Millionenschwere Förderung: So will NRW jetzt die heimischen Wälder retten Düsseldorf/Bielefeld. Drei von vier Bäumen in OWL sind krank. Der Zustand des Waldes hat sich in diesem Jahr noch einmal verschlechtert. Deshalb geht das Land NRW jetzt in die Offensive. Ein neues Konzept soll helfen, den Wald wieder aufzubauen. Dafür machen Bund und Land viel Geld locker. Was bedeutet das für unsere Region? Das Ziel: Mischwälder aus mindestens vier Baumarten sollen künftig auf den Flächen entstehen, die zuletzt erheblichen Schaden genommen haben - durch Dürre, Stürme und Borkenkäfer-Plagen. Diese Flächen machen allein in NRW ein Gebiet von 68.000 Hektar aus. Das sind 7,3 Prozent der gesamten Waldfläche im Bundesland. Waldbesitzer sollen bei der Aufforstung vor allem auf heimische Arten setzen - wie zum Beispiel Eiche, Spitzahorn, Traubeneiche, Buche und Kirsche. "Natur ist bunt und vielfältig. So müssen auch unsere Wälder sein", sagte NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser am Freitag im Düsseldorfer Landtag während der Vorstellung des Waldzustandsberichts. Waldbesitzer, die sich an dieses Konzept halten, erhalten Fördergelder. Bund und Land haben in diesem Jahr zusätzliche Mittel in Höhe von 57 Millionen Euro bereitgestellt. Zudem stellt der Bund weitere 500 Millionen Euro bereit. Geld gibt's für die Waldbesitzer aber nur, wenn sie sich an bestimmte Bedingungen halten. "Wir wollen nicht mehr nur auf eine Baumart setzen", so Heinen-Esser. "Wir fordern und fördern die Entwicklung von vielfältigen und klimastabilen Mischwäldern." "Gut beraten, uns breit zu streuen" Aus OWL gibt es ein erstes positives Echo. Holger-Karsten Raguse ist Leiter des Regionalforstamts Ostwestfalen-Lippe. Er hält den Ansatz, auf mehrere Baumarten zu setzen, für richtig. "Wir wären gut beraten, uns bei der Aufforstung breit zu streuen", so Raguse. Die Idee dahinter: Wenn eine Baumart durch äußere Einflüsse Schäden erleidet, gibt es noch immer drei, vier weitere Arten, die stabiler sind. Waldbesitzer stünden mittlerweile gute digitale Möglichkeiten zur Verfügung, anhand derer sie sich gut über die Wiederaufforstung informieren könnten, so Raguse. Denn die Frage, wie viele und welche Baumarten sich wo genau anbieten, sei von Standort zu Standort verschieden. Das hänge unter anderem mit den einzelnen Wasser- und Nährstoffverhältnissen zusammen. Die Wiederbewaldung solle zunächst über natürliche Verjüngung erfolgen und dann gruppenweise um gezielte Pflanzungen ergänzt werden. Handlungsbedarf gibt es allemal. Dem Wald geht es weiterhin schlecht; sein Zustand sei "besorgniserregend", so Ministerin Heinen-Esser. Das zeige sich vor allem an der Kronenverlichtung der Bäume. Davon ist fast jeder zweite Baum betroffen. Heißt: Jeder zweite Baum ist masiv krank - der schlechteste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Großflächige Schäden seien vor allem bei der Fichte zu beobachten. In OWL bereite auch die Buche Sorgen, so Raguse. Der Forstwirt betont, vor welch "enormer Herausforderung" die Waldwirtschaft aktuell stehe. Das jetzt veröffentlichte Konzept des Landes sei daher ein erster Schritt in die richtige Richtung. Naturschützer üben Kritik Die Volksinitiative Artenvielfalt wirft der Landesregierung hingegen politisches Versagen vor. Die Naturschutzverbände fordern, dass das Land NRW in den eigenen StaatswäldernVorreiter für eine natürliche Waldentwicklung werden müsse. Der Waldbau müsse stärker auf Naturverjüngung statt flächiger Aufforstung setzen. Nur im Bedarfsfall sollten Anpflanzungenstandortheimischer Arten und Sorten erfolgen, so die Forderung der Naturschutzverbände.

Millionenschwere Förderung: So will NRW jetzt die heimischen Wälder retten

Der Wald ist teils stark geschädigt - auch in OWL. © Andreas Frücht

Düsseldorf/Bielefeld. Drei von vier Bäumen in OWL sind krank. Der Zustand des Waldes hat sich in diesem Jahr noch einmal verschlechtert. Deshalb geht das Land NRW jetzt in die Offensive. Ein neues Konzept soll helfen, den Wald wieder aufzubauen. Dafür machen Bund und Land viel Geld locker. Was bedeutet das für unsere Region?

Das Ziel: Mischwälder aus mindestens vier Baumarten sollen künftig auf den Flächen entstehen, die zuletzt erheblichen Schaden genommen haben - durch Dürre, Stürme und Borkenkäfer-Plagen. Diese Flächen machen allein in NRW ein Gebiet von 68.000 Hektar aus. Das sind 7,3 Prozent der gesamten Waldfläche im Bundesland.

Waldbesitzer sollen bei der Aufforstung vor allem auf heimische Arten setzen - wie zum Beispiel Eiche, Spitzahorn, Traubeneiche, Buche und Kirsche. "Natur ist bunt und vielfältig. So müssen auch unsere Wälder sein", sagte NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser am Freitag im Düsseldorfer Landtag während der Vorstellung des Waldzustandsberichts. Waldbesitzer, die sich an dieses Konzept halten, erhalten Fördergelder. Bund und Land haben in diesem Jahr zusätzliche Mittel in Höhe von 57 Millionen Euro bereitgestellt. Zudem stellt der Bund weitere 500 Millionen Euro bereit. Geld gibt's für die Waldbesitzer aber nur, wenn sie sich an bestimmte Bedingungen halten. "Wir wollen nicht mehr nur auf eine Baumart setzen", so Heinen-Esser. "Wir fordern und fördern die Entwicklung von vielfältigen und klimastabilen Mischwäldern."

"Gut beraten, uns breit zu streuen"

Aus OWL gibt es ein erstes positives Echo. Holger-Karsten Raguse ist Leiter des Regionalforstamts Ostwestfalen-Lippe. Er hält den Ansatz, auf mehrere Baumarten zu setzen, für richtig. "Wir wären gut beraten, uns bei der Aufforstung breit zu streuen", so Raguse. Die Idee dahinter: Wenn eine Baumart durch äußere Einflüsse Schäden erleidet, gibt es noch immer drei, vier weitere Arten, die stabiler sind. Waldbesitzer stünden mittlerweile gute digitale Möglichkeiten zur Verfügung, anhand derer sie sich gut über die Wiederaufforstung informieren könnten, so Raguse. Denn die Frage, wie viele und welche Baumarten sich wo genau anbieten, sei von Standort zu Standort verschieden. Das hänge unter anderem mit den einzelnen Wasser- und Nährstoffverhältnissen zusammen. Die Wiederbewaldung solle zunächst über natürliche Verjüngung erfolgen und dann gruppenweise um gezielte Pflanzungen ergänzt werden.

Handlungsbedarf gibt es allemal. Dem Wald geht es weiterhin schlecht; sein Zustand sei "besorgniserregend", so Ministerin Heinen-Esser. Das zeige sich vor allem an der Kronenverlichtung der Bäume. Davon ist fast jeder zweite Baum betroffen. Heißt: Jeder zweite Baum ist masiv krank - der schlechteste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Großflächige Schäden seien vor allem bei der Fichte zu beobachten. In OWL bereite auch die Buche Sorgen, so Raguse. Der Forstwirt betont, vor welch "enormer Herausforderung" die Waldwirtschaft aktuell stehe. Das jetzt veröffentlichte Konzept des Landes sei daher ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Naturschützer üben Kritik

Die Volksinitiative Artenvielfalt wirft der Landesregierung hingegen politisches Versagen vor. Die Naturschutzverbände fordern, dass das Land NRW in den eigenen StaatswäldernVorreiter für eine natürliche Waldentwicklung werden müsse. Der Waldbau müsse stärker auf Naturverjüngung statt flächiger Aufforstung setzen. Nur im Bedarfsfall sollten Anpflanzungenstandortheimischer Arten und Sorten erfolgen, so die Forderung der Naturschutzverbände.

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