Messerstecherei entpuppt sich vor Amtsgericht Rahden als Spaß Karsten Schulz Rahden/Espelkamp. Nicht jede Verhandlung vor dem Rahdener Amtsgericht muss auch zu einem Urteil führen. Manchmal gelingt es dem Gericht, streitende Parteien zu einer gütlichen Beilegung ihres Konfliktes zu bewegen. Genau damit hatten Richterin Mothes und die Staatsanwältin bei einer Verhandlung kürzlich Erfolg. Zu verantworten hatte sich ein junger Mann, der nach eigenen Angaben aus Algerien nach Deutschland geflüchtet war und sich jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten musste. Der Vorfall ereignete sich in der Espelkamper Innenstadt vor fast genau einem Jahr. Die von mindestens fünf Zeugen beobachtete mutmaßliche Auseinandersetzung entwickelte sich vor einem Café im westlichen Teil des Grünangers. Dabei gerieten zwei junge Männer, der Beschuldigte und ein weiterer in eine Streiterei. Der Vorfall war von fünf Personen beobachtet worden, die alle vom Gericht als Zeugen geladen waren. Eigentlich seien sie doch Freunde, er und sein Streitgegner, beteuerte der Angeklagte immer wieder, schließlich wohnten sie ja auch in einer gemeinsamen Wohnung. Zwischen ihnen habe es nur „einen kleinen Spaß" gegeben. Er habe bemerkt, dass sein Freund an diesem Tag „nicht so ganz gut drauf gewesen" sei. Er habe ihm deshalb ein Handy gegeben, auf dem die Telefonnummer einer jungen Frau gespeichert war. Die sollte er anrufen, „so dass sie ihn ein wenig trösten kann". Doch kamen diese Äußerungen beim Gegenüber wohl nicht ganz so gut an, wie der junge Algerier der Richterin versuchte zu erklären. Die Reaktion folgte auf dem Fuße. Das Handy wurde ihm aus der Hand geschlagen. Ob er seinen Freund dann noch am Kopf getroffen habe oder am Arm, das könne er nicht mehr sagen. Er wisse jedoch, dass er das Handy weggeworfen habe und ein Messer ebenfalls. Schließlich habe es eine kleine Verfolgungsjagd gegeben, bei dem er immer wieder gehört habe, wie sein Freund rief: „Ich töte dich." Er könne sich allerdings nicht mehr daran erinnern, wie die Reifen am Fahrrad seines Freundes zerstochen werden konnten. Ebenso könne er sich nicht daran erinnern, dass ein Messer eine Rolle gespielt haben soll. „Wir sind aber weiterhin Freunde und haben uns nachher auch wieder vertragen", machte er deutlich. So ganz konnte dieser die Aussage des Angeklagten nicht bestätigen. Er sei mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren und habe dort seinen Freund und Zimmergenossen getroffen. „Wir haben dann so ein bisschen Spaß gemacht und mit dem Handy gespielt", so der junge Mann. Das sei dann kaputt gegangen. „Eigentlich wollte er mich gar nicht schlagen." An diesem Tag sei sein Freund irgendwie sauer gewesen und habe die Luft aus dem Reifen gelassen. Er habe dann die Mütze kaputt gemacht mit einem Taschenmesser. „Ich bin ein Moslem, und Moslems dürfen doch nicht lügen", gab der Angeklagte der Richterin zu verstehen. Er musste jedoch zugeben, dass „am Schluss alles ein wenig aus dem Ruder gelaufen ist". „Zwischen uns gibt es jedoch kein großes Problem", gaben beide am Schluss zu Protokoll. Daraufhin stellte die Richterin des Rahdener Amtsgerichtes in Absprache mit der Staatsanwältin das Verfahren ein. Die Kosten zahlt der Staat.

Messerstecherei entpuppt sich vor Amtsgericht Rahden als Spaß

Das Amtsgericht Rahden ist für den Nordkreis zuständig. © Joern Spreen-Ledebur

Rahden/Espelkamp. Nicht jede Verhandlung vor dem Rahdener Amtsgericht muss auch zu einem Urteil führen. Manchmal gelingt es dem Gericht, streitende Parteien zu einer gütlichen Beilegung ihres Konfliktes zu bewegen. Genau damit hatten Richterin Mothes und die Staatsanwältin bei einer Verhandlung kürzlich Erfolg.

Zu verantworten hatte sich ein junger Mann, der nach eigenen Angaben aus Algerien nach Deutschland geflüchtet war und sich jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten musste. Der Vorfall ereignete sich in der Espelkamper Innenstadt vor fast genau einem Jahr. Die von mindestens fünf Zeugen beobachtete mutmaßliche Auseinandersetzung entwickelte sich vor einem Café im westlichen Teil des Grünangers. Dabei gerieten zwei junge Männer, der Beschuldigte und ein weiterer in eine Streiterei.

Der Vorfall war von fünf Personen beobachtet worden, die alle vom Gericht als Zeugen geladen waren. Eigentlich seien sie doch Freunde, er und sein Streitgegner, beteuerte der Angeklagte immer wieder, schließlich wohnten sie ja auch in einer gemeinsamen Wohnung. Zwischen ihnen habe es nur „einen kleinen Spaß" gegeben. Er habe bemerkt, dass sein Freund an diesem Tag „nicht so ganz gut drauf gewesen" sei. Er habe ihm deshalb ein Handy gegeben, auf dem die Telefonnummer einer jungen Frau gespeichert war. Die sollte er anrufen, „so dass sie ihn ein wenig trösten kann".

Doch kamen diese Äußerungen beim Gegenüber wohl nicht ganz so gut an, wie der junge Algerier der Richterin versuchte zu erklären. Die Reaktion folgte auf dem Fuße. Das Handy wurde ihm aus der Hand geschlagen. Ob er seinen Freund dann noch am Kopf getroffen habe oder am Arm, das könne er nicht mehr sagen. Er wisse jedoch, dass er das Handy weggeworfen habe und ein Messer ebenfalls. Schließlich habe es eine kleine Verfolgungsjagd gegeben, bei dem er immer wieder gehört habe, wie sein Freund rief: „Ich töte dich."

Er könne sich allerdings nicht mehr daran erinnern, wie die Reifen am Fahrrad seines Freundes zerstochen werden konnten. Ebenso könne er sich nicht daran erinnern, dass ein Messer eine Rolle gespielt haben soll. „Wir sind aber weiterhin Freunde und haben uns nachher auch wieder vertragen", machte er deutlich. So ganz konnte dieser die Aussage des Angeklagten nicht bestätigen.

Er sei mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren und habe dort seinen Freund und Zimmergenossen getroffen. „Wir haben dann so ein bisschen Spaß gemacht und mit dem Handy gespielt", so der junge Mann. Das sei dann kaputt gegangen. „Eigentlich wollte er mich gar nicht schlagen." An diesem Tag sei sein Freund irgendwie sauer gewesen und habe die Luft aus dem Reifen gelassen. Er habe dann die Mütze kaputt gemacht mit einem Taschenmesser.

„Ich bin ein Moslem, und Moslems dürfen doch nicht lügen", gab der Angeklagte der Richterin zu verstehen. Er musste jedoch zugeben, dass „am Schluss alles ein wenig aus dem Ruder gelaufen ist". „Zwischen uns gibt es jedoch kein großes Problem", gaben beide am Schluss zu Protokoll. Daraufhin stellte die Richterin des Rahdener Amtsgerichtes in Absprache mit der Staatsanwältin das Verfahren ein. Die Kosten zahlt der Staat.

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