Lieferservice für Luxusautos: Ex-AfD-Berater wegen Betrugs angeklagt Ulf Hanke Bad Oeynhausen. Man muss sich den angeklagten Geschäftsmann als Problemlöser vorstellen. In der Welt der Reichen und Schönen gibt es offenbar Schwierigkeiten, von denen Normalsterbliche nichts ahnen. Da muss zum Beispiel das neue Auto eines Fußballstars ohne größeres Aufsehen von A nach B transportiert werden. Der 41-Jährige hat deshalb einen Lieferservice für Luxusautos aufgebaut: blickdichter Hänger auf, Auto rein. Dafür hat er jedoch keine Firma gegründet, sondern wohl eine Pleitefirma aus Bad Oeynhausen umgebaut. Oder vielmehr über Strohleute umbauen lassen. Davon ist zumindest die Staatsanwaltschaft Bielefeld überzeugt. Ausgerechnet beim Kauf des nagelneuen Fahrzeugtransport-Anhängers soll der Geschäftsmann laut Anklage selbst betrogen haben. Der 41-Jährige muss sich deshalb seit Dienstag vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen verantworten. Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft ihm versuchten Kreditbetrug und Insolvenzverschleppung vor. Die Staatsanwaltschaft sieht das so: Der Mann aus Berlin hat mit Mantelfirmen betrügerische Geschäfte gemacht. Neben dem Geschäftsmann sitzt die ehemalige Geschäftsführerin der inzwischen insolventen Pleitefirma aus Bad Oeynhausen. Die 31-jährige ehemalige „Miss OWL" gibt sich ahnungslos, schaut die meiste Zeit an die Decke des schmucklosen Gerichtssaals oder auf ihre Fingernägel und sagt: „Ich habe manchmal unterzeichnet." Diese Arglosigkeit schützt aber wohl nicht vor Strafe. Wie sich herausstellt, hat sie zwei Darlehnverträge mit der offenbar betrogenen Mittelrheinischen Bank unterzeichnet. Den ersten für den Anhänger, den zweiten für einen Leasingvertrag über den Audi TTS des Geschäftsmanns aus Berlin. Der Staatsanwalt nimmt ihr die Ahnungslosigkeit zwar ab, sagt aber: „Sie haben verantwortlich gezeichnet, obwohl sie es nicht waren." Der angeklagte Geschäftsmann aus Berlin ist einer größeren Öffentlichkeit zuletzt als „Politiknetzwerker" und Berater von Alice Weidel, der Fraktionsvorsitzenden und Spitzenkandidatin der AfD im Bundestagswahlkampf, vorgestellt worden. Das Verhältnis zu der Politikerin ist inzwischen offenbar stark abgekühlt. Der Geschäftsmann selbst spricht von einem „Disput". Man habe sich distanziert. „Details können Sie der Presse entnehmen." Überhaupt sei er seit 2019 von der Politikberatung weg und konzentriere sich jetzt voll auf das Geschäftsfeld Fahrzeugtransport. Inzwischen besitze er 22 Anhänger der Firma Moentefindt, erklärt er dem Gericht. Allein zwei davon stünden in Bad Oeynhausen zur Wartung. „Und alle sind bezahlt." Nur eben dieser eine Anhänger nicht. Laut Anklage liegt die Sache inzwischen sieben Jahre zurück. Im April 2014 soll die Pleitefirma aus Bad Oeynhausen den Hänger gekauft, aber nur angezahlt haben. Von 19.040 Euro seien nur 9.040 Euro überwiesen worden. Trotzdem hat der Geschäftsmann den Anhänger bekommen, weil er persönlich bei Moentefindt in Buchholz vorstellig wurde. Der Kreditbank legte er offenbar einen falschen Überweisungsbeleg vor, wonach das Geld längst überwiesen worden war. War es aber nicht. Die angebliche Terminüberweisung hat es nicht gegeben. Der Angeklagte bestreitet das nicht, erklärt es aber ganz anders. Seine damalige Geschäftspartnerin, nicht die Mitangeklagte, habe den Anhänger bar bezahlen wollen und sich deshalb 10.000 Euro vom Firmenkonto abheben lassen und zur Anhänger-Firma mitgenommen. Während der Angeklagte im Auto wartete, habe die Frau im Firmenbüro das Geschäft abgeschlossen. Mit dieser damaligen Geschäftspartnerin liegt der Angeklagte inzwischen über Kreuz. Der ehemalige Politikberater lässt sich durch einen Rechtsanwalt verteidigen, der im Insolvenzverfahren auch für die Geschäftsführerin der Pleitefirma tätig war. In den Augen des Staatsanwalts ist das ein Problem, der Prozess droht zu platzen. Doch dann einigen sich die Juristen hinter verschlossenen Türen: Die Insolvenzverschleppung wird zunächst ausgeklammert. Trotzdem steht der Vorwurf weiter im Raum, als der zweite ehemalige Geschäftsführer in den Zeugenstand gerufen wird: ein Staplerfahrer aus Löhne, der später von Amts wegen aus dem Handelsregister als Geschäftsführer gelöscht wurde. Offenbar ist der Mann schwer alkoholkrank. Die ehemalige Geschäftsführerin will sich selbst keinen Verteidiger nehmen, erklärt sie dem Gericht. Sie sei 31-jährige alleinerziehende Mutter, da sei es schwer das Geld aufzubringen. Die Verhandlung soll am 15. November mit weiteren Zeugen fortgesetzt werden.

Lieferservice für Luxusautos: Ex-AfD-Berater wegen Betrugs angeklagt

Ein ehemaliger Politikberater von AfD-Fraktionschefin Alice Weidel ist in Bad Oeynhausen angeklagt. Es geht um dubiose Kredite für Fahrzeuge. © Symbolbild: Pixabay

Bad Oeynhausen. Man muss sich den angeklagten Geschäftsmann als Problemlöser vorstellen. In der Welt der Reichen und Schönen gibt es offenbar Schwierigkeiten, von denen Normalsterbliche nichts ahnen. Da muss zum Beispiel das neue Auto eines Fußballstars ohne größeres Aufsehen von A nach B transportiert werden.

Der 41-Jährige hat deshalb einen Lieferservice für Luxusautos aufgebaut: blickdichter Hänger auf, Auto rein. Dafür hat er jedoch keine Firma gegründet, sondern wohl eine Pleitefirma aus Bad Oeynhausen umgebaut. Oder vielmehr über Strohleute umbauen lassen. Davon ist zumindest die Staatsanwaltschaft Bielefeld überzeugt.

Ausgerechnet beim Kauf des nagelneuen Fahrzeugtransport-Anhängers soll der Geschäftsmann laut Anklage selbst betrogen haben. Der 41-Jährige muss sich deshalb seit Dienstag vorm Amtsgericht Bad Oeynhausen verantworten. Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft ihm versuchten Kreditbetrug und Insolvenzverschleppung vor. Die Staatsanwaltschaft sieht das so: Der Mann aus Berlin hat mit Mantelfirmen betrügerische Geschäfte gemacht.

Neben dem Geschäftsmann sitzt die ehemalige Geschäftsführerin der inzwischen insolventen Pleitefirma aus Bad Oeynhausen. Die 31-jährige ehemalige „Miss OWL" gibt sich ahnungslos, schaut die meiste Zeit an die Decke des schmucklosen Gerichtssaals oder auf ihre Fingernägel und sagt: „Ich habe manchmal unterzeichnet." Diese Arglosigkeit schützt aber wohl nicht vor Strafe.

Wie sich herausstellt, hat sie zwei Darlehnverträge mit der offenbar betrogenen Mittelrheinischen Bank unterzeichnet. Den ersten für den Anhänger, den zweiten für einen Leasingvertrag über den Audi TTS des Geschäftsmanns aus Berlin. Der Staatsanwalt nimmt ihr die Ahnungslosigkeit zwar ab, sagt aber: „Sie haben verantwortlich gezeichnet, obwohl sie es nicht waren."

Der angeklagte Geschäftsmann aus Berlin ist einer größeren Öffentlichkeit zuletzt als „Politiknetzwerker" und Berater von Alice Weidel, der Fraktionsvorsitzenden und Spitzenkandidatin der AfD im Bundestagswahlkampf, vorgestellt worden. Das Verhältnis zu der Politikerin ist inzwischen offenbar stark abgekühlt. Der Geschäftsmann selbst spricht von einem „Disput". Man habe sich distanziert. „Details können Sie der Presse entnehmen."

Überhaupt sei er seit 2019 von der Politikberatung weg und konzentriere sich jetzt voll auf das Geschäftsfeld Fahrzeugtransport. Inzwischen besitze er 22 Anhänger der Firma Moentefindt, erklärt er dem Gericht. Allein zwei davon stünden in Bad Oeynhausen zur Wartung. „Und alle sind bezahlt."

Nur eben dieser eine Anhänger nicht. Laut Anklage liegt die Sache inzwischen sieben Jahre zurück. Im April 2014 soll die Pleitefirma aus Bad Oeynhausen den Hänger gekauft, aber nur angezahlt haben. Von 19.040 Euro seien nur 9.040 Euro überwiesen worden. Trotzdem hat der Geschäftsmann den Anhänger bekommen, weil er persönlich bei Moentefindt in Buchholz vorstellig wurde. Der Kreditbank legte er offenbar einen falschen Überweisungsbeleg vor, wonach das Geld längst überwiesen worden war. War es aber nicht. Die angebliche Terminüberweisung hat es nicht gegeben.

Der Angeklagte bestreitet das nicht, erklärt es aber ganz anders. Seine damalige Geschäftspartnerin, nicht die Mitangeklagte, habe den Anhänger bar bezahlen wollen und sich deshalb 10.000 Euro vom Firmenkonto abheben lassen und zur Anhänger-Firma mitgenommen. Während der Angeklagte im Auto wartete, habe die Frau im Firmenbüro das Geschäft abgeschlossen. Mit dieser damaligen Geschäftspartnerin liegt der Angeklagte inzwischen über Kreuz.

Der ehemalige Politikberater lässt sich durch einen Rechtsanwalt verteidigen, der im Insolvenzverfahren auch für die Geschäftsführerin der Pleitefirma tätig war. In den Augen des Staatsanwalts ist das ein Problem, der Prozess droht zu platzen. Doch dann einigen sich die Juristen hinter verschlossenen Türen: Die Insolvenzverschleppung wird zunächst ausgeklammert.

Trotzdem steht der Vorwurf weiter im Raum, als der zweite ehemalige Geschäftsführer in den Zeugenstand gerufen wird: ein Staplerfahrer aus Löhne, der später von Amts wegen aus dem Handelsregister als Geschäftsführer gelöscht wurde. Offenbar ist der Mann schwer alkoholkrank.

Die ehemalige Geschäftsführerin will sich selbst keinen Verteidiger nehmen, erklärt sie dem Gericht. Sie sei 31-jährige alleinerziehende Mutter, da sei es schwer das Geld aufzubringen.

Die Verhandlung soll am 15. November mit weiteren Zeugen fortgesetzt werden.

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