Nach Schießerei: Mondo-Prozess beginnt von vorn Ulf Hanke Bad Oeynhausen. Da sind’s nur noch sechs Angeklagte: Zweieinhalb Jahre nach der wüsten Schießerei vor der Diskothek „Mondo“ am Werre-Park beginnt der Strafprozess gegen mehrere Männer einer Großfamilie aus Bad Oeynhausen und Wolfsburg nach Verfahrensfehlern von vorn. Ursprünglich waren acht Männer aus der Familie angeklagt. Die vierte große Strafkammer des Landgerichts ist neu zusammengesetzt worden und hat inzwischen das Verfahren gegen zwei Angeklagte eingestellt. Hauptangeklagter ist ein 40-jähriger Familienvater aus Bad Oeynhausen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Bielefeld ist der Mann auf Überwachungsvideos zu sehen, wie er mit einer Handfeuerwaffe auf den Eingang der Diskothek schießt. Der Mann saß anderthalb Jahre in Untersuchungshaft und kam vor einem Jahr frei. Der 40-Jährige gehört zu einer arabisch-kurdischen Großfamilie. Dem deutschen Fernsehpublikum sind Angehörige der gleichen Familie als „Bürgerwehr aus Bad Oeynhausen“ vorgestellt worden, weil sie Heiligtümer der Jesiden im Sindschargebirge und die Menschen der Region im Nordirak gerettet und gegen weitere Gräuel des Islamischen Staats mit Waffengewalt verteidigt haben. Darüber hat auch die NW berichtet. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wirft den sechs Angeklagten besonders schweren Landfriedensbruch vor. Sie sollen aus Rache auf zwei Türsteher der Diskothek „Mondo“ geschossen haben, weil ein Familienangehöriger zuvor achtkantig von der Tanzfläche geflogen war. Der verhinderte Tänzer machte offenbar seine Drohung wahr und rief seine Verwandten zu Hilfe. Der Hauptangeklagte musste sich im ersten Prozess wegen versuchten Totschlags verantworten. Dieser Vorwurf besteht weiter. Die Staatsanwaltschaft erkannte in den Schüssen auf zwei Türsteher aber auch einen Mordversuch. Der eine Türsteher wurde durch einen Durchschuss im Oberschenkel lebensgefährlich, der andere durch einen Streifschuss leicht verletzt. Videomaterial, das im Internet veröffentlicht wurde, zeigt den Angriff einer Männergruppe. Darauf ist ein regelrechtes Handgemenge auf und vor dem roten Teppich der Disko zu sehen, bei dem mehrere Schüsse fallen. Die Angreifer sind nur mit Pistole, sondern auch mit Fäusten, Füßen, einer Bierflasche, einem Teleskopschlagstock und einem Mülleimer auf die Türsteher losgegangen. Zahlreiche Einschusslöcher im Eingangsbereich der Disko zeugten noch Wochen später von der Schießerei. Die Diskothek existiert inzwischen nicht mehr. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld will zwei Männer auf dem Videomaterial als Schützen erkannt haben. Bei dem einen soll es sich um den Hauptangeklagten handeln, der andere ist offenbar seit der Nacht im September 2018 flüchtig. Er wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Bei einem Polizeieinsatz wenige Tage nach der Schießerei wurden elf Männer aus dem Umfeld der Familie vorläufig festgenommen. Im ersten Mondo-Prozess wurden bisher unveröffentlichte Video-Aufnahmen aus der Nacht aus zahlreichen Blickwinkeln gezeigt. Eine Überwachungskamera unweit der Disko hat die Gesichter einer Männergruppe gefilmt, die über den Parkplatz des Werre-Parks liefen. Erst in die eine Richtung, wenig später in die andere. Über die Zuordnung der Bilder stritten sich die Juristen tagelang. Der Mondo-Prozess platzte nach einem Jahr Verhandlung, weil das Landgericht Bielefeld Fehler bei der Berechnung von Fristen einräumte, die das Oberlandesgericht Hamm jedoch verwarf. In der Zwischenzeit hat die neu zusammengesetzte vierte große Strafkammer des Landgerichts das Verfahren gegen zwei Angeklagte nach Auskunft von Guiskard Eisenberg, Pressesprecher des Landgerichts, eingestellt. Die Vorwürfe gegen die beiden wogen nicht so schwer wie gegen die verbleibenden sechs Männer. Die Angeklagten haben zu den Vorwürfen bisher geschwiegen. Im ersten Prozess sind sie jeweils von zwei Rechtsanwälten verteidigt worden. Hinzu kamen Nebenkläger und Nebenklagevertreter. Die große Zahl der Juristen, ihre widerstrebenden Interessen und eine Flut von Verfahrensanträgen der Verteidiger haben den ersten Strafprozess erheblich verlangsamt. Nun verhandelt das Landgericht erneut im größten Saal des Gebäudes unter verschärften Sicherheitsregeln. Vor dem Saal findet eine zusätzliche Einlasskontrolle mit Ausweispflicht statt. Wegen der Coronakrise gilt Maskenpflicht und die Sitzplätze sind durch Plexiglasscheiben getrennt. Auftakt ist am Dienstag, 13. April, um 9 Uhr. Das Gericht hat bereits 94 Fortsetzungstermine bis Januar 2023 angesetzt.

Nach Schießerei: Mondo-Prozess beginnt von vorn

Der Tatort: Am 23. September 2018 schossen mehrere Männer auf den Haupteingang der Diskothek Mondo am Werre-Park. Zwei Türsteher wurden dabei verletzt. Inzwischen gibt es die Diskothek nicht mehr. Foto: Ulf Hanke © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen. Da sind’s nur noch sechs Angeklagte: Zweieinhalb Jahre nach der wüsten Schießerei vor der Diskothek „Mondo“ am Werre-Park beginnt der Strafprozess gegen mehrere Männer einer Großfamilie aus Bad Oeynhausen und Wolfsburg nach Verfahrensfehlern von vorn. Ursprünglich waren acht Männer aus der Familie angeklagt. Die vierte große Strafkammer des Landgerichts ist neu zusammengesetzt worden und hat inzwischen das Verfahren gegen zwei Angeklagte eingestellt.

Hauptangeklagter ist ein 40-jähriger Familienvater aus Bad Oeynhausen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Bielefeld ist der Mann auf Überwachungsvideos zu sehen, wie er mit einer Handfeuerwaffe auf den Eingang der Diskothek schießt. Der Mann saß anderthalb Jahre in Untersuchungshaft und kam vor einem Jahr frei.

Der 40-Jährige gehört zu einer arabisch-kurdischen Großfamilie. Dem deutschen Fernsehpublikum sind Angehörige der gleichen Familie als „Bürgerwehr aus Bad Oeynhausen“ vorgestellt worden, weil sie Heiligtümer der Jesiden im Sindschargebirge und die Menschen der Region im Nordirak gerettet und gegen weitere Gräuel des Islamischen Staats mit Waffengewalt verteidigt haben. Darüber hat auch die NW berichtet. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wirft den sechs Angeklagten besonders schweren Landfriedensbruch vor. Sie sollen aus Rache auf zwei Türsteher der Diskothek „Mondo“ geschossen haben, weil ein Familienangehöriger zuvor achtkantig von der Tanzfläche geflogen war. Der verhinderte Tänzer machte offenbar seine Drohung wahr und rief seine Verwandten zu Hilfe.

Der Hauptangeklagte musste sich im ersten Prozess wegen versuchten Totschlags verantworten. Dieser Vorwurf besteht weiter. Die Staatsanwaltschaft erkannte in den Schüssen auf zwei Türsteher aber auch einen Mordversuch. Der eine Türsteher wurde durch einen Durchschuss im Oberschenkel lebensgefährlich, der andere durch einen Streifschuss leicht verletzt.

Videomaterial, das im Internet veröffentlicht wurde, zeigt den Angriff einer Männergruppe. Darauf ist ein regelrechtes Handgemenge auf und vor dem roten Teppich der Disko zu sehen, bei dem mehrere Schüsse fallen. Die Angreifer sind nur mit Pistole, sondern auch mit Fäusten, Füßen, einer Bierflasche, einem Teleskopschlagstock und einem Mülleimer auf die Türsteher losgegangen. Zahlreiche Einschusslöcher im Eingangsbereich der Disko zeugten noch Wochen später von der Schießerei. Die Diskothek existiert inzwischen nicht mehr. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld will zwei Männer auf dem Videomaterial als Schützen erkannt haben. Bei dem einen soll es sich um den Hauptangeklagten handeln, der andere ist offenbar seit der Nacht im September 2018 flüchtig.

Er wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Bei einem Polizeieinsatz wenige Tage nach der Schießerei wurden elf Männer aus dem Umfeld der Familie vorläufig festgenommen.

Im ersten Mondo-Prozess wurden bisher unveröffentlichte Video-Aufnahmen aus der Nacht aus zahlreichen Blickwinkeln gezeigt. Eine Überwachungskamera unweit der Disko hat die Gesichter einer Männergruppe gefilmt, die über den Parkplatz des Werre-Parks liefen. Erst in die eine Richtung, wenig später in die andere. Über die Zuordnung der Bilder stritten sich die Juristen tagelang. Der Mondo-Prozess platzte nach einem Jahr Verhandlung, weil das Landgericht Bielefeld Fehler bei der Berechnung von Fristen einräumte, die das Oberlandesgericht Hamm jedoch verwarf.

In der Zwischenzeit hat die neu zusammengesetzte vierte große Strafkammer des Landgerichts das Verfahren gegen zwei Angeklagte nach Auskunft von Guiskard Eisenberg, Pressesprecher des Landgerichts, eingestellt. Die Vorwürfe gegen die beiden wogen nicht so schwer wie gegen die verbleibenden sechs Männer.

Die Angeklagten haben zu den Vorwürfen bisher geschwiegen. Im ersten Prozess sind sie jeweils von zwei Rechtsanwälten verteidigt worden. Hinzu kamen Nebenkläger und Nebenklagevertreter. Die große Zahl der Juristen, ihre widerstrebenden Interessen und eine Flut von Verfahrensanträgen der Verteidiger haben den ersten Strafprozess erheblich verlangsamt.

Nun verhandelt das Landgericht erneut im größten Saal des Gebäudes unter verschärften Sicherheitsregeln. Vor dem Saal findet eine zusätzliche Einlasskontrolle mit Ausweispflicht statt. Wegen der Coronakrise gilt Maskenpflicht und die Sitzplätze sind durch Plexiglasscheiben getrennt. Auftakt ist am Dienstag, 13. April, um 9 Uhr. Das Gericht hat bereits 94 Fortsetzungstermine bis Januar 2023 angesetzt.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Regionales