. September 2020 wegen mehrfacher Vergewaltigung festgenommen. Drei Tage später nahm er sich in seiner Zelle das Leben. Zu dieser Zeit hatten die Ermittler noch nicht alle Beweisvideos ausgewertet – dennoch wurde das Verfahren gegen den Mann am 25. September 2020 eingestellt.

Anfang November wurde überraschend bekannt, dass das NRW-Justizministerium den Fall „im Rahmen der Dienst- und Fachaufsicht“ geprüft und neu vergeben hat – und zwar an die Staatsanwaltschaft Duisburg. Die ermittelt nun erneut gegen die damaligen Vorgesetzten des Assistenzarztes: den Chefarzt, den Oberarzt, der die Beschwerde entgegennahm, und die Klinikleitung.

Im Zuge der neuen Ermittlungen soll sich die Ermittlungsgruppe dem Vernehmen nach mit der Frage beschäftigt haben, ob man nicht doch aktiv auf sämtliche Opfer zugehen müsse, um sie über die an ihnen begangenen Taten zu unterrichten. Das soll nun in enger Abstimmung mit der Beauftragten des Opferschutzes des Landes NRW geschehen – in möglichst schonender Form sowie unter begleitender Unterbreitung entsprechender Hilfsangebote.

Das NRW-Justizministerium verweist auf Anfrage an die Staatsanwaltschaft Duisburg, die den Fall nicht kommentieren wollte und lediglich erklärte, dass man sich im Prüfverfahren befinde. Auch andere Angaben zu den Vergewaltigungen wollte die Staatsanwaltschaft zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen.

Die Entscheidung, nun alle Opfer zu unterrichten, ist nicht unumstritten. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hatte sich damals dafür entschieden, die Opfer über die Taten nicht zu informieren, weil man eine Traumatisierung der ahnungslosen Frauen befürchtete. Das führte wiederum zu Kritik. Opferschützer sind der Meinung, dass die Staatsanwaltschaft die Frauen damit unzulässigerweise bevormunde. Therapeutinnen reagierten entsetzt, weil sich der Körper auch an Taten erinnere, wenn das Bewusstsein durch Narkose abgeschaltet wurde. Juristen kritisieren zudem, dass sich ohne Befragung der übrigen Opfer nicht ermitteln ließe, ob und wie viele weitere Hinweise es gab.

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