Kult-Club Adiamo: Massive Gefährdung der Arbeitsplätze und keine Perspektive in Sicht Nicole Sielermann Bad Oeynhausen (nw). Christian Grote ist der Frust anzumerken. Seit elf Monaten hat seine Diskothek geschlossen. Von den einst 110 Mitarbeitern sind noch ganze sechs übrig geblieben. Und die machen Kurzarbeit. Wann die Tanzfläche im „Adiamo“ wieder voll sein wird, weiß derzeit keiner. „Mittlerweile glaube ich, dass das nicht vor 2022 passieren wird“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter, der sich vor allem eines wünscht: Perspektiven. Freitag, der 13. – für Christian Grote der Tag, an dem im vergangenen Jahr letztmalig Gäste die Tanzfläche füllten. Danach stand das Leben nahezu still in den Mauern des Kaiserpalais. „Die Situation geht an die Psyche“, gibt Grote zu. Nachrichten gibt er sich nur noch maximal einmal am Tag. „Erst 50, jetzt 35 – das ist ja wie beiden Lottozahlen“, winkt er ab. Verständnis für die Situation hat er durchaus. Für die Politik langsam nicht mehr. „Warum dürfen die Friseure öffnen?“, fragt er. „Deren Hygienekonzept sieht nicht anders aus als in der Gastronomie – Masken, Abstand, Plexiglas. Wir hier im Adiamo hätten SOGAR noch eine Top-Lüftung dazu – und arbeiten nicht direkt am Kunden.“ Statt zum Teil den Gastronomiebereich öffnen zu können, hingen sie in der Luft. 110 Mitarbeiter hatte die Diskothek im Kurpark einst. Der Großteil von ihnen Aushilfen, Honorarkräfte. „Jetzt haben wir noch sechs – und die machen Kurzarbeit“, bilanziert Christian Grote. „Viele unserer Aushilfen mussten sich andere Jobs suchen – allerdings gibt es ja kaum Möglichkeiten derzeit“, ergänzt Sohn David Grote. Nicht nur Arbeitsplätze in der Disko selbst hängen an der Schließung, auch bei den Zulieferern gibt es Probleme: „Brauereien, Getränkelieferanten, Einzelhandel – alle hängen ja in der Schließung mit drin“, so David Grote. Noch vor wenigen Tagen hoffte Christian Grote auf eine Öffnung zum 1. Oktober – ohne Masken und Personenbegrenzung. Nach der Lockdown-Verlängerung allerdings sinkt die Hoffnung: „Eher 2022“, sagt er nun. Zumindest was die Tanzfläche des Adiamos angeht. „Möglicherweise können wir im Mai unseren Gastronomiebereich und die Terrasse öffnen.“ Und dann statt des Tänzchens am Abend Pizza, Pasta und Salate für die Gäste anbieten. „Dann könnten wir endlich wieder aktiv werden – wenn es auch unterm Strich nicht wirtschaftlich ist.“ Aber, so sagt Grote, jammern bringe niemanden weiter. Die Einnahmen fehlen. Vom eigenen Einkommen ganz zu schweigen: „Ich bin geschäftsführender Gesellschafter – Kurzarbeit gibt es für mich nicht“, sagt Christian Grote. Deshalb lebt er seit nahezu einem Jahr vom Ersparten. „Meine Altersversorgung ist weg.“ Trotz der Situation hat sich Christian Grote in all den Monaten eines gegönnt: Er hat als einzige Disko der Region den Diskjockey weiter beschäftigt. „Der hat nie aufgehört, Musik zu machen.“ Immer freitags und samstags wird von 20 bis 3 Uhr live aus dem Adiamo gesendet: „Wir kooperieren mit zwei Radiosendern und binden die Hörer interaktiv mit ein.“ Das kommt an. „Allein an Silvester hatten wir 2.000 Musikwünsche.“ Für die Anrufer hat das „Adiamo“ extra eine eigene Handynummer geschaltet.

Kult-Club Adiamo: Massive Gefährdung der Arbeitsplätze und keine Perspektive in Sicht

Christian Grote (links) und sein Sohn David stehen vor dem seit elf Monaten geschlossenen Adiamo. Foto: Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen (nw). Christian Grote ist der Frust anzumerken. Seit elf Monaten hat seine Diskothek geschlossen. Von den einst 110 Mitarbeitern sind noch ganze sechs übrig geblieben. Und die machen Kurzarbeit. Wann die Tanzfläche im „Adiamo“ wieder voll sein wird, weiß derzeit keiner. „Mittlerweile glaube ich, dass das nicht vor 2022 passieren wird“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter, der sich vor allem eines wünscht: Perspektiven.

Freitag, der 13. – für Christian Grote der Tag, an dem im vergangenen Jahr letztmalig Gäste die Tanzfläche füllten. Danach stand das Leben nahezu still in den Mauern des Kaiserpalais. „Die Situation geht an die Psyche“, gibt Grote zu. Nachrichten gibt er sich nur noch maximal einmal am Tag. „Erst 50, jetzt 35 – das ist ja wie beiden Lottozahlen“, winkt er ab. Verständnis für die Situation hat er durchaus. Für die Politik langsam nicht mehr. „Warum dürfen die Friseure öffnen?“, fragt er. „Deren Hygienekonzept sieht nicht anders aus als in der Gastronomie – Masken, Abstand, Plexiglas. Wir hier im Adiamo hätten SOGAR noch eine Top-Lüftung dazu – und arbeiten nicht direkt am Kunden.“ Statt zum Teil den Gastronomiebereich öffnen zu können, hingen sie in der Luft.

110 Mitarbeiter hatte die Diskothek im Kurpark einst. Der Großteil von ihnen Aushilfen, Honorarkräfte. „Jetzt haben wir noch sechs – und die machen Kurzarbeit“, bilanziert Christian Grote. „Viele unserer Aushilfen mussten sich andere Jobs suchen – allerdings gibt es ja kaum Möglichkeiten derzeit“, ergänzt Sohn David Grote. Nicht nur Arbeitsplätze in der Disko selbst hängen an der Schließung, auch bei den Zulieferern gibt es Probleme: „Brauereien, Getränkelieferanten, Einzelhandel – alle hängen ja in der Schließung mit drin“, so David Grote.

Noch vor wenigen Tagen hoffte Christian Grote auf eine Öffnung zum 1. Oktober – ohne Masken und Personenbegrenzung. Nach der Lockdown-Verlängerung allerdings sinkt die Hoffnung: „Eher 2022“, sagt er nun. Zumindest was die Tanzfläche des Adiamos angeht. „Möglicherweise können wir im Mai unseren Gastronomiebereich und die Terrasse öffnen.“ Und dann statt des Tänzchens am Abend Pizza, Pasta und Salate für die Gäste anbieten. „Dann könnten wir endlich wieder aktiv werden – wenn es auch unterm Strich nicht wirtschaftlich ist.“ Aber, so sagt Grote, jammern bringe niemanden weiter. Die Einnahmen fehlen. Vom eigenen Einkommen ganz zu schweigen: „Ich bin geschäftsführender Gesellschafter – Kurzarbeit gibt es für mich nicht“, sagt Christian Grote. Deshalb lebt er seit nahezu einem Jahr vom Ersparten. „Meine Altersversorgung ist weg.“

Trotz der Situation hat sich Christian Grote in all den Monaten eines gegönnt: Er hat als einzige Disko der Region den Diskjockey weiter beschäftigt. „Der hat nie aufgehört, Musik zu machen.“ Immer freitags und samstags wird von 20 bis 3 Uhr live aus dem Adiamo gesendet: „Wir kooperieren mit zwei Radiosendern und binden die Hörer interaktiv mit ein.“ Das kommt an. „Allein an Silvester hatten wir 2.000 Musikwünsche.“ Für die Anrufer hat das „Adiamo“ extra eine eigene Handynummer geschaltet.

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