Minden-Lübbecke Nach Omikron-Infektion: Fünf Kreise, fünf Meinungen zur Quarantäne Nicole Bliesener Minden-Lübbecke. Mit einem ordentlichen Schrecken endete für Christina G., die ihren richtigen Namen nicht öffentlich nennen möchte, das Jahr 2021. Am Silvestermorgen zeigte ein routinemäßiger Selbsttest ein positives Ergebnis an. Sie hatte sich mit dem Coronavirus infiziert. Da Christina G. als Krankenschwester in einer Klinik arbeitet, wusste sie genau, was zu tun ist. Sie ließ einen PCR-Test machen, begab sich in häusliche Quarantäne und informierte ihren Arbeitgeber sowie ihre direkten Kolleginnen. Alle notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen wurden sofort in Gang gesetzt. So weit, so korrekt. Was sie dann allerdings über Quarantäneverordnungen fünf verschiedener Gesundheitsämter erfahren hat, macht sie sprachlos. "Ohne Impfung hätte das sicher anders ausgesehen" Zwölf Stunden später - also noch am Silvesterabend - erhielt sie das positive Ergebnis des PCR-Tests. Dass es sich um die Omikron-Variante handelt, erfuhr sie am Montag, 3. Januar, nach der Sequenzierung ihrer Probe. Christina G. ist Ende November zum dritten Mal geimpft worden, trotzdem hat sie sich infiziert. "Aber", sagt sie, "ich habe nur einen ganz leichten Verlauf mit minimalen Symptomen. Ohne Impfung hätte das sicher anders ausgesehen", ist sie überzeugt. Aus ihrem beruflichen Umfeld hat sich niemand angesteckt, weiß sie 13 Tage nach dem ihre eigene Infektion festgestellt wurde. Diese Tatsache führt sie auch auf das konsequente Tragen von FFP2-Masken während der Arbeitszeit und den Schutz der Impfungen zurück. "Aber meinen Mann habe ich angesteckt, auch er hat leichte Grippesymptome." Ihr Mann ist zweifach geimpft und hätte in der kommenden Woche seinen dritten Impftermin. Weil bei Christina G. nun mit dem PCR-Ergebnis die hoch ansteckende Omikron-Variante nachgewiesen wurde, mussten auch ihre Kontaktpersonen vorsorglich in Quarantäne. "Laut Testergebnis hatte ich eine sehr hohe Viruslast, war also sehr ansteckend", fügt G. hinzu. "Bei den bisherigen Virusvarianten müssen nur die unmittelbaren Kontaktpersonen in Quarantäne. Bei Omikron alle. Noch am Silvesterabend hat Christina G. ihre Corona-Infektion ordnungsgemäß beim Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke gemeldet. "Ich habe das Online-Formular ausgefüllt, musste meinen Impfpass scannen und hochladen und meine Kontaktpersonen benennen", berichtet Christina G. im Gespräch mit der NW. Minden ordnet die kürzeste Quarantäne an, Herford und Gütersloh die längste Ihre zwölf betroffenen Kolleginnen haben sich als Kontaktpersonen bei den für sie zuständigen Gesundheitsämtern gemeldet - in den Kreisen Minden-Lübbecke, Herford, Lippe und Gütersloh. "Und mein Sohn, der in Essen studiert und über Weihnachten zu Hause in Bad Oeynhausen war, hat sich an das Gesundheitsamt in Essen gewandt", sagt Christina G.. Vier Kreise und eine kreisfreie Großstadt - alle unterliegen derselben Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen - und die ermöglicht unterschiedliche Anordnungen. "Von allen kamen unterschiedliche Anordnungen", fasst Christina G. die Erfahrungen der Kontaktpersonen zusammen. Das ist nicht nur für die betroffenen Personen verwirrend, sondern auch für den Arbeitgeber. Der muss je nach Wohnort unterschiedlich lange ohne die Mitarbeitenden auskommen. Die vom 1. bis 12. Januar gültige Corona-Schutzverordnung des Landes NRW heißt es zur Quarantäne: "Über die Quarantäne von Kontaktpersonen ( . . .) entscheidet die örtliche Ordnungsbehörde in Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt. Die Dauer der Quarantäne ergibt sich aus der Anordnung dieser Behörde. Sie soll in der Regel 10 Tage betragen." Christina G. selbst hat am Dienstag, 4. Januar, den ersten Anruf von Kreisgesundheitsamt in Minden bekommen. "Eine sehr freundliche Frau hat mich zuerst gefragt, ob ich wüsste, dass ich Omikron habe. Auf mein Ja erklärte sie mir das weitere Verfahren, wie ich mich verhalten soll und dass ich bis zum 13. Januar in Quarantäne bleiben muss", so G. Und G. erhielt ein Schreiben mit der "Krankschreibung" für den Arbeitgeber. "Am Mittwoch", berichtet Christina G., "wieder ein Anruf vom Gesundheitsamt. Aber mit genau den gleichen Fragen - nur diesmal war es ein freundlicher Mann, der mich frage, ob ich wüsste, dass ich Omikron habe." Der Mann habe nicht gewusst, dass seine Kollegin bereits am Vortag angerufen hatte. Sie bekam auch ein zweites Schreiben. "Da kommen mir doch starke Zweifel an der Organisation im Gesundheitsamt", stellt Christina G. fest. Und der ironische Unterton ist im Telefongespräch deutlich zu vernehmen. Mehrere ihre Kolleginnen wohnen im Kreis Lippe und wandten sich am Sonntag, 2. Januar, an ihr Gesundheitsamt. "Die haben sich auch online dort gemeldet, bekamen sofort per Mail einen Termin für einen PCR-Test und die dürfen am 13. Januar wieder arbeiten", fasst Christina G. die Erfahrungen aus dem Lippischen zusammen. Kolleginnen, die im Kreis Minden-Lübbecke wohnen, durften ihre Quarantäne als Kontaktperson schon am 11. Januar beenden und wieder zur Arbeit gehen. Den Kollegen aus dem Kreis Herford wurde mitgeteilt, dass ein negativer Schnelltest als Nachweis ausreiche. Auch die haben sich am 2. Januar bei ihrem Gesundheitsamt gemeldet. "Die Kolleginnen dürfen erst am 14. Januar aus der Quarantäne raus und wieder arbeiten." Das Gesundheitsamt in Gütersloh habe nicht nur die Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt, sondern auch deren Kontaktpersonen. Die Gütersloher Kollegen dürfen aber ebenfalls am 14. Januar wieder arbeiten. Sohn wird für einen Test quer durchs Ruhrgebiet geschickt Noch anders fällt offensichtlich die Interpretation der NRW-Verordnung in Essen aus. "Mein Sohn konnte sich als Kontaktperson nach sieben Tagen frei testen und durfte schon am Montag, 10. Januar, wieder zur Uni", berichtet Christina G.. Aber dann: Am 11. Januar nahm das Essener Gesundheitsamt die Freitestung zurück, schickte den Sohn zurück in Quarantäne bis zum 14. Januar und ordnete einen Test für den 12. Januar an. "Den Test durfte mein Sohn aber nicht in Essen machen, sondern musste auf Anweisung des Gesundheitsamtes nach Mülheim an der Ruhr fahren", erzählt die Bad Oeynhausenerin. Die etwa 15 Kilometer von Essen nach Mülheim musste er mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Anders hätte er der Anordnung nicht Folge leisten können. Für soviel Uneinheitlichkeit in einem Bundesland fehlt Christina G. sowohl Einsicht als auch Verständnis.
Minden-Lübbecke

Nach Omikron-Infektion: Fünf Kreise, fünf Meinungen zur Quarantäne

Die von Gesundheitsämtern verordnete Quarantäne kann trotz gleiche Voraussetzungen unterschiedlich lang ausfallen. © Kreis Gütersloh

Minden-Lübbecke. Mit einem ordentlichen Schrecken endete für Christina G., die ihren richtigen Namen nicht öffentlich nennen möchte, das Jahr 2021. Am Silvestermorgen zeigte ein routinemäßiger Selbsttest ein positives Ergebnis an. Sie hatte sich mit dem Coronavirus infiziert. Da Christina G. als Krankenschwester in einer Klinik arbeitet, wusste sie genau, was zu tun ist. Sie ließ einen PCR-Test machen, begab sich in häusliche Quarantäne und informierte ihren Arbeitgeber sowie ihre direkten Kolleginnen. Alle notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen wurden sofort in Gang gesetzt. So weit, so korrekt. Was sie dann allerdings über Quarantäneverordnungen fünf verschiedener Gesundheitsämter erfahren hat, macht sie sprachlos.

"Ohne Impfung hätte das sicher anders ausgesehen"

Zwölf Stunden später - also noch am Silvesterabend - erhielt sie das positive Ergebnis des PCR-Tests. Dass es sich um die Omikron-Variante handelt, erfuhr sie am Montag, 3. Januar, nach der Sequenzierung ihrer Probe. Christina G. ist Ende November zum dritten Mal geimpft worden, trotzdem hat sie sich infiziert. "Aber", sagt sie, "ich habe nur einen ganz leichten Verlauf mit minimalen Symptomen. Ohne Impfung hätte das sicher anders ausgesehen", ist sie überzeugt. Aus ihrem beruflichen Umfeld hat sich niemand angesteckt, weiß sie 13 Tage nach dem ihre eigene Infektion festgestellt wurde. Diese Tatsache führt sie auch auf das konsequente Tragen von FFP2-Masken während der Arbeitszeit und den Schutz der Impfungen zurück. "Aber meinen Mann habe ich angesteckt, auch er hat leichte Grippesymptome." Ihr Mann ist zweifach geimpft und hätte in der kommenden Woche seinen dritten Impftermin.

Weil bei Christina G. nun mit dem PCR-Ergebnis die hoch ansteckende Omikron-Variante nachgewiesen wurde, mussten auch ihre Kontaktpersonen vorsorglich in Quarantäne. "Laut Testergebnis hatte ich eine sehr hohe Viruslast, war also sehr ansteckend", fügt G. hinzu. "Bei den bisherigen Virusvarianten müssen nur die unmittelbaren Kontaktpersonen in Quarantäne. Bei Omikron alle. Noch am Silvesterabend hat Christina G. ihre Corona-Infektion ordnungsgemäß beim Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke gemeldet. "Ich habe das Online-Formular ausgefüllt, musste meinen Impfpass scannen und hochladen und meine Kontaktpersonen benennen", berichtet Christina G. im Gespräch mit der NW.

Minden ordnet die kürzeste Quarantäne an, Herford und Gütersloh die längste

Ihre zwölf betroffenen Kolleginnen haben sich als Kontaktpersonen bei den für sie zuständigen Gesundheitsämtern gemeldet - in den Kreisen Minden-Lübbecke, Herford, Lippe und Gütersloh. "Und mein Sohn, der in Essen studiert und über Weihnachten zu Hause in Bad Oeynhausen war, hat sich an das Gesundheitsamt in Essen gewandt", sagt Christina G..

Vier Kreise und eine kreisfreie Großstadt - alle unterliegen derselben Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen - und die ermöglicht unterschiedliche Anordnungen. "Von allen kamen unterschiedliche Anordnungen", fasst Christina G. die Erfahrungen der Kontaktpersonen zusammen. Das ist nicht nur für die betroffenen Personen verwirrend, sondern auch für den Arbeitgeber. Der muss je nach Wohnort unterschiedlich lange ohne die Mitarbeitenden auskommen. Die vom 1. bis 12. Januar gültige Corona-Schutzverordnung des Landes NRW heißt es zur Quarantäne: "Über die Quarantäne von Kontaktpersonen ( . . .) entscheidet die örtliche Ordnungsbehörde in Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt. Die Dauer der Quarantäne ergibt sich aus der Anordnung dieser Behörde. Sie soll in der Regel 10 Tage betragen."

Christina G. selbst hat am Dienstag, 4. Januar, den ersten Anruf von Kreisgesundheitsamt in Minden bekommen. "Eine sehr freundliche Frau hat mich zuerst gefragt, ob ich wüsste, dass ich Omikron habe. Auf mein Ja erklärte sie mir das weitere Verfahren, wie ich mich verhalten soll und dass ich bis zum 13. Januar in Quarantäne bleiben muss", so G. Und G. erhielt ein Schreiben mit der "Krankschreibung" für den Arbeitgeber.

"Am Mittwoch", berichtet Christina G., "wieder ein Anruf vom Gesundheitsamt. Aber mit genau den gleichen Fragen - nur diesmal war es ein freundlicher Mann, der mich frage, ob ich wüsste, dass ich Omikron habe." Der Mann habe nicht gewusst, dass seine Kollegin bereits am Vortag angerufen hatte. Sie bekam auch ein zweites Schreiben. "Da kommen mir doch starke Zweifel an der Organisation im Gesundheitsamt", stellt Christina G. fest. Und der ironische Unterton ist im Telefongespräch deutlich zu vernehmen.

Mehrere ihre Kolleginnen wohnen im Kreis Lippe und wandten sich am Sonntag, 2. Januar, an ihr Gesundheitsamt. "Die haben sich auch online dort gemeldet, bekamen sofort per Mail einen Termin für einen PCR-Test und die dürfen am 13. Januar wieder arbeiten", fasst Christina G. die Erfahrungen aus dem Lippischen zusammen. Kolleginnen, die im Kreis Minden-Lübbecke wohnen, durften ihre Quarantäne als Kontaktperson schon am 11. Januar beenden und wieder zur Arbeit gehen.

Den Kollegen aus dem Kreis Herford wurde mitgeteilt, dass ein negativer Schnelltest als Nachweis ausreiche. Auch die haben sich am 2. Januar bei ihrem Gesundheitsamt gemeldet. "Die Kolleginnen dürfen erst am 14. Januar aus der Quarantäne raus und wieder arbeiten." Das Gesundheitsamt in Gütersloh habe nicht nur die Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt, sondern auch deren Kontaktpersonen. Die Gütersloher Kollegen dürfen aber ebenfalls am 14. Januar wieder arbeiten.

Sohn wird für einen Test quer durchs Ruhrgebiet geschickt

Noch anders fällt offensichtlich die Interpretation der NRW-Verordnung in Essen aus. "Mein Sohn konnte sich als Kontaktperson nach sieben Tagen frei testen und durfte schon am Montag, 10. Januar, wieder zur Uni", berichtet Christina G.. Aber dann: Am 11. Januar nahm das Essener Gesundheitsamt die Freitestung zurück, schickte den Sohn zurück in Quarantäne bis zum 14. Januar und ordnete einen Test für den 12. Januar an. "Den Test durfte mein Sohn aber nicht in Essen machen, sondern musste auf Anweisung des Gesundheitsamtes nach Mülheim an der Ruhr fahren", erzählt die Bad Oeynhausenerin. Die etwa 15 Kilometer von Essen nach Mülheim musste er mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Anders hätte er der Anordnung nicht Folge leisten können.

Für soviel Uneinheitlichkeit in einem Bundesland fehlt Christina G. sowohl Einsicht als auch Verständnis.

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