"M1" soll ein unverzichtbarer Helfer werden Bielefelder Forscher arbeiten an einem lernenden und flexibel reagierenden Roboter mit einem weiten Betätigungsfeld Von Matthias Benirschke Bielefeld (lnw). Noch steht "M1" etwas verloren in der Laborwohnung herum, der Sensorkopf lässt scheinbar stoisch das Blitzlicht-Gewitter über sich ergehen. Später soll er einmal unverzichtbar für Hilfsbedürftige sein, hoffen Forscher. Noch zwei Jahrzehnte könnte es dauern, bis der Roboter ein nützlicher, robuster und selbstverständlicher Helfer im Alltag sein wird, schätzt Helge Ritter. "Das wird auch davon abhängen, wie viel Geld große Unternehmen in die Entwicklung stecken", sagt der Professor von der Bielefelder Universität.Neben ihm steht ein etwas unförmiger Roboter auf Rädern und hält einen Apfel. Das ist noch nicht sehr beeindruckend. Wenn die Forscher aber mit ihm fertig sind, soll er ein unverzichtbarer Helfer sein.Bis 2017 stehen den Forschern des Exzellenzclusters Kognitive Interaktionstechnologie (Citec) dafür 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Der von einer US-Firma hergestellte Roboter "Meka Mobile Manipulator M1" kostet allein 290000 Euro und ist das Herzstück des Projekts. Er trat gestern seinen Dienst in der Laborwohnung des Citec an.In den kommenden Monaten werden Techniker das Appartement mit Sensoren, Kameras und Mikrofonen ausstatten, sagt Ritter. Der Roboter ist wiederum mit dem Steuerungssystem der Wohnung vernetzt. Sensoren sollen auch im Fußboden der Wohnung angebracht werden, um etwa einen am Boden liegenden Menschen zu erkennen und Hilfe zu rufen. "Unsere Forschung zielt auch darauf, älteren Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen." Hier eröffnet sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ein weites Einsatzfeld: immer mehr alte, pflegebedürftige Menschen, zugleich ein sich rasch verschärfender Mangel an Pflegekräften.Training anhand echter AlltagssituationenDie Bielefelder Forscher haben sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, einen lernenden und flexibel reagierenden Roboter zu entwickeln. "Einzigartig an unserem intelligenten Appartement ist, dass es anhand von echten und spontanen Alltagssituationen trainiert wird", sagt Projektleiterin Britta Wrede.In der 60 Quadratmeter großen Laborwohnung wird zwar niemand wohnen. Hier sollen sich aber Studenten und Forscherteams zu Besprechungen treffen, Besucher empfangen werden. Die Wohnung und der Butler sollen dann selbst erkennen, was zu tun ist: Getränke reichen, so viele Stühle bereitstellen, wie Besucher da sind, die Heizung etwas runterregeln, lauter sprechen.Der Roboter lernt Deutsch. Daran arbeiten Logopäden mit. Er soll Emotionen ausdrücken und verstehen können. Psychologen sollen ihm das beibringen. So könnte er, wenn er einen Befehl nicht verstanden hat, einen fragenden Gesichtsausdruck aufsetzen. "Der Gesichtsausdruck ist sehr wichtig", sagt Wrede. Selbst wenn der Roboter nur die Mimik des Menschen spiegele, habe das große Auswirkungen. "Der Mensch findet den Roboter dann gleich viel netter und intelligenter."Datenschutz ein ProblemEin Problem des grenzenlosen Austauschs von Informationen ist der Datenschutz. Totale Erfassung des Alltags ist eben auch totale Überwachung. "Wie bei vielen Technologien gibt es auch hier die ,Dual-use-Problematik`", räumt Ritter ein. "Der Datenaustausch muss viel transparenter werden. Und vielleicht müssen wir auf manche technisch machbare Bequemlichkeit verzichten, um unsere Daten zu schützen."Er hoffe auf die Generation, die mit der digitalen Welt aufwachse, sagt Ritter. "Wir müssen alle lernen, damit umzugehen." Für Ritter ist es eine Technologie mit ungeheurem Potenzial. "Und irgendwann werden wir uns im Alltag entscheiden müssen: "Zweitwagen oder Roboter-Butler."

"M1" soll ein unverzichtbarer Helfer werden

Bielefeld (lnw). Noch steht "M1" etwas verloren in der Laborwohnung herum, der Sensorkopf lässt scheinbar stoisch das Blitzlicht-Gewitter über sich ergehen. Später soll er einmal unverzichtbar für Hilfsbedürftige sein, hoffen Forscher.

Britta Wrege und Helge Ritter von der Universität Bielefeld zeigen "M1". - © Foto: dpa
Britta Wrege und Helge Ritter von der Universität Bielefeld zeigen "M1". - © Foto: dpa

Noch zwei Jahrzehnte könnte es dauern, bis der Roboter ein nützlicher, robuster und selbstverständlicher Helfer im Alltag sein wird, schätzt Helge Ritter. "Das wird auch davon abhängen, wie viel Geld große Unternehmen in die Entwicklung stecken", sagt der Professor von der Bielefelder Universität.

Neben ihm steht ein etwas unförmiger Roboter auf Rädern und hält einen Apfel. Das ist noch nicht sehr beeindruckend. Wenn die Forscher aber mit ihm fertig sind, soll er ein unverzichtbarer Helfer sein.

Bis 2017 stehen den Forschern des Exzellenzclusters Kognitive Interaktionstechnologie (Citec) dafür 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Der von einer US-Firma hergestellte Roboter "Meka Mobile Manipulator M1" kostet allein 290000 Euro und ist das Herzstück des Projekts. Er trat gestern seinen Dienst in der Laborwohnung des Citec an.

In den kommenden Monaten werden Techniker das Appartement mit Sensoren, Kameras und Mikrofonen ausstatten, sagt Ritter. Der Roboter ist wiederum mit dem Steuerungssystem der Wohnung vernetzt. Sensoren sollen auch im Fußboden der Wohnung angebracht werden, um etwa einen am Boden liegenden Menschen zu erkennen und Hilfe zu rufen. "Unsere Forschung zielt auch darauf, älteren Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen." Hier eröffnet sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ein weites Einsatzfeld: immer mehr alte, pflegebedürftige Menschen, zugleich ein sich rasch verschärfender Mangel an Pflegekräften.

Training anhand echter Alltagssituationen

Die Bielefelder Forscher haben sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, einen lernenden und flexibel reagierenden Roboter zu entwickeln. "Einzigartig an unserem intelligenten Appartement ist, dass es anhand von echten und spontanen Alltagssituationen trainiert wird", sagt Projektleiterin Britta Wrede.

In der 60 Quadratmeter großen Laborwohnung wird zwar niemand wohnen. Hier sollen sich aber Studenten und Forscherteams zu Besprechungen treffen, Besucher empfangen werden. Die Wohnung und der Butler sollen dann selbst erkennen, was zu tun ist: Getränke reichen, so viele Stühle bereitstellen, wie Besucher da sind, die Heizung etwas runterregeln, lauter sprechen.

Der Roboter lernt Deutsch. Daran arbeiten Logopäden mit. Er soll Emotionen ausdrücken und verstehen können. Psychologen sollen ihm das beibringen. So könnte er, wenn er einen Befehl nicht verstanden hat, einen fragenden Gesichtsausdruck aufsetzen. "Der Gesichtsausdruck ist sehr wichtig", sagt Wrede. Selbst wenn der Roboter nur die Mimik des Menschen spiegele, habe das große Auswirkungen. "Der Mensch findet den Roboter dann gleich viel netter und intelligenter."

Datenschutz ein Problem

Ein Problem des grenzenlosen Austauschs von Informationen ist der Datenschutz. Totale Erfassung des Alltags ist eben auch totale Überwachung. "Wie bei vielen Technologien gibt es auch hier die ,Dual-use-Problematik`", räumt Ritter ein. "Der Datenaustausch muss viel transparenter werden. Und vielleicht müssen wir auf manche technisch machbare Bequemlichkeit verzichten, um unsere Daten zu schützen."

Er hoffe auf die Generation, die mit der digitalen Welt aufwachse, sagt Ritter. "Wir müssen alle lernen, damit umzugehen." Für Ritter ist es eine Technologie mit ungeheurem Potenzial. "Und irgendwann werden wir uns im Alltag entscheiden müssen: "Zweitwagen oder Roboter-Butler."

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