Ministerin lädt eine bereits vor elf Jahren vestorbene Bückeburgerin zur Corona-Impfe ein Leonhard Behmann Bückeburg (szlz). Als Udo Grimm den Brief an seine Mutter öffnete, rieb er sich verwundert die Augen. In dem Schreiben fordert Gesundheitsministerin Carola Reimann Emilie Grimm auf, einen Termin für die Corona-Impfung zu vereinbaren. Dabei ist die Bückeburgerin schon seit mehr als 11 Jahren verstorben – im Alter von 83 Jahren. „Wenn man sowas liest, kommt einem natürlich sofort wieder alles hoch. Zum Glück bin ich über den Tod meiner Mutter schon hinweg, sonst hätte mich das sicher noch mehr mitgenommen“, sagt Udo Grimm. Für jemanden, der sich noch in der Trauerverarbeitung befinden würde, sei so ein Schreiben schlimm, meint der Bückeburger. Für Grimm ist es unerklärlich, wie so ein Fehler passieren kann. „Mit was für einer Uralt-Datenbank wird denn da gearbeitet?“, fragt Grimm. Wenn das Ministerium Menschen anschreiben würde, die erst seit wenigen Wochen Tod seien, könne er das noch nachvollziehen. „Aber meine Mutter ist schon seit 2009 tot – das war ja nicht vorgestern“, sagt Grimm. Bei vielen Versicherungen und Telefonanbietern habe er seine Mutter nach dem Tod abmelden müssen. Die Panne wirft bei dem Bückeburger Fragen auf: „Wer weiß, wie viele noch lebende Menschen keine Post vom Ministerium bekommen haben?“ Auf Nachfrage entschuldigt sich das Gesundheitsministerium. Man sei sich im Klaren darüber, dass sich Angehörige durch so ein Schreiben verletzt fühlten. „Wir bedauern sehr, dass das Informationsschreiben zum Start der Terminvergabe für die Covid-Impfung in einigen Fällen auch an bereits verstorbene Personen in Niedersachsen versandt wurde“, sagt Manfred Böhling, Sprecher des Ministeriums. Insgesamt hatte das Ministerium etwa 210.000 Haushalte auf Grundlage der Adressdatenbank der Deutsche Post Direkt GmbH in ganz Niedersachsen angeschrieben. „Bei einem derart großen Kreis von Adressatinnen und Adressaten bleiben solche Fehler leider nicht aus, auch wenn wir uns das anders gewünscht hätten“, meint Böhling. Erst vor kurzem war bekannt geworden, dass die Datenbank des privaten Versanddienstleisters nicht vollständig seien soll. Aus diesem Grund seien einige Impfberechtigte auch gar nicht angeschrieben worden, räumt Böhling ein. Das Ministerium plant deshalb ein Musterschreiben an die Kommunen zu verschicken, so dass diese lokal alle dort gemeldeten 80-Jährigen über eigene Anschreiben zur Impfung über lokale Angebote wie beispielsweise Fahrdienste zu den Impfzentren für nicht mobile Impfberechtigte informieren können. Die Kommunen würden dafür auf Daten aus ihren Melderegistern zurückgreifen, heißt es vom Gesundheitsministerium. Udo Grimm verwundert es, dass ein privater Versanddienstleister beauftragt worden ist und dieser über private Daten – wie etwa das Alter – verfügt. „Datenschutz ist immer ein großes Thema und dann sowas“, sagt er. Er fragt sich, wo die Post all diese Daten her hat. Im Ministerium hat man darauf auch keine Antwort. Für Grimm ist es unverständlich, warum das Land nicht einfach das Melderegister benutzt hat. „Dann weiß man auch, wer schon längst verstorben ist“, sagt er. Doch das würde aus Datenschutzgründen nicht gehen, erklärt Böhling. „Die Nutzung des sogenannten Melderegisterdatenspiegels, in dem die Meldedaten aus den Melderegistern der 409 niedersächsischen Kommunen landesseitig gespiegelt und gespeichert werden, ist nach dem Niedersächsischen Ausführungsgesetz zum Bundesmeldegesetz durch einen privaten Versanddienstleister nicht zulässig“, erklärt der Ministeriumssprecher auf Nachfrage. Das Land sei bei einer Aussendung in dieser Größenordnung auf die Unterstützung eines Dienstleisters angewiesen. Die Daten aus dem Register der Deutschen Post Direkt GmbH seien hingegen unabhängig von den Melderegistern und vom Unternehmen selbst nach den Erfordernissen der DSGVO erhoben, teilt der Sprecher mit.

Ministerin lädt eine bereits vor elf Jahren vestorbene Bückeburgerin zur Corona-Impfe ein

Udo Grimm traute seinen Augen nicht, als er den Brief vom Gesundheitsministerium las. Foto: Leonhard Behmann © leonhard behmann

Bückeburg (szlz). Als Udo Grimm den Brief an seine Mutter öffnete, rieb er sich verwundert die Augen. In dem Schreiben fordert Gesundheitsministerin Carola Reimann Emilie Grimm auf, einen Termin für die Corona-Impfung zu vereinbaren. Dabei ist die Bückeburgerin schon seit mehr als 11 Jahren verstorben – im Alter von 83 Jahren.

„Wenn man sowas liest, kommt einem natürlich sofort wieder alles hoch. Zum Glück bin ich über den Tod meiner Mutter schon hinweg, sonst hätte mich das sicher noch mehr mitgenommen“, sagt Udo Grimm. Für jemanden, der sich noch in der Trauerverarbeitung befinden würde, sei so ein Schreiben schlimm, meint der Bückeburger. Für Grimm ist es unerklärlich, wie so ein Fehler passieren kann. „Mit was für einer Uralt-Datenbank wird denn da gearbeitet?“, fragt Grimm. Wenn das Ministerium Menschen anschreiben würde, die erst seit wenigen Wochen Tod seien, könne er das noch nachvollziehen. „Aber meine Mutter ist schon seit 2009 tot – das war ja nicht vorgestern“, sagt Grimm.

Bei vielen Versicherungen und Telefonanbietern habe er seine Mutter nach dem Tod abmelden müssen. Die Panne wirft bei dem Bückeburger Fragen auf: „Wer weiß, wie viele noch lebende Menschen keine Post vom Ministerium bekommen haben?“

Auf Nachfrage entschuldigt sich das Gesundheitsministerium. Man sei sich im Klaren darüber, dass sich Angehörige durch so ein Schreiben verletzt fühlten. „Wir bedauern sehr, dass das Informationsschreiben zum Start der Terminvergabe für die Covid-Impfung in einigen Fällen auch an bereits verstorbene Personen in Niedersachsen versandt wurde“, sagt Manfred Böhling, Sprecher des Ministeriums. Insgesamt hatte das Ministerium etwa 210.000 Haushalte auf Grundlage der Adressdatenbank der Deutsche Post Direkt GmbH in ganz Niedersachsen angeschrieben. „Bei einem derart großen Kreis von Adressatinnen und Adressaten bleiben solche Fehler leider nicht aus, auch wenn wir uns das anders gewünscht hätten“, meint Böhling.

Erst vor kurzem war bekannt geworden, dass die Datenbank des privaten Versanddienstleisters nicht vollständig seien soll. Aus diesem Grund seien einige Impfberechtigte auch gar nicht angeschrieben worden, räumt Böhling ein. Das Ministerium plant deshalb ein Musterschreiben an die Kommunen zu verschicken, so dass diese lokal alle dort gemeldeten 80-Jährigen über eigene Anschreiben zur Impfung über lokale Angebote wie beispielsweise Fahrdienste zu den Impfzentren für nicht mobile Impfberechtigte informieren können. Die Kommunen würden dafür auf Daten aus ihren Melderegistern zurückgreifen, heißt es vom Gesundheitsministerium.

Udo Grimm verwundert es, dass ein privater Versanddienstleister beauftragt worden ist und dieser über private Daten – wie etwa das Alter – verfügt. „Datenschutz ist immer ein großes Thema und dann sowas“, sagt er. Er fragt sich, wo die Post all diese Daten her hat. Im Ministerium hat man darauf auch keine Antwort. Für Grimm ist es unverständlich, warum das Land nicht einfach das Melderegister benutzt hat. „Dann weiß man auch, wer schon längst verstorben ist“, sagt er. Doch das würde aus Datenschutzgründen nicht gehen, erklärt Böhling.

„Die Nutzung des sogenannten Melderegisterdatenspiegels, in dem die Meldedaten aus den Melderegistern der 409 niedersächsischen Kommunen landesseitig gespiegelt und gespeichert werden, ist nach dem Niedersächsischen Ausführungsgesetz zum Bundesmeldegesetz durch einen privaten Versanddienstleister nicht zulässig“, erklärt der Ministeriumssprecher auf Nachfrage. Das Land sei bei einer Aussendung in dieser Größenordnung auf die Unterstützung eines Dienstleisters angewiesen. Die Daten aus dem Register der Deutschen Post Direkt GmbH seien hingegen unabhängig von den Melderegistern und vom Unternehmen selbst nach den Erfordernissen der DSGVO erhoben, teilt der Sprecher mit.

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