Mühlenkreiskliniken verzichten auf Corona-Schnelltests Jan-Henrik Gerdener Kreis Minden-Lübbecke (nw). Laut Medienberichten sind von dieser Woche an die viel diskutierten Corona-Schnelltests verkäuflich. Im Interview erklärt Franz-Josef Schmitz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin der Mühlenkreiskliniken, wie die Tests funktionieren und warum er trotzdem weiter auf die herkömmlichen Corona-Tests setzt. Wer kann die Tests verwenden? Die umgangssprachliche Bezeichnung Schnelltest lässt den ein oder anderen vielleicht hoffen, demnächst selbst schnell feststellen zu können, ob eine Corona-Infektion vorliegt. Das wird nach aktuellem Stand jedoch nicht möglich sein. „Laut Infektionsschutzgesetz muss eine Testung aktuell von einem Arzt oder unter Aufsicht eines Arztes stattfinden“, sagt Schmitz. Einerseits um sicherzustellen, dass der Test korrekt durchgeführt werde. „Außerdem hantieren Sie dann mit potenziell infektiösem Material.“ Das müsse nach standardisierten gesetzlichen Bedingungen gehandhabt und entsorgt werden. Deswegen ist Schmitz auch skeptisch, was Hoffnungen angeht, die neuen Schnelltests im großen Rahmen vor Fußballspielen oder vor dem Start von Flugreisen zu nutzen. „Nach momentanen Stand des Infektionsschutzgesetzes ist das nicht möglich“, sagt der Mediziner. „Es sei denn, es gibt dazu eine anderweitige Entscheidung der entsprechenden Gremien.“ Was unterscheidet Schnelltests von herkömmlichen Tests? „Die bisherigen Tests sind molekular genetische Tests“, erklärt Schmitz. „Sie weisen die RNA-Strukturen des Coronavirus nach.“ RNA (Ribonukleinsäure) enthält die Erbinformationen bestimmter Virentypen wie beim neuartigen Coronavirus. „Die „Schnelltests“ dagegen untersuchen nicht den Zellkern der Viren, sondern die Antigene, die sich auf d Oberfläche des Virus finden lassen.“ Was sind die Vorteile und die Nachteile der Schnelltests? „Da die neuen Tests nur die Antigene nachweisen sind sie deutlich schneller“, sagt Schmitz. „Da die Testung auf Antigene statt auf RNA deutlich weniger spezifisch ist, sind die Ergebnisse unzuverlässiger als bei den bisherigen Tests.“ Von vergleichbaren Tests aus den USA sei bekannt, dass es mit einer Rate von fünf bis zehn Prozent falsch negative Testergebnisse bei Corona-Infizierten gebe. „Zudem kann es auch einige falsch positive Ergebnisse geben“, sagt Schmitz. Für ihn überwiegen deswegen auch klar die Nachteile der Schnelltests. „Was nutzt es einer Firma, wenn sie 100 corona-positive Mitarbeiter testet und nur bei 90 von ihnen ein positives Ergebnis bekommt? Was nutzt es wenn sie 100-corona-negative Mitarbeiter testet und bei ein bis zwei gibt es positives Ergebnis?“ Daher will Schmitz die Schnelltests auch in den Mühlenkreiskliniken nicht einsetzen, sondern weiter auf die herkömmlichen Tests setzen. Auch gerade wegen der kommenden kalten Jahreszeit. „Es werden im Herbst vermehrt Patienten mit Erkältungssymptomen kommen, die auch wissen wollen, was sie haben. Nicht nur, ob sie Corona haben oder nicht“, sagt Schmitz. Die Antigentests würden aber nur letzteres untersuchen, während die RNA-Tests so in Kombination mit anderen Tests einsetzbar seien, dass sie auch eine Erkältung oder Pneumokokken nachweisen könnten. Schmitz wird in den Mühlenkreiskliniken Kombinationsteste einsetzen, die nicht nur Influenza und Corona nachweisen,sondern auch eine Vielzahl möglicher Infektionserreger, die zu Fieber oder Lungenentzündungen führen können.

Mühlenkreiskliniken verzichten auf Corona-Schnelltests

Professor Franz-Josef Schmitz Foto: pr © Nicole Sielermann

Kreis Minden-Lübbecke (nw). Laut Medienberichten sind von dieser Woche an die viel diskutierten Corona-Schnelltests verkäuflich. Im Interview erklärt Franz-Josef Schmitz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin der Mühlenkreiskliniken, wie die Tests funktionieren und warum er trotzdem weiter auf die herkömmlichen Corona-Tests setzt.

Wer kann die Tests verwenden?

Die umgangssprachliche Bezeichnung Schnelltest lässt den ein oder anderen vielleicht hoffen, demnächst selbst schnell feststellen zu können, ob eine Corona-Infektion vorliegt. Das wird nach aktuellem Stand jedoch nicht möglich sein. „Laut Infektionsschutzgesetz muss eine Testung aktuell von einem Arzt oder unter Aufsicht eines Arztes stattfinden“, sagt Schmitz. Einerseits um sicherzustellen, dass der Test korrekt durchgeführt werde. „Außerdem hantieren Sie dann mit potenziell infektiösem Material.“ Das müsse nach standardisierten gesetzlichen Bedingungen gehandhabt und entsorgt werden.

Deswegen ist Schmitz auch skeptisch, was Hoffnungen angeht, die neuen Schnelltests im großen Rahmen vor Fußballspielen oder vor dem Start von Flugreisen zu nutzen. „Nach momentanen Stand des Infektionsschutzgesetzes ist das nicht möglich“, sagt der Mediziner. „Es sei denn, es gibt dazu eine anderweitige Entscheidung der entsprechenden Gremien.“

Was unterscheidet Schnelltests von herkömmlichen Tests?

„Die bisherigen Tests sind molekular genetische Tests“, erklärt Schmitz. „Sie weisen die RNA-Strukturen des Coronavirus nach.“ RNA (Ribonukleinsäure) enthält die Erbinformationen bestimmter Virentypen wie beim neuartigen Coronavirus. „Die „Schnelltests“ dagegen untersuchen nicht den Zellkern der Viren, sondern die Antigene, die sich auf d Oberfläche des Virus finden lassen.“

Was sind die Vorteile und die Nachteile der Schnelltests?

„Da die neuen Tests nur die Antigene nachweisen sind sie deutlich schneller“, sagt Schmitz. „Da die Testung auf Antigene statt auf RNA deutlich weniger spezifisch ist, sind die Ergebnisse unzuverlässiger als bei den bisherigen Tests.“ Von vergleichbaren Tests aus den USA sei bekannt, dass es mit einer Rate von fünf bis zehn Prozent falsch negative Testergebnisse bei Corona-Infizierten gebe.

„Zudem kann es auch einige falsch positive Ergebnisse geben“, sagt Schmitz. Für ihn überwiegen deswegen auch klar die Nachteile der Schnelltests. „Was nutzt es einer Firma, wenn sie 100 corona-positive Mitarbeiter testet und nur bei 90 von ihnen ein positives Ergebnis bekommt? Was nutzt es wenn sie 100-corona-negative Mitarbeiter testet und bei ein bis zwei gibt es positives Ergebnis?“

Daher will Schmitz die Schnelltests auch in den Mühlenkreiskliniken nicht einsetzen, sondern weiter auf die herkömmlichen Tests setzen. Auch gerade wegen der kommenden kalten Jahreszeit. „Es werden im Herbst vermehrt Patienten mit Erkältungssymptomen kommen, die auch wissen wollen, was sie haben. Nicht nur, ob sie Corona haben oder nicht“, sagt Schmitz.

Die Antigentests würden aber nur letzteres untersuchen, während die RNA-Tests so in Kombination mit anderen Tests einsetzbar seien, dass sie auch eine Erkältung oder Pneumokokken nachweisen könnten. Schmitz wird in den Mühlenkreiskliniken Kombinationsteste einsetzen, die nicht nur Influenza und Corona nachweisen,sondern auch eine Vielzahl möglicher Infektionserreger, die zu Fieber oder Lungenentzündungen führen können.

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