Nach 72 Jahren ist Schluss: Rintelner Traditions-Unternehmen „Eisen-Niemeyer“ in der Insolvenz Marieluise Denecke Rinteln (szlz). Traditionsunternehmen, das ist ein Begriff, der großen Stolz in sich trägt. Der aber auch mit der Bürde einhergeht, über Jahrzehnte bestanden zu haben und bestehen zu müssen. Auf „Eisen-Niemeyer“ in der Bahnhofstraße in Rinteln hat er immer gepasst. Die negativen Seiten haben den Familienbetrieb nun jedoch eingeholt: Am 18. Juni hat das Eisenwarengeschäft seine Türen für immer geschlossen, am 1. Juli ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Das teilt der Insolvenzverwalter und Rechtsanwalt Stephan Höltershinken mit. Betroffen von der Insolvenz sind nicht nur die beiden Geschäftsführer, sondern auch zuletzt zwölf Mitarbeiter. Das schmerze natürlich besonders, sagt Höltershinken, doch in diesem Fall sei das Unternehmen nicht zu retten gewesen. Der Beschluss zur Geschäftsaufgabe ist Anfang Juni gefallen, drei Monate nach Beginn des Insolvenzantragsverfahrens. Die Stammkunden hätten dem Geschäft bis zuletzt die Treue gehalten, berichtet Höltershinken, es sei eine „tolle Zusammenarbeit“ mit Geschäftsführung und Mitarbeitern gewesen. Immerhin: Drei Angestellte hätten schon eine andere Anstellung gefunden, und auch für einige andere sehe es gut aus, wenn auch vielleicht nicht für alle, „manche sind schon seit Jahrzehnten im Unternehmen“, sagt Höltershinken. Allein das zeigt, was für eine besondere Art von Geschäft Eisen-Niemeyer immer war. Im Jahr 1949 hatte Friedrich Niemeyer sein Geschäft gegründet, gehandelt wurde mit Eisen, Eisenwaren, Öfen, Herden und Haushaltwaren, später kam Sanitär und Stahlverarbeitung dazu, Gartenzäune gab es zum Beispiel, das Motto: „Alles unter einem Dach.“ Genau dieses Denken zeichnete das Geschäft bis zuletzt aus, vom Garagentor bis zur kleinsten, einzelnen Schraube gab es hier alles. Laut Unternehmensgeschichte auf der Homepage verstarb Friedrich Niemeyer 1956, woraufhin Bruder Albert und Schwiegersohn Heinz Eckert den Betrieb weiterführten, seit Anfang der siebziger Jahre war auch Gesellschafter Hansjörg Niemeyer tätig, eine Zeit mit vielen Erweiterungen und Umbauten, das Geschäft brummte. Anfang der 90er Jahre wurde Tochter Hela Eckert persönlich haftende Gesellschafterin der Firma. 1995 die nächste Erweiterung: Die Stahlabteilung zog in die Bahnhofstraße 13 gegenüber der Stahllagerhalle und dem Büro mit Ausstellungsräumen mit der Nummer 10. Als Eckert 2006 ihre Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen beendete, übernahmen Gudrun Eckert und Ingo Thoke die Geschäftsführung, beide waren seit den frühen 90ern im Betrieb tätig. Die Probleme, erklärt Insolvenzverwalter Höltershinken, hätten nach dem Tod von Heinz Eckert 2019 begonnen, als der Posten des haftenden Gesellschafters vakant geblieben sei, weil die Erben ihren Anteil ausgeschlagen hätten und der Staat als Erbe in einer sogenannten Fiskalerbschaft antrat. Dem Land Niedersachsen gehörte damit Eisen-Niemeyer. „Das ist ein großes Problem, wenn unternehmerische Entscheidungen getroffen werden müssen“, sagt Höltershinken. Damals hätte man das Ruder noch herumreißen können, sagt der Fachanwalt, man hätte investieren und auch finanzielle Risiken in Kauf nehmen müssen, hätte die EDV erneuern und auch auf Online-Handel setzen müssen – doch all dies sei kaum möglich, wenn die öffentliche Hand als Gesellschafter fungiert. Die Corona-Pandemie, in der viel mehr Menschen online einkauften, war ein zusätzliches, doch nicht das ausschlaggebende Problem, „die Verluste wurden immer größer“, sagt Höltershinken. Ihm als Insolvenzverwalter sei es wegen der veralteten Strukturen zuletzt unmöglich gewesen, eine seriöse Kalkulation aufzustellen und die Bereiche aufzuzeigen, die vielleicht noch sanierungsfähig gewesen wären. Nun gehe es darum, gute Lösungen für alle Mitarbeiter zu finden und das „riesige“ Warenbestandslager aufzulösen sowie die beiden Grundstücke in der Bahnhofstraße zu veräußern. Höltershinken zeigt sich optimistisch: Das Interesse daran sei hoch, hier könnten also bald neue Arbeitsplätze entstehen.

Nach 72 Jahren ist Schluss: Rintelner Traditions-Unternehmen „Eisen-Niemeyer“ in der Insolvenz

Mit „Eisen-Niemeyer“ schließt ein Rintelner Traditionsunternehmen, das 1949 seine Türen öffnete. Foto: Denecke © Marieluise Denecke

Rinteln (szlz). Traditionsunternehmen, das ist ein Begriff, der großen Stolz in sich trägt. Der aber auch mit der Bürde einhergeht, über Jahrzehnte bestanden zu haben und bestehen zu müssen. Auf „Eisen-Niemeyer“ in der Bahnhofstraße in Rinteln hat er immer gepasst. Die negativen Seiten haben den Familienbetrieb nun jedoch eingeholt: Am 18. Juni hat das Eisenwarengeschäft seine Türen für immer geschlossen, am 1. Juli ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Das teilt der Insolvenzverwalter und Rechtsanwalt Stephan Höltershinken mit.

Betroffen von der Insolvenz sind nicht nur die beiden Geschäftsführer, sondern auch zuletzt zwölf Mitarbeiter. Das schmerze natürlich besonders, sagt Höltershinken, doch in diesem Fall sei das Unternehmen nicht zu retten gewesen. Der Beschluss zur Geschäftsaufgabe ist Anfang Juni gefallen, drei Monate nach Beginn des Insolvenzantragsverfahrens. Die Stammkunden hätten dem Geschäft bis zuletzt die Treue gehalten, berichtet Höltershinken, es sei eine „tolle Zusammenarbeit“ mit Geschäftsführung und Mitarbeitern gewesen.

Immerhin: Drei Angestellte hätten schon eine andere Anstellung gefunden, und auch für einige andere sehe es gut aus, wenn auch vielleicht nicht für alle, „manche sind schon seit Jahrzehnten im Unternehmen“, sagt Höltershinken. Allein das zeigt, was für eine besondere Art von Geschäft Eisen-Niemeyer immer war.

Im Jahr 1949 hatte Friedrich Niemeyer sein Geschäft gegründet, gehandelt wurde mit Eisen, Eisenwaren, Öfen, Herden und Haushaltwaren, später kam Sanitär und Stahlverarbeitung dazu, Gartenzäune gab es zum Beispiel, das Motto: „Alles unter einem Dach.“ Genau dieses Denken zeichnete das Geschäft bis zuletzt aus, vom Garagentor bis zur kleinsten, einzelnen Schraube gab es hier alles. Laut Unternehmensgeschichte auf der Homepage verstarb Friedrich Niemeyer 1956, woraufhin Bruder Albert und Schwiegersohn Heinz Eckert den Betrieb weiterführten, seit Anfang der siebziger Jahre war auch Gesellschafter Hansjörg Niemeyer tätig, eine Zeit mit vielen Erweiterungen und Umbauten, das Geschäft brummte.

Anfang der 90er Jahre wurde Tochter Hela Eckert persönlich haftende Gesellschafterin der Firma. 1995 die nächste Erweiterung: Die Stahlabteilung zog in die Bahnhofstraße 13 gegenüber der Stahllagerhalle und dem Büro mit Ausstellungsräumen mit der Nummer 10. Als Eckert 2006 ihre Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen beendete, übernahmen Gudrun Eckert und Ingo Thoke die Geschäftsführung, beide waren seit den frühen 90ern im Betrieb tätig.

Die Probleme, erklärt Insolvenzverwalter Höltershinken, hätten nach dem Tod von Heinz Eckert 2019 begonnen, als der Posten des haftenden Gesellschafters vakant geblieben sei, weil die Erben ihren Anteil ausgeschlagen hätten und der Staat als Erbe in einer sogenannten Fiskalerbschaft antrat. Dem Land Niedersachsen gehörte damit Eisen-Niemeyer.

„Das ist ein großes Problem, wenn unternehmerische Entscheidungen getroffen werden müssen“, sagt Höltershinken. Damals hätte man das Ruder noch herumreißen können, sagt der Fachanwalt, man hätte investieren und auch finanzielle Risiken in Kauf nehmen müssen, hätte die EDV erneuern und auch auf Online-Handel setzen müssen – doch all dies sei kaum möglich, wenn die öffentliche Hand als Gesellschafter fungiert. Die Corona-Pandemie, in der viel mehr Menschen online einkauften, war ein zusätzliches, doch nicht das ausschlaggebende Problem, „die Verluste wurden immer größer“, sagt Höltershinken.

Ihm als Insolvenzverwalter sei es wegen der veralteten Strukturen zuletzt unmöglich gewesen, eine seriöse Kalkulation aufzustellen und die Bereiche aufzuzeigen, die vielleicht noch sanierungsfähig gewesen wären. Nun gehe es darum, gute Lösungen für alle Mitarbeiter zu finden und das „riesige“ Warenbestandslager aufzulösen sowie die beiden Grundstücke in der Bahnhofstraße zu veräußern. Höltershinken zeigt sich optimistisch: Das Interesse daran sei hoch, hier könnten also bald neue Arbeitsplätze entstehen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Regionales