Nach Streit: Paralympics-Sieger und andere Athleten verlassen Verein Ulf Hanke Bad Oeynhausen. Der zweifache Paralympics-Sieger Sebastian Dietz ist aus seinem Verein „Bewegung, Sport, Gesundheit" (BSG) ausgetreten. Dietz bestätigte das am Mittwoch gegenüber der Redaktion. Mit dem zweifachen paralympischen Goldmedaillengewinner und Weltmeister kehrt offenbar die gesamte Leistungsabteilung der BSG den Rücken. Der Vereinsvorsitzende Holger Diekmann spricht von 14 Austritten und kündigt an, dass die BSG sich künftig verstärkt für „paralympischen Breitensport" engagieren wolle. Dietz, der bei den jüngsten Paralympics in Tokio eine Bronzemedaille holte, hat seinen Austritt bereits vor einigen Wochen beim Empfang des Bürgermeisters im Rathaus der Stadt Bad Oeynhausen angekündigt. Zwischen dem Kugelstoßer und dem Vereinsvorsitzenden hat es Streit über die Ausrichtung des Vereins und die Zukunft des Leistungssports gegeben. Diekmann stellte während der Paralympics in Tokio die Zukunft des paralympischen Leistungssports im Verein infrage. Dietz sprach danach von unüberbrückbaren Differenzen. Mit Dietz treten auch sein sportliches Umfeld, sein Trainer und die ehrenamtliche Stützpunktleiterin aus der BSG aus. Damit endet eine sechs Jahre währende Partnerschaft zwischen dem Paralympicssieger und dem ehemals größten Verein in der Kurstadt Bad Oeynhausen. Die BSG sollte eigentlich wesentliche Stütze für den Ausbau des Schulzentrums Süd zu einem bundesweiten Leistungsstützpunkt für den Parasport werden. Dessen Zukunft sei „nun Sache des Bürgermeisters", so Diekmann: „Der Leistungsstützpunkt hat sich komplett aus der BSG verabschiedet." Bürgermeister: "Pläne wackeln nicht" Bürgermeister Lars Bökenkröger sagte dazu auf Nachfrage: „Diese Pläne wackeln nicht." Die Stadt habe bereits drei Millionen Euro vom Bund für den Um- und Ausbau bekommen: „Das ist ein großer Erfolg." Ursprünglich waren Umbauten für rund 11,6 Millionen Euro vorgesehen. „Das waren hochtrabende Pläne", sagt der Bürgermeister und bekräftigt: „Wir wollen den paralympischen Sport weiter unterstützten." Der Ball liege jetzt jedoch im Feld von Sebastian Dietz und den Gründern eines neuen Trägervereins für den paralympischen Sport in Bad Oeynhausen. Dietz bestätigte, dass er an seinen Plänen für eine Vereinsgründung festhält. Noch sei er jedoch Mitglied der BSG, die Kündigung werde erst nach drei Monaten wirksam. "Ich bin froh, jetzt in Ruhe an dem Projekt arbeiten zu können." Er habe ein paar Tage trainingsfrei und werde mit Unterstützern die Vereinsgründung angehen. Details zum neuen Verein und seinen Aufgaben wolle er jedoch erst „in zwei bis drei Wochen" öffentlich machen. Dem Vernehmen nach stehen die Chancen gut, dass die Geldgeber dem neuen Verein die Treue halten werden. Dietz und weitere paralympische Leistungssportler waren das Aushängeschild der BSG. Sie haben Kinder und Jugendliche mit Behinderungen zum Beispiel beim „Talenttag" zur Leichtathletik animiert. Die BSG will zwar am Behindertensport festhalten. Der Austritt ist nach Ansicht des BSG-Vorsitzenden Holger Diekmann aber „kein Verlust, für mich ist es eine Befreiung". Die BSG habe in den vergangenen sechs Jahren rund 70.000 Euro in den paralympischen Leistungssport investiert. Das Geld wolle der Verein künftig für „paralympischen Breitensport" einsetzen und die Inklusion von Menschen mit Behinderungen ins Sportleben fördern, so Diekmann. Es gebe nicht nur die Paralympics, sondern auch andere Sportveranstaltungen wie die „Special Olympics. „Ich habe mich vom paralympischen Erfolg blenden lassen", sagt Diekmann. Behindertensport hänge aber nicht „an einer Goldmedaille, sondern daran, wie wir miteinander leben". Mitgliederschwund bei der BSG Die BSG hat in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Mitgliederschwund erlebt. Der Verein wurde 1958 von 16 schwer kriegsgeschädigten Männern als Behindertensportgemeinschaft gegründet und ist über die Jahrzehnte zum wichtigsten Reha-Sportverein der Kurstadt angewachsen. Zum 60. Geburtstag 2018 zählte die BSG über 2.000 Mitglieder. Derzeit sind es nach Auskunft von Diekmann noch 920. Wichtigstes Standbein des Vereins war die Wassergymnastik. Das knapper werdende Angebot von Wasserflächen für den Vereinssport in der Badestadt machte der BSG schon vor der Coronakrise zu schaffen. Mit der Schließung aller Bäder in der Coronakrise fielen zugleich auch die Wassergymnastik-Angebote der BSG weg. Diekmann setzt deshalb alles daran, im Curateum, der ehemaligen Weserklinik, mit dem Hamburger Altenheim-Betreiber Thies Boysen ein Zentrum für Wasser-Reha zu bauen und zu betreiben. Der Umbau des alten Klinikgebäudes ist ein Millionen-Projekt, für das ein Förderkredit vom Land NRW Voraussetzung ist. Nach zwei Kredit-Absagen der Sparkasse bestätigt Diekmann, dass er inzwischen eine Bank gefunden habe, die Darlehn geben wolle. Diekmann: „Jetzt liegen harte, belastbare Zahlen vor." Zum 1. Januar will die BSG bereits Trockengymnastik im Curateum anbieten. Die Wassertherapie, so der BSG-Vorsitzende, soll ab dem 1. April im Schwimmbecken im Untergeschoss beginnen.

Nach Streit: Paralympics-Sieger und andere Athleten verlassen Verein

Weltspitze: Sebastian Dietz beim Pfingstsportfest der TG Werste am Montag, 5. Juni 2017. © Egon Bieber

Bad Oeynhausen. Der zweifache Paralympics-Sieger Sebastian Dietz ist aus seinem Verein „Bewegung, Sport, Gesundheit" (BSG) ausgetreten. Dietz bestätigte das am Mittwoch gegenüber der Redaktion. Mit dem zweifachen paralympischen Goldmedaillengewinner und Weltmeister kehrt offenbar die gesamte Leistungsabteilung der BSG den Rücken. Der Vereinsvorsitzende Holger Diekmann spricht von 14 Austritten und kündigt an, dass die BSG sich künftig verstärkt für „paralympischen Breitensport" engagieren wolle.

Dietz, der bei den jüngsten Paralympics in Tokio eine Bronzemedaille holte, hat seinen Austritt bereits vor einigen Wochen beim Empfang des Bürgermeisters im Rathaus der Stadt Bad Oeynhausen angekündigt. Zwischen dem Kugelstoßer und dem Vereinsvorsitzenden hat es Streit über die Ausrichtung des Vereins und die Zukunft des Leistungssports gegeben. Diekmann stellte während der Paralympics in Tokio die Zukunft des paralympischen Leistungssports im Verein infrage. Dietz sprach danach von unüberbrückbaren Differenzen.

Mit Dietz treten auch sein sportliches Umfeld, sein Trainer und die ehrenamtliche Stützpunktleiterin aus der BSG aus. Damit endet eine sechs Jahre währende Partnerschaft zwischen dem Paralympicssieger und dem ehemals größten Verein in der Kurstadt Bad Oeynhausen. Die BSG sollte eigentlich wesentliche Stütze für den Ausbau des Schulzentrums Süd zu einem bundesweiten Leistungsstützpunkt für den Parasport werden. Dessen Zukunft sei „nun Sache des Bürgermeisters", so Diekmann: „Der Leistungsstützpunkt hat sich komplett aus der BSG verabschiedet."

Bürgermeister: "Pläne wackeln nicht"

Bürgermeister Lars Bökenkröger sagte dazu auf Nachfrage: „Diese Pläne wackeln nicht." Die Stadt habe bereits drei Millionen Euro vom Bund für den Um- und Ausbau bekommen: „Das ist ein großer Erfolg." Ursprünglich waren Umbauten für rund 11,6 Millionen Euro vorgesehen. „Das waren hochtrabende Pläne", sagt der Bürgermeister und bekräftigt: „Wir wollen den paralympischen Sport weiter unterstützten." Der Ball liege jetzt jedoch im Feld von Sebastian Dietz und den Gründern eines neuen Trägervereins für den paralympischen Sport in Bad Oeynhausen.

Dietz bestätigte, dass er an seinen Plänen für eine Vereinsgründung festhält. Noch sei er jedoch Mitglied der BSG, die Kündigung werde erst nach drei Monaten wirksam. "Ich bin froh, jetzt in Ruhe an dem Projekt arbeiten zu können." Er habe ein paar Tage trainingsfrei und werde mit Unterstützern die Vereinsgründung angehen. Details zum neuen Verein und seinen Aufgaben wolle er jedoch erst „in zwei bis drei Wochen" öffentlich machen. Dem Vernehmen nach stehen die Chancen gut, dass die Geldgeber dem neuen Verein die Treue halten werden.

Dietz und weitere paralympische Leistungssportler waren das Aushängeschild der BSG. Sie haben Kinder und Jugendliche mit Behinderungen zum Beispiel beim „Talenttag" zur Leichtathletik animiert. Die BSG will zwar am Behindertensport festhalten. Der Austritt ist nach Ansicht des BSG-Vorsitzenden Holger Diekmann aber „kein Verlust, für mich ist es eine Befreiung". Die BSG habe in den vergangenen sechs Jahren rund 70.000 Euro in den paralympischen Leistungssport investiert.

Das Geld wolle der Verein künftig für „paralympischen Breitensport" einsetzen und die Inklusion von Menschen mit Behinderungen ins Sportleben fördern, so Diekmann. Es gebe nicht nur die Paralympics, sondern auch andere Sportveranstaltungen wie die „Special Olympics. „Ich habe mich vom paralympischen Erfolg blenden lassen", sagt Diekmann. Behindertensport hänge aber nicht „an einer Goldmedaille, sondern daran, wie wir miteinander leben".

Mitgliederschwund bei der BSG

Die BSG hat in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Mitgliederschwund erlebt. Der Verein wurde 1958 von 16 schwer kriegsgeschädigten Männern als Behindertensportgemeinschaft gegründet und ist über die Jahrzehnte zum wichtigsten Reha-Sportverein der Kurstadt angewachsen. Zum 60. Geburtstag 2018 zählte die BSG über 2.000 Mitglieder. Derzeit sind es nach Auskunft von Diekmann noch 920.

Wichtigstes Standbein des Vereins war die Wassergymnastik. Das knapper werdende Angebot von Wasserflächen für den Vereinssport in der Badestadt machte der BSG schon vor der Coronakrise zu schaffen. Mit der Schließung aller Bäder in der Coronakrise fielen zugleich auch die Wassergymnastik-Angebote der BSG weg.

Diekmann setzt deshalb alles daran, im Curateum, der ehemaligen Weserklinik, mit dem Hamburger Altenheim-Betreiber Thies Boysen ein Zentrum für Wasser-Reha zu bauen und zu betreiben. Der Umbau des alten Klinikgebäudes ist ein Millionen-Projekt, für das ein Förderkredit vom Land NRW Voraussetzung ist. Nach zwei Kredit-Absagen der Sparkasse bestätigt Diekmann, dass er inzwischen eine Bank gefunden habe, die Darlehn geben wolle. Diekmann: „Jetzt liegen harte, belastbare Zahlen vor." Zum 1. Januar will die BSG bereits Trockengymnastik im Curateum anbieten. Die Wassertherapie, so der BSG-Vorsitzende, soll ab dem 1. April im Schwimmbecken im Untergeschoss beginnen.

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