Bad Oeynhausen Mann greift wochenlang Frauen an - und die Polizei reagiert kaum Nicole Sielermann Bad Oeynhausen. Obszöne Beschimpfungen, Pöbeleien, Anspucken und inzwischen sogar tätliche Angriffe - seit März sorgt ein rund 50-jähriger Mann im Stadtgebiet von Bad Oeynhausen für Unruhe. Mehr als ein dutzend Mal soll er in erster Linie Frauen angegriffen haben. Auch Gesine Krusebecker wurde Opfer und zugleich Zeuge einer solchen Szene. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Passiert ist bisher nichts. Wohl auch, weil die Art der Taten nicht ausreicht, um gegen den Bad Oeynhausener vorzugehen. "Aktuell stehen unsere Ermittler in einem engen Austausch mit der Staatsanwaltschaft, um die Möglichkeiten einer Unterbringung des Mannes zu prüfen", teilt Polizei-Pressesprecher Ralf Steinmeyer auf Anfrage der NW mit. Gesine Krusebecker möchte deshalb andere Frauen sensibilisieren - und ermutigen, alle Vorfälle anzuzeigen. Erstmals berichtete die Polizei und damit auch die NW im Mai von derartigen Fällen: Ein offenbar psychisch kranker Mann hatte drei Frauen an unterschiedlichen Orten angespuckt. Der Polizei sei der Mann mittleren Alters bekannt und sie ermittele seit geraumer Zeit gegen ihn wegen gleich gelagerter Fälle, schrieb Steinmeyer in einer Pressemitteilung. So tauchte der Mann ohne eine Maske zu tragen morgens mit seinem Fahrrad an einem "Drive-In-Schalter" einer Bäckerei an der Detmolder Straße auf. Hier beugte er sich durch das Fenster und spuckte einer 44-jährigen Verkäuferin ins Gesicht. Die Frau hatte ihn zuvor auf die Maskentragepflicht hingewiesen. Zur Mittagszeit wurde ebenfalls auf der Detmolder Straße eine 61 Jahre alte Frau Opfer einer solch ekelerregenden Attacke. Hier hatte der Mann die zu Fuß auf dem Gehweg gehende Frau im Vorbeifahren angespuckt. Letztlich kam es am Abend an der Ecke Detmolder Straße/Schulstraße zum dritten Vorfall. Als eine 38-jährige Frau einen Imbiss verließ, spuckte der Radfahrer im Vorbeifahren auch dieser Frau ins Gesicht. Schon da wusste Steinmeyer: In den zurückliegenden Wochen ereigneten sich bereits mehrere derartiger Taten in der Kurstadt, die mutmaßlich auf das Konto des Mannes gehen. In einigen Fällen kam es zusätzlich zu Beleidigungen. Daher wird seitdem gegen den Mann wegen des Vorwurfs der Beleidigung und vorsätzlichen Körperverletzung ermittelt. "Wir wollten nur weg" Mittlerweile sind weitere Taten hinzugekommen. Nur einen Tag nach der Berichterstattung war Gesine Krusebecker mit einer Freundin am Jordansprudel unterwegs, als sie hinter sich wilde Beschimpfungen hörten. "Wir haben nicht reagiert, fühlten uns nicht angesprochen", erinnert sie sich. Hatte aber zugleich den Zeitungsbericht im Hinterkopf. Und tatsächlich: Der Mann kam auf seinem Fahrrad immer näher und kurvte hin und her. Dabei schlug er im Vorbeifahren der Freundin auf den Hinterkopf. "Zirka 50 Jahre alt, eventuell ein paar Jährchen älter, kurze graue Haare und nicht der durchtrainierte Typ", beschreibt Krusebecker den Angreifer. "Wir wollten nur weg", schildert sie die Situation. Auch ein Ehepaar habe die Szene beobachtet und die Polizei alarmiert. Krusebecker: "Die Polizei hat uns dann gesagt, der sei bereits bekannt und habe das häufiger gemacht." Offenbar wähle er gezielt Frauen aus. So wie jüngst am Mittwoch dieser Woche, als eine andere Freundin von Gesine Krusenbecker angegriffen wurde und dabei über den Lenker vom Rad abstieg: Rückenprellung. Auch dieser Vorfall wurde angezeigt. Ein Gespräch bei der Polizei auf Freitag terminiert. Doch das reicht Gesine Krusebecker nicht. Sie hat in den vergangenen Wochen den Kontakt zu Polizei und Staatsanwaltschaft gehalten. Die haben wenig Handhabe, musste sie erfahren. Die Taten seien nicht massiv genug. "Schon traurig. Muss er denn erst ein Messer zücken? Es ist doch wichtig, dass der Mann von der Straße kommt", findet sie. "Ich habe nie Angst gehabt - aber durch diese Vorfälle gehe ich mit einem mulmigen Gefühl durch die Stadt", gibt sie zu. 13 Taten in Kurpark und Südstadt 13 Taten verzeichnet die Staatsanwaltschaft Bielefeld inzwischen. "Diverse Beleidigungen, zwei körperliche Angriffe und den aktuellen Angriff von Mittwoch", zählen seit März laut Sprecher Moritz Kutkuhn dazu. Meistens in der Südstadt und im Kurpark. Und immer vom Fahrrad aus. "Daraus haben wir ein großes Paket geschnürt", berichtet der Staatsanwalt. Er ist zuversichtlich, dass der jüngste Angriff nun vielleicht dazu führt, dass die Behörden tätig werden können. Es gebe, so Kutkuhn, grundsätzlich zwei Wege. Zum einen die Untersuchungshaft, zum anderen eine Einweisung in die Psychiatrie. Für eine U-Haft aber seien die Taten unverhältnismäßig. "Die kommt eher bei sexuellem Missbrauch, Einbruch oder schweren Körperverletzungen zum Einsatz." Für eine Einweisung sind dann wiederum Stadt und Polizei zuständig, eine solche geht aber nur bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung. Das städtische Ordnungsamt hat bisher kein besonderes Augenmerk in diesem Fall auf bestimmte Bereiche oder Personen. "Uns sind die Vorfälle derzeit nicht bekannt", erklärte Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich auf Nachfrage der NW. Gesine Krusebecker möchte nun endlich Taten sehen. Sicherheit vor dem laut Polizei offenbar psychisch gestörten Mann haben - so wie alle anderen Frauen der Stadt auch. "Was wird einem denn für ein Gefühl vermittelt, wenn plötzlich jemand in der Fußgängerzone oder im Kurpark rumpöbelt und sogar Frauen tätlich angreift?" Die polizeibekannten Vorfälle seien bestimmt nicht alle: "Da gibt es garantiert eine Dunkelziffer", vermutet die Bad Oeynhausenerin. Sie ist nahezu fassungslos, als sie hörte, weshalb der jüngste Vorfall nun eine Veränderung bringen könnte: "Weil es unter gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr fällt - und nicht weil er die Frau verletzt hat." Tipps der Polizei Solange der polizeibekannte Mann weiterhin in der Stadt unterwegs ist, gibt das in Bad Oeynhausen ansässige Kommissariats für Vorbeugung und Opferschutz folgende Tipps: Soweit möglich nicht auf die Beleidigungen, das Anspucken reagieren, obwohl letzteres besonders ekelerregend ist. Ein direktes Gespräch mit dem Täter sollte vermieden werden. Kommt ein körperlicher Angriff hinzu, sollten andere Menschen/Passanten durch Rufen auf die Situation aufmerksam gemacht werden. Es sollte sofort die Polizei per Notruf 110 alarmiert werden. Dabei sind eine Täterbeschreibung und die Fluchtrichtung für unsere Einsatzkräfte wichtig. Jeder Vorfall sollte direkt zur Anzeige gebracht werden, rät die Polizei.
Bad Oeynhausen

Mann greift wochenlang Frauen an - und die Polizei reagiert kaum

Das Symbolbild zeigt eine Frau, die alleine im Park unterwegs ist. Der Angreifer ist aber durchaus tagsüber unterwegs und stört sich auch nicht an anderen Menschen drumherum. © Lino Mirgeler

Bad Oeynhausen. Obszöne Beschimpfungen, Pöbeleien, Anspucken und inzwischen sogar tätliche Angriffe - seit März sorgt ein rund 50-jähriger Mann im Stadtgebiet von Bad Oeynhausen für Unruhe. Mehr als ein dutzend Mal soll er in erster Linie Frauen angegriffen haben.

Auch Gesine Krusebecker wurde Opfer und zugleich Zeuge einer solchen Szene. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Passiert ist bisher nichts. Wohl auch, weil die Art der Taten nicht ausreicht, um gegen den Bad Oeynhausener vorzugehen. "Aktuell stehen unsere Ermittler in einem engen Austausch mit der Staatsanwaltschaft, um die Möglichkeiten einer Unterbringung des Mannes zu prüfen", teilt Polizei-Pressesprecher Ralf Steinmeyer auf Anfrage der NW mit. Gesine Krusebecker möchte deshalb andere Frauen sensibilisieren - und ermutigen, alle Vorfälle anzuzeigen.

Erstmals berichtete die Polizei und damit auch die NW im Mai von derartigen Fällen: Ein offenbar psychisch kranker Mann hatte drei Frauen an unterschiedlichen Orten angespuckt. Der Polizei sei der Mann mittleren Alters bekannt und sie ermittele seit geraumer Zeit gegen ihn wegen gleich gelagerter Fälle, schrieb Steinmeyer in einer Pressemitteilung.

So tauchte der Mann ohne eine Maske zu tragen morgens mit seinem Fahrrad an einem "Drive-In-Schalter" einer Bäckerei an der Detmolder Straße auf. Hier beugte er sich durch das Fenster und spuckte einer 44-jährigen Verkäuferin ins Gesicht. Die Frau hatte ihn zuvor auf die Maskentragepflicht hingewiesen.

Zur Mittagszeit wurde ebenfalls auf der Detmolder Straße eine 61 Jahre alte Frau Opfer einer solch ekelerregenden Attacke. Hier hatte der Mann die zu Fuß auf dem Gehweg gehende Frau im Vorbeifahren angespuckt. Letztlich kam es am Abend an der Ecke Detmolder Straße/Schulstraße zum dritten Vorfall.

Als eine 38-jährige Frau einen Imbiss verließ, spuckte der Radfahrer im Vorbeifahren auch dieser Frau ins Gesicht. Schon da wusste Steinmeyer: In den zurückliegenden Wochen ereigneten sich bereits mehrere derartiger Taten in der Kurstadt, die mutmaßlich auf das Konto des Mannes gehen. In einigen Fällen kam es zusätzlich zu Beleidigungen. Daher wird seitdem gegen den Mann wegen des Vorwurfs der Beleidigung und vorsätzlichen Körperverletzung ermittelt.

"Wir wollten nur weg"

Mittlerweile sind weitere Taten hinzugekommen. Nur einen Tag nach der Berichterstattung war Gesine Krusebecker mit einer Freundin am Jordansprudel unterwegs, als sie hinter sich wilde Beschimpfungen hörten. "Wir haben nicht reagiert, fühlten uns nicht angesprochen", erinnert sie sich. Hatte aber zugleich den Zeitungsbericht im Hinterkopf. Und tatsächlich: Der Mann kam auf seinem Fahrrad immer näher und kurvte hin und her. Dabei schlug er im Vorbeifahren der Freundin auf den Hinterkopf.

"Zirka 50 Jahre alt, eventuell ein paar Jährchen älter, kurze graue Haare und nicht der durchtrainierte Typ", beschreibt Krusebecker den Angreifer. "Wir wollten nur weg", schildert sie die Situation. Auch ein Ehepaar habe die Szene beobachtet und die Polizei alarmiert. Krusebecker: "Die Polizei hat uns dann gesagt, der sei bereits bekannt und habe das häufiger gemacht." Offenbar wähle er gezielt Frauen aus.

So wie jüngst am Mittwoch dieser Woche, als eine andere Freundin von Gesine Krusenbecker angegriffen wurde und dabei über den Lenker vom Rad abstieg: Rückenprellung. Auch dieser Vorfall wurde angezeigt. Ein Gespräch bei der Polizei auf Freitag terminiert. Doch das reicht Gesine Krusebecker nicht.

Sie hat in den vergangenen Wochen den Kontakt zu Polizei und Staatsanwaltschaft gehalten. Die haben wenig Handhabe, musste sie erfahren. Die Taten seien nicht massiv genug. "Schon traurig. Muss er denn erst ein Messer zücken? Es ist doch wichtig, dass der Mann von der Straße kommt", findet sie. "Ich habe nie Angst gehabt - aber durch diese Vorfälle gehe ich mit einem mulmigen Gefühl durch die Stadt", gibt sie zu.

13 Taten in Kurpark und Südstadt

13 Taten verzeichnet die Staatsanwaltschaft Bielefeld inzwischen. "Diverse Beleidigungen, zwei körperliche Angriffe und den aktuellen Angriff von Mittwoch", zählen seit März laut Sprecher Moritz Kutkuhn dazu. Meistens in der Südstadt und im Kurpark. Und immer vom Fahrrad aus. "Daraus haben wir ein großes Paket geschnürt", berichtet der Staatsanwalt.

Er ist zuversichtlich, dass der jüngste Angriff nun vielleicht dazu führt, dass die Behörden tätig werden können. Es gebe, so Kutkuhn, grundsätzlich zwei Wege. Zum einen die Untersuchungshaft, zum anderen eine Einweisung in die Psychiatrie. Für eine U-Haft aber seien die Taten unverhältnismäßig. "Die kommt eher bei sexuellem Missbrauch, Einbruch oder schweren Körperverletzungen zum Einsatz."

Für eine Einweisung sind dann wiederum Stadt und Polizei zuständig, eine solche geht aber nur bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung. Das städtische Ordnungsamt hat bisher kein besonderes Augenmerk in diesem Fall auf bestimmte Bereiche oder Personen. "Uns sind die Vorfälle derzeit nicht bekannt", erklärte Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich auf Nachfrage der NW.

Gesine Krusebecker möchte nun endlich Taten sehen. Sicherheit vor dem laut Polizei offenbar psychisch gestörten Mann haben - so wie alle anderen Frauen der Stadt auch. "Was wird einem denn für ein Gefühl vermittelt, wenn plötzlich jemand in der Fußgängerzone oder im Kurpark rumpöbelt und sogar Frauen tätlich angreift?" Die polizeibekannten Vorfälle seien bestimmt nicht alle: "Da gibt es garantiert eine Dunkelziffer", vermutet die Bad Oeynhausenerin.

Sie ist nahezu fassungslos, als sie hörte, weshalb der jüngste Vorfall nun eine Veränderung bringen könnte: "Weil es unter gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr fällt - und nicht weil er die Frau verletzt hat."

Tipps der Polizei

Solange der polizeibekannte Mann weiterhin in der Stadt unterwegs ist, gibt das in Bad Oeynhausen ansässige Kommissariats für Vorbeugung und Opferschutz folgende Tipps: Soweit möglich nicht auf die Beleidigungen, das Anspucken reagieren, obwohl letzteres besonders ekelerregend ist. Ein direktes Gespräch mit dem Täter sollte vermieden werden. Kommt ein körperlicher Angriff hinzu, sollten andere Menschen/Passanten durch Rufen auf die Situation aufmerksam gemacht werden. Es sollte sofort die Polizei per Notruf 110 alarmiert werden. Dabei sind eine Täterbeschreibung und die Fluchtrichtung für unsere Einsatzkräfte wichtig. Jeder Vorfall sollte direkt zur Anzeige gebracht werden, rät die Polizei.

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