Paderborn/Lübbecke Mordfall Frauke Liebs: Polizei äußert sich erstmals zu Vorwürfen In einer TV-Dokumentation kritisieren Familie und Freunde die Ermittlungen der Paderborner Polizei. Die schwieg zunächst, nimmt jetzt aber ausführlich Stellung. Birger Berbüsse Paderborn/Lübbecke. Wer tötete Frauke Liebs? Eine bewegende TV-Dokumentation hat den 15 Jahre alten Mordfall wieder bundesweit ins Bewusstsein gebracht und auch einigen Wirbel verursacht. Denn nach der Ausstrahlung gingen nicht nur neue Hinweise bei Polizei und Staatsanwaltschaft ein. In Erinnerung bleiben vielen Zuschauern die in der Sendung geäußerten und teils massiven Vorwürfe gegenüber der Polizei. Die äußert sich jetzt erstmals zu den Schilderungen von Fraukes Familie und Freunden. In der auf Vox ausgestrahlten Sendung wird deutlich, dass sich Ingrid Liebs lange nicht ernst genommen fühlte und fehlende Unterstützung bemängelt. So sei etwa die Vermisstenanzeige zu spät gestellt und in falsche Richtungen ermittelt worden, als Beispiel wird unter anderem Fraukes Mitbewohner genannt. Er wurde lange als Tatverdächtiger gehandelt. Das änderte sich erst nach Fraukes letztem Anruf bei ihm, denn dabei war er nicht alleine. Außerdem berichtet die in Lübbecke lebende Mutter, dass sie einmal sogar von einem Beamten angeschrien worden sei. Des Weiteren wird der Polizei vorgeworfen, dass sie es versäumt habe, alle Informationen über die Ortung der Handydaten zu beantragen. Und bei der Beerdigung von Frauke Liebs, bei der die Polizei den Täter unter den Trauergästen vermutete und deshalb verdeckt die vielen Besucher zur Identifizierung filmen wollte, wurde offenbar nur einer der zwei Eingänge kontrolliert. Teilweise waren Fraukes Angehörige mit ihrer Kritik zuvor schon in die Öffentlichkeit gegangen, einige Vorwürfe sind jedoch neu. Diese mutmaßlichen Ermittlungspannen und -fehler sind im Nachgang der TV-Ausstrahlung eines der beherrschenden Themen in den einschlägigen Foren in den sozialen Netzwerken. Beispielsweise in Facebook-Gruppen, die sich mit dem "Cold Case" beschäftigen, äußern die Nutzer harsche Kritik an der Polizei. Immer wieder wird sich dort auch darüber aufgeregt, dass die Behörde nach Angaben der Filmemacher eine Stellungnahme abgelehnt habe. Allerdings war die Polizei Paderborn in dem Fall zu keinerlei Auskünften befugt, denn die zuständige Polizeibehörde für sämtliche Presse- oder Medienauskünfte in dem Fall Frauke Liebs ist das Präsidium Bielefeld, da dieses die Ermittlungen führt. Dies wird in der Dokumentation allerdings nicht deutlich gemacht. Einblicke in die Ermittlungsarbeit Nach mehrmaliger Anfrage  haben das Polizeipräsidium Bielefeld und die Polizei Paderborn sich nun zu den Vorwürfen geäußert, wobei sie diesen widersprechen beziehungsweise ihre Sicht schildern und Einblicke in die Ermittlungsarbeit geben. "Die Kreispolizeibehörde Paderborn hat die Vermisstenmeldung vom ersten Tag an sehr ernst genommen", heißt es darin. Und weiter: "Nur aufgrund der ersten Einschätzung eines möglicherweise vorliegenden Verbrechens war es damals möglich, frühzeitig die Verbindungsdaten von Fraukes Liebs Handy erheben zu lassen und zu sichern. Diese Prozedur lief völlig im Hintergrund der öffentlich sichtbaren Aktionen." Noch am gleichen Tag habe die Polizei Paderborn die Medien informiert und ein Foto der Vermissten veröffentlicht sowie einen ersten Fahndungsflyer erstellt. Die „Lebenszeichen" durch die Anrufe der Vermissten seien von Beginn an Bestandteil der Ermittlungen gewesen und hätten keineswegs zu deren Abbruch geführt. Größere Suchmaßnahmen auf Basis der gewonnen Ergebnisse über bestimmte Örtlichkeiten seien nicht erfolgversprechend gewesen, weil beispielsweise der Erfassungsradius des Funkmasten zu groß gewesen sei, während für andere Durchsuchungen wie etwa von Gewerbegeländen die Beweislage nicht ausgereicht habe, um Gerichtsbeschlüsse erwirken zu können. "Schwieriger Teil der Polizeiarbeit" Weil es sich bei den meisten Gewaltverbrechen um Beziehungstaten handele, sei auch im Umfeld der Vermissten - wie in anderen Fällen auch - ermittelt worden. "Das ist oft ein schwieriger Teil der Polizeiarbeit, der aber geklärt sein muss", so die Polizei. Was Art und Umfang der Film- und Fotoaufnahmen bei der Beerdigung angeht, könne auf Grund der verstrichenen Zeit und der damit verbundenen Pensionierungen der ermittelnden Beamtinnen und Beamten im Detail keine Angaben mehr gemacht werden, betont die Polizei. "Die in der Dokumentation genannten Vorwürfe waren der Pressestelle des Polizeipräsidiums Bielefeld und der Kreispolizeibehörde Paderborn als Bestandteil der erneuten Berichterstattung nicht bekannt", heißt es abschließend.
Paderborn/Lübbecke

Mordfall Frauke Liebs: Polizei äußert sich erstmals zu Vorwürfen

Vor 15 Jahren wurde die Leiche von Frauke Liebs im Wald bei Lichtenau entdeckt. Die Tat ist immer noch ungeklärt. © Besim Mazhiqi

Paderborn/Lübbecke. Wer tötete Frauke Liebs? Eine bewegende TV-Dokumentation hat den 15 Jahre alten Mordfall wieder bundesweit ins Bewusstsein gebracht und auch einigen Wirbel verursacht. Denn nach der Ausstrahlung gingen nicht nur neue Hinweise bei Polizei und Staatsanwaltschaft ein. In Erinnerung bleiben vielen Zuschauern die in der Sendung geäußerten und teils massiven Vorwürfe gegenüber der Polizei. Die äußert sich jetzt erstmals zu den Schilderungen von Fraukes Familie und Freunden.

In der auf Vox ausgestrahlten Sendung wird deutlich, dass sich Ingrid Liebs lange nicht ernst genommen fühlte und fehlende Unterstützung bemängelt. So sei etwa die Vermisstenanzeige zu spät gestellt und in falsche Richtungen ermittelt worden, als Beispiel wird unter anderem Fraukes Mitbewohner genannt. Er wurde lange als Tatverdächtiger gehandelt. Das änderte sich erst nach Fraukes letztem Anruf bei ihm, denn dabei war er nicht alleine. Außerdem berichtet die in Lübbecke lebende Mutter, dass sie einmal sogar von einem Beamten angeschrien worden sei.

Des Weiteren wird der Polizei vorgeworfen, dass sie es versäumt habe, alle Informationen über die Ortung der Handydaten zu beantragen. Und bei der Beerdigung von Frauke Liebs, bei der die Polizei den Täter unter den Trauergästen vermutete und deshalb verdeckt die vielen Besucher zur Identifizierung filmen wollte, wurde offenbar nur einer der zwei Eingänge kontrolliert. Teilweise waren Fraukes Angehörige mit ihrer Kritik zuvor schon in die Öffentlichkeit gegangen, einige Vorwürfe sind jedoch neu.


Diese mutmaßlichen Ermittlungspannen und -fehler sind im Nachgang der TV-Ausstrahlung eines der beherrschenden Themen in den einschlägigen Foren in den sozialen Netzwerken. Beispielsweise in Facebook-Gruppen, die sich mit dem "Cold Case" beschäftigen, äußern die Nutzer harsche Kritik an der Polizei. Immer wieder wird sich dort auch darüber aufgeregt, dass die Behörde nach Angaben der Filmemacher eine Stellungnahme abgelehnt habe.

Allerdings war die Polizei Paderborn in dem Fall zu keinerlei Auskünften befugt, denn die zuständige Polizeibehörde für sämtliche Presse- oder Medienauskünfte in dem Fall Frauke Liebs ist das Präsidium Bielefeld, da dieses die Ermittlungen führt. Dies wird in der Dokumentation allerdings nicht deutlich gemacht.

Einblicke in die Ermittlungsarbeit

Nach mehrmaliger Anfrage  haben das Polizeipräsidium Bielefeld und die Polizei Paderborn sich nun zu den Vorwürfen geäußert, wobei sie diesen widersprechen beziehungsweise ihre Sicht schildern und Einblicke in die Ermittlungsarbeit geben.

Die Kreispolizeibehörde in Paderborn steht in der Kritik. - © Archivfoto: Mareike Gröneweg
Die Kreispolizeibehörde in Paderborn steht in der Kritik. - © Archivfoto: Mareike Gröneweg

"Die Kreispolizeibehörde Paderborn hat die Vermisstenmeldung vom ersten Tag an sehr ernst genommen", heißt es darin. Und weiter: "Nur aufgrund der ersten Einschätzung eines möglicherweise vorliegenden Verbrechens war es damals möglich, frühzeitig die Verbindungsdaten von Fraukes Liebs Handy erheben zu lassen und zu sichern. Diese Prozedur lief völlig im Hintergrund der öffentlich sichtbaren Aktionen." Noch am gleichen Tag habe die Polizei Paderborn die Medien informiert und ein Foto der Vermissten veröffentlicht sowie einen ersten Fahndungsflyer erstellt. Die „Lebenszeichen" durch die Anrufe der Vermissten seien von Beginn an Bestandteil der Ermittlungen gewesen und hätten keineswegs zu deren Abbruch geführt.

Größere Suchmaßnahmen auf Basis der gewonnen Ergebnisse über bestimmte Örtlichkeiten seien nicht erfolgversprechend gewesen, weil beispielsweise der Erfassungsradius des Funkmasten zu groß gewesen sei, während für andere Durchsuchungen wie etwa von Gewerbegeländen die Beweislage nicht ausgereicht habe, um Gerichtsbeschlüsse erwirken zu können.

"Schwieriger Teil der Polizeiarbeit"

Weil es sich bei den meisten Gewaltverbrechen um Beziehungstaten handele, sei auch im Umfeld der Vermissten - wie in anderen Fällen auch - ermittelt worden. "Das ist oft ein schwieriger Teil der Polizeiarbeit, der aber geklärt sein muss", so die Polizei.

Was Art und Umfang der Film- und Fotoaufnahmen bei der Beerdigung angeht, könne auf Grund der verstrichenen Zeit und der damit verbundenen Pensionierungen der ermittelnden Beamtinnen und Beamten im Detail keine Angaben mehr gemacht werden, betont die Polizei.

"Die in der Dokumentation genannten Vorwürfe waren der Pressestelle des Polizeipräsidiums Bielefeld und der Kreispolizeibehörde Paderborn als Bestandteil der erneuten Berichterstattung nicht bekannt", heißt es abschließend.

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