Löhne/Bad Oeynhausen Nach Tod eines bekannten Löhners: Polizei findet 40 Gewehre in seinem Haus Löhne/Bad Oeynhausen. Als Kirsten Nettingsmeier das Haus ihres Bruders im Poppensiek entrümpeln wollte, stieß sie auf ein gefährliches Erbe. Sie fand 40 Gewehre, Munition, Granaten und Kriegswaffenteile. Friedrich Obermeier war in Löhne und Bad Oeynhausen bekannt wie in bunter Hund. Ab 2016 schlüpfte er immer wieder in die Rolle des Colon in der Kurstadt. In Löhne wollte er für die FDP ein Ratsmandat bei den Kommunalwahlen erringen.Im August starb Obermeier überraschend im Alter von 69 Jahren. Nettingsmeier hat den Fund am Montag gemacht und umgehend die Polizei informiert. In dem leer stehenden Einfamilienhaus kam es zu einem Großeinsatz. Neben Beamten der Kreispolizeibehörde waren auch Spezialisten des Landeskriminalamts und des Technischen Hilfswerks (THW) aktiv. "Es handelt sich um alte Kriegswaffen", sagt Polizeisprecherin Simone Lah-Schnier. Weil ein Teil der Waffen noch funktionsfähig war, wurde auch ein Experte für die Entschärfung von Waffen eingesetzt. Mit Waffenfunden hat die Polizei immer wieder zu tun. "Für einen Privatmann ist das schon eine große Menge", sagt die Sprecherin. "Mein Bruder war von Jugend an historisch interessiert", sagt Kirsten Nettingsmeier. Kaiser Wilhelm II, der Erste und der Zweite Weltkrieg seien Themen gewesen, mit denen er sich intensiv beschäftigt habe. Dieses Interesse könnte auch der Ursprung für seine Waffenleidenschaft gewesen sein. "Als junger Mann wollte er ein Museum eröffnen", erinnert sich seine Schwester. Er habe sogar schon einen Namen dafür gehabt. "Es sollte preußisch-teutonisches Militaria- und Waffenmuseum heißen." Die Waffen habe er in diesem Museum zeigen wollen. Es sei viele Jahre her, dass sie mit ihrem Bruder zuletzt über den Traum vom eigenen Museum gesprochen habe. "Ich war davon ausgegangen, dass er diesen Plan nicht mehr verfolgt hat. Als ich die Waffen gefunden habe, bin ich aus allen Wolken gefallen." Sie befanden sich in einem Raum im 1. Obergeschoss des Hauses. "Da bin ich viele Jahre nicht drin gewesen. Die Pistolen lagen in einem alten Ladentresen, die Gewehre in der Nähe", sagt sie. Kirsten Nettingsmeier betont, dass ihr Bruder sicher nie im Sinn gehabt habe, mit den Waffen zu schießen. "Der war ein Sammler. Er war ja auch als Weinritter aktiv. Wir haben im Keller 500 Flaschen Weißwein gefunden. Die meisten über 30 Jahre alt und leider nicht mehr trinkbar." Nach Abschluss der Suchaktion durch die Polizei hat das Ordnungsamt der Stadt Löhne den Fall übernommen. "Mit Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW) lassen wir jeden Winkel des Hauses absuchen", sagt Ordnungsamtsleiter Paul Urban. Er geht davon aus, dass keine weiteren Waffen gefunden werden. "Aber endgültige Entwarnung können wir erst dann geben, wenn das THW fertigt ist", sagt Urban. Zu weiteren Ermittlungen wird es nicht kommen. Nach Angaben von Lah-Schnier sieht die Staatsanwaltschaft Bielefeld keinen Anfangsverdacht für eine Straftat. Das hätte möglicherweise anders ausgesehen, wenn Friedrich Obermeier noch leben würden. "Aber gegen Tote kann man bekanntlich nicht ermitteln." Was mit den Waffen geschieht, will die Polizei jetzt mit Kirsten Nettingsmeier klären. Friedrich Obermeier war in vielen Vereinen aktiv, darunter auch in drei Schützenvereinen. Günter Oelgeschläger ist 2. Vorsitzender des Schützenvereins Obernbeck, einer der Vereine, wo er Mitglied war. "Dass der Waffen gesammelt hat, war bekannt. Aber in welchem Ausmaß er das gemacht hat, hat uns schon sehr überrascht", sagt Oelgeschläger. Geschockt sei er, dass auch Munition gefunden wurde. "Das finde ich schon mehr als verwerflich. Da wird es ja richtig gefährlich", sagt er. Als Sportschütze sei er nur gelegentlich aktiv gewesen. "Er hat gelegentlich mal auf der Schießbahn trainiert." Bei Wettkämpfen sei er aber nie angetreten. "Dazu hatte er zu viele Tauben auf dem Dach." Auffällig sei sein Faible für Uniformen und Brauchtum gewesen. Diese Interessen konnte er in seiner Rolle als Colon verbinden. "Darin ist er aufgegangen", sagt Oelgeschläger. Das bestätigt auch Beate Krämer, Geschäftsführerin der Staatsbad GmbH. "Seine Auftritte waren tadellos, einwandfrei." Krämer ist erst seit Anfang des Jahres im Amt und hat Friedrich Obermeier nur einmal persönlich kennengelernt. Als sie die Nachricht hörte, musste sie erst einmal durchatmen: "Ich war ziemlich schockiert. Er hat unsere Stadt schließlich nach außen vertreten." Als Colon Sültemeyer hat Obermeier seine Heimatliebe gelebt. Er sprach nicht nur Platt, sondern konnte sich auch auf englisch, französisch, spanisch und italienisch unterhalten. Zu vermuten sei seine Waffenleidenschaft nicht gewesen. Krämer: "Ich habe ihn als kommunikative, extrovertierte Persönlichkeit kennengelernt, der ein sehr lebendiger Geschichtenerzähler war."
Löhne/Bad Oeynhausen

Nach Tod eines bekannten Löhners: Polizei findet 40 Gewehre in seinem Haus

Mehr als 40 alte Gewehre und andere Kriegswaffen wurden in dem Haus von Friedrich Obermeier gefunden. © Dirk Windmöller

Löhne/Bad Oeynhausen. Als Kirsten Nettingsmeier das Haus ihres Bruders im Poppensiek entrümpeln wollte, stieß sie auf ein gefährliches Erbe. Sie fand 40 Gewehre, Munition, Granaten und Kriegswaffenteile. Friedrich Obermeier war in Löhne und Bad Oeynhausen bekannt wie in bunter Hund. Ab 2016 schlüpfte er immer wieder in die Rolle des Colon in der Kurstadt. In Löhne wollte er für die FDP ein Ratsmandat bei den Kommunalwahlen erringen.Im August starb Obermeier überraschend im Alter von 69 Jahren.

Nettingsmeier hat den Fund am Montag gemacht und umgehend die Polizei informiert. In dem leer stehenden Einfamilienhaus kam es zu einem Großeinsatz. Neben Beamten der Kreispolizeibehörde waren auch Spezialisten des Landeskriminalamts und des Technischen Hilfswerks (THW) aktiv.

"Es handelt sich um alte Kriegswaffen", sagt Polizeisprecherin Simone Lah-Schnier. Weil ein Teil der Waffen noch funktionsfähig war, wurde auch ein Experte für die Entschärfung von Waffen eingesetzt. Mit Waffenfunden hat die Polizei immer wieder zu tun. "Für einen Privatmann ist das schon eine große Menge", sagt die Sprecherin.

Die Haustür wurde von der Polizei versiegelt und musste anschließend ebenfalls von der Polizei wieder geöffnet werden. - © Dirk Windmöller
Die Haustür wurde von der Polizei versiegelt und musste anschließend ebenfalls von der Polizei wieder geöffnet werden. - © Dirk Windmöller

"Mein Bruder war von Jugend an historisch interessiert", sagt Kirsten Nettingsmeier. Kaiser Wilhelm II, der Erste und der Zweite Weltkrieg seien Themen gewesen, mit denen er sich intensiv beschäftigt habe. Dieses Interesse könnte auch der Ursprung für seine Waffenleidenschaft gewesen sein. "Als junger Mann wollte er ein Museum eröffnen", erinnert sich seine Schwester. Er habe sogar schon einen Namen dafür gehabt. "Es sollte preußisch-teutonisches Militaria- und Waffenmuseum heißen." Die Waffen habe er in diesem Museum zeigen wollen.

Friedrich Obermeier in seiner Rolle als Colon. So trat er seit 2016 auf. - © Felix Eisele
Friedrich Obermeier in seiner Rolle als Colon. So trat er seit 2016 auf. - © Felix Eisele

Es sei viele Jahre her, dass sie mit ihrem Bruder zuletzt über den Traum vom eigenen Museum gesprochen habe. "Ich war davon ausgegangen, dass er diesen Plan nicht mehr verfolgt hat. Als ich die Waffen gefunden habe, bin ich aus allen Wolken gefallen." Sie befanden sich in einem Raum im 1. Obergeschoss des Hauses. "Da bin ich viele Jahre nicht drin gewesen. Die Pistolen lagen in einem alten Ladentresen, die Gewehre in der Nähe", sagt sie.

Kirsten Nettingsmeier betont, dass ihr Bruder sicher nie im Sinn gehabt habe, mit den Waffen zu schießen. "Der war ein Sammler. Er war ja auch als Weinritter aktiv. Wir haben im Keller 500 Flaschen Weißwein gefunden. Die meisten über 30 Jahre alt und leider nicht mehr trinkbar."

Nach Abschluss der Suchaktion durch die Polizei hat das Ordnungsamt der Stadt Löhne den Fall übernommen. "Mit Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW) lassen wir jeden Winkel des Hauses absuchen", sagt Ordnungsamtsleiter Paul Urban. Er geht davon aus, dass keine weiteren Waffen gefunden werden. "Aber endgültige Entwarnung können wir erst dann geben, wenn das THW fertigt ist", sagt Urban.

Zu weiteren Ermittlungen wird es nicht kommen. Nach Angaben von Lah-Schnier sieht die Staatsanwaltschaft Bielefeld keinen Anfangsverdacht für eine Straftat. Das hätte möglicherweise anders ausgesehen, wenn Friedrich Obermeier noch leben würden. "Aber gegen Tote kann man bekanntlich nicht ermitteln." Was mit den Waffen geschieht, will die Polizei jetzt mit Kirsten Nettingsmeier klären.

Friedrich Obermeier war in vielen Vereinen aktiv, darunter auch in drei Schützenvereinen. Günter Oelgeschläger ist 2. Vorsitzender des Schützenvereins Obernbeck, einer der Vereine, wo er Mitglied war. "Dass der Waffen gesammelt hat, war bekannt. Aber in welchem Ausmaß er das gemacht hat, hat uns schon sehr überrascht", sagt Oelgeschläger. Geschockt sei er, dass auch Munition gefunden wurde. "Das finde ich schon mehr als verwerflich. Da wird es ja richtig gefährlich", sagt er. Als Sportschütze sei er nur gelegentlich aktiv gewesen. "Er hat gelegentlich mal auf der Schießbahn trainiert." Bei Wettkämpfen sei er aber nie angetreten. "Dazu hatte er zu viele Tauben auf dem Dach."

Auffällig sei sein Faible für Uniformen und Brauchtum gewesen. Diese Interessen konnte er in seiner Rolle als Colon verbinden. "Darin ist er aufgegangen", sagt Oelgeschläger. Das bestätigt auch Beate Krämer, Geschäftsführerin der Staatsbad GmbH. "Seine Auftritte waren tadellos, einwandfrei." Krämer ist erst seit Anfang des Jahres im Amt und hat Friedrich Obermeier nur einmal persönlich kennengelernt. Als sie die Nachricht hörte, musste sie erst einmal durchatmen: "Ich war ziemlich schockiert. Er hat unsere Stadt schließlich nach außen vertreten."

Als Colon Sültemeyer hat Obermeier seine Heimatliebe gelebt. Er sprach nicht nur Platt, sondern konnte sich auch auf englisch, französisch, spanisch und italienisch unterhalten. Zu vermuten sei seine Waffenleidenschaft nicht gewesen. Krämer: "Ich habe ihn als kommunikative, extrovertierte Persönlichkeit kennengelernt, der ein sehr lebendiger Geschichtenerzähler war."

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Regionales