Missbrauchsfall von Münster: Hinweise auf mögliche weitere Opfer Münster (dpa/epd). Im Missbrauchsfall Münster sind zwei weitere mögliche Opfer bekannt geworden. Zwei Väter hätten Anzeigen erstattet, dass ihre Söhne von in dem Fall bereits Beschuldigten unsittlich berührt worden seien, berichtete ein Sprecher der Polizei Münster am Dienstagmorgen. Die Anzeigen richteten sich nicht gegen den 27 Jahre alten Hauptverdächtigen aus Münster. Die Kinder seien im gleichen Altersrahmen wie die bisher bekannten drei Opfer - also zwischen fünf und zwölf Jahren. Weitere Einzelheiten nannte der Sprecher zunächst nicht. Bislang gab es in dem am Wochenende öffentlich gewordenen Fall Festnahmen von elf Tatverdächtigen aus mehreren Bundesländern, sieben sind in Untersuchungshaft. Sie sollen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und die Taten gefilmt haben. Zuvor hatte RTL über weitere mögliche Opfer berichtet. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung fordert eine großangelegte Kampagne gegen Kindesmissbrauch. Die Bevölkerung müsse viel stärker sensibilisiert und aufgeklärt werden, forderte Johannes-Wilhelm Rörig am Dienstag im WDR5-Morgenecho. Die Anti-Aids-Kampagne in den 80er-Jahren habe etwa gezeigt, wie über tabuisierte Themen aufgeklärt werden könne. Die vergangene Woche bekanntgeworden Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern in Münster markierten eine neue Qualität der kriminellen Energie. Dieser Weckruf müsse endlich gehört werden. Missbrauchstäter seien oft „Großmeister der Täuschung", sagte Rörig. Die gequälten Kinder würden von den Tätern unter Schweigedruck gesetzt, indem sie mit Gewalt und anderen Übeln bedroht würden. Dennoch sei es kaum vorstellbar, dass die Kinder keine Signale ausgesendet hätten. Deshalb bräuchten alle Schulen Schutzkonzepte. Lehrerinnen und Lehrer müssten „vertrauensvolle und aufmerksame Ansprechpersonen" sein können und auch Handlungskompetenzen bekommen. Die Bildungsministerien müssten die Schulen dabei unterstützten und Schulgesetzte entsprechend ändern. Bisher habe sich an dieser Stelle „sehr, sehr wenig bewegt", kritisierte Rörig. „Das ist sehr bedauerlich."Das Ausmaß von Kindesmissbrauch sei riesig, sagte der Missbrauchsbeauftragte. In Deutschland gebe es 25.000 Strafverfahren wegen Kinderpornografie und sexuellem Kindesmissbrauch. „Und das sind ja nur die angezeigten Fälle." Jeder in Deutschland müsse lernen, wann sexuelle Gewalt beginnt, was bei einem Verdacht zu tun ist und welche schweren Folgen sexueller Missbrauch hat, welche Hilfs- und Schutzangebote es gibt. Rörig sprach sich zudem dafür aus, den Besitz und die Herstellung von Kinderpornografie genauso hart zu bestrafen, wie sexuellen Missbrauch selbst.

Missbrauchsfall von Münster: Hinweise auf mögliche weitere Opfer

In einer Gartenlaube in Münster sollen Ende April vier Männer zwei Jungen missbraucht haben. © picture alliance/Kirchner

Münster (dpa/epd). Im Missbrauchsfall Münster sind zwei weitere mögliche Opfer bekannt geworden. Zwei Väter hätten Anzeigen erstattet, dass ihre Söhne von in dem Fall bereits Beschuldigten unsittlich berührt worden seien, berichtete ein Sprecher der Polizei Münster am Dienstagmorgen. Die Anzeigen richteten sich nicht gegen den 27 Jahre alten Hauptverdächtigen aus Münster.

Die Kinder seien im gleichen Altersrahmen wie die bisher bekannten drei Opfer - also zwischen fünf und zwölf Jahren. Weitere Einzelheiten nannte der Sprecher zunächst nicht. Bislang gab es in dem am Wochenende öffentlich gewordenen Fall Festnahmen von elf Tatverdächtigen aus mehreren Bundesländern, sieben sind in Untersuchungshaft. Sie sollen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und die Taten gefilmt haben. Zuvor hatte RTL über weitere mögliche Opfer berichtet.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung fordert eine großangelegte Kampagne gegen Kindesmissbrauch. Die Bevölkerung müsse viel stärker sensibilisiert und aufgeklärt werden, forderte Johannes-Wilhelm Rörig am Dienstag im WDR5-Morgenecho. Die Anti-Aids-Kampagne in den 80er-Jahren habe etwa gezeigt, wie über tabuisierte Themen aufgeklärt werden könne. Die vergangene Woche bekanntgeworden Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern in Münster markierten eine neue Qualität der kriminellen Energie. Dieser Weckruf müsse endlich gehört werden.

Missbrauchstäter seien oft „Großmeister der Täuschung", sagte Rörig. Die gequälten Kinder würden von den Tätern unter Schweigedruck gesetzt, indem sie mit Gewalt und anderen Übeln bedroht würden. Dennoch sei es kaum vorstellbar, dass die Kinder keine Signale ausgesendet hätten. Deshalb bräuchten alle Schulen Schutzkonzepte. Lehrerinnen und Lehrer müssten „vertrauensvolle und aufmerksame Ansprechpersonen" sein können und auch Handlungskompetenzen bekommen.

Die Bildungsministerien müssten die Schulen dabei unterstützten und Schulgesetzte entsprechend ändern. Bisher habe sich an dieser Stelle „sehr, sehr wenig bewegt", kritisierte Rörig. „Das ist sehr bedauerlich."Das Ausmaß von Kindesmissbrauch sei riesig, sagte der Missbrauchsbeauftragte. In Deutschland gebe es 25.000 Strafverfahren wegen Kinderpornografie und sexuellem Kindesmissbrauch. „Und das sind ja nur die angezeigten Fälle."

Jeder in Deutschland müsse lernen, wann sexuelle Gewalt beginnt, was bei einem Verdacht zu tun ist und welche schweren Folgen sexueller Missbrauch hat, welche Hilfs- und Schutzangebote es gibt. Rörig sprach sich zudem dafür aus, den Besitz und die Herstellung von Kinderpornografie genauso hart zu bestrafen, wie sexuellen Missbrauch selbst.

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